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Artikelgliederung
Einleitung; Das Urchristentum; Die Kirche in der Spätantike; Die Entstehung des christlichen Europa; Die Papstkirche des Hochmittelalters; Die christlichen Konfessionen und die europäischen Nationen; Kirchen und Christentum im 20. Jahrhundert
Kirchengeschichte, die Geschichte der christlichen Kirchen sowie die Erforschung und Beschreibung dieser Geschichte in der gleichnamigen wissenschaftlichen Fachdisziplin, die zwischen Geschichtswissenschaft und Theologie angesiedelt ist. Die Begriffe Kirche und Kirchengeschichte werden hier ausschließlich als christliche verstanden und sind in diesem Sinn nicht auf andere Religionen anwendbar.
Als Jesu Anhänger seine Auferstehung von den Toten nach der Hinrichtung am Kreuz (um 30 n. Chr.) verkündigten, begann die Geschichte der christlichen Kirche. Jesus selbst hatte nicht vor, eine neue Religion zu begründen. Ihm und seinen frühen Anhängern ging es um nichts anderes als eine Wiederbelebung oder auch Erneuerung des Judentums. Das Denken und Predigen Jesu war von einer stark endzeitlichen Erwartung, von der Ankunft des Königreiches Gottes auf Erden, geprägt. Kreuzigung und Auferstehung Christi blieben im Christentum die zentralen Ereignisse, welche als geschichtliche Heilstaten zur Erlösung aller Menschen angesehen werden. Wichtigste Quelle für unser Wissen über diese Vorgänge sind die Schriften der frühen Christen, die etwa anderthalb Jahrhunderte später zusammengestellt wurden und das Neue Testament der Bibel bilden. Die ältesten literarischen Dokumente des Christentums sind die Briefe, die dem Apostel Paulus zugeschrieben werden, während die Apostelgeschichte des Lukas (geschrieben um 90 n. Chr.) schon einen späteren Rückblick auf die Anfänge darstellt und bestrebt ist, ein möglichst ideales Bild von der Urgemeinde und der Zeit des Paulus zu zeichnen. Die Erwartung der baldigen Wiederkunft Jesu, die noch in den frühen Paulusbriefen eine große Rolle spielt, trat in der Folge zurück. Die Anhänger Jesu, allen voran Paulus, begannen bald nach dem Tod Jesu eine intensive und erfolgreiche Missionstätigkeit. Damit stellte sich die Frage, ob auch Nichtjuden Christen werden können. Mitunter traten Personen erst zum Judentum über, um dann Christen werden zu können. Paulus setzte sich vehement und mit Erfolg dafür ein, auch Nichtjuden zu missionieren. Dies schuf eine wichtige Voraussetzung dafür, dass das Christentum eine Weltreligion werden konnte. Mit der weiteren Verbreitung des Christentums und seiner Ausprägung als Religion musste es darüber hinaus immer deutlicher zu einem Bruch mit dem Judentum kommen. Dieser Bruch gilt nach der römischen Eroberung Jerusalems im Jahr 70 n. Chr. als vollzogen. Von diesem Zeitpunkt an kann das Christentum als eigenständige Religion angesehen werden. Ein wichtiger Zug des frühen Christentums, der zu seiner schnellen Verbreitung beigetragen hat, war die Abwendung von einem umfangreichen und komplizierten Kultwesen. Es gab ein Urbild des Opfers, das nicht wiederholt werden musste: Durch den Opfertod Jesu Christi galten alle Sünden der Menschheit seit dem Urvater Adam als gesühnt. Dadurch wurden Opfer im Christentum weitgehend überflüssig. Das einzige Zeremoniell des Urchristentums bestand in gemeinsamen Abendmahlszeiten zur Erinnerung an den Begründer der Lehre. Später kam die Taufe hinzu. Während die frühen christlichen Gemeinden von den Ältesten geführt wurden, entstanden im 2. Jahrhundert die Ämter des Bischofs und des Diakons. Gegen Ende des 2. Jahrhunderts n. Chr. wurde der Katalog derjenigen Schriften festgelegt, die als heilig galten, also in die Bibel eingingen. Von Jerusalem aus verbreitete sich das frühe Christentum in den Zentren des Hellenismus und geriet so unter den Einfluss der hellenistischen Geisteswelt. Vor allem der griechische Logos-Begriff fand Eingang in die christliche Theologie und prägte das monotheistische Gottesbild. Die Sprache der Christen war Griechisch, genauer gesagt Koiné, ein umgangssprachlicher Dialekt des Griechischen.
Außerhalb von Palästina und Kleinasien fasste das Christentum zunächst nur in größeren Städten an den Hauptverkehrswegen Fuß: Zu einer Massenbewegung wurde es erst im 3. Jahrhundert. Seine Ausbreitung war begleitet von sporadischen Christenverfolgungen, die unter Diokletian größere Ausmaße annahmen. Diese wurden mit dem Toleranzedikt seines Nachfolgers Galerius im Jahr 311 und dem Edikt von Mailand, das Konstantin der Große 313 erließ, beendet. Konstantin war der erste römische Kaiser, der das Christentum förderte. In konstantinischer Zeit wurde das Christentum Mehrheitsreligion, und 380 wurde es von Kaiser Theodosius zur Staatsreligion erklärt. Ungefähr seit der Mitte des 5. Jahrhunderts gab es eine christliche Reichsbevölkerung; daneben existierten heidnische und jüdische Minderheiten. Die Toleranz, die das Christentum in der Zeit der Minderheit und der Verfolgungen eingefordert hatte, brachte es als Staatsreligion selbst nicht auf: Das christliche Reich war von grundsätzlicher Intoleranz gekennzeichnet und ging gewaltsam gegen Heiden und Juden vor. Das Christentum trat zu einer Zeit in die Geschichte ein, die durch einen religiösen Aufbruch geprägt war. Einen Ausdruck fand dieser Aufbruch in der Bewegung der Gnosis bzw. des Gnostizismus. Die Auseinandersetzung mit dieser Gnosis, die Ablehnung oder auch Übernahme ihrer Ideen, prägte das Christentum in geistiger und organisatorischer Hinsicht als Kirche. Sie selbst interpretierte den Vorgang als Kampf zwischen rechtem Glauben und Häresie. Zu den wesentlichen Charakteristika des kirchlichen Christentums wurden der Kanon der Bibel, das Bischofsamt und das kirchliche Glaubensbekenntnis. In organisatorischer Hinsicht war das Bischofsamt das zentrale und wichtigste aller Ämter. Die Bischöfe galten als Nachfolger der Apostel. Als die Kirche sich immer großräumiger zu organisieren begann, entstand die Institution des Metropoliten: Ein Bischof erhielt den Vorrang vor den anderen Bischöfen seines Sprengels. Aber auch unter den Metropoliten kam es zu einer Rangordnung, schließlich bildete sich die Gliederung in fünf Großräume heraus, an deren Spitze ein Patriarch stand. Die vier Patriarchate von Alexandrien, Antiochien, Konstantinopel und Jerusalem lagen im Osten, das einzige und alleinige Patriarchat des Westens war Rom. Die Geschichte der Kirche des 1. Jahrtausends kann, auch in der Lehrentwicklung, oft als die Geschichte der Konkurrenz und der Rivalitäten dieser Patriarchate gesehen werden; nicht zuletzt hing das Gewicht der römischen Bischöfe und die spätere Machtstellung des Papsttums eng mit der Patriarchatsverfassung zusammen. Mit der bischöflichen Verfassung und dem theologischen Konzept, das in den Bischöfen die Nachfolger der Apostel sieht, hängt zusammen, dass es seit dem 2. Jahrhundert unzählige Synoden oder Konzile, also Zusammenkünfte von Bischöfen, gab. Besonders wichtig waren die ersten vier von ihnen, das Konzil von Nicäa im Jahr 325, das Konzil von Konstantinopel im Jahr 381, das Konzil von Ephesus 431 und das Konzil von Chalkedon im Jahr 451. Auf diesen Konzilen wurden die grundlegenden theologischen Fragen der Trinitätslehre und der Christologie erörtert und entschieden.
Der Übergang vom Christentum der Spätantike zur Christenheit des Mittelalters ist durch eine Reihe von Teilchristentümern gekennzeichnet, die zunächst recht unverbunden nebeneinander bestanden, bis eine neue geschichtliche Konstellation deren Zusammenfassung im Reich der Karolinger brachte, das sich zudem durch die Einbindung des Papsttums gegenüber dem Byzantinischen Reich zu legitimieren vermochte. So gab es etwa die keltische Kirche in Irland mit dem sie charakterisierenden Mönchtum und dem Ideal der Wandermönche, die als irisch-schottische Missionare auf dem Festland wirkten. Papst Gregor der Große leitete die Mission der Angelsachsen ein, die zum „goldenen Zeitalter” der angelsächsischen Kirche führte. Als herausragender Repräsentant schrieb Beda Venerabilis eine englische Kirchengeschichte. In Spaniens Hauptstadt Toledo trafen sich die Bischöfe des Landes zu Konzilen, um eine rigorose Kirchenordnung festzulegen. 711 wurde dieses westgotische Königtum jedoch vom Ansturm der Araber überwältigt. Deren Vordringen konnte erst 732 bei Tours und Poitiers von Karl Martell, einem Karolinger, zum Stillstand gebracht werden. Die Karolinger sollten bald die Merowinger als Könige des Frankenreiches ablösen. Dessen Begründer Chlodwig hatte sich nach einem Sieg über die Alemannen um 498 durch den Bischof Remigius von Reims taufen lassen und sich mit zahlreichen fränkischen Adligen der katholischen Kirche angeschlossen. Die vom Frankenreich ausgehende Missionierung bedeutete seither immer auch die Einbindung in das fränkische Reich; politisch motivierter Widerstand gegen die Annahme des Christentums wurde mit Gewalt gebrochen. Auch die Angelsachsen wirkten auf dem Festland. Die herausragende und bekannteste Gestalt ist der Mönch Bonifatius. Die Araber bereiteten nicht nur dem Königreich von Toledo ein Ende, sie schwächten auch das christliche Byzantinische Reich, das den Aufstieg der Karolinger zu Schutzherren des Papstes anerkennen musste. Dieser Aufstieg fand symbolträchtigen Ausdruck in der Krönung Karls des Großen zum Kaiser („Cäsar”) am 25. Dezember 800 durch Papst Leo III. in der Peterskirche in Rom. Die Missionierung Europas wurde vom karolingischen Großreich und dann von der ihm folgenden deutschen Reichskirche fortgesetzt. Der Christianisierung der Sachsen noch unter Karl dem Großen folgte die Expansion nach Osten, die Christianisierung und Eindeutschung der Slawen, während Polen und Ungarn selbständige Königreiche wurden. Waren schon Sachsen- und Slawenmission gewaltsame Schwertmissionen gewesen, so bedeutete die Christianisierung der Preußen durch den Deutschen Orden im 13. Jahrhundert praktisch die Ausrottung der einheimischen Bevölkerung und eine neue Besiedlung durch deutsche Kolonisten.
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