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Windows Live® Suchergebnisse NeorealismusEnzyklopädieartikel
Neorealismus, (italienisch neorealismo: neuer Realismus), auch Neoverismus, Bezeichnung für eine Strömung innerhalb der italienischen Literatur und des italienischen Films der vierziger Jahre, die sich der realistisch-illusionslosen Darstellung der Wirklichkeit verschrieb. Der literarische Neorealismus stellte – ebenso wie der Film – die schonungslose Schilderung der politischen und sozialen Lage im Italien der Kriegs- und Nachkriegszeit ins Zentrum des Interesses; vor allem eine Auseinandersetzung mit dem Faschismus wurde von den zumeist links stehenden, sich radikal antibürgerlich gebenden Autoren angestrebt. Vertreter waren u. a. Elio Vittorini, Vitaliano Brancati, Cesare Pavese, Vasco Pratolini, Pier Paolo Pasolini, Curzio Malaparte, Carlo Levi, Italo Calvino, Alberto Moravia und Ignazio Silone. Stilistisch wurden oftmals volkstümliche Elemente und Dialekt miteinbezogen. Auch wurden Darstellungsmodelle von Dokumentarliteratur und Reportage übernommen. Als Vorbilder des Schreibprogramms fungierten die Vertreter der amerikanischen und russischen Literatur vornehmlich der zwanziger Jahre, namentlich Ernest Hemingway, John Steinbeck, William Faulkner und John Dos Passos, aber auch Giovanni Verga. Der Neorealismus im Film, dessen Blütezeit von Mitte der vierziger bis Anfang der fünfziger Jahre reichte, gilt als wichtigster Beitrag Italiens zur Filmgeschichte. Erster Film war Ossessione (1942) von Luchino Visconti. Weitere bedeutende Regisseure waren Roberto Rossellini mit Paisà (1946), Vittorio de Sica mit Ladri di biciclette (1948; Fahrraddiebe), der oft mit dem Autor Cesare Zavattini zusammenarbeitete. Den Regisseuren war es ein Anliegen, die gesellschaftliche Realität aufzuzeigen, die Ursachen für Elend und Armut sichtbar zu machen. Kennzeichnend für den neorealistischen Filmstil waren die Verwendung von Laiendarstellern sowie eine zumeist simple Geschichte, die im Arbeitermilieu oder bäuerlichem Umfeld angesiedelt war. Durch ihre Rolle als Landarbeiterin in Giuseppe de Santis’ Riso amaro (1949, Bitterer Reis) avancierte Silvana Mangano zur Ikone der Strömung. Der Neorealismus wirkte vor allem in den späteren Werken von Pietro Germi, Ermanno Olmi, Alberto Lattuada, Francesco Rosi, Lina Wertmüller, Luigi Zampa, Michelangelo Antonioni und in den weniger ambitionierten Unterhaltungsfilmen nach. Vor allem Federico Fellini übernahm in seinen frühen Filmen, wie La Strada (1954; La Strada. Das Lied der Straße) oder Le notti di Cabiria (1956; Die Nächte der Cabiria), zahlreiche neorealistische Elemente. Auch der erste eigene Spielfilm der Brüder Taviani, Un Uomo da bruciare (1962; Gebrandmarkt) über das Leben der von der Mafia unterdrückten Bauern, ist im Stil des Neorealismus gedreht.
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