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Windows Live® Suchergebnisse KanzelEnzyklopädieartikel
Kanzel, ein meist erhöhter Stehplatz für den Prediger in einer Kirche, Teil der liturgischen Ausstattung. Kanzeln haben im Lauf der Kunstgeschichte sehr vielfältige Formen angenommen. Historische Vorläufer waren die frühchristlichen und romanischen Ambonen (erhöhte Podien). Der islamische Mimbar kommt ebenfalls als durch die Kreuzzüge übermitteltes Vorbild in Betracht. Erst im Spätmittelalter wurden Kanzeln zum festen Bestandteil der Innenausstattung von Kirchen. Wurde der Ambo noch vor der Chorschranke oder vor dem Lettner aufgestellt, zum Teil mit diesem verbunden (so genannte Lettnerkanzel), so steht die Kanzel meist an einen Pfeiler und rückt ins Langhaus; in der Regel fand sie ihren Platz oft am mittleren Pfeiler des Mittelschiffs. In protestantischen Kirchen zeichnet sich insgesamt die Tendenz ab, die Kanzel möglichst nahe an der Gemeinde aufzustellen. Eine der frühesten und künstlerisch bedeutendsten Kanzeln wurde in den Jahren 1255 bis 1260 von Niccolò Pisano für das Baptisterium in Pisa geschaffen. Eine Kanzel besteht aus einem Fuß in Form einer Säule oder einer Figur (z. B. Moses mit den Gesetzestafeln) und dem zylindrischen oder polygonalen Rumpf, der später oft von einem Baldachin (als Schalldeckel) gekrönt wurde. Wurden frühe Kanzeln meist noch über bewegliche Leitern bestiegen, so bildeten sich später feste Treppchen heraus, die gerade oder gewendelt sein können. Die bildliche und plastische Ausgestaltung von Kanzeln folgte immer einem mehr oder weniger gleich bleibenden Programm (Christus mit den vier Evangelisten oder den Aposteln, Kirchenväter). Während sich im Protestantismus des 16. Jahrhunderts zunehmend kompliziertere bildliche Inszenierungen durchsetzten und im 17. und 18. Jahrhundert der Bildschmuck bescheidener wurde, versah der katholische Barock auch die Kanzeln mit üppigen plastischen Dekors (z. B. Putten). Altar und Kanzel verschmolzen teilweise zu einem Kanzelaltar. Kanzeln können auch insgesamt Sonderformen annehmen, z. B. als Schiff (Kloster Irsee) oder als Wal (Reinerz in Schlesien). Ein berühmtes Beispiel ist die um 1510 von Hans Witten geschaffene Tulpenkanzel im Dom zu Freiberg.
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