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  • Schicksalstragödie

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Schicksalstragödie

Enzyklopädieartikel

Schicksalstragödie, von Georg Gottfried Gervinus geprägter Begriff für einen Dramentyp der Romantik und des Biedermeier, bei dem die Handlung vom Konflikt des Protagonisten mit einem von außen hereinbrechenden, undurchschaubaren Schicksal bestimmt wird. Dieser Fatalismus unterscheidet die Schicksalstragödie, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einer Modegattung wurde, von der antiken Tragödie (etwa von Sophokles’ Oedipus rex) ebenso wie von der christlich-stoizistischen Barocktragödie oder dem bürgerlichen Trauerspiel der Aufklärung. Das Schicksal wird zum effektvoll-schaurigen Element einer Gebrauchsdramatik, das Spannung und Nervenkitzel erregt und zum menschlichen Lebens- und Geschichtsverständnis in keiner Weise beiträgt; der tragische Held wird durch den rührenden ersetzt. Als frühestes Werk dieses Genres gilt Ludwig Tiecks Trauerspiel Der Abschied (1792); weitere Beispiele sind Franz Grillparzers Die Ahnfrau (1816), Zacharias Werners Der 24. Februar (1809), Adolf Müllners Die Schuld (1812), Ernst von Houwalds Die Heimkehr (1821) sowie Ernst Raupachs Der Müller und sein Kind (1835). Schon früh wurde die Schicksalstragödie parodiert, so mit Ignaz Franz Castellis Der Schicksalsstrumpf (1818) oder August Graf von Platens Die verhängnisvolle Gabel (1826).

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