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Satyrspiel

Enzyklopädieartikel

Satyrspiel, Bezeichnung für das ausgelassene, komödienhafte Nachspiel zum klassischen griechischen Tragödienzyklus. Es bildete damit den Abschluss der Tetralogie, d. h. der Folge von vier zusammengehörenden Dramen, die im Rahmen von dramatischen Wettspielen, insbesondere denen der Dionysien, aufgeführt wurden. Benannt ist das Satyrspiel nach den Satyrn, übermütig-lüsternen Waldgeistern oder Fruchtbarkeitsdämonen mit tierhaften Zügen, die den Weingott Dionysos begleiteten.

Das Satyrspiel wurde von einem Satyrchor aufgeführt, dessen Mitglieder mit Pferdeschwänzen, Pferdeohren, Bocksfellschurzen, Phalli und Masken mit Glatze, Bart und Stumpfnase verkleidet waren. Entstanden ist es vermutlich aus rituellen Tänzen zu Ehren des Dionysos. Aristoteles’ Annahme, dass aus dem Satyrspiel die Tragödie hervorgegangen sei, gilt inzwischen als widerlegt. Vermutlich entwickelten sich beide Gattungen parallel im 6. Jahrhundert v. Chr. Als Begründer des Satyrspiels gilt Pratinas aus Phleius, der um 520/515 v. Chr. die Gattung in Athen eingeführt haben soll. Zu den Bestandteilen gehörten Tänze, Lieder und szenische Darstellungen. Die Stoffe wurden meist den griechischen Heldensagen entnommen. Durch ihren parodistischen sowie derb-komischen, zum Teil ins Obszöne gehenden und manchmal auch aggressiven Charakter bildeten die Satyrspiele einen ironischen Kontrast zu den Tragödien. Verfasser der Satyrspiele waren nicht Komödien-, sondern Tragödiendichter. Neben fragmentarischen Texten von Aischylos und Sophokles ist der Kyklops des Euripides das einzige vollständig erhaltene Drama dieser Art.

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