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Gesang

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Gesang, Lautäußerungen von Tieren, die als Motive aneinandergereiht werden und bestimmte artspezifische Strophen ergeben.

Der Gesang unterscheidet sich vom Ruf in seinem komplexeren Aufbau und seiner längeren Dauer. Zur Erzeugung des Gesangs bedarf es eines besonderen Stimmapparats. Vögel haben dafür eine Syrinx, ein Organ zur Lautäußerung, das bei Singvögeln besonders hoch entwickelt ist. Säugetiere erzeugen Gesang mit Hilfe der im Kehlkopf liegenden Stimmbänder. Insekten, beispielsweise Zikaden und Heuschrecken, haben Stridulationsorgane, die aus zwei gegeneinander beweglichen Teilen der Cuticula bestehen. Manche Vögel wie der Keulenschwingenpipra (siehe Schnurrvögel) können Gesang mit Hilfe schneller Flügelbewegungen ebenfalls durch Reibung erzeugen.

Gesang dient der Abgrenzung und Behauptung des Reviers gegenüber Artgenossen. Andererseits setzen Tiere, vor allem Männchen, ihn ein, um zur Balzzeit paarungsbereite Artgenossen anzulocken und diese zu stimulieren. Der Gesang von Artgenossen kann bei Vögeln die Ausschüttung von Geschlechtshormonen anregen (Brain, Behavior and Evolution, 2003). Drei daraufhin untersuchte Vogelarten ließen erkennen, dass bei Männchen mit komplexerem Gesang die für den Gesang zuständige Gehirnregion besser entwickelt war. Weibchen, die kunstvolle Gesänge bevorzugten, entschieden sich offensichtlich für Männchen mit höherer Gehirnkapazität. Bei Drosselrohrsängern wurde zudem festgestellt, dass Männchen mit größerem Gesangsrepertoire auch ein höheres Körpergewicht hatten (Proceedings of the Royal Society, 2000).

Der Gesang kann angeboren sein, wie beim Kuckuck, oder durch Nachahmung erlernt werden. Die meisten unserer heimischen Singvögel lernen ihren Gesang, indem sie die Eltern imitieren. Da bei den Singvögeln meist nur die Männchen singen, dient den heranwachsenden Jungvögeln der Vater als Vorbild. Bei manchen Singvogelarten, z. B. dem Gimpel, singen auch die Weibchen. Findet das Erlernen des Gesangs nur während einer kurzen, sensiblen Entwicklungsphase statt und wird das erlernte Muster irreversibel einstudiert, so spricht man von Gesangsprägung. Ob ein Tier seinen Gesang durch Lernen erworben hat oder ob er ihm angeboren ist, kann man durch so genannte Kaspar-Hauser-Versuche herausfinden.

Die biologische Funktion des Herbstgesangs beim Hausrotschwanz besteht darin, dass singende Männchen bereits im Herbst Reviere bilden, die im Frühjahr nach der Rückkehr aus dem mediterranen Winterquartier erneut bezogen werden. Vögel, die in Städten lautem Straßenlärm ausgesetzt sind, singen in höheren Tonlagen. Sie können sich damit besser gegen den meist niederfrequenten Lärm durchsetzen (Nature, 2003).

Zwischen Rivalen oder Partnern kann es zu einem abwechselnden Duettgesang kommen. Es gibt auch Gruppengesänge, wenn Tiere der gleichen Art gemeinsam singen. Durch Gruppengesänge, beispielsweise von Brüllaffen oder Wölfen, wird die Gruppenstärke demonstriert und das Revier abgegrenzt. Zum anderen wird durch den gemeinsamen Gesang der Familien- oder Rudelzusammenhalt gefördert. Die Gruppenangehörigen können sich an der Lautstärke und der Art ihrer Stimme unterscheiden.

Innerhalb einer Art lassen sich Gesänge verschiedener Populationen in einzelnen Gesangssilben unterscheiden. Analog zu menschlichen Sprachen wird dies als Dialektbildung bezeichnet, wobei sich aber Artgenossen mit unterschiedlichen Dialekten noch verständigen können. Derartige Dialektbildung kennt man von Gesängen der Singvögel und der Wale. Sind Populationen über längere Zeit isoliert, können sich Dialekte zu unterschiedlichen Gesängen weiterentwickeln. Buckelwale können sogar fremde Dialekte übernehmen. Meeresbiologen beobachteten, dass Buckelwale vor der amerikanischen Ostküste mit zugewanderten Artgenossen aus dem Indischen Ozean zusammentrafen und deren Dialekt übernahmen (Nature, 2000).

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