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Werner Schroeter (*1945), deutscher Film-, Opern- und Theaterregisseur. Mit Filmen wie Eika Katappa (1969) oder Der Tod der Maria Malibran (1971) profilierte er sich als einer der eigenwilligsten und experimentierfreudigsten Vertreter des Neuen deutschen Films. Schroeter wurde am 7. April 1945 als Sohn eines Ingenieurs in Georgenthal (Thüringen) geboren und wuchs in Bielefeld und Heidelberg auf. Er studierte drei Semester Psychologie in Mannheim und arbeitete nebenbei als Journalist. Den Besuch der Münchner Filmhochschule brach er nach wenigen Wochen ab. Er brachte sich das filmische Handwerk autodidaktisch bei und stellte 1967 auf dem Experimentalfilmfestival in Knokke seine erste Arbeit Verona vor. Ab 1968 drehte Schroeter 8-mm-Filme, u. a. in Zusammenarbeit mit Rosa von Praunheim, z. B. Maria Callas Porträt (1968), einer von mehreren Kurzfilmen, in denen er seiner leidenschaftlichen Verehrung für die legendäre Operndiva Maria Callas Ausdruck verlieh, Mona Lisa (1968) und Übungen mit Darstellern (1968). Im 16-mm-Format entstanden Argila (1968) und Neurasia (1968), die bereits typische Merkmale von Schroeters filmischem Stil und seiner thematischen Vorlieben aufweisen: Mit Pathos und Sentiment in Szene gesetzte melodramatische Bruchstücke voller Zitate und Anspielungen, die bewusst auch Kitsch und Triviales aufnehmen und die extrem stilisiert die Themen Liebe, Leidenschaft und Tod in den Mittelpunkt rücken. Diese Arbeiten weisen ihn als innovativsten Vertreter des deutschen Avantgardefilms aus. In seinen Filmen spielt die Musik, speziell die Oper, eine große Rolle, die er in außergewöhnlicher Weise in die filmische Handlung einbaut. Schroeters Filme handeln meistens von Außenseitern, deren Leidenschaften in expressiver Form dargestellt werden. Eika Katappa (1969), Schroeters erster längerer Film, ist eine Sammlung melodramatischer Versatzstücke mit religiösen und mythologischen Anspielungen, unterlegt mit Schlager- und Opernmusik. Es folgten Der Bomberpilot (1970) und die Oscar-Wilde-Adaption Salome (1971). Der Tod der Maria Malibran (1971; mit Christine Kaufmann), eine opulente Arbeit von großer visueller Kraft, verarbeitet Motive aus dem Leben der berühmten Sängerin Maria Malibran und wurde von dem Regisseur als sein Hauptwerk bezeichnet. Das leichter zugängliche Melodram Willow Springs (1973) erzählt die Geschichte dreier Frauen, die sich in die Einsamkeit der kalifornischen Wüste zurückziehen und dorthin gelockte Männer töten. Nach Johannas Traum (1972/1974), Der schwarze Engel (1973/74), Flocons d’or (1976) wandte sich Schroeter ab Ende der siebziger Jahre konventioneller erzählten Spielfilmen zu. Den Auftakt bildete der preisgekrönte Spielfilm Neapolitanische Geschwister (1978), eine Chronik Neapels und die Lebensgeschichte eines Geschwisterpaares. Für Palermo oder Wolfsburg (1980), einen eigenwilligen Film über die Probleme eines jungen Sizilianers, in Deutschland Fuß zu fassen, wurde er 1980 bei den Berliner Filmfestspielen mit dem „Goldenen Bären” ausgezeichnet. Ab Anfang der achtziger Jahre entstanden Weiße Reise (1980), Generalprobe (1980), Tag der Idioten (1981, mit Carole Bouquet), Liebeskonzil (1982; nach Oskar Panizza), Der lachende Stern (1983), Der Rosenkönig (1985), Malina (1990; nach dem Roman von Ingeborg Bachmann) und Poussières d’amour (1996), eine sehr persönliche Annäherung an die Welt der Oper und ihrer Sänger. Die Königin (2000) ist eine leidenschaftliche Hommage an die deutsche Schauspielerin Marianne Hoppe. 1996 wurde Schroeter beim Filmfestival in Locarno mit einem Ehren-Leoparden für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Schroeters bevorzugte Darstellerin war Magdalena Montezuma. Neben seiner Filmtätigkeit machte sich Werner Schroeter auch einen Namen als innovativer und experimentierfreudiger Theater- und Opernregisseur. Unter anderem inszenierte er Lessings Emilia Galotti (Hamburg 1972), Oscar Wildes Salome (Bochum 1973), Victor Hugos Lukrezia Borgia (Bochum 1974), August Strindbergs Fräulein Julie (Bochum 1977), Lessings Miß Sarah Sampson (Kassel 1977), Heinrich von Kleists Das Käthchen von Heilbronn (Bochum 1978), Richard Wagners Lohengrin (Kassel 1979), Georg Büchners Leonce und Lena (Bremen 1986), Rainer Werner Fassbinders Katzelmacher (Düsseldorf 1987), Friedrich Schillers Don Carlos (Bremen 1988), Hans Henny Jahnns Medea (Düsseldorf 1989), William Shakespeares König Lear (Düsseldorf 1990), Giuseppe Verdis Luisa Miller (Amsterdam 1991), Lenz’ Die Soldaten (1992), Jules Massenets Werther (Bonn 1993), Giacomo Puccinis Tosca (Paris 1994), Molières Der Menschenfeind (1995), Die Perser von Aischylos (Köln 1995), die Bühnenfassung von Charlie Chaplins Monsieur Verdoux (Berlin 1997), Slobodan Šnajders Windsbraut (Bochum 1998) und Racines Phädra (Bochum 1999).
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