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Windows Live® Suchergebnisse ReflexionEnzyklopädieartikel
Reflexion (von lateinisch reflectere: zurückbeugen), Grundbegriff der neuzeitlichen Philosophie für eine rückbezügliche, sich selbst vergewissernde Form des Denkens. Der Begriff stammt ursprünglich aus der Optik und bezeichnet dort das Zurückwerfen von Lichtstrahlen (siehe Reflexion). In der Philosophie wird er bereits von Thomas von Aquin verwendet, setzt sich aber als Terminus erst im 17. Jahrhundert durch. Der Sache nach spricht bereits Aristoteles von einem „Wissen des Wissens” und einem „Denken des Denkens”. Einen fundamentalen Stellenwert hinsichtlich der Selbstvergewisserung des Subjekts und der Sicherung von Erkenntnis nimmt die Reflexion jedoch erst in der mit René Descartes und seinem Diktum eines cogito, ergo sum beginnenden neuzeitlichen Philosophie ein. Erstmals als Terminus verwendet wird der Begriff der Reflexion von John Locke, und zwar für die innere Wahrnehmung, die Locke der äußeren Wahrnehmung (sensation) entgegensetzt. Zur inneren Wahrnehmung rechnet Locke alle Tätigkeiten und Vorstellungen des Geistes. Immanuel Kant unterscheidet strikt zwischen Vorstellung und Reflexion und bezeichnet die Reflexion in seiner Kritik der reinen Vernunft als „das Bewußtsein des Verhältnisses gegebener Vorstellungen zu unseren Erkenntnisquellen”. Die transzendentale Reflexion soll Kant zufolge klären, ob bestimmte Begriffe zur sinnlichen Anschauung, zum Verstand oder zur Vernunft gehören und das Verhältnis dieser Begriffe zueinander bestimmen. Als solche Verhältnisbestimmungen nennt Kant die Begriffspaare Einerleiheit und Vielheit, Einstimmung und Widerspruch, Inneres und Äußeres sowie Materie und Form. Darüber hinaus spielt der Begriff der Reflexion eine wichtige Rolle in Kants Ästhetik: Hier werden Wissenschaft und Ästhetik zwei Formen der Urteilskraft bezüglich der Bestimmung des Verhältnisses von Allgemeinem und Besonderem zugeordnet. Während die wissenschaftliche Urteilskraft einem gegebenen Allgemeinbegriff ein besonderes Phänomen unterordne, bestehe die ästhetische oder reflektierende Urteilskraft darin, zu einem gegebenen Phänomen einen allgemeinen Begriff zu suchen. Ein weiterer und für die europäische Geistesgeschichte sehr zentraler Aspekt, der sich mit der Reflexion verbindet, wird erstmals durch François Fénelon und dann vor allem durch Jean Jacques Rousseau thematisiert. Es handelt sich hierbei um die Annahme, dass der Mensch durch die Reflexion seinen unmittelbaren natürlichen Zustand verloren und sich dadurch mit sich selbst entzweit habe. Das Problem der durch die Reflexion bedingten Entzweiung spielt eine wichtige Rolle für die Philosophie des deutschen Idealismus. Im Mittelpunkt von Johann Gottlieb Fichtes Philosophie steht der Versuch, die Entstehung des Bewusstseins bzw. des Ichs als Einheit und Verschiedenheit von sich selbst zu erklären. Vermittels der Reflexion sei es, so Fichte, möglich, die sich selbst bestimmende Tätigkeit des Ichs aufzufinden und so zu einem Wissen von sich zu gelangen. Gleichzeitig aber bringe die Reflexion eine Spaltung mit sich, so dass sich das Ich in der Reflexion nicht wirklich als Einheit erfahren könne. Eine vollständige Selbstgewissheit erwartet Fichte daher nicht von der Reflexion, sondern von der intellektuellen Anschauung. Auch Georg Wilhelm Friedrich Hegel betont den trennenden Charakter der Reflexion: Zunächst bewirke sie eine Aufhebung der Unmittelbarkeit und sei somit eine Negation, die dann aber durch eine weitere Reflexion bzw. durch eine Stufenfolge von Reflexionen zu einer Entfaltung des Bewusstseinsprozesses führe. In der Phänomenologie Edmund Husserls bezeichnet der Begriff der transzendentalen Reflexion eine Denkform, die ein Noema – d. h. einen gedanklichen Gehalt – als Produkt auf den konstitutiven subjektiven Akt zurückführt, der es hervorgebracht hat.
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