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Windows Live® Suchergebnisse Italienische Kunst und ArchitekturEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Frühe Epochen; Romanik; Gotik; Renaissance; Barock und Klassizismus; 19. und 20. Jahrhundert
Italienische Kunst und Architektur, die Kunst und Architektur in den italienischsprachigen Gebieten des heutigen Italien. Von einer italienischen Kunst lässt sich ungefähr seit 1000 n. Chr. sprechen – zu voller Eigenständigkeit gelangte sie nach 1300. Als wichtigstes Wesensmerkmal der italienischen Kunst und Architektur kann ihr über die Jahrhunderte nie verlorener und immer wieder erneuerter Bezug zur Kunst der Antike, ihre Verschmelzung von antiker Überlieferung und christlichem Glauben gelten. Noch die italienische Kunst des 20. Jahrhunderts knüpfte bis zur Gegenwart in ihren eigenständigsten Phasen (Pittura Metafisica, Arte Povera etc.) an die Antike und die davon ausgehende klassische Tradition an. Die italienische Kunst verdankt sich einer hauptsächlich städtisch geprägten Kultur, wobei die Städte jeweils eigene Stile entwickelten (insbesondere Florenz, Rom, Venedig). Die Eigenständigkeit und gegenseitige Konkurrenz der Stadtkulturen wurde begünstigt durch die politische Zerrissenheit des Landes, das sich erst im 19. Jahrhundert seine staatliche Einheit erkämpfte. Die italienische Kunst nahm im Mittelalter (und auch später noch) vielerlei von außen kommende Einflüsse auf, insbesondere aus Byzanz, im Norden auch aus Frankreich und Deutschland, während im Süden islamische, auf Sizilien auch normannische Einflüsse erkennbar sind. Da diese Impulse von außen jeweils zu verschiedenen Zeiten wirkten und nachwirkten, erlebten die italienischen Kunstzentren und -landschaften auch in verschiedenen Epochen ihre Blütezeiten. Dieses komplizierte Nebeneinander und Nacheinander, diese räumlichen und zeitlichen Differenzierungen und Verschiebungen sind ein Grund für die einzigartige Vielfältigkeit und den Reichtum der italienischen Kunst. Ein anderer Grund liegt in der Förderung des Bilderkults durch die Päpste und ihre Absage an jeden Bildersturm, wie er im byzantinischen Osten und im protestantischen Norden wütete; in Italien gab es niemals einen Bildersturm. Vielmehr sicherten sich kirchliche Würdenträger wie weltliche Machthaber stets ihren Ruhm durch eine großzügige Förderung der Künste. Mit gleicher Ernsthaftigkeit sahen aber auch städtische Handwerker wie ländliche Kirchgänger in der Kunst eine Bereicherung selbst des alltäglichen Lebens und beharrten mit größter Selbstverständlichkeit auf ihrem Mitspracherecht in allen diesbezüglichen Fragen. Eine strikte Trennung von sakraler und profaner Kunst war der italienischen Kunst immer fremd. In der frühen Neuzeit während der Renaissance und des Barock stieg Italien zur beherrschenden künstlerischen Macht in Europa auf. Im 18. Jahrhundert zerbröckelte diese Vorrangstellung und der künstlerische Schwerpunkt Europas verlagerte sich hin zur französischen Kunst und Architektur. Im 19. Jahrhundert stand Italien abseits der europäischen Kunstentwicklung, doch im 20. Jahrhundert sorgte das Land neuerlich für auffallend viele künstlerische Impulse. Italien ist das Land mit den weitaus meisten Kunstdenkmälern Europas (und mit sehr großen Problemen, die dieses überaus reiche Erbe mit sich bringt: insbesondere Schwierigkeiten des Erhalts und der Restaurierung sowie Gefahren durch Diebstahl aus Kirchen und Privathäusern und dem Verschwinden von Teilen der Magazinbestände aus Museen). In der italienischen Kunstgeschichte steht die Periodisierung nach Jahrhunderten gegenüber der Einteilung nach Epochen wie Gotik, Renaissance etc. im Vordergrund. Dabei ist aber zu beachten, dass z. B. die Bezeichnung Quattrocento den Zeitraum von 1400 bis 1500 meint und nicht wie im deutschen Sprachgebrauch das 14. Jahrhundert mit dem Zeitraum von 1300 bis 1400. Um Verwechslungen zu vermeiden, werden diese italienischen Zeitangaben üblicherweise originalsprachlich in deutsche Texte übernommen.
Zahlreiche Kunstwerke, Kunstdenkmäler und Funde auf italienischem Boden stammen aus antiken und frühchristlichen Kulturen; siehe hierzu die Artikel griechische Kunst und Architektur, etruskische Kultur, römische Kunst und Architektur, frühchristliche Kunst und Architektur, byzantinische Kunst und Architektur. Auch die Italiker, Normannen (siehe normannischer Baustil) und Sarazenen hinterließen ihre künstlerischen Spuren.
Die Epoche der Romanik dauerte in Italien etwa von 1060 bis 1250/1280. Die romanische Baukunst verbreitete sich vor allem in der Lombardei, die neben Burgund und dem Rheinland zum wichtigsten Land für die Entwicklung dieses Stils wurde. Das Bürgertum der oberitalienischen Städte spielte dabei als Auftraggeber schon eine zentrale Rolle. Die Epocheneinteilung in Romanik und Gotik wird der italienischen Kunstgeschichte nicht in gleichem Maße wie der französischen oder deutschen Kunst gerecht. Insbesondere die Übergangsperiode des 13. Jahrhunderts kann als durchaus eigene Epoche angesehen werden.
Charakteristisch für die sakrale Baukunst der italienischen Romanik ist die Einheit von Architektur, Fassadenschmuck (Marmorinkrustationen und Skulpturen), Bauornamentik, Mosaik und Innenausstattung, vor allem aber die Gestaltung der Fassade als Schauwand ohne Bezug zum dahinterliegenden Baukörper waren typisch. Richtungweisend für die romanische Baukunst der Lombardei war die Kirche Sant’Ambrogio (um 1030 bis 1170) in Mailand: Die dreischiffige Basilika mit Emporen findet ihren östlichen Abschluss in drei gestaffelten Apsiden; im Westen ist ein als Arkadenhof angelegtes Atrium vorgelagert. Ein Querhaus fehlt, und daher ist auch keine Vierung ausgeschieden; das Mittelschiff ist gegenüber den Seitenschiffen nur leicht erhöht (eine so genannte Staffelhalle) und in vier quadratische Joche gegliedert, es besitzt für seine Zeit neuartige Kreuzrippengewölbe (siehe Bogen und Gewölbe). Das letzte Joch vor der Mittelapsis wird durch eine Tambourkuppel überhöht; das Licht kann nur durch die drei großen Bogenfenster der Westfassade und durch die Fenster der Kuppel eindringen, während das Langhaus fensterlos geblieben ist. Die beiden flankierenden, mit dem Bau verbundenen Türme stammen aus den Jahren um 840 bzw. um 1130/1140. In der Bedeutung ist mit diesem Bau nur San Michele (begonnen nach 1117, fertig gestellt vor 1155) in Pavia vergleichbar. Diese Krönungskirche der Langobarden wurde mit ihrem Grundriss und der Zwerggalerie der westlichen Fassade zum Vorbild vieler Kirchen Norditaliens, so der Dome von Cremona, Modena, Parma und Piacenza. Im Einflussbereich eines anderen Kulturkreises, nämlich der byzantinischen Kunst, entstand eines der berühmtesten Bauwerke Italiens aus dieser Epoche: der 1063 begonnene und 1094 geweihte Markusdom (Basilica di San Marco) in Venedig, der in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts anstelle der alten, durch Feuer zerstörten Markuskirche aus dem 9. Jahrhundert errichtet wurde. Der namentlich nicht bekannte Baumeister orientierte sich bei seiner Planung an der Apostelkirche in Konstantinopel, erweiterte das Schema jedoch in eigenständiger Weise. San Marco ist ein Zentralbau vom Typus der Kreuzkuppelkirche, der Grundriss stellt ein griechisches Kreuz dar. Die Vierung ist durch eine Zentralkuppel überhöht, und die vier Kreuzarme tragen ebenfalls je eine Kuppel. Die Kuppeln waren zunächst als Flachkuppeln angelegt und wurden seit 1204 durch Außenkuppeln ausgebaut. Sie erheben sich über Tambouren mit Fensteröffnungen und sind von zwiebelförmigen Laternen bekrönt. Die Pracht der Innenräume verdankt sich der vollständigen Auskleidung mit Mosaiken, die aus verschiedenen Jahrhunderten stammen und vor allem von byzantinischen Künstlern geschaffen wurden. Die Fassade wurde nach 1419 im gotischen Stil u. a. mit Spitztürmen dekorativ ausgebaut; die vier Bronzepferde waren eine Beute der Kreuzritter und wurden 1205 aus Konstantinopel nach Venedig gebracht (siehe Kreuzzüge). Im selben Jahr (1063) wie in Venedig wurde auch in Pisa mit dem Bau eines Doms (Santa Maria Assunta) begonnen. Zusammen mit dem Baptisterium und dem Campanile entstand hier bis etwa 1350 ein Ensemble mit bemerkenswert einheitlichem Stil. 1174 begann der Baumeister Bonanus mit dem Bau des Campanile auf kreisförmigem Grundriss, der frei stehend neben dem Dom errichtet wurde. Nach etwa zehn Jahren Bauzeit waren drei Geschosse fertig gestellt, und es machte sich bereits ein Einsinken des Turmes in den feuchten, instabilen Untergrund aus Kies und Sand bemerkbar. Nach 100 Jahren war der Turm schon einseitig um 28 Zentimeter eingesunken. Die stetig zunehmende Schieflage konnte bis heute weder durch bauliche Ausgleichsversuche (wodurch der Turm eine Krümmung erhielt) noch durch Sanierungen des Fundamentes aufgehalten werden. Der Schiefe Turm von Pisa wurde zum weltberühmten Wahrzeichen der Stadt. Dieses Gebäudeensemble zeigt auch die für die Baukunst der Toskana typischen Marmorinkrustationen. Bedeutende Beispiele hierfür stellen auch das Baptisterium und San Miniato (1018 bis 12. Jahrhundert) in Florenz dar. Für diesen Baustil prägte Jacob Burckhardt den Begriff Protorenaissance; er wird heute für Stilrichtungen des italienischen Mittelalters in Architektur und Bildhauerei verwendet, die sich von antiken Vorbildern anregen ließen. Diese Hinwendung zur (römischen) Antike wurde im 13. Jahrhundert vor allem von Friedrich II. in Unteritalien gefördert; von dort brachte sie später Nicola Pisano wieder in die Toskana. Das oktogonale Baptisterium (Battistero San Giovanni) geht auf eine vorromanische Anlage zurück. Es ist strittig, ob die Mauern, die sich unter der Marmorverkleidung verbergen, noch von dem ersten Bau aus dem 7. Jahrhundert oder von einem Neubau des 10. bzw. 11. Jahrhunderts stammen. Um 1060 wurde ein Grundstein für die heutige Kirche gelegt, um 1150 war der Bau fertig gestellt, im 12./13. Jahrhundert wurde er mit hellem und dunklem Marmor verkleidet. Rom erlebte während des Mittelalters einen politischen, sozialen und auch kulturellen Tiefstand, blieb gleichwohl das verehrte „Haupt der Welt” (caput mundi) und Ziel eines nicht abreißenden Stromes von Pilgern. An neuen Bauten bestand aber in der Stadt aufgrund der geschrumpften Bevölkerung kaum Bedarf. Bei Neubauten wie der Kirche San Clemente wurde bevorzugt auf Stilelemente der frühchristlichen Kunst zurückgegriffen. Erwähnenswert aber sind die dekorativen Künste der Cosmaten genannten Handwerkerfamilien, die Marmorinkrustationen und Mosaikintarsien schufen, z. B. im 1240 vollendeten Kreuzgang der Basilika San Giovanni in Laterano und die Chorschranken in San Clemente (um 1110 bis 1130). Auf Sizilien und in Süditalien entstand im frühen Mittelalter ein sarazenisch-normannischer Mischstil, zu dem als weiteres Element der byzantinische Einfluss trat und der nachhaltig auf die spätere Gotik einwirkte. Der Dom von Monreale bei Palermo (1172-1189) ist im Inneren mit Mosaiken und außen mit Bauschmuck reich ausgestattet; auffallend sind die aus der islamischen Architektur stammenden Spitzbögen der Arkaden des Kreuzgangs. Ein anderes arabisches Stilelement, eine Stalaktitendecke, findet sich in der prachtvoll dekorierten Hofkapelle in Palermo (Cappella Palatina; 1140 geweiht), die reich mit byzantinischen Mosaiken ausgekleidet ist. Einflüssen der normannischen Romanik verdankt sich die Anlage der Kathedrale von Cefalù (1131-1240). Im Bereich der profanen Architektur entstanden während der Romanik Burgen und Paläste (Palazzi). Die so genannten Geschlechtertürme zeugen in vielen Städten von den Fehden und Kleinkriegen der Adelssippen, so in Bologna und in San Gimignano. In Apulien ließ sich 1240 Friedrich II. das Schloss Castel del Monte erbauen. Der ungewöhnliche Bau steht auf einem regelmäßig-achteckigen Grundriss, wobei die Ecken jeweils von ebenfalls achteckigen Türmen eingenommen werden.
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