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Windows Live® Suchergebnisse PetrarkismusEnzyklopädieartikel
Petrarkismus, Bezeichnung für eine Tradition der europäischen Liebeslyrik vom 14. bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts, die motivisch, stilistisch oder der Form nach an die Dichtung Franceso Petrarcas anknüpfte. Der Petrarkismus orientierte sich vor allem an Petrarcas Canzoniere (entstanden um 1336 bis 1374, erschienen 1470; Buch der Lieder), einer Sammlung von 366 Gedichten (darunter 317 Sonette), die hinsichtlich der Liebesthematik für die Zeit der Renaissance und des Humanismus ähnlich bedeutend war wie der Minnesang für das Mittelalter. Zu den vom Petrarkismus übernommenen Charakteristika dieser Gedichte gehören das Grundthema der unerfüllten Liebe, die Ambivalenz des Liebesschmerzes, die Verknüpfung von christlichen und antiken – sowohl platonischen als auch mythologischen – Vorstellungen, die Verwendung kühner Metaphern, die Beschreibung sinnlich-erotischer Schönheit, die Gegenüberstellung von Irdischem und Himmlischem sowie der antithetische Aufbau, für den sich die Form des Sonetts besonders eignete. Hauptvertreter des Petrarkismus sind in Italien u. a. Antonio Tebaldeo (1463-1537), Pietro Bembo, Bernardo Tasso (1493-1563) und Giovanni Battista Guarini (1538-1612), in Spanien Juan Boscán Almogáver (um 1490 bis 1542), Garcilaso de la Vega und Jorge de Montemayor (zwischen 1520 und 1524 bis 1561), in Frankreich Clément Marot und Maurice Scève (um 1503 bis ca. 1560), in Deutschland Georg Rudolf Weckherlin (1584-1653), Martin Opitz und Paul Fleming. Durch Fleming allerdings wurde die inzwischen ins Galante übergegangene Tradition des Petrarkismus durch eine neue Form der Metaphorik und der Gedanklichkeit durchbrochen. Bereits im 16. Jahrhundert und dann vor allem im 17. Jahrhundert entwickelten sich auch Formen des Anti-Petrarkismus, die pathetische Übersteigerungen der Strömung parodierten.
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