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Kusch

Enzyklopädieartikel

Kusch, südlich des ersten Nilkatarakts gelegenes antikes Königreich, das sich vermutlich bereits im 16. Jahrhundert v. Chr. als staatsähnliches Gebilde konstituierte und eine selbständige, unverwechselbare Kultur ausbildete, die von der altägyptischen Kultur sowie südlicheren afrikanischen Kulturen geprägt wurde.

Kusch lag in der Nubien genannten Region, die wahrscheinlich bereits seit dem 4. Jahrtausend v. Chr. auf ähnliche Weise wie Ägypten von ethnischen Gruppen besiedelt wurde, die aus versteppten Gebieten eingewandert waren. Vermutlich bereits seit den ersten Dynastien betrieben die altägyptischen Herrscher im oberen Niltal eine systematische Siedlungs- und Kolonialpolitik und bauten in den nubischen Wüsten Gold ab. Kusch wurde vor allem zur Zeit des Neuen Reiches ägyptische Provinz und Handelsvorposten und leistete jährliche Tributzahlungen an Ägypten, die neben verschiedensten Luxusgütern vor allem Gold umfassten. Im Gegenzug erlangte Kusch ab der 18. Dynastie des Neuen Reiches (1580-1100 v. Chr.) steigenden Einfluss auf die ägyptische Innenpolitik.

Nach dem Zusammenbruch des ägyptischen Neuen Reiches Anfang des 1. Jahrtausends konnte die Herrscherdynastie des nunmehr unabhängigen Kusch, dessen Hauptstadt Napata unterhalb des vierten Nilkatarakts lag, das in Nubien und Oberägypten entstandene Machtvakuum ausnutzen und ihren Machtbereich über das gesamte Niltal ausbreiten. Bereits 1085 v. Chr. besaß der Vizekönig von Kusch als Wesir von Theben erheblichen politischen Einfluss über einen großen Teil Ägyptens. Im 8. Jahrhundert v. Chr. eroberte Kusch Ägypten und stellte von 715 bis 664 v. Chr. die 25. Dynastie Ägyptens. Nach 664 v. Chr. existierte Kusch als unabhängiges Königreich, dessen reiche wirtschaftliche Grundlage vor allem auf dem Handel und der Ausbeutung der Eisenerzvorkommen sowie der Eisenverhüttung basierte. Im 6. Jahrhundert v. Chr. wurde die Hauptstadt von Napata nach Meroë, das zwischen dem fünften und sechsten Nilkatarakt lag, verlegt. Zeugnis vom wirtschaftlichen und kulturellen Reichtum des Königreiches sind Tempel- und Palastbauten sowie Pyramidengräber, aber auch die bislang noch nicht dechiffrierte meroitische Schrift, die in Hieroglyphenform und als Kursivschrift existierte. Meroë hatte erheblichen wirtschaftlichen und politischen Einfluss auf die Entwicklungen im Westsudan, möglicherweise auch in anderen Teilen Ostafrikas. Ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. regierten mehrere Königinnen (Kandaken) in Meroë; 25 v. Chr. wurde Napata von dem römischen General Petronius geplündert. Faktoren für den beginnenden Zerfall des Königreiches waren u. a. die steigende Versteppung der Region sowie die wachsende Isolierung. Um 350 n. Chr. wurde Meroë von Aksum zerstört.

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