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Windows Live® Suchergebnisse TalibanEnzyklopädieartikel
Taliban oder Taleban (arabisch: [Religions-]Schüler), religiös-politische Bewegung in Afghanistan, die von 1996 bis 2001 weite Teile des Landes beherrschte. Die Bewegung der Taliban entstand Anfang der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts im Umfeld der in Pakistan lebenden paschtunischen Flüchtlinge. Sie ging aus einem Kreis von einigen Hundert Jugendlichen hervor, die ihre religiöse Erziehung an den Koranschulen der Jama’ati Ulama Islami erhielten. Die Ideologie der Taliban bildet eine Mischung aus einem einseitig puritanisch-orthodox interpretiertem und zum Teil auch verfälschtem Islam und paschtunischem Nationalismus. Wie die Mehrheit der afghanischen Bevölkerung sind die Taliban Sunniten und Anhänger der hanafitischen Rechtsschule; sie verfechten einen orthodoxen Islam wahhabitischer Prägung, wie ihn das saudische Königshaus repräsentiert; Saudi-Arabien gilt neben Pakistan als wichtigster Finanzier der militanten Bewegung. Zudem sind sie dem Paschtunwali, dem paschtunischen Rechts- und Moralkodex, verpflichtet. Darüber hinaus dient Ahmed Schah als historisches Vorbild, der paschtunische Stammesfürst, dem es im 18. Jahrhundert gelang, die Einheit Afghanistans herzustellen und das nördliche Indien unter seine Vorherrschaft zu bringen. Religiöses und politisches Oberhaupt ist seit April 1996 Mohammed Omar, der sich in Anlehnung an die Kalifen „amir al-mu’manin” („Fürst der Gläubigen”) nennt. Ende 1994 wurden die Taliban aktive Kriegspartei im afghanischen Machtkampf; die rasche Eroberung von mehreren Provinzen im Süden des Landes bildete den Auftakt für ihren Siegeszug im ganzen Land, wobei ihnen die militärischen Erfolge und das rigorose Vorgehen gegen die kriminellen Banden die Unterstützung der kriegsmüden Bevölkerung einbrachte. Von ihrem Stützpunkt in Kandahar aus gelang den Taliban 1995/96 die Eroberung weiter Teile des Landes; mit der Einnahme von Kabul im September 1996 setzten sie sich gegen die von den Tadschiken dominierten und untereinander zerstrittenen Mudschaheddin-Gruppen sowie den usbekischen General Abdul Rashid Dostum durch. Die Regierungsgewalt übernahm ein sechsköpfiger Rat mit Mullah Mohammed Rabbani als Regierungschef; unmittelbar nach der Machtübernahme wurde das islamische Recht (siehe Scharia) in Kraft gesetzt. Dazu gehören u. a. Schulverbot für Mädchen, Berufsverbot für Frauen, rigide Bekleidungsvorschriften für Männer und Frauen. Ende 2000 hatten die Taliban etwa 95 Prozent des Landes unter ihre Kontrolle gebracht. Nur noch Teile der nordöstlichen Provinzen Kondoz (Kundus) und Takhar werden von der so genannten Nordallianz gehalten. Diese stand unter Führung des Verteidigungsministers General Achmed Schah Massud, der am 9. September 2001 einem Attentat zum Opfer fiel. Sein Nachfolger war Abdullah Abdullah, der spätere Außenminister Afghanistans. International war das Taliban-Regime nur von einigen wenigen islamischen Ländern offiziell anerkannt. Vermittlungsversuche zwischen den Taliban und der Nordallianz, die vor allem die Vereinten Nationen seit 1999 zur Beendigung des Bürgerkrieges unternahmen, scheiterten regelmäßig. Im Januar 2001 verhängte die UN ein Waffenembargo gegen die Taliban wegen deren Unterstützung des mutmaßlichen Terroristen Osama bin Laden. Menschenrechtsorganisationen wie amnesty international, die Gesellschaft für bedrohte Völker und Human Rights Watch warfen den Taliban schwerste Menschenrechtsverletzungen vor. In den eroberten Gebieten des Nordens wurden von den Taliban-Milizen Tausende von Zivilisten ermordet; besonders Tadschiken und Usbeken fielen den Massakern und dem brutalen Vorgehen der Milizen zum Opfer. Der Terror richtete sich auch massiv gegen die ethnische und religiöse Minderheit der Hazara, die im zentralen Hochland von Afghanistan leben. Internationale Entrüstung und Proteste rief vor allem auch eine Kampagne zur systematischen und umfassenden Zerstörung aller vorislamischen, insbesondere buddhistischen Kunstwerke hervor, darunter die beiden Kolossalstatuen Buddhas von Bamian aus dem 5. Jahrhundert und die Kunstschätze des Museums in Kabul. Nach den Terrorangriffen gegen die USA am 11. September 2001 konnten diese mit hoher Sicherheit belegen, dass der aus Saudi-Arabien stammende Terrorist Osama bin Laden als Drahtzieher und Finanzier hinter den Anschlägen stand. Die USA verlangten von Afghanistan, wo bin Laden Gastrecht genießt, seine sofortige Auslieferung. Die Taliban beriefen eine Versammlung von tausend islamischen Gelehrten ein, die eine Fatwa, eine religiöse Rechtsauskunft, erarbeiten sollten. Den Empfehlungen folgend, legten die Taliban bin Laden nahe, das Land zu verlassen, lehnten jedoch seine Auslieferung ab. Daraufhin begannen die USA und Großbritannien am 7. Oktober 2001 mit Luftangriffen, zu deren Zielen vor allem Flughäfen zählten. Bin Laden reagierte mit der Ausrufung des Heiligen Krieges (siehe Jihad) gegen Juden und Christen. Die vereinten Streitkräfte der Nordallianz, der USA und deren Verbündeter konnten bis Ende 2001 weite Teile Afghanistans unter ihre militärische Kontrolle bringen, die Taliban entmachten und die Terrororganisation al-Qaida weitgehend zerschlagen. Im Lauf des Jahres 2002 war jedoch eine Reorganisation sowohl der Taliban wie von al-Qaida zu beobachten, und im darauf folgenden Jahr waren die Taliban bereits wieder so weit erstarkt, dass sie in den abgelegenen Provinzen stellenweise wieder die Kontrolle übernehmen konnten und bei der afghanischen Regierung wie bei den in Afghanistan stationierten internationalen Friedenstruppen Befürchtungen vor neuerlichen Übergriffen weckten. Die politischen, wirtschaftlichen und administrativen Strukturen des Landes sind infolge des Bürgerkrieges und der Herrschaft der Taliban weitgehend zerfallen. So genannte Warlords, Anführer bewaffneter Banden, gewinnen wachsende politische Macht. Die Wirtschaft beruht weitgehend auf der Produktion von Opium; 1999 wurden 4 600 Tonnen erzeugt.
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