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Windows Live® Suchergebnisse Fin de SiècleEnzyklopädieartikel
Fin de Siècle (französisch: Ende des Jahrhunderts), nach dem gleichnamigen Lustspieltitel von F. de Jouvenot und H. Micard (1888) geprägter literatur- und kunstgeschichtlicher Epochenbegriff für die Zeit zwischen 1888 und dem Ausbruch des 1. Weltkriegs; er war schon im zeitgenössischen Sprachgebrauch ein modisches Schlagwort, das die Endzeitstimmung des ausgehenden 19. Jahrhunderts pointiert formulierte. Bis heute wird die Bezeichnung synonym gebraucht bzw. überschneidet sich mit den Bezeichnungen der verschiedenen, gegen den Naturalismus gerichteten Strömungen der deutschsprachigen Literatur, wie Dekadenzliteratur, Jugendstil, Jahrhundertwendeliteratur, Impressionismus oder Literatur um 1900. Die Publizistin Marie Herzfeld lieferte 1893 einen ersten Überblick über die moderne Fin de Siècle-Literatur in einem gleichnamigen, in Menschen und Bücher gedruckten Essay und nannte als Referenzautoren die Dichter der literarischen Dekadenz, darunter Joris-Karl Huysmans, Maurice Barrès, Paul Bourget, Maurice Maeterlinck und Paul Verlaine. Als epochentypische Merkmale gelten Morbidität und Sensitivität; beides findet Ausdruck in einer positiv akzentuierten Bevorzugung von Themen- und Motivbereichen des Niedergangs und Verfalls, der Krankheit sowie der Kunst-und-Leben-Problematik; auch ein verstärktes Interesse an Seelenzuständen und Augenblicksempfindungen ist charakteristisch. Zum Fin de Siècle zählt man u. a. die Vertreter des so genannten Jungen Wien innerhalb der Wiener Moderne wie Arthur Schnitzler, der frühe Hugo von Hofmannsthal, Peter Altenberg, Richard Beer-Hofmann, Leopold von Andrian oder Felix Dörmann sowie die Autoren der Jugendstil-Zeitschrift Pan, darunter Julius Meier-Graefe, Otto Julius Bierbaum, Richard Dehmel und Otto Erich Hartleben. Wichtige Zeugnisse sind Ricarda Huchs Erinnerungen von Ludolf Ursleu dem Jüngeren (1893), Eduard von Keyserlings Abendliche Häuser (1914), Stanislaw Przybyszewskis De profundis (1895) und frühe Werke des Malerdichters Oskar Kokoschka wie Die träumenden Knaben von 1908.
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