![]() Auswahl der Encarta-Redaktion
Gute Bücher zum Thema "Ethnizität", ausgewählt von den Encarta-Redakteuren. Suche in Encarta
In Encarta suchen nach Ethnizität |
Windows Live® Suchergebnisse
Windows Live® Suchergebnisse EthnizitätEnzyklopädieartikel
Ethnizität, Bildung ethnischer Identität. Der Begriff Ethnizität steht für einen Paradigmenwechsel in der Ethnologie, der Ethnien und ethnische Identität nicht mehr als statische Gebilde versteht, sondern als in einem permanenten, historischen Entwicklungsprozess begriffen. Bis in die sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurden Ethnien als Bevölkerungsgruppen mit gemeinsamer Sprache, Kultur und Abstammung definiert, in die man unabänderlich hineingeboren wird. Man prognostizierte deren baldiges Ende durch Assimilation in den postkolonialen Nationalstaaten. Das Gegenteil war der Fall: Ethnische Gruppen definierten sich neu, bildeten sich neu, reorganisierten sich und traten mit erstarktem Selbstbewusstsein auf. Neue ethnische Gruppierungen entstanden auch unter Flüchtlingen verschiedener Herkunft als Schutzbündnisse. Es stellte sich heraus, dass nicht alle Ethnien eine gemeinsame Sprache oder Abstammung haben, sondern dass auch multiethnische Zugehörigkeiten vorkommen und Personen willentlich in andere Ethnien wechseln können. In diesem Fall werden verwandtschaftliche Beziehungen durch Adoption hergestellt. Der Begriff Ethnie musste daher neu definiert werden. Dabei entstand der Begriff der Ethnizität, zunächst in Abgrenzung zur damaligen, konservativen Definition der Ethnie. Ethnizität betonte die vitalen Kräfte ethnischer Gemeinschaften und versuchte, deren Selbstverständnis in die Debatte einzubeziehen. Denn für die Betroffenen ergaben sich häufig politische Konsequenzen, wenn sie z. B. wegen der verlorenen Sprache nicht mehr offiziell als Angehörige ihrer Ethnie anerkannt wurden. Deshalb wurden Ethnien neu definiert als familienübergreifende, verwandtschaftliche Gruppen, die sich selbst eine kollektive Identität zuschreiben. Dazu gehört auch der Glaube an eine gemeinsame Abstammung, Geschichte und Kultur. Die Selbstzuschreibung der Zugehörigkeit zu einer Ethnie steht dabei in einem komplexen Wechselverhältnis zur Fremdzuschreibung. Wobei die Fremdzuschreibung durchaus Charakteristika – bis hin zu Vorurteilen – beinhalten kann, die die Betroffenen selbst ablehnen würden. Die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Ethnie sichert oder verhindert oftmals den Zugang zu Gruppenressourcen innerhalb eines Staates und kann dadurch zum Konfliktgegenstand werden. Mitunter wird Ethnizität von staatlicher Seite initiiert und gelenkt, um beispielsweise Menschen zu ethnischen Minderheiten zu machen, ihnen bestimmte Rechte zu untersagen oder zu gewähren. Ethnizität findet im Spannungsfeld von globalen Machtstrukturen und lokalen kulturellen Konzepten statt. Siehe auch Eigenbezeichnung; kulturelle Identität
© 1993-2008 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. |
© 2008 Microsoft
![]() ![]() |