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Heinrich Rickert

Enzyklopädieartikel

Heinrich Rickert (1863-1936), Philosoph. Er war ein Vertreter des Neukantianismus der so genannten südwestdeutschen Schule. Er machte sich insbesondere um die Klärung des Verhältnisses von Natur- und Geisteswissenschaften verdient. Bedeutenden Einfluss hatte seine Philosophie insbesondere auf den Soziologen Max Weber sowie auf den Existenzphilosophen Martin Heidegger.

Rickert wurde am 25. Mai 1863 in Danzig geboren und studierte in Straßburg Philosophie bei Wilhelm Windelband. Von 1894 bis 1916 lehrte er in Freiburg, von 1916 bis zu seinem Tod am 25. Juli 1936 in Heidelberg. Seine Philosophie war wesentlich dem neukantianischen Programm einer wissenschaftstheoretisch geprägten Erkenntniskritik verschrieben. Im Anschluss an Windelband unterschied er zwischen Naturwissenschaften, die nach allgemein gültigen Gesetzen streben, sowie Geisteswissenschaften, die Phänomene in ihrer historischen Einmaligkeit betrachten. Die Wirklichkeit galt Rickert als „heterogenes Kontinuum”, welches sich angemessen sowohl in natur- als auch in geisteswissenschaftlichen Kategorien darstellen lasse. Beide stellen gleichberechtigte Perspektiven dar, unter denen das Ganze der Wirklichkeit jeweils vollständig beschrieben werden könne. Die von den Geisteswissenschaften erhobenen Objektivitätsansprüche stehen den naturwissenschaftlichen Objektivitätsansprüchen in nichts nach. Rickert bemühte sich weiterhin um die Begründung einer Wertphilosophie. Jeder theoretische Weltzugang bleibe letztlich vom Primat der praktischen Vernunft abhängig, welche wiederum in einem System der Werte wurzele. Alles Erkennen sei somit letztlich ein Werten. Nach dem 1. Weltkrieg geriet Rickerts Denken zunehmend unter den Einfluss lebensphilosophischer und phänomenologischer Strömungen, mit denen er sich allerdings auch kritisch auseinandersetzte.

Wichtige Werke Rickerts sind Die Grenzen der naturwissenschaftlichen Begriffsbildung (1896-1902), Kulturwissenschaft und Naturwissenschaft (1899), Die Philosophie des Lebens (1920) sowie sein System der Philosophie (1921).

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