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Windows Live® Suchergebnisse Rudolf AgricolaEnzyklopädieartikel
Rudolf Agricola, eigentlich Roelof Huysman bzw. Huusman, (1444-1485), niederländischer Humanist. Er war einer der führenden Vertreter des Frühhumanismus. Agricola wurde am 17. Februar 1444 als Pfarrerssohn in Baflo bei Groningen geboren. Der Vater Hendrik Vries wurde ein Jahr später Abt des nahe gelegenen Benediktinerinnenklosters; die Mutter entstammte vermutlich der wohlhabenden Kaufmannsfamilie Huysman. Von 1456 bis 1458 studierte Agricola in Erfurt und erhielt 1465 in Löwen den Magister-Titel, ab 1458 studierte er in Pavia römisches Recht, sechs Jahre später ging er nach Ferrara, dem Zentrum des italienischen Humanismus. 1479 kehrte er nach Groningen zurück, folgte aber 1484 einer Einladung des Bischofs von Worms nach Heidelberg, wo er bis zu seinem Tod am 27. Oktober 1485 eine herausragende Rolle im gesellschaftlichen und akademischen Leben spielte. Wie kein anderer vermittelte Agricola die Ideen und das Lebensgefühl der italienischen Renaissance an Deutschland. Sein Werk umfasst Schriften zur Rhetorik und Dialektik sowie Reden, Gedichte und Übersetzungen. In seinem Hauptwerk De inventione dialectica (Erstdruck Löwen 1519) knüpfte Agricola an die antike Rhetorik an, die er erweitert und in eine Neudefinition der scholastischen Rhetorik überführte. Im 16. Jahrhundert hatte es erheblichen Einfluss auf die humanistischen Lehrprogramme; Melanchthon griff auf die von Agricola entwickelte Methode zurück. Agricolas Ruhm als glänzenden Redner begründete die Oratio in laudem philosophiae et reliquarum artium (Rede zum Lob der Philosophie und der übrigen Künste), die er 1476/77 in Ferrara hielt. In Oratio de vita Petrarcae erscheint Petrarca beispielhaft für das humanistische Lebensideal. Darüber hinaus sind 50 Briefe Agricolas erhalten; ein Brief an Jakob Barbirianus (1484), der unter De formando studio überliefert ist, gilt als erste pädagogische Schrift des deutschen Humanismus.
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