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Heinrich Wilhelm von Gerstenberg

Enzyklopädieartikel

Heinrich Wilhelm von Gerstenberg (1737-1823), Schriftsteller. Sein Tändeleyen (1759) gilt als eines der bedeutendsten Zeugnisse des literarischen Rokoko innerhalb der deutschen Literatur. Er war ein Wegbereiter und früher Vertreter des Sturm und Drang.

Gerstenberg wurde am 3. Januar 1737 als Sohn eines Offiziers in Tondern geboren und besuchte ab 1751 das Christianeum in Altona. 1757 begann er in Jena ein Jurastudium, schloss sich dort der Deutschen Gesellschaft an und arbeitete als Rezensent für Friedrich Nicolais Bibliothek der schönen Wissenschaften und freyen Künste. Die innerhalb seiner Dienstjahre beim dänischen Militär 1760 bis 1771 veröffentlichten poetischen und dichtungstheoretischen Werke machten Gerstenberg zu einer zentralen Gestalt des zeitgenössischen literarischen Lebens: Bereits mit seinem Erstling Tändeleyen (1759) errang er die Wertschätzung des Publikums; der schmale Band erlebte in wenigen Jahren drei Auflagen. In Kopenhagen gehörte Gerstenberg seit 1765 zum deutschen Dichterkreis um Friedrich Gottlieb Klopstock und Graf Bernstorff; zu seinen Korrespondenzpartnern zählten Friedrich Heinrich Jacobi und Johann Gottfried von Herder ebenso wie die Mitglieder des Göttinger Hains. Mit der Liedersammlung Gedicht eines Skalden (1766) begründete er die deutsche Bardenpoesie; seine Aufsätze zu William Shakespeare, darunter Briefe über die Merkwürdigkeiten der Litteratur (1766/67) wirkten bahnbrechend für die Genieästhetik des Sturm und Drang, als dessen erstes Drama seine affektenreiche Tragödie Ugolino (1768) gilt. In seinen späteren Lebensjahren widmete sich Gerstenberg der Verbreitung der Philosophie Immanuel Kants, so mit Die Theorie der Kategorien, entwickelt und erläutert (1795); die von ihm selbst zusammengestellte dreibändige Ausgabe der eigenen Werke, Gerstenbergs Vermischte Schriften (1815/16), fand kaum noch Resonanz. Gerstenberg starb am 1. November 1823 in Altona (heute ein Stadtteil Hamburgs).

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