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Windows Live® Suchergebnisse WertformEnzyklopädieartikel
Wertform, analytischer Begriff aus der marxistischen Werttheorie. Marx ging es darum, die Genesis und Bedeutung des Geldes zu erklären. Geld (Tauschwert) ist die Erscheinungsform des Wertes von Waren, der durch die in ihnen vergegenständlichte Arbeit bestimmt ist (Wertgesetz). Marx stellte fest, dass die Warenproduktion das Geld als allgemeines Äquivalent für alle Waren hervorbringt; anders gesagt die Geldwirtschaft basiert auf der Warenproduktion. Arbeitsprodukte werden zu Waren, wenn sie als Eigentum von Privateigentümern hergestellt und am Markt ausgetauscht werden (müssen); dann nämlich kommt es auf das Austauschverhältnis und daher auf den Wert an. Das gesellschaftliche Verhältnis der Warenproduzenten ist das der Konkurrenz: Jede andere Ware verhindert möglicherweise die Verwandlung der eigenen Ware in Geld, und erst mit diesem Akt ist der Zweck der Warenproduktion erreicht. Als „Fetischcharakter der Ware” bezeichnete Marx die (falsche) Vorstellung, Produktion sei immer Warenproduktion, Arbeitsprodukte seien immer Waren (Wertdinge). Wert sei keine Eigenschaft der Dinge, sondern resultiere aus gesellschaftlichen Verhältnissen. Wert und Ware, Geld und Markt beruhen laut Marx auf Gewalt, nämlich auf der Durchsetzung von Eigentum und Geld durch die Staatsgewalt, die er deshalb als „ideellen Gesamtkapitalisten” bezeichnete. Durch das Eigentum werde jedes Ding einem Eigentümer zugeordnet, auch jedes neu produzierte Stück Reichtum. Mit dem Eigentum werde die Nutzung einer Sache an das exklusive, andere ausschließende Verfügungsrecht darüber gebunden und somit ein Konkurrenzkampf zwischen allen Teilnehmern der Marktwirtschaft etabliert, womit sich das allseitige Bedürfnis nach einer ordnenden (Staats-)Gewalt ergebe. Im Bereich der Konsumption trenne das Eigentum die Bedürfnisse von den Mitteln der Bedürfnisbefriedigung. Ein Eigentumswechsel erfolge nur über das Geld, womit ein Zwang zum Kaufen und Geldverdienen geschaffen sei. Die Mehrheit der Bevölkerung müsse feststellen, dass alle Lebens- und Produktionsmittel anderen gehörten, und dass sie gezwungen sei, (mangels anderer Dinge) ihre Arbeitskraft zu verkaufen. Im Bereich der Produktion lässt das Eigentum unabhängige, miteinander konkurrierende Warenproduzenten entstehen. Als kapitalistische Eigentümer verfügen sie über ausreichend Geld, um fremde Arbeitskraft kaufen und rentabel anwenden zu können. Rentabilität bedeutet hier, dass die Arbeiter einen Wert schaffen, der den Wert ihrer eigenen Arbeitskraft, sprich den Lohn übersteigt (Mehrwert) und insofern Quelle des Gewinns ist. Die kapitalistische Arbeit besitzt demnach einen Doppelcharakter: sie erzeugt konkret-stofflichen Reichtum (Gebrauchswert) und zugleich abstrakten Reichtum (Wert). Dieser Wert wird realisiert, wenn die Ware auf den Markt gebracht und dort versilbert wird, in Konkurrenz zu anderen Waren. Der gesellschaftliche Zweck der Arbeit besteht also nicht darin, die Bevölkerung mit Gebrauchsgütern zu versorgen, sondern Geld zu verdienen. Konkret bedeutet dies für kapitalistische Warenproduzenten, auf dem Markt den in der Ware eingeschlossenen Gewinn zu realisieren und so ihr Eigentum zu vergrößern; die eingesetzte Geldsumme fungiert also als Kapital. Arbeiter müssen die von ihnen selbst hergestellten Produkte auf dem Markt kaufen, da sie bereits in der Produktionssphäre durch das Eigentum von den Resultaten ihrer Arbeit getrennt wurden. Die Arbeiter erhalten einen Lohn, der sie zwingt, lebenslang ein Lohnarbeitsverhältnis einzugehen, weshalb Marx die Lohnarbeit als untaugliches Mittel betrachtete. Für ihn war Lohnarbeit gleichbedeutend mit gesellschaftlich erzeugter Armut, Knappheit, mit Mangel, der keineswegs aus dem Mangel an Gütern resultiere. Im Kapitalismus sind Gebrauchswerte nur Mittel zum Zweck. Für den Zweck der Geldvermehrung ist es gleichgültig, ob Kühlschränke, Waffen oder Erdnussriegel erzeugt werden. Wie Marx darlegt, schließt dieses Verhältnis auch Betrug ein: Solange sich eine Ware verkaufen lässt, wird der Versuch unternommen, an der Qualität zu sparen und so den Gewinn zu steigern. Wenn der Erfolg am Markt ausbleibt, macht dies rückwirkend die gelaufene Arbeit nutzlos, obwohl die Menge der Gebrauchswerte vermehrt wurde. Bleibt der finanzielle Erfolg aus, werden Fabriken geschlossen; die Arbeiter werden somit dafür haftbar gemacht, dass die Vermarktung der Ware nicht klappt. Mitunter werden im Kapitalismus sogar Gebrauchswerte bewusst vernichtet, um ihren Preis zu erhöhen. Hinzu kommt der verschwenderische Umgang mit Ressourcen: Die neue Ware ist der Feind der alten, auch wenn diese noch durchaus gebrauchstüchtig ist. Die Wertform schließt nach Marx eine Reihe von Härten, Zwängen und Widersprüchen für die ganze Gesellschaft, insbesondere aber für die Arbeiterklasse ein: Materielle Güter mögen zwar vorhanden (weil produziert) sein und benötigt werden, ohne Kauf ist eine Nutzung aber ausgeschlossen, eine Bedürfnisbefriedigung unmöglich. Denn der Zweck der Produktion ist erst dann erreicht, wenn die kapitalistischen Eigentümer ein Geschäft machen, mithin ihr Geld vermehren. Die produktive Arbeit (und die Natur) fungieren als Mittel der Wertproduktion, was ihre Schädigung einschließt. Marx bezeichnete die produktive Arbeit sogar als variables Kapital, d. h. als Arbeit, die vollkommen der Kommandogewalt der Eigentümer unterworfen ist. Aus deren Sicht sollte die Wert schaffende Arbeit wenn möglich rund um die Uhr erfolgen, auf jeden Fall aber höchst flexibel einsetzbar sein je nach den betrieblichen Bedürfnissen. Lebenszeit wird in Arbeitszeit verwandelt, und dies betrachtete Marx als zu minimierendes Übel, als Verkrüppelung von Menschen. Dem stellte er eine Gebrauchswertproduktion entgegen, in der die Arbeitenden in einem Plan definieren, was sie brauchen und daher produzieren wollen. Die Steigerung der Arbeitsproduktivität eröffne dann der Gesellschaft die Alternative, über mehr Gebrauchsgüter oder über mehr freie Zeit zu verfügen. Tendenziell visierte Marx die Abschaffung der (industriellen) Arbeit an. Für ihn bestand der wahre Reichtum einer Gesellschaft in frei disponibler Zeit auf der Basis materieller Bedürfnisbefriedigung. Dagegen führten im Kapitalismus Produktivitätssteigerungen notwendig zur Entlassung von Arbeitern; immer weniger Arbeiter erzeugten einen immer größeren Reichtum. Verglichen mit der gesamtgesellschaftlichen Lohnsumme sinke somit der Anteil der Arbeiterklasse am gesellschaftlichen Reichtum. Da die Konkurrenz die kapitalistischen Unternehmen zwinge, geliehenes Geld (Kredit) einzusetzen, falle der produktiven Arbeit die zusätzliche Aufgabe zu, auch die (Zins-)Ansprüche des Kreditwesens zu bedienen. Schließlich fungiere die produktive Arbeit auch als maßgebliche Quelle des staatlichen Reichtums: Ein nicht geringer Teil des abstrakten Reichtums werde verstaatlicht, der Staat sei mithin Nutznießer der kapitalistischen Benutzung der Arbeit. Um seinen Reichtum zu mehren, versuche der Staat, der nationalen Geschäftswelt den Zugriff auf auswärtigen Reichtum, also auf den Reichtum anderer Nationen zu erschließen – ein imperialistisches Bestreben, das Konflikte bis hin zum Krieg schaffe. Auch insofern agiere der Staat als so genannter ideeller Gesamtkapitalist. Geld kauft Arbeitskraft und kommandiert sie im Arbeitsprozess: Damit tritt neben die Konkurrenz der Kapitalisten die Konkurrenz der Arbeitnehmer. Marx war der Ansicht, die so erzeugte Konkurrenz präge auch nachhaltig das Verhalten der Menschen, und zwar weit über den ökonomischen Bereich hinaus. Der grundsätzliche negative Bezug zum nächsten schlage sich in einem Klima des Misstrauens und der Feindseligkeit nieder, andere Menschen würden als Hindernis oder Mittel für das eigene Fortkommen betrachtet. Die Menschen agierten als so genannte „Charaktermasken”, d. h. ihr Verhalten werde auf kapitalismuskonformes reduziert. Marx erschien es als Absurdität und „Maßlosigkeit des Kapitals”, dass jeder Gewinn nur Ausgangspunkt für neuen, noch höheren Gewinn ist und diesem Zweck alle anderen Interessen untergeordnet bzw. geopfert werden. „Geld regiert die Welt”: Diese (affirmative) Volksweisheit habe in den unerbittlichen Zwängen des Kapitalismus seine reale Entsprechung; Marx zog daraus die Konsequenz, das Geld und seine Basis, die Warenproduktion, seien abzuschaffen.
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