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    Hermann Graf Keyserling, auch (seltener) Hermann Keyserling (* 20. Juli 1880 in Könno (estnisch: Kõnnu, heute Gemeinde Kaisma) im damaligen Livland, † 26.

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Hermann Graf Keyserling

Enzyklopädieartikel

Hermann Graf Keyserling (1880-1946), Kulturphilosoph und Essayist. Er war ein Pionier der Rezeption fernöstlicher Weltanschauung im deutschsprachigen Raum. Person und Werk gelten als repräsentativ für die irrationalen Denkströmungen im Europa der zwanziger und dreißiger Jahre.

Keyserling wurde am 20. Juli 1880 als Spross aus protestantischem kurländischem Adel in Könno (Livland) geboren (sein Onkel war der Schriftsteller Eduard Graf von Keyserling). Ab 1897 studierte er in Genf Chemie und Zoologie und promovierte 1902 an der Universität Wien in Geologie; hier erhielt er von dem Geschichts- und Kulturphilosophen Houston Stewart Chamberlain entscheidende Anregungen für seine Naturphilosophie und sein spirituell-kosmopolitisches Weltbild, das er etwa in Das Gefüge der Welt (1906) und Prolegomena zur Naturphilosophie (1910) darlegte. Von 1911 bis 1913 unternahm Keyserling eine einjährige Weltreise, die ihn über Indien, China und Japan nach Amerika führte und die er im Reisetagebuch eines Philosophen (2 Bde., 1919) festhielt. Seine in Philosophie als Kunst (1920) und in Schöpferische Erkenntnis (1922) entwickelte meditativ ausgerichtete „Philosophie des Sinns” zielte auf die Synthese von westlicher „Könnenskultur” und östlicher „Seinskultur”. Die von Keyserling begründete Darmstädter Schule der Weisheit und Gesellschaft für Philosophie – jährliches Publikationsorgan war Der Leuchter – propagierte diese Methode des metaphysischen Erkennens.

Die meisten der während der Zeit des Nationalsozialismus in Isolation geschriebenen Werke Keyserlings, vor allem zur Psychologie der Religionen, erschienen erst posthum, so Das Buch vom Ursprung (1947), Kritik des Denkens (geschrieben 1937, erschienen 1948) und Reise durch die Zeit (begonnen 1944, erschienen 1948-1963). Keyserling starb am 26. April 1946 in Innsbruck.

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