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Rachetragödie

Enzyklopädieartikel

Rachetragödie (englisch Revenge Tragedy), Tragödienform der englischen Literatur, die in der Renaissance – insbesondere zwischen 1590 und 1620 – ihre Blütezeit erlebte und in deren Zentrum meist die Mordtat eines machtgierigen Tyrannen steht, die den Helden des Stückes (häufig einen Verwandten des Ermordeten) zur Vergeltung herausfordert. Einige wesentliche Anregungen verdankt sie den Dramen Senecas, die zwischen 1559 und 1581 ins Englische übertragen wurden. Im Mittelpunkt der englischen Rachetragödie steht häufig der Konflikt zwischen einer auf langen Traditionen beruhenden Forderung nach Blutrache und einem neuzeitlichen Rechtsbewusstsein: Diese Thematik stieß in der Elisabethanischen Zeit insbesondere deshalb auf ein hohes Interesse, weil England damals im Begriff war, sich zu einem Rechtsstaat zu wandeln. In William Shakespeares Hamlet (entstanden um 1600, erste belegte Aufführung 1602) führt dieser Konflikt zu einer Reflexion über die Sinnhaftigkeit des Daseins.

Den Beginn der englischen Rachetragödie bildet Thomas Kyds The Spanish Tragedie (entstanden um 1586, Erstdruck und erste belegte Aufführung 1592; Die spanische Tragödie). Weitere bedeutende Beispiele sind Shakespeares King Richard III. (entstanden um 1592/93, erste bezeugte Aufführung 1593; König Richard III.) und Titus Andronicus (entstanden spätestens 1593, uraufgeführt 1593/94), Cyril Tourneurs The Atheist’s Tragedie, or the Honest Man’s Revenge (entstanden um 1607, erschienen um 1611; Die Tragödie des Atheisten oder die Rache des biederen Mannes) sowie John Websters The White Devil, or, the Tragedy of Paulo Giordano Ursini, Duke of Brachiano (Uraufführung und Erstdruck 1612; Der weiße Teufel oder Die Tragödie des Paulo Giordano Ursini, Herzog von Brachiano) und The Tragedy of the Dutchesse of Malfy (entstanden um 1612, uraufgeführt 1614; Die Tragödie der Herzogin von Amalfi).

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