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Alterskrankheiten

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Alterskrankheiten, Erkrankungen, die nur bzw. in einer typischen Form im Alter oder gehäuft bei älteren Menschen auftreten.

Mit der Verlängerung der durchschnittlichen Lebenserwartung des Menschen nimmt auch das Auftreten von Krankheiten des Alters zu. So wie für die ersten Lebensabschnitte die medizinische Fachrichtung der Pädiatrie entstand, wurde die Geriatrie der ärztliche Tätigkeitsbereich, der sich speziell um den älteren Menschen kümmert; parallel dazu wandelten sich und wuchsen Aufgabenbereiche und Einrichtungen der Altenpflege. Die Zahl der chronischen Krankheiten nimmt über die Lebensjahrzehnte hinweg stetig und stark zu.

Die allgemeine Krankheitsursache Infektion tritt beim älteren Menschen wegen des schwächer reagierenden Immunsystems häufiger auf, Letzteres ist bedingt durch Vorgänge des Alterns der so genannten retikulohistiozytären Funktionseinheit aus Retikulumzellen (Bindegewebszellen u. a. von Lymphknoten, Milz und Knochenmark), Histiozyten (Fremdkörperfresszellen) sowie Blut- und Lymphgefäßendothelien. Bei Lungenentzündungen werden weniger Leukozyten (siehe Blut) gebildet. Der Zeitraum der Wiedergesundung nach einer Erkrankung (Rekonvaleszenz) ist im Alter bis zu doppelt so lang wie in anderen Lebensabschnitten. Autoimmunkrankheiten und Tuberkulose sind im Alter häufiger. Oft wird für über 60-Jährige eine Grippeschutzimpfung empfohlen.

Innerhalb des Kreislaufsystems muss das ältere Herz meistens einen höheren Blutdruck erzeugen, die Herzarbeit nimmt zu. Phänomene des so genannten normalen Altersherzes gehen fließend in die der Kardiosklerose über, die ausgehend von einer Herzinsuffizienz über deren Dekompensation bis zum Herzversagen führen kann. Mögliche Begleiterscheinungen sind Asthma cardiale, Lungenödem, Altersemphysem (mit Atemnot und Zyanose) und Flüssigkeitsansammlungen in der Bauchhöhle (Aszites). Weitere Beeinträchtigungen der Blutzirkulation können durch Arteriosklerose, Altershypertonie, Herzinfarkt und Lungenembolie auftreten. Periphere arterielle Durchblutungsstörungen treten am ehesten zwischen dem 55. Und 60. Lebensjahr auf. Die Verminderung der Leistungsfähigkeit der Lungen im Alter beruht auf Veränderungen des Brustkorbs wie auch der Lungenalveolen und Lungenkapillaren. Das Vorkommen der chronischen Bronchitis steigt schon nach dem 40. Lebensjahr steil an, Lungenentzündungen (Pneumonien) sind im Alter häufig.

Viele Verdauungsstörungen alter Menschen finden ihre Erklärung durch die abnehmenden, zur Verdauung aber notwendigen Saftbildungen dafür bestimmter Organe. Schon die Veränderungen des Kauapparates beeinflussen die Weiterverarbeitung der Nahrung erheblich: Die Aufgaben der zahnärztlichen Prothetik und der Periodontologie (siehe Zahnheilkunde) nehmen beim älteren Patienten zu. Fast ein Drittel aller Patienten jenseits des 60. Lebensjahres kommt wegen Erkrankungen des Magen-Darm-Kanals zum Arzt. Oft handelt es sich um Organ-Neubildungen; vielfach sind Geschwüre, Verstopfung, Colitis und (Blind-)Darmverschlüsse der Grund. Besondere gastroenterologische Alterserkrankungen sind die Enteroptose (die Senkung einzelner oder mehrerer Bauchorgane), die Zwerchfellhernie (siehe Bruch) und die Verlagerung des oberen Magenteiles als so genannter Kaskadenmagen zum Rücken hin, ferner die durch innere Ausbuchtungen gekennzeichnete Dickdarmdivertikulose und die Colitis ulcerosa. Jede Schädigung der Altersleber hat einen anderen Verlauf als die einer jüngeren, die Heilung, oft unvollständig, dauert grundsätzlich länger. Ein echtes Altersleiden ist die chronische Cholangiohepatitis: Bakterielle Entzündungen der Lebergallengänge greifen über auf das Leberparenchym.

Der Bewegungsapparat insbesondere älterer Menschen wird oft durch Arthrosen und Osteoporosen erheblich beeinträchtigt; vor allem Männer zwischen 50 und 70 leiden oft an Gicht. Ebenfalls häufiger als Frauen erkranken Männer zwischen 40 und 90 am Paget-Syndrom (Morbus Paget, Ostitis deformans), gekennzeichnet durch Schwächung, Verdickung und Verformung der Knochen, insbesondere des Beckens, Schädels, der Wirbelsäule und Beine. Häufig tritt im Alter eine Harninkontinenz auf. Auch bösartige Geschwülste sind mit zunehmendem Alter häufiger. Dennoch sind Krebserkrankungen keine spezifische Alterskrankheit; vielmehr wirkt sich die Summe der im Lauf des Lebens aufgenommenen karzinogenen Stoffe im Alter verstärkt aus. Eines der schwersten Krankheitsbilder im Alter ist das Glaukom; ebenfalls eine Augenerkrankung ist der Alterskatarakt. Neurologisch ragt in seiner Dramatik der Schlaganfall aus anderen das Nervensystem betreffenden Alterserkrankungen hervor, eine weitere bekannte Krankheit dieser Art ist die Parkinsonkrankheit. Geistiger Abbau kennzeichnet die Altersdemenz. Eine gegen manche Alterskrankheiten und -gebrechen mögliche Vorbeugung (Geroprophylaxe) sollte schon Jahrzehnte im Voraus beginnen durch Beachtung bestimmter Verhaltensregeln, etwa hinsichtlich gesunder Ernährung und regelmäßiger Bewegung. Auch ältere Menschen können beispielsweise ihre Muskulatur erfolgreich trainieren: Wie das Journal of Gerontology 2000 berichtete, entsprach der Muskelzuwachs bei 65- bis 70-Jährigen, die ihre Beinmuskulatur trainierten, dem von 20-Jährigen.

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