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Windows Live® Suchergebnisse Skandinavische Kunst und ArchitekturEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Steinzeit; Germanische Kunst; Mittelalter; Renaissance und Barock; Klassizismus, Historismus und die Kunst des 19. Jahrhunderts; Moderne Kunst und Architektur
Skandinavische Kunst und Architektur, die Kunst und Architektur Skandinaviens, worunter hier die heutigen Territorien der nordischen Staaten Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden verstanden werden. Island wird geographisch nicht zu Skandinavien gerechnet, gehört aber zum Kulturkreis der nordischen Länder Europas und wird daher hier mit berücksichtigt. Grönland gehört zwar politisch zu Dänemark, das Kunstschaffen der grönländischen Eskimos hat jedoch seine Wurzeln in einem gänzlich anderen Kulturkreis (siehe Kunst der Eskimo). Eine Besonderheit ist ferner die Kultur der Lappen (Samen), einem Volk der finnougrischen Sprachfamilie. Die Lappen leben vor allem in den Regionen nördlich des Polarkreises, die traditionelle Lebensweise der halbnomadischen Rentierzüchter ist noch weit verbreitet. Ihre materielle Kultur besteht in einer reichen und nach wie vor lebendigen Volkskunst.
Die Steinzeit dauerte in Skandinavien bis etwa 1800 v. Chr. Sie ist durch Keramik (Megalith- und Einzelgrabkeramik, siehe Megalithbauten) und Felsbilder belegt. Bei den Funden muss zwischen den Erzeugnissen der vorindogermanischen und der während der Jungsteinzeit vordringenden germanischen Bevölkerung unterschieden werden. Die skandinavisch-karelische Felsbildkunst zeigt wie überall in Europa einen Hang zur Abstraktion; dabei sind die älteren Werke eher realistisch, jüngere Werke stilisiert wie z. B. die Ritzzeichnungen von Jägern und Fischern sowie von Tieren wie Elchen, Vögeln und Fischen. Die keramische Kunst (siehe Keramik (Kunst)) ist dagegen arm an figürlichen Darstellungen, hier herrschen lineare Ornamente vor.
Die Bronzezeit dauerte in Skandinavien bis etwa 600 v. Chr., die Eisenzeit bis in die ersten nachchristlichen Jahrhunderte; daran schließt sich eine frühgeschichtliche Epoche der Kunst an, deren letzte Stufe die Wikingerkultur (von 800 bis 1100) darstellt. Aus der Bronzezeit sind neben Keramik vor allem Schmuck und verzierte Waffen erhalten. Die bronzezeitlichen Felsbilder zeigen beispielsweise Axtträger, pflügende Bauern, verschiedene domestizierte Tiere, Wagen und Schiffe, Spiralen und Sonnensymbole. Aus der frühgeschichtlichen Periode stammen u. a. Schmuckstücke mit Auflagen farbiger Edelsteine und mit Email. Im 6. und 7. Jahrhundert wurden kreisrunde Schmuckscheiben aus Goldblech, die so genannten Goldbrakteaten, hergestellt; sie sind reliefiert und zeigen von Ornamenten eingerahmte Tier- und Götterbilder. Charakteristisch ist die Tierornamentik und das so genannte Bandgeflecht der späteren Zeit, insbesondere der Wikingerkunst. Derartige Schmuckformen finden sich noch an den ersten christlichen Holzkirchen (Stabkirchen), so im norwegischen Urnes. Zu den bedeutendsten Funden der Wikingerzeit gehören das Oseberg- und das Gokstad-Schiff, in denen eine Fürstin bzw. ein Fürst mit reichen Grabbeigaben beigesetzt wurden und die heute im norwegischen Volksmuseum in Oslo-Bygdøy ausgestellt sind. In den Jahrhunderten nach Christi Geburt wanderten die Finnen aus dem Baltikum ein. Island wurde ungefähr zwischen 870 und 930 durch Wikinger, keltische Mönche und Schotten besiedelt, die jeweils ihre Kultur mitbrachten. Die Kunst und Architektur Islands blieb später weitgehend unter skandinavischen Einfluss.
Um 1000 wurde Skandinavien von Norddeutschland aus christianisiert. Aus dieser Zeit stammen die ältesten erhaltenen Bauten der nordischen Länder. Der früheste Profanbau ist durch die Funde von Trelleborg in Dänemark belegt: Hier wurden die Reste von 16 Holzhäusern ausgegraben, die jeweils 30 Meter lang waren und in quadratisch angelegten Vierergruppen zu einem großen Quadrat angeordnet waren. Die Anlage wurde um 1000 erbaut. Auch Kirchen wurden zunächst aus Holz errichtet, wobei die norwegischen Stabkirchen eine besonders eigenständige Kulturleistung darstellen. Daneben entstanden Kirchen in Blockbauweise. Für schwedische Holzkirchen sind die frei stehenden Glockentürme in Skelettbauweise charakteristisch. Kirchliche Stein- und Backsteinbauten vor allem nach deutschem Vorbild setzten sich zwischen 1100 und 1160 durch. In der romanischen Baukunst ist sowohl der Typus der Basilika als auch der Hallenkirche verbreitet; in Schweden finden sich auch Rundkirchen. Der um 1170 in Backstein errichtete Dom von Kalundsborg in Dänemark ist ein Zentralbau. Stilelemente des um 1190 begonnenen, französisch beeinflussten Doms von Roskilde in Dänemark, ebenfalls ein Backsteinbau, zeigen schon erste Anklänge der Gotik. Neben deutschen und französischen Einflüssen auf die skandinavische Architektur wurden solche aus Italien, England und Russland nachgewiesen oder zumindest vermutet. So sind vor allem die Kathedralen Norwegens von der englischen Romanik und Gotik geprägt (Stavanger, um 1130 begonnen, mit gotischem Chor; Trondheim, um 1150 begonnen). Die wichtigsten gotischen Dome Schwedens stehen in Linköping und Uppsala. Finnland wurde im Mittelalter von den Schweden erobert und blieb lange unter schwedischer Herrschaft. Zu den frühesten Steinbauten gehören hier die Burgen der Eroberer sowie kleinere Kirchen, meist mit frei stehendem Glockenturm. Der bedeutendste Kirchenbau entstand in der damaligen Hauptstadt Turku: der vom 13. bis zum 15. Jahrhundert unter dem Einfluss der norddeutschen Backsteingotik errichtete Dom. Auch die mittelalterliche Malerei und Plastik blieb weitgehend fremden Vorbildern verpflichtet. Da die Reformation in Skandinavien zu keinem Bildersturm führte, sind mittelalterliche Werke (zum Teil in einem guten Zustand) noch zahlreich erhalten. Seit 1483 hielt sich der norddeutsche Bildschnitzer und Maler Bernt Notke in Stockholm auf. Hier vollendete er 1489 sein Hauptwerk: die dramatische Sankt-Jürgen-Gruppe (Heiliger Georg mit dem Drachen) in der Storkyrka Sankt Nikolai. Notke war auch maßgeblich an der Gestaltung des Hochaltars (1478) im Dom zu Århus in Dänemark beteiligt.
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