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Windows Live® Suchergebnisse GemeinschaftEnzyklopädieartikel
Gemeinschaft, in der deutschen Soziologie auf Ferdinand Tönnies’ Buch Gemeinschaft und Gesellschaft von 1887 zurückgehender Begriff zur Bezeichnung vermeintlich organisch gewachsener und funktionierender sozialer Zusammenschlüsse. Die Gemeinschaft, von Tönnies als Gegenstück zu der auf Vernunft basierenden Gesellschaft gedacht, galt ihm als Ort der Eintracht und der emotionalen Verbundenheit. Dem von Tönnies so genannten natürlichen „Wesenwillen” entsprach das Handeln aus innerem Antrieb, dem kalkulierenden „Kürwillen” das Handeln aus äußerer Zielsetzung. Aus dem Wesenwillen ergab sich die natürliche Ordnung der Gemeinschaft. Sie bestand aus der Bindung des Blutes, der Verwandtschaft, des Geistes, der Freundschaft und des Ortes bzw. der Gemeinde. Das soziale Handeln in der Gemeinschaft war immer ein Handeln aller für die Gemeinschaft. So erschien selbst noch die Ausübung von Macht als ein Handeln zum Nutzen der Beherrschten. Als sozialethische Kategorie ist die Idee der Gemeinschaft dem Wunsch nach einer gesellschaftspolitischen Erneuerung geschuldet; einem Wunsch der am Ende des 19. Jahrhunderts weit verbreitet war, als sich gewohnte bürgerliche Lebensformen und Orientierungen wie etwa die bürgerliche Familie aufzulösen begannen. Da der Begriff der Gemeinschaft ein zentraler Begriff der nationalsozialistischen Ideologie gewesen ist, ist heute eine vorsichtige Verwendung angebracht. Der Begriff Gemeinschaft wird von den meisten Sozialwissenschaftlern abgelehnt, da er einer rückwärts gewandten sozialromantischen, spezifisch deutschen Ideologie einer klassenlosen und konfliktfreien Gesellschaft zugrunde liegt, in der Macht und Herrschaft absichtlich ausgeblendet bleiben. Seit den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts erfährt das Wort Gemeinschaft in den deutschsprachigen Übersetzungen der Schriften der angloamerikanischen Theoretiker des Kommunitarismus eine noch nicht endgültig zu beurteilende Renaissance.
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