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Windows Live® Suchergebnisse GeschichtsdramaEnzyklopädieartikel
Geschichtsdrama, Bezeichnung für einen Dramentyp, der einen authentischen historischen Stoff gestaltet bzw. frei abwandelt oder den Verlauf der Geschichte deutet und somit die Geschichtsauffassung des Autors sichtbar macht. Eine Sonderform stellen geschichtsphilosophische Dramen ohne konkreten historischen Bezug wie Johann Wolfgang von Goethes Natürliche Tochter (1803) und Hugo von Hofmannsthals Der Turm (1928) dar. In allen Fällen liegt aber die eigentliche ästhetische und philosophische Problematik in der „Umwandlung” der Geschichte (so Georg Wilhelm Friedrich Hegel in seiner Ästhetik) durch den Autor. Als erstes Geschichtsdrama gelten Die Perser des Aischylos (Uraufführung 472 v. Chr.). Einen Höhepunkt erreichte die Gattung im Elisabethanischen Theater mit William Shakespeares Geschichtstragödien und Historienzyklen. Vom 17. bis zum 19. Jahrhundert bildete die Historie bzw. die christliche Heilsgeschichte beinahe den einzigen Stoffbereich der Tragödie; bedeutende Zeugnisse sind etwa Christopher Marlowes Edward II. (1594), Lope de Vegas Columbus (1614), Pierre Corneilles Le Cid (1637) und Joost van den Vondels Maria Stuart (1646). Als erstes deutsches Geschichtsdrama gilt Johann Elias Schlegels Hermann (1741), gefolgt von Goethes Götz von Berlichingen (1774). Friedrich Schillers historische Dramen zeigen im Individuellen das Gesetzmäßige der Geschichte, so Wallenstein (1793-1799), Don Carlos (1787) und Maria Stuart (1801); eine spezifische, zeithistorisch-biographische Form des Dramentyps schuf Heinrich von Kleist mit Die Hermannsschlacht (1808) und Prinz Friedrich von Homburg (1810). Die Geschichtsverehrung der Romantik zog viele Geschichtsdramen nach sich, u. a. von Zacharias Werner, Clemens Brentano oder Achim von Arnim; ebenso brachten die literarischen Strömungen der Restaurationszeit, des Jungen Deutschland und des Naturalismus je eigene Abwandlungen hervor; Herausragendes auf dem Gebiet leisteten etwa Franz Grillparzer, Christian Dietrich Grabbe, Christian Friedrich Hebbel und Gerhart Hauptmann. Publikumsorientierte Formen des späteren 19. Jahrhunderts waren historische Kostümstücke, etwa von Victor Hugo und Alexandre Dumas père, sowie historische Lustspiele. Im 20. Jahrhundert entwickelt sich neben den traditionalistischen, teilweise epigonalen Geschichtsdramen von Ernst von Wildenbruch, Detlev von Liliencron, Erwin Guido Kolbenheyer etc. das politische Geschichtsdrama; hierzu gehören etwa die Revolutionsdramen von Ernst Toller oder die Lehrstücke von Bertolt Brecht. Die jüngste Phase der Gattung ist geprägt vom Dokumentartheater eines Rolf Hochhuth, Heinar Kipphardt oder Peter Weiss.
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