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Windows Live® Suchergebnisse Englische Kunst und ArchitekturEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Englische Kunst bis 1066; Norman Style (1066-1190); Gotik (1175-1560); Tudor Style und Elizabethan Style (1485-1610); Barock (1610-1720); Georgian Style (1720-1820); Gothic Revival (1820-1840); Victorian Style (1840-1900); Arts and Crafts und Modern Style (1888-1910); Moderne
Englische Kunst und Architektur, die Kunst und Architektur auf dem Gebiet des heutigen Großbritannien. Die folgende Darstellung konzentriert sich nach einem Überblick über frühere Epochen auf die Geschichte der Kunst nach der normannischen Eroberung Englands im Jahr 1066. Die Einteilung der europäischen Kunstgeschichte in Stilepochen wie Romanik, Gotik, Renaissance, Barock etc. ist prinzipiell auch auf die englische Kunst übertragbar, doch fallen auch nationale Eigentümlichkeiten und erhebliche Abweichungen von der kontinentalen Kunstentwicklung auf. Die englische Kunstgeschichte bevorzugt daher eigene Epochenbezeichnungen, die sich zumeist an den Namen der Monarchen oder Herrscherhäuser orientieren (Elizabethan Style, Queen Anne Style etc.). Als typisch für die englische Architektur gilt dem Kunsthistoriker Werner Schäfke in Anlehnung an Dagobert Frey und Nikolaus Pevsner eine Vorliebe für die Rechteckform – z. B. bei den Westfassaden der Kirchen und den Kirchtürmen, die häufig ohne Haube blieben – sowie die Reihung in der Horizontalen und überhaupt die Betonung der Horizontalen, die mit dem Streben der kontinentalen Baukunst in die Vertikale kontrastiert. Auch Kreisformen waren beliebt, was sich von Stonehenge über die häufig ringförmigen Stadtanlagen („Circus”) bis zur modernen katholischen Kathedrale von Liverpool (1962-1967) von Frederick Gibberd verfolgen lässt und mit einem sozialen Bedürfnis nach Gleichberechtigung (eine kreisförmige Reihung besitzt keine herausragende Stelle) in Verbindung zu stehen scheint. In diesem Zusammenhang steht auch ein Hang zum Zentralbau, der sich in den angebauten Kapitelhäusern englischer Kirchen zeigt und der in der Gotik nur in England ausgeprägt war.
Die Britischen Inseln gehörten während der Steinzeit zum Westeuropäischen Kulturkreis, für den Megalithbauten wie Dolmen oder Menhire charakteristisch sind. Zu den bedeutendsten prähistorischen Kultstätten und Bauwerken Europas zählen die Steinkreise von Stonehenge und Avebury. Die Steinzeit dauerte in Britannien bis etwa 1800 v. Chr. (siehe paläolithische Kunst, mesolithische Kunst, neolithische Kunst). Während des Übergangs zur Bronzezeit breitete sich die Glockenbecherkultur aus, während der späten Bronzezeit die Urnenfelderkultur. Im 1. Jahrtausend v. Chr. besiedelten die Kelten England; mit ihnen verbreitete sich die keltische Kunst und später die La-Tène-Kultur, die sich im britischen Spät-La-Tène-Stil noch mit römischen Stilelementen vermischte. Im Jahr 43 n. Chr. wurde England zur römischen Kolonie Britannia ernannt (siehe Britannien (Frühgeschichte)). Zu den Baudenkmälern aus römischer Zeit (siehe römische Kunst und Architektur) zählen neben zahlreichen Landhäusern vor allem der Hadrianswall und der Antoniuswall. Während der Zeit der germanischen Völkerwanderung fielen in der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts die Angeln und Sachsen (Angelsachsen) in Großbritannien ein. Nach 600 wurden die Britischen Inseln christianisiert. Die angelsächsische Kunst und Architektur brachte in der Buchmalerei bedeutende Werke hervor. In der Architektur herrschte der Holzbau vor, doch entstanden in römischer Mauertechnik auch zunehmend Steinbauten. In den beiden Jahrhunderten (etwa 800-1050) vor der normannischen Eroberung Englands hinterließ die Wikingerkultur ihre Spuren, vor allem in der Steinplastik (Steinkreuze). Zu den Stilmerkmalen der späten angelsächsischen Baukunst zählt die Nachahmung des Fachwerkbaus im Steinbau (Steinfachwerk oder long-and-short-work) – z. B. an der Kirche in Earls Barton im 10./11. Jahrhundert –, insbesondere aber der seit dem 10. Jahrhundert verbreitete schmale und hohe Turm mit Rundbogenfenstern, wie er in der kontinentaleuropäischen Romanik erst später entstand. Diese Stilphase wird als angelsächsische Frühromanik bezeichnet.
Der kontinentaleuropäischen Epochenbezeichnung Romanik entspricht in der englischen Kunstgeschichte die Bezeichnung Norman Style (Normannischer Stil). Nach der normannischen Eroberung Englands im Jahr 1066 (dargestellt auf dem Teppich von Bayeux) und den damit einhergehenden Zerstörungen durch die Eroberer entfaltete sich eine rege Bautätigkeit, die zahlreiche neue Kathedralen und Abteikirchen hervorbrachte. Der normannische Baustil Englands war stark von der Baukunst der Normandie beeinflusst. Noch vor 1066, aber schon unter normannischem Einfluss, wurde in London etwa von 1050 bis 1065 Westminster Abbey neu errichtet. Die bedeutendsten englischen Kathedralen des normannischen Stils stehen in Canterbury (begonnen um 1070), Saint Albans (begonnen um 1080), Ely (begonnen um 1083), Gloucester (begonnen um 1089), Durham (1093-1133), Norwich (begonnen um 1096), Peterborough (begonnen um 1118), Rochester (Mitte des 12. Jahrhunderts) und Oxford (begonnen um 1180). Der übliche Bautyp war die Basilika. Charakteristisch für die englischen Kathedralen des normannischen Stils sind sehr lange Mittelschiffe (das der Kathedrale von Ely misst 163 Meter), von zwei Türmen flankierte Westfassaden und ein Turm über der Vierung sowie mächtige Chöre. Der Wandaufbau des Inneren ist im Mittelschiff durch Arkaden und Emporen bestimmt. Die meisten Kirchen besaßen eine flache, teilweise bemalte Holzdecke. Im Chor der Kathedrale von Durham wurde kurz vor 1100 erstmals in der Kunstgeschichte ein Kreuzrippengewölbe (siehe Bogen und Gewölbe) gebaut, das wegweisend auf die gotische Baukunst wirkte. Der reiche plastische Schmuck war in der Regel nur an den Portalen figürlich, ansonsten herrschten geometrische Formen vor. In den meisten englischen Kathedralen finden sich heute noch normannische Bauteile. An Profanbauten der normannischen Zeit haben sich vor allem die zahlreichen Burganlagen erhalten, für die Wohntürme (Keeps) nach dem Vorbild der französischen Donjons (siehe Bergfried) charakteristisch sind. Beispiele sind der älteste, von 1078 bis 1097 errichtete Teil des Tower von London (der White Tower) sowie die Burgen von Norwich, Rochester und Newcastle. Die hoch entwickelte irisch-angelsächsische Buchmalerei wurde, byzantinische und italienische Einflüsse verarbeitend, während der normannischen Zeit weiter gepflegt und als Opus Anglicanum in ganz Europa geschätzt. Bedeutende Zentren waren vor allem die Abteien von Saint Albans, Bury Saint Edmunds, Canterbury, Winchester und York. Die Buchmalerei wirkte stilbildend auch auf die englische Bauplastik. Von der romanischen Wandmalerei sind nur sehr wenige Werke erhalten, darunter jene in der Anselmkapelle der Kathedrale von Canterbury. Die plastische Kleinkunst entfaltete sich vorwiegend in der Elfenbeinschnitzerei und in der Goldschmiedekunst.
Anders als in Frankreich oder Deutschland legt die englische Kunstgeschichte großen Wert auf die Unterscheidung von drei Epochenstufen des Early English Style, Decorated Style und Perpendicular Style innerhalb der Gotik. Der Early English Style entspricht zeitlich ungefähr der französischen Hochgotik und der staufischen Romanik sowie der Frühgotik in Deutschland, der Decorated Style dem französischen Style Rayonnante und der deutschen Hochgotik, der Perpendicular Style dem französischen Flamboyantstil und der deutschen Spät- und Sondergotik. Anders als auf dem Kontinent hatte der englische Spätstil des Perpendicular eine lange Nachwirkung bis ins 17. Jahrhundert, als Gothic Revival (Neugotik) sogar bis ins 19. Jahrhundert. Für den Übergangsstil zwischen dem normannischen Baustil und dem Early English Style, der in die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts fällt, hat sich auch der Begriff des Transitional eingebürgert. Es entstanden aber nicht nur rein gotische Neubauten: Auch viele ältere Kirchen wurden im gotischen Stil umgebaut oder erhielten neue Anbauten. Wegen der langen Bauzeiten haben sich auch bei den Neubauten häufig verschiedene gotische Stilphasen vermischt. Die englischen Kathedralen der Gotik besitzen im Osten oft zwei Querhäuser und einen geraden Chorabschluss; Chorumgänge wie in Frankreich fehlen zumeist. Der Chor wurde stark verlängert und statt einer Apsis häufig eine Marienkapelle (Lady Chapel) angebaut. Bei den Kapitelhäusern (Chapter House) zeigt sich die englische Vorliebe für den Rundbau. Im Vergleich zur französischen Gotik blieben die englischen Gewölbe sehr niedrig (Betonung der Horizontalen); auch lösten die Strebepfeiler nicht im gleichen Maße die Wand auf. Bei den Außenansichten der Kathedralen fallen vor allem die breiten kulissenartigen Westfassaden auf.
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