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Wallfahrt

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Pilger vor der Basilika in LourdesPilger vor der Basilika in Lourdes

Wallfahrt, ein in vielen Universal- und Volksreligionen üblicher Gang, feierlicher Zug oder eine Reise zu einer innerhalb der jeweiligen Religion als heiliger Ort empfundenen Stätte oder zu einem Kultobjekt, dem charismatische, d. h. durch den Geist Gottes bewirkte Eigenschaften zugeschrieben werden. Charakteristischerweise werden Wallfahrten gemeinschaftlich vollzogen und verlaufen nach einem tradierten, symbolisch-rituellen Handlungsablauf. Innerhalb der religionsgeschichtlichen Forschung geht man davon aus, dass Wallfahrten aus dem Glauben heraus entstanden, dass die an einem heiligen Ort vollzogenen Bitten (z. B. nach Fruchtbarkeit oder Heilung von einer Krankheit) und Gebete besondere Wirksamkeit entfalteten. Berühmte Wallfahrten sind u. a. die im Islam üblichen Pilgerfahrten nach Mekka (siehe Hadsch) oder Medina, im Judentum die Reisen nach Jerusalem zu den Wallfahrtsfesten anlässlich Ostern (siehe Passah), Pfingsten (siehe Schawuot) oder zum Laubhüttenfest, oder im Lamaismus die Pilgerfahrten nach Lhasa.

Im Christentum, später im Katholizismus, da Wallfahrten im Protestantismus abgelehnt werden, führten Wallfahrten namentlich nach der legendären Kreuzauffindung (siehe Kreuzfest) 320 durch Helena, der Mutter des Kaisers Konstantin des Großen, vor allem nach Palästina, dem Heiligen Land. Im engen Zusammenhang mit dieser Wallfahrtsbewegung steht auch die Entwicklung der Kreuzzüge. Neben diesen alten christlichen Wallfahrtsstätten traten seit frühester Zeit neue Pilgerorte, zu den Gräbern der Märtyrer oder ihrer Reliquien. So entwickelte sich Rom mit den Gräbern der Apostel Petrus und Paulus schon bald zu einem Zentrum der Wallfahrt, aber auch das inmitten eines Netzes von Wallfahrtswegen liegende, nordspanische Santiago de Compostela (siehe Jakobsweg). Hier erbaute man Ende des 9. Jahrhunderts über der Fundstätte der angeblich von dem Apostel Jakobus dem Älteren stammenden Überreste eine Basilika. Seit dem Mittelalter sind zudem eine Vielfalt von Marienwallfahrten zu verzeichnen, die bisweilen auch zu heute noch wichtigen Wallfahrtsstätten führten. So etwa nach Altötting oder Tschenstochau, wo angeblich wundertätige Marienbilder Ziel der Pilgerfahrt sind. Zu den wichtigsten katholischen Wallfahrtsorten haben sich zudem in Europa in der Neuzeit das französische Lourdes sowie in Portugal der Ort Fátima entwickelt. Lourdes wurde zum Wallfahrtsort, nachdem die 1933 heiliggesprochene Maria Bernardette Soubirous 1858 in einer Höhle 18 Marienerscheinungen hatte. In Fátima hatten 1917 drei Hirtenkinder wiederholte Marienerscheinungen, den Anstoß für die Wallfahrten gab zudem ein von vielen Pilgern 1917 beobachtetes, angebliches Sonnenwunder.

Im Spätmittelalter entwickelten sich bereits neben den immer häufigeren marianischen Wallfahrten Pilgerfahrten zu Orten, von denen das Wunder der blutenden Hostie berichtet wurde. Hierzu gehört z. B. Walldürn im Odenwald.

Seit dem 19. und 20. Jahrhundert hat die Wallfahrt im Zuge der Entwicklung der Massenverkehrsmittel immer mehr den Charakter einer symbolisch-rituellen Reise verloren. Dies gilt besonders für die international ausgerichteten Wallfahrten nach Rom, Fátima oder Lourdes, wo inzwischen der Aufenthalt an der heiligen Stätte mehr an Gewicht bekommen hat als die Wallfahrt selbst. Demgegenüber lässt sich in Deutschland in den letzten Jahren wieder ein Trend zum traditionellen Wallfahren feststellen.

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