Windows Live® Suchergebnisse
Windows Live® Suchergebnisse SchöpfungEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Schöpfung, in verschiedenen Religionen Bezeichnung für die Erschaffung der Welt, der Dinge und der Entstehung des Menschen, meist durch eine eigenständige Macht. Ausdruck finden die Schöpfungsvorstellungen in erzählten Kosmo-, Theo- und Anthropogonien. Diese Mythen über Herkunft von Kosmos, Göttern und Menschheit gehören zum Grundbestand aller Völker und Religionsgemeinschaften. Sie liegen menschlichen Gesellschaftsformen zugrunde und erzählen von ihrem Ursprung in einer früheren Zeit. Der Glaube an eine Schöpfung ist stets mit dem Glauben an ein göttliches Gesetz, eine kosmische Ordnung oder ein Auserwähltsein verbunden, den alle Mitglieder der jeweiligen Gesellschaft teilen. Um diese Gesetzlichkeit aufrechtzuerhalten, spiegelt sich die schöpferische Ordnung im Kultus, in der Liturgie oder in Ritualen der Religionen wider und erfährt durch deren Vollzug, z. B. während religiöser Feste, ihre stetige Erneuerung und Bestätigung. Somit sind Schöpfungslehren nicht nur Ergebnis gedanklicher Reflexion, sondern zugleich Ausdruck eines praktischen Bemühens um Lebenssicherung. Die Schöpfungsmythen können verschiedenen Beschreibungsmustern folgen: So kennt die Religionsgeschichte sowohl die Schöpfung aus dem Chaos, aus einem Urstoff, wie auch aus dem Nichts (creatio ex nihilo). Die Welt wird aus den Gliedern eines mythologischen Urwesens oder nach dessen Opfertod analog zu ihnen gebildet. Ursprung der Schöpfung kann die sexuelle Vereinigung eines Götterpaares, häufig Inzest, oder ein gewaltiger Kampf der Götter sein. Sie ist die Folge eines (handwerklichen) Tuns oder des gesprochenen göttlichen Wortes eines Schöpfers. Um die handelnden Gottheiten zu beschreiben, treten diese in den Überlieferungen als Welteltern, Baumeister, Schmiede oder Töpfer auf. Wie der Schöpfungsakt als Schöpfung zu verstehen ist, so ist es aber auch das Schöpfungswerk als solches. Theologische Rede verwendet diesen Begriff deshalb für die Welt, die Natur und das Leben. Im übertragenen Sinne wird als Schöpfung alles bezeichnet, was schöpferische Tätigkeit des Geistes hervorbringt.
Zahlreiche Elemente von Schöpfungsmythen sind weltweit verbreitet, erfahren jedoch ihre spezifische Ausgestaltung durch lokale Traditionen der Völker, die die Entstehung der eigenen kulturellen Lebenswirklichkeit in den Mittelpunkt stellen. Nach dem babylonischen Epos Enuma Elisch fand am Beginn der Welt ein Götterkampf zwischen dem Gott Marduk und der Urmeergöttin Tiamat statt. Zwei Schöpfungsberichte kennt die israelitische Tradition im Alten Testament: Der erste (Genesis 1, 1-31; 2, 1-4a) gehört zur Priesterschrift, die nach dem babylonischen Exil im späten 6. Jahrhundert vor Christus niedergeschrieben wurde. Der zweite (Genesis 2, 4b-24) stammt vom so genannten Jahwisten und wird zeitlich vor der babylonischen Gefangennahme datiert. Gott erweist sich als Schöpfer durch sein Wort oder handelnd, wie der Jahwist beschreibt, indem er den Menschen aus Erde bildet. Schon die Sumerer kannten solche Schöpfergottheiten: den Himmel und Erde trennenden Gott Enlil und den Gott Enki. Bei den Azteken waren die Götter Quetzalcoatl und Tezcatlipoca verantwortlich für das Entstehen des Kosmos und schufen die Kultur der Menschen. Für die Ägypter ist die Erschaffung der Welt das Produkt der Gedanken und Worte des Gottes Ptah oder Werk des Sonnengottes Re. In iranisch-persischen Religionen (siehe Zarathustra) und im Dualismus der Gnosis wird zwischen einem guten und einem bösen Schöpfergott unterschieden. Auch nordasiatische und osteuropäische Völker kennen dieses Motiv konkurrierender schöpferischer Wesen. Vergleichbar damit ist die chinesische Anschauung vom Schöpferhandeln der Urkräfte Yin und Yang, die nur durch ihre Polarität wirksam werden können. Die Vorstellung von einem Schöpfer teilen das Judentum und das Christentum. Im Neuen Testament findet sich an vielen Stellen die Rede von der Schöpfung durch Gottes Wort (z. B. 2. Korinther 4, 6; Hebräer 11, 3). Die christliche Heilserwartung identifiziert den Gott der Schöpfung mit dem in Jesus Christus offenbarten Gott. Der Koran nimmt in zahlreichen Textstellen Bezug auf den Erschaffer des Himmels und der Erde (Suren 2, 16, 40, 41, 45). Es gibt jedoch keinen kontinuierlichen Bericht über eine Schöpfung. Vielmehr ist sie ein in allen Dingen sichtbares Zeichen für den Menschen, auf das er in Dankbarkeit antworten soll. Nach jüdischem, christlichem wie auch islamischem Selbstverständnis ist dieser Gott nicht nur der Herr der Schöpfung, sondern auch Herr der Zeit, der Geschichte, des Gerichts und der Erlösung. Eine solche Einbindung der Schöpfung in die Geschichte führt oftmals zur Erwartung einer neuen Schöpfung in der Zukunft. Mit ihr werden die negativen Grundbedingungen der bestehenden Welt aufgehoben, und die ursprüngliche Schöpfung kann sich entfalten. Sowohl den alttestamentlichen Propheten (z. B. Jesaja) als auch den Schriften des Neuen Testaments (Petrusbriefe; Römerbrief; Offenbarung) ist diese Hoffnung vertraut. Aus der indischen Religionsgeschichte sind viele Weltentstehungsmythen überliefert: Nach der Lehre der Upanishaden gilt Brahman als die Urmaterie, aus der dann der Weltschöpfer Brahma entsteht. In den Veden (Singular: Veda) ist es Prajapati, der zunächst sich als goldenen Eidotter und dann das Universum schuf. Daneben gibt es im Rigveda auch die Geschichte vom Gott Indra, der am Beginn der Welt den Urdrachen Vritra töten musste. Die Brahmanen berichten vom Ausbrüten des Welteis. Das ist eine Beschreibung, wie sie auch der Orphische Mythos und das finnische Nationalepos Kalevala kennen. Der menschlichen Lebensordnung vergleichbar steht oft am Beginn des Kosmos ein Weltelternpaar, von dem alles ausging. Bei den Griechen waren es Okeanos und Tethys. Nicht nur die Geburt, sondern auch der Opfertod kann schöpferische Qualität besitzen. Nach indischer Überlieferung ging aus dem Leib des Purusha, eines Urriesen, die Schöpfung hervor. Ähnliches erzählen die Mythen vom Tod des germanischen Ymir, des südchinesischen P’an Ku, der indonesischen Hainuwele und des Nommo der afrikanischen Dogon, die jeweils mit ihren Gliedern zur Entstehung des Universums beitrugen. Im Buddhismus ist eine Schöpfungslehre nicht ausgeprägt. Da die Welt als negativ angesehen wird und der Mensch an ihr nicht festhalten soll, ist ihre Entstehung nicht Inhalt einer Spekulation. Sie ist dem Kreislauf des Werdens und Vergehens unterworfen, von den Aktivitäten der Götter unbeeinflusst. Der Jainismus geht von einem unerschaffenen und unzerstörbaren Kosmos aus, der sich aus ewigen Substanzen zusammensetzt. Ein Kennzeichen vieler Mythen ist die besondere Betonung des Weiblichen im Schöpfungsakt. Im Hinduismus ist so jedem Gott als bewusste Schöpferkraft seine weibliche Shakti zugeordnet. Kosmogonien zahlreicher Völker (Afrika, Polynesien) überliefern rituelle Vorschriften, die an entscheidende Lebenssituationen (Geburt, Tod) gebunden sind. Oftmals nimmt das kosmologische Denken Formen einer philosophischen Spekulation an, z. B. in der griechischen Naturphilosophie und der chinesischen Lehre des Taoismus. Anthroposophische Lehren kennen auch eine „Schöpfung im Geist”, nach der der Mensch als rein geistiges göttliches Wesen beschrieben wird.
© 1993-2008 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. |
© 2008 Microsoft
![]() ![]() |