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Windows Live® Suchergebnisse WeltreicheEnzyklopädieartikel
Weltreiche, weltweiter Herrschaftsanspruch eines Reiches bzw. Herrschers und Deutungsschema für den Ablauf der Weltgeschichte. Die Vorstellung, dass die Grenzen des eigenen Reiches mit denen der Welt identisch seien, begegnet erstmals bei den akkadischen (siehe Sumerer) Gottkönigen (2350-2200 v. Chr.), nachdem Sargon I. den Ostrand des Mittelmeeres erreicht hatte. Sein Herrschertitel lautete: „Herr der vier Erdteile”. Dieser Anspruch blieb in den Großreichen des Vorderen Orients lebendig, erscheint in persischen Königstiteln und erfüllte in seinen letzten Jahren (326-323 v. Chr.) das Denken Alexanders des Großen, der ihn in Indien und mit seinen Plänen zur Eroberung des Westreiches zu verwirklichen suchte. Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. ging dieser Gedanke durch den Geschichtsschreiber Polybios auf die Römer über, deren Kaiser schließlich durch ihre Eroberungen ein Weltreich schufen; in der Neuzeit verkörperte u. a. Kaiser Karl V. einen Weltherrschaftsanspruch. Nach indisch-persischen Anregungen zur Periodisierung der Geschichte erscheint die Idee von vier aufeinander folgenden Weltreichen seit 165 v. Chr. mit dem Buch Daniel in der jüdisch-christlichen Apokalyptik (Kap. 2, 7 und 8). Seit dem 1. Jahrhundert n. Chr. wurden die vier Weltreiche als die der Assyrer, Perser, Makedonier und Römer ausgedeutet. Vereinzelt findet sich auch die Siebenzahl nach den Häuptern des Roten Drachens in der Apokalypse (Offenbarung 12), sowie ein vereinfachtes Zweierschema Assyrer-Römer beim Kirchenvater Augustinus. Seit der Danielexegese des Kirchenvaters Hieronymus setzten sich als Weltreiche das Babylonische, das Medisch-Persische, das Griechische und das Römische Reich durch, auf dessen Untergang das Weltende folgt.
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