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Windows Live® Suchergebnisse Barthold Hinrich BrockesEnzyklopädieartikel
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Barthold Hinrich Brockes (1680-1747), Hamburger Ratsherr, Übersetzer und Lyriker der Frühaufklärung. Brockes wurde am 22. September 1680 als Spross einer aus Lübeck stammenden Patrizierfamilie in Hamburg geboren. Viele Jahre erhielt er Privatunterricht; erst 1696 trat er in die Lateinschule Johanneum ein. Ab 1700 studierte Brockes u. a. bei Christian Thomasius in Halle Philosophie und Jura. Obwohl hanseatischer Bürger, pflegte er einen aristrokratischen Lebenswandel; auch war er in höfischen Fertigkeiten wie Fechten und Reiten ausgebildet worden. 1702 arbeitete Brockes für ein halbes Jahr am Reichskammergericht in Wetzlar; danach begab er sich auf eine zu seiner Zeit übliche so genannte Kavaliersreise: Stationen waren Heidelberg und Nürnberg, Italien, Genf und Lausanne, Paris, Brüssel und Antwerpen. 1704 promovierte er in Leiden über das Wechselrecht zum Licentiaten der Rechte. Ende 1704 kehrte Brockes in seine Heimatstadt zurück, lebte zunächst ohne festen Beruf oder Anstellung vom Vermögen seines Vaters, das dieser ihm nach seinem Tod (1694) hinterlassen hatte, und ahmte weiterhin den adligen Lebenswandel nach. Aus seiner 1714 mit Anna Lehmann geschlossenen Ehe gingen zwölf Kinder hervor. 1715 gründete Brockes mit anderen angesehenen Hamburger Bürgern die Teutsch-übende Gesellschaft, die die deutsche Sprache und Literatur fördern wollte. 1720 wurde er Ratsherr und unternahm im Auftrag des Rates mehrere diplomatische Missionen. Drei Jahre später beteiligte sich Brockes auch an der Gründung der sozial und politisch engagierten Patriotischen Gesellschaft, die im Rat der Hansestadt eine eigene Fraktion bildete. Die Gesellschaft hatte sich frühaufklärerische Ziele gesetzt: Toleranz, weltbürgerliche Offenheit und gemeinnütziges Handeln. Von ihr wurde die Moralische Wochenschrift Der Patriot (1724-1726) herausgegeben, für die Brockes 23 Beiträge schrieb. 1728 wurde Brockes Stadtrichter, 1730 Landrichter und 1733 Mitglied der Colonellschaft (Kontrollorgan) der Hamburger Bürgerwache. Trotz seiner bürgerlichen Ämter wurde er zu dieser Zeit zum Kaiserlichen Pfalzgrafen erhoben. 1735 bis 1740 war er in Ritzebüttel an der Elbmündung hamburgischer Amtmann. Wieder zurück in Hamburg übernahm er 1741 verschiedene Ämter: er war Präses der Admiralitäts- und Convoy-Deputation, erster Landherr auf dem Hamburger Berg, zweiter und ab 1742 erster Landherr von Hamm und Horn sowie Vorsitzender des Scholarchats. Brockes starb am 16. Januar 1747 in Hamburg.
1712 veröffentlichte Brockes sein Passionsoratorium Der für die Sünde der Welt gemarterte und Sterbende Jesus, das u. a. von Georg Friedrich Händel und Georg Philipp Telemann vertont wurde. Drei Jahre später fertigte er die Übersetzung von Giambattista Marinos Strage degli Innocenti von 1620 unter dem Titel Verteutschter Bethlehemitischer Kinder-Mord des Ritters Marino an. In diesen Arbeiten zeigt sich Brockes noch als Vertreter des in Europa zu dieser Zeit in der Literatur sehr beliebten Manierismus. Der Nachwelt bekannt aber blieb er mit Irdisches Vergnügen in Gott, das er zwischen 1721 und 1748 in neun Bänden veröffentlichte und das bereits bei seinen Zeitgenossen sehr populär wurde. In der an der Dichtung von Lukrez und Vergil orientierten Gedichtsammlung feierte Brockes die Schöpfung Gottes, die er in der Vollkommenheit und Schönheit der Natur zu erkennen glaubte. Gleichzeitig sah Brockes in diesen Beschreibungen eines Naturgefühls auch einen Zusammenhang mit den Naturwissenschaft, die ein Thema der Dichtkunst sein sollte. Die Natur sollte zwischen Gott und der Welt vermitteln. Damit stand Brockes in der Tradition der so genannten Physikotheologie, die die Entdeckungen der Naturwissenschaft christlich zu deuten sucht. Brockes Natur- und Weltanschauung bezieht sich u. a. auf die Theodizee Gottfried Wilhelm Leibnizs’, wonach die von Gott geschaffene Welt die beste aller Welten sei. Mit seinem Irdischen Vergnügen Gott wollte Brockes dafür den Beweis antreten, indem er die Natur, so wie er sie in seinem Garten fand, beschrieb. Somit sind seine Gedichte auch Lehrgedichte.
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