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Windows Live® Suchergebnisse Protestantische EthikEnzyklopädieartikel
Protestantische Ethik, nach Max Weber die ethisch-religiöse Grundlage eines Wertesystems, das entscheidenden Einfluss auf die Entstehung, Herausbildung und Entwicklung des Kapitalismus hatte. In der 1904 bis 1906 verfassten und 1920, also kurz vor seinem Tod überarbeiteten Schrift Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus beschrieb er die protestantische Ethik als ein idealtypisches System aus Glaubenssätzen, ethischen Normen und Maximen calvinistischer Lebensführung, das den inneren Kern, die Geisteshaltung, eben den „Geist des Kapitalismus” ausmache. Der Protestantismus und dabei im Besonderen der Calvinismus war für Weber die ideele Grundlage des Kapitalismus, weil über die so genannte Prädestinationslehre und die geforderte Askese eine Hinwendung zum lebensweltlichen Diesseits und die Ausprägung einer die Entwicklung des Kapitalismus fördernden Arbeitsmoral erfolgte. Die protestantische Ethik derart mit realen sozialhistorischen und sozialwirtschaftlichen Entwicklungen in Verbindung gebracht zu haben, sichert Max Weber den unangefochtenen Stand eines Klassikers und Mitbegründers der Soziologie. Kritisiert wurde Weber zum einen hinsichtlich der Stellung der Prädestinationslehre innerhalb des Calvinismus und der Funktion, die Weber ihr innerhalb seiner Theorie zumaß. Die Prädestinationslehre als göttliche Vorherbestimmung des Menschen zum Heil stand entgegen Webers Ansicht nicht in zwingendem Zusammenhang mit dem wirtschaftlichem Erfolg eines Individuums. Auch wurde ihm vorgeworfen, sein Bemühen, eine dezidiert antimarxistische Schrift zu verfassen, habe ihn dazu verleitet, den Kapitalismus auf psychologisch-individuelle Kategorien und Bestimmungen zurückzuführen und dazu geführt, dass er den gesellschaftlich-politischen Kern des Kapitalismus verfehlt habe: die protestantische Ethik tauge höchstens zu einer wohlfeilen Unternehmerethik. Ferner wurde kritisiert, das Abstellen auf persönliche Charaktereigenschaften lasse objektive Systemzwänge in den Hintergrund treten und führe zu einer falschen Vorstellung von der Funktionsweise des Kapitalismus, der durch die Herrschaft des Geldes über die Arbeit, die Produktion, ja die ganze Gesellschaft gekennzeichnet sei (siehe Wertform).
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