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Windows Live® Suchergebnisse Chemische IndustrieEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Produktion; Wirtschaftliche Situation in Deutschland; Wirtschaftliche Situation weltweit; Umweltschutz
Chemische Industrie, Zweig der Grundstoff- und Produktionsgüterindustrie, die Grundchemikalien sowie Zwischen- und Fertigprodukte aus Chemikalien herstellt. Zu den Produkten gehören neben anorganischen und organischen Grundstoffen und Chemikalien insbesondere Düngemittel, Pflanzenbehandlungs- und Schädlingsbekämpfungsmittel, Kunststoffe und synthetischer Kautschuk, Chemiefasern, Farbstoffe, Farben und Lacke sowie Kosmetika; darüber hinaus gehört die pharmazeutische Industrie als Teilbereich zur chemischen Industrie. Im weiteren Sinn werden auch Unternehmen, die Geräte und Anlagen zur Produktion und Handhabung von chemischen Erzeugnissen herstellen, sowie Unternehmen der Biotechnologie zur chemischen Industrie gerechnet. Bei den Umwandlungsprozessen der chemischen Industrie werden entweder Naturstoffe umgesetzt oder neue Stoffe durch Synthese aus organischen oder anorganischen Grundstoffen gewonnen. Der weitaus wichtigste organische Grundstoff ist Erdöl, aus dem 80 bis 90 Prozent der Chemieprodukte hergestellt werden. Auf der Grundlage der Fortschritte in den Naturwissenschaften entwickelte sich ab der Mitte des 19. Jahrhunderts die chemische Industrie als eigenständiger Wirtschaftszweig, wobei zunächst die Herstellung von synthetischen Düngemitteln, Farben und Arzneimitteln im Vordergrund stand. In Deutschland wurden u. a. 1863 die Hoechster Farbwerke (heute Hoechst AG), 1865 die Badische Anilin- und Sodafabrik (heute BASF AG) in Ludwigshafen und 1863 die Farbwerke Friedrich Bayer & Co in Barmen (heute Bayer AG mit Sitz in Leverkusen) gegründet.
Die Herstellung der Grundstoffe bzw. der Zwischen- und Fertigprodukte aus den Rohstoffen erfolgt in der Regel über mehrere Stufen. Charakteristisch für die chemische Industrieproduktion ist die Verbundwirtschaft, die eine optimale Nutzung der Rohstoffe und der Primärenergie (Erdöl, Kohle, Erdgas) sowie eine Reduktion des Abfallaufkommens ermöglicht. Weiterhin zeichnet sich die chemische Industrie im Vergleich zu anderen Industriesparten durch ein breites Spektrum ihrer Produkte aus, durch hohe Investitionen, z. B. in der Forschung und Entwicklung oder im Umweltschutz, durch komplizierte Verfahrenstechniken, einen hohen Grad der Automation und einen geringen Bedarf an Arbeitskräften sowie durch hohe Wertsteigerungsraten bei der Verarbeitung der Rohstoffe zu den Produkten. Chemische Grundstoffe bilden mit etwa der Hälfte den größten Teil der Chemieproduktion in Deutschland, gefolgt von den pharmazeutischen Erzeugnissen mit etwa einem Fünftel. Größter Abnehmer für industrielle Chemieprodukte ist die chemische Industrie selbst, gefolgt vom privaten Konsum und dem Gesundheitswesen. Weitere Abnehmer sind die Kraftfahrzeugindustrie, die Bauwirtschaft, die Landwirtschaft, die Textilindustrie, die Elektroindustrie, die Verpackungsindustrie sowie die Nahrungs- und Genussmittelindustrie.
In Deutschland zählen etwa 3 000 Unternehmen mit mehr als 400 000 Mitarbeitern zur chemischen Industrie, von denen rund 65 Unternehmen 1 000 Mitarbeiter und mehr beschäftigen. Die Zahl der Beschäftigten nimmt seit den neunziger Jahren beständig ab, sie betrug 1991 noch 717 000 und lag 2005 bei etwa 440 000 Mitarbeitern. 2005 betrug der Gesamtumsatz fast 153 Milliarden Euro, wovon auf den Inlandsumsatz 71,0 Milliarden Euro und auf die Auslandsumsätze 81,8 Milliarden Euro entfielen. Gemessen an den Umsätzen, lag die deutsche chemische Industrie (7,6 Prozent Anteil am Weltmarkt 2005) nach den USA (Umsatz: 448 Milliarden Euro, 22,2 Prozent Anteil am Weltmarkt 2005) und Japan (217 Milliarden Euro, 10,7 Prozent Anteil am Weltmarkt 2005) weltweit an dritter Stelle. Mit 12,4 Prozent des weltweiten Exports (2005) chemischer Produkte steht Deutschland vor den USA (11,3 Prozent) auf Platz eins. Die drei umsatzstärksten Unternehmen der Branche in Deutschland sind die BASF-Gruppe, die Bayer AG und die Henkel KGaA. Mit einem Anteil von etwa 10 Prozent an den Umsätzen des verarbeitenden Gewerbes liegt die chemische Industrie an vierter Stelle hinter der Automobilindustrie (20 Prozent), der Elektroindustrie (12 Prozent) und der Maschinenbauindustrie (12 Prozent). In Deutschland vertritt der Verband der Chemischen Industrie e.V. (VCI), dem mehr als 1 700 Firmen angehören, die Interessen der Arbeitgeber der Branche. Die Interessen der Arbeitnehmer vertritt die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE). Auf europäischer Ebene sind die Verbände der chemischen Industrie im Conseil Européen des Fédérations de l’Industrie Chimique (CEFIC) zusammengeschlossen.
Die chemische Industrie gehört weltweit zu den Wachstumsbranchen; die Nachfrage steigt kontinuierlich. Probleme bereiten die steigenden Preise für Rohstoffe (Erdöl, Erdgas etc.) und Energie. Weltweit belief sich der Umsatz der chemischen Industrie auf rund zwei Billionen Euro (2005). Zu den umsatzstärksten Chemieunternehmen oder -konzernen der Welt zählen die BASF-Gruppe (Deutschland), Dow Chemical (USA), Shell Chemicals (Niederlande, Großbritannien), Exxon Mobile Chemicals (USA) und die Bayer AG (Deutschland). Produktionsstätten werden zunehmend aus den Industrieländern in Entwicklungsländer verlagert, insbesondere in Erdöl fördernde Länder sowie in ostasiatische und lateinamerikanische Schwellenländer. Gründe hierfür sind insbesondere die hohen Arbeits- und Energiekosten sowie die strengen Umweltschutzauflagen der Industrieländer. Die Länder Ostasiens zahlen für ihren ökonomischen Fortschritt allerdings einen hohen Preis in Form einer grassierenden Umweltverschmutzung.
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