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Ausstattungsfilm

Enzyklopädieartikel
Multimedia
D. W. Griffith: IntoleranceD. W. Griffith: Intolerance

Ausstattungsfilm (A-Filme), Begriff, der kein Filmgenre bezeichnet, sondern sich auf das Erfinden und Gestalten von fiktiven Räumen oder auf den Nachbau von natürlich wirkenden Kulissen bezieht.

Ausstattungsfilme sind vor allem die so genannten epic dramas; sie basieren z. B. auf antiker Literatur (Fellinis Satyrikon, 1969; Toll trieben es die alten Römer, 1965), Sagen (Die schöne Helena, 1955; Die Fahrten des Odysseus, 1954), mittelalterlichen Epen (Die Nibelungen, 1922/24; El Cid, 1961), biblischen Motiven (Die zehn Gebote, 1957; Salome, 1952), historischen Romanen (Die letzten Tage von Pompeji, 1959; Ben Hur, 1959; Quo Vadis?, 1951), tatsächlichen Begebenheiten (Land der Pharaonen, 1955; 55 Tage in Peking, 1962), Comics (Prinz Eisenherz, 1954) oder Fantasy-Literatur. Auch Abenteuerfilme und Melodramen (Vom Winde verweht, 1939) können A-Filme sein. Ausschlaggebend ist, dass die Ausstattung atmosphärische Dichte vermittelt, ansonsten kann man allenfalls von „ausgestatteten Filmen” sprechen (z. B. die so genannten Sandalenfilme).

Filmgeschichtlich bedeutend war der Übergang vom gemalten Bühnenbild zur dreidimensionalen Kulisse. Generell lässt sich sagen, dass fast alle Stummfilme – unabhängig vom Genre – auch A-Filme sind (Metropolis, 1925/26; Das Cabinet des Dr. Caligari, 1919). Gigantische Szenerien wurden zum ersten Mal für den italienischen Monumentalfilm Cabiria (1914) aufgebaut. Zur Kulisse gehörten antike Tempel- und Wohnanlagen, Paläste und Stadtmauern. 1916 setzte Intolerance neue Maßstäbe: Neben dem alten Babylon wurden auch noch das alte Jerusalem und das Paris zur Zeit der Bartholomäusnacht errichtet.

Auch wenn der Ausstattungsfilm künstliche Räume vorstellt, ist es unwesentlich, ob er im geschlossenem Studio oder unter freiem Himmel gedreht wurde. So entstand für das Melodram Eternal Love (1929) in der Wüste Kaliforniens ein (mittels Marmorstaub) verschneites Schweizer Bergdorf. Für Der Golem, wie er in die Welt kam (1919/20) baute man die so genannte Golem-Stadt, deren Gassen und Plätze die Atmosphäre erzeugen sollten, „in der der Golem atmet”. A-Filme waren kostenintensiv; nachdem sich Mammutproduktionen wie Cleopatra (1962) als finanzielle Flops entpuppt hatten, sah man von weiteren Filmen dieser Art ab. Erst Filme wie Cabaret (1972), Dune (1983, Der Wüstenplanet) oder Die Piratenbraut (1995) lassen sich wieder als A-Filme bezeichnen.

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