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Artikelgliederung
Einleitung; Die Anfänge bis zum Tonfilm; Die dreißiger und vierziger Jahre; Die fünfziger, sechziger und siebziger Jahre; Die achtziger Jahre; Entwicklung seit den neunziger Jahren
Dänischer Film, Geschichte des Films in Dänemark. Der dänische Film erlebte zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine erste Blütezeit, als mit der Gründung der Nordisk Films Kompagni durch Ole Olesen im Jahr 1906 eine der führenden Produktionsgesellschaften der Welt entstand. Ab 1910 avancierte die dänische Schauspielerin Asta Nielsen, die unter dem Regisseur Urban Gad später auch in Deutschland drehte, zu einem Weltstar. Carl Theodor Dreyer, eine der größten Persönlichkeiten des dänischen Films, gehört mit seinem eigenständigen Filmstil zu den herausragenden Regisseuren der Filmgeschichte. Seit dem Hervortreten Lars von Triers in den achtziger Jahren sorgen dänische Produktionen für Aufsehen; diese Aufmerksamkeit wuchs zudem mit der Schaffung des ästhetischen Konzepts „Dogma 95”.
Die erste Filmvorführung in Dänemark fand am 7. Juni 1896 in Kopenhagen statt. Im selben Jahr drehte der königliche Hofphotograph Peter Elfelt erste Filme über die Königsfamilie. Am 17. September 1904 eröffnete Ole Olesen das erste Kino in Kopenhagen, das Kosmorama: Die Vorstellungen dauerten circa 45 Minuten und bestanden aus einem Reisefeature, einem Film mit Spielhandlung und ein bis zwei komödiantischen Szenen. Nachdem er bis 1906 etwa 100 Einakter gedreht hatte, gründete Olesen die Nordisk Films Kompagni mit eigenen Studios, professionellen Darstellern und Regisseuren und legte damit den Grundstein für Dänemarks Spielfilmproduktion. Noch im selben Jahr wurden Verleihzentralen in Berlin, Budapest und New York gegründet: 1910 war Nordisk Films die zweitgrößte Filmgesellschaft der Welt. Gedreht wurden Slapstick-Komödien und Literaturverfilmungen (u. a. nach Ludvig Holberg und Hans Christian Andersen). Insgesamt entstanden bis 1910 248 Einakter. Der erste Spielfilm mit zwei Akten war Urban Gads Den hivde slavehandel (1910). In Kopenhagen wurde das größte Filmtheater Nordeuropas, das Paladsteatret, mit 3 000 Sitzplätzen gebaut, in dem 1910 Afgrunden (Regie Urban Gad) mit Asta Nielsen, der ersten europäischen Filmdiva, unter Orchesterbegleitung uraufgeführt wurde. Wichtige Regisseure dieser ersten Blütezeit des dänischen Films waren August Blom, Holger Madsen und Lauritz Lauritzen. Populäre Darsteller neben Asta Nielsen waren Olaf Fönss und Valdemar Psilander. Da man schon bald in geschlossenen Studios und mit Kunstlicht drehte, entstanden zwischen 1910 und 1918 1 260 Spielfilme; damit übernahm Dänemark in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts auf dem Weltmarkt die Spitzenposition. 1914 debütierte Benjamin Christensen mit Det hemmelighedsfulde X. Er drehte nach seinem Meisterwerk Hævnens nat (1916) vorwiegend im Ausland. Als unbestrittener Meister des dänischen Films gilt Carl Theodor Dreyer, der 1916 bei der Nordisk als Drehbuchautor und Cutter begann und unter dem Einfluss von D. W. Griffith mit Præsidenten (1919) seine erste Regiearbeit vorlegte. Es folgte Blade af Satans Bog (1920; Blätter aus dem Buche Satans), in dem zum ersten Mal mit Großaufnahmen und Schuss-Gegenschuss gearbeitet wurde. Seine herausragenden Werke wie La Passion de Jeanne d’Arc (1928; Die Passion der Jungfrau von Orleans) und Vampyr (1932; Vampyr – Der Traum des Allan Gray) drehte er im Ausland. Nach dem 1. Weltkrieg stieg die Anzahl der Kinos; die Filme wurden länger, und US-amerikanische Produktionen drängten auf den Markt. 1920 begründete Skandinaviens animation-Pionier Robert Storm Petersen mit Tre små mænd den dänischen Animationsfilm. Um sich auf dem internationalen Markt zu behaupten, produzierte Nordisk Filme nach Charles Dickens, die aber nur national Gewinn einspielten. Erfolgreicher war Palladium-Film, für die Lauritzen ab 1921 eine Reihe von Komödien inszenierte, die als Pat und Patachon-Filme in die Filmgeschichte eingingen und sogar in die UdSSR exportiert wurden. 1922 wurde das Kino-Bewilligungssystem gesetzlich reglementiert; 70 Prozent des Gewinns mussten an einen Filmfonds abgeführt werden (mit Filmfonds-Mitteln betrieb die 1932 gegründete Dansk Kulturfilm die Produktion von Lehrfilmen).
1922 wurde zwar zum ersten Mal mit Ton experimentiert, doch der erste abendfüllende Tonfilm entstand erst 1931 mit Præsten i Vejlby. Die Zeit des Tonfilms zwischen 1930 und 1939 ist geprägt von Musikfilmen, die Nordisk mit den Schauspielerinnen Marguerite Viby und Liva Weel sowie dem Regisseur Paul Fejos produzierte. Herausragend ist jedoch nur Christensens Skilsmissens børn (1939). 1935 begründete Poul Henningsen mit seinem humorvoll-kritischen Porträt Danmark die dänische Dokumentarfilm-Tradition. Henningsens Stil wurde von Theodor Christensens weiterentwickelt, beispielsweise mit Et hjørne af Danmark (1938) und Iran, det nye Persien (1939). Mit der deutschen Okkupation 1940 begann für den dänischen Film eine bis Ende 1943, als Strom rationalisiert und der öffentliche Transport reduziert wurden, währende profitable Phase, da Filme aus dem Land der Kriegsgegner nicht mehr importiert werden durften. Die einheimische Spielfilmproduktion beschränkte sich bis 1945 auf patriotische Unterhaltungsfilme. Ambitionierte Sozialdramen wie Afsporet (1942; Entgleiste Menschen) oder Dreyers Meisterwerk Vredens Dag (1943; Tag der Rache), ein Film über Intoleranz, Vorurteile sowie die Folter, waren die Ausnahme. Um der deutschen Okkupation, aber auch der Arbeitslosigkeit entgegenzuwirken, förderte Dansk Kulturfilm die Produktion von Dokumentarfilmen und subversiven Kurzfilmen wie Bekæmp rotten (1941; Regie Valdemar Lauritzen und Mogens Skot-Hansen) oder Flugten (1942; Regie Albert Mertz und Jørgen Roos), womit der Experimentalfilm als Genre initiiert wurde. Nach dem Krieg stieg infolge der wieder zugelassenen ausländischen Filme die Zahl der Kinobesucher. Zwar fiel in das Jahr 1946 mit Fyrtøjet (nach Andersen, Regie Sven und Svend Methling) auch der erste abendfüllende Animationsfilm, doch mit der Befreiung wurden auch politisch-gesellschaftliche Themen aufgearbeitet. Die ersten zwei 1945 entstandenen Filme über die Kriegsjahre und der kritische Tre år efter (1947) waren keine finanziellen Erfolge, erst Støt står den Danske sømand (1948) über den Widerstand dänischer Seeleute konnte sich an den Kinokassen behaupten: In ihm manifestiert sich der Einfluss des Dokumentarfilms sowie der Filme Roberto Rossellinis. Dokumentarfilmer wie Astrid und Bjarne Henning-Jensen, die mit Ditte Menneskebarn (1946; Ditte – Menschenkind) und De pokkers unger (1947; Verflixte Rangen) hervortraten, oder Ole Palsbo mit Diskret ophold (1946), Ta’, hvad du vil ha’ (1947) und Kampen mod uretten (1949) wechselten ins Spielfilmfach: Neben diesen Filmen, die die gesellschaftliche Doppelmoral entlarven, gibt es eine Fülle gängiger Genrefilme wie die Komödien Mens sagføren sover (1948) oder Mens porten var lukket (1948). Heftige Diskussionen verursachte T. Christensen mit Det gælder din frihed (1946), einem Dokumentarfilm, der die Geschichte Dänemarks vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis zum 2. Weltkrieg kritisch reflektiert.
1950 leitete die ASA, neben Palladium und Nordisk Films eine der intakten Vorkriegsproduktionsfirmen, mit De røde heste einen Boom von Verfilmungen populärer, zeitgenössischer dänischer Trivialromane (vor allem von Morten Korch) ein. Keineswegs so erfolgreich, aber wichtiger sind die sophisticated comedies eines Johan Jacobsen (Min kone er uskyldig, 1951) und Jon Iversen (Hold fingrene fra mor, 1951; Mutti darf nicht heiraten), Filme über Okkupation und Widerstand von Sven Methlin (Der kom en dag, 1955) sowie Jacobsen (En fremmed banker på, 1959; Ein Fremder klopft an) oder Erik Ballings Kispus (1956; Ein Mädel zum Küssen) und Quivitog (1956) über dänische Siedler in Grönland. 1954 kam auch Astrid Henning-Jensens brillanter Kinderfilm Palle alene i verden (1949) ins Kino. Herausragende Arbeiten dieser Dekade sind Dreyers Ordet (1955; Das Wort), ein von Palladium produziertes und mit einem Golden Globe sowie einem Goldenen Löwen ausgezeichnetes Erlösungsdrama, sowie der durch die Nouvelle Vague beeinflusste Film Weekend (1962; Weekend) von Palle Kjærulff-Schmidt, der in Der var engang en krig (1966; Es war einmal ein Krieg) die Okkupation aus der Sicht eines Siebenjährigen schildert. Ein Misserfolg wurde Dreyers letzter, erneut von Palladium produzierter Film Gertrud (1965; Gertrud). Mitte der sechziger Jahre kam es zu einschneidenden Veränderungen: Das Fernsehen und ausländische Mainstream-Produktionen wirkten sich nicht nur auf die Produktion, sondern auch auf die Anzahl der Kinos aus, die im Zeitraum von 1960 bis 1967 von 233 auf 158 sank. 1965 trat ein neues Film- und Kinogesetz in Kraft, um dem entgegenzuwirken: Die Vergnügungssteuer wurde abgeschafft, und 15 Prozent der Kinoeinnahmen gingen an den Filmfonds, um Drehbücher zu fördern, Filmschaffende auszubilden sowie Produktionen zu finanzieren. 1966 wurde die dänische Filmhochschule gegründet, 1967 das Filmdepartement der Universität Kopenhagen, und ab 1969 benötigten nur noch Kinderfilme eine Altersfreigabe. Am erfolgreichsten von den alten Produktionsgesellschaften war Nordisk Films, die 1968 mit ihren Olsen-Bande-Filmen einen finanziellen Garanten initiierten und ab 1970 die Soap-Opera Huset på Christianshavn fürs dänische Fernsehen produzierten. Palladium, das belanglose Komödien und vor allem im Ausland erfolgreiche Erotikfilme produzierte, verkaufte 1970 seine Studios. 1969 gelang dem Produzenten und Regisseur Sven Grønlykke – er hatte 1964 ASA aufgekauft – mit Balladen om Carl-Henning ein großer kommerzieller Erfolg, und ab 1970 betätigte sich Henning Carlsen – sein Sult (1966; Hunger) ist eine der besten Hamsun-Verfilmungen – als unabhängiger Produzent (1972; Man sku’ være noget ved musikken). 1973 erleichterte ein zweites Filmgesetz das Betreiben von Kinos und die Produktion, was vor allem Absolventen der Filmhochschule zugutekam, z. B. Edward Fleming mit Den korte sommer (1975) und Lille spejl (1978), Anders Refn mit Strømer (1976) und Slægten (1978), Bille August mit Honningmåne (1978; Flitterwochen) und Morton Arnfred mit Mig og Charly (1978). Ein einfühlsamer Regisseur von Kinder- und Teenager-Geschichten ist Nils Malmros mit Lars Ole 5c (1973; Lars Ole, Klasse 5c), Drenge (1977) und Kundskabens træ (1981; Baum der Erkenntnis).
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