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Nick Cave

Enzyklopädieartikel

Nick Cave, eigentlich Nicholas Edward Cave, (*1957), australischer Rockmusiker; Sänger und Komponist. Mit seinem düsteren Sound, seinen morbiden Texten und seiner charakteristischen tiefen Stimme wurde er Mitte der achtziger Jahre eine der interessantesten Musikerpersönlichkeiten der Undergroundszene.

Cave wurde am 22. September 1957 in Warracknabeal (Victoria) geboren. 1977 machte er als Sänger der Gruppe Boys Next Door zunächst in seinem Heimatland auf sich aufmerksam. Umbenannt in Birthday Party, avancierte das Quartett ab 1981 im Umkreis der Londoner Independentszene mit einer eigenwilligen Mischung aus Punk, Blues und Rock zur Kultband. Nach der Auflösung der Gruppe 1983 gründete Cave in Berlin seine eigene Band The Bad Seeds, zu der u. a. der Gitarrist Mick Harvey (ehemaliges Mitglied von Birthday Party) sowie Blixa Bargeld (gleichzeitig Sänger und Gitarrist der Einstürzenden Neubauten) gehörten.

1984 veröffentlichte die Band als erste Single eine düstere Coverversion von Elvis Presleys In the Ghetto sowie das Debütalbum From Here to Eternity, dessen aggressiv-apokalyptische Songs die Kritik begeisterten. Seitdem gehören Nick Cave and The Bad Seeds zu den Konstanten der britisch-europäischen Subkultur. Dunkle folkverwandte Harmonien, morbide psychotische Texte über Frauenmörder, Alkoholiker, Prostituierte und andere Charaktere sowie die charakteristisch tiefe Stimme des Bandleaders, der sich erfolgreich zum „Poeten der Finsternis” stilisierte, verschafften der Band die Aura der eigenwillig kreativen Außenseiter im Musikbusiness.

Nach der avantgardistischen Platte The Firstborn Is Dead (1985) veröffentlichte Cave mit Kicking Against the Pricks (1986) sein kommerziell bis dahin erfolgreichstes Album: Die LP enthielt ausschließlich Coverversionen, von Meilensteinen der Musikgeschichte wie Hey Joe (Jimi Hendrix), The Singer (Johnny Cash), Black Betty (Ram Jam) und All Tomorrow’s Parties (Velvet Underground) ebenso wie von kitschigen Popballaden wie Something’s Gotten Hold of My Heart (Roger Greenaway).

Nach Veröffentlichung der Alben Your Funeral… My Trial (1986) und Tender Prey (1988) kündigte Cave seinen Rückzug aus dem Musikgeschäft an, um sich Film- und Buchprojekten zu widmen: Bereits 1987 hatte er in Wim Wenders’ Film Der Himmel über Berlin mitgewirkt, es folgten einige weitere Arbeiten als Schauspieler, u. a. in dem australischen Gefängnisdrama Ghosts… of the Civil Dead (1989), dessen Drehbuch er mitverfasste und dessen Soundtrack er komponierte und einspielte. Unter dem Titel And the Ass Saw the Angel (1989; Und die Eselin sah den Engel) veröffentlichte Cave einen komplexen Roman voller biblischer Symbolik.

Ab 1990 nahmen Nick Cave and The Bad Seeds wieder Alben auf: The Good Son (1990), Henry’s Dream (1992), Live Seeds (1993) und Let Love In (1994). Große Aufmerksamkeit erntete Cave mit der auf dem Album Murder Ballads (1995) enthaltenen Ballade Where The Wild Roses Grow, einem Duett mit der australischen Sängerin Kylie Minogue, das zum einzigen weltweiten Singlehit der Bad Seeds wurde. Es folgten die CDs The Boatman’s Call (1997), Secret Life of the Love Song (1999), No More Shall We Part (2001) und Nocturama (2003). 2003 verließ Blixa Bargeld die Bad Seeds; das folgende Doppelalbum Abbatoir Blues / The Lyre of Orpheus (2004) stieß bei Publikum und Kritik auf wenig Anklang.

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