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Jordanes

Enzyklopädieartikel

Jordanes (gestorben vermutlich 552), gotischer Geschichtsschreiber. Jordanes ist der Verfasser eines historiographischen Werkes, das sich aus zwei Teilen zusammensetzt: einer römischen Geschichte (Historia Romana) und einer gotischen Geschichte (Getica). Die römische Geschichte, die kaum eigenen Quellenwert besitzt und bisweilen wörtlich von Vorlagen abgeschrieben ist, verbindet eine mit der Erschaffung der Welt beginnende und bis zum Ende der Regierungszeit des Kaisers Augustus (14 n. Chr.) reichende Weltchronik mit einer Geschichte Roms, die bis zum 24. Regierungsjahr Justinians (552) reicht. Die Getica (De origine actibusque Getarum) hingegen ist eine Geschichte der Goten, von ihrer mythischen Auswanderung aus Scandia (Skandinavien) bis zur Kapitulation des Witigis (540), mit höchstem Quellenwert, zumal sie einen längeren Auszug aus der verlorenen Gotengeschichte Cassiodors enthält. Sie ist sehr gotenfreundlich geschrieben und bezeichnet die Geschichte der Goten und Römer geradezu als ebenbürtig.

Über das Leben des Jordanes ist kaum etwas bekannt. Vor seiner Bekehrung zu einem religiös-kontemplativen Leben war er Notar des Heermeisters Gunthigis Baza aus dem ostgotischen Königsgeschlecht der Amaler. Sein Werk hat er jedoch in Konstantinopel verfasst. In der älteren Forschung vorgenommene Identifikationen mit Bischof Jordanes von Kroton bzw. einem Erzbischof von Ravenna sind ebenso wenig haltbar wie die generelle Ablehnung seiner Existenz.

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