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Filmkritik

Enzyklopädieartikel

Filmkritik, jegliche Form der bewertenden, interpretierenden und vergleichenden Auseinandersetzung mit Filmen.

Anfangs diente Filmkritik dazu, das neue Medium als eigenständige Kunstform zu etablieren, wobei in Deutschland Filmkritik nach dem 1. Weltkrieg bis 1933 sich über das Einzelwerk hinaus auch mit der gesamten Produktionspalette sowie dem Kinoprogramm befasste. Der Kritiker verstand sich dabei nicht nur als Erzieher des Publikums, sondern auch als dessen Anwalt gegenüber dem Kunstproduzenten. Ungleich stärker als die traditionelle Kunstkritik musste sich die Filmkritik auch mit den spezifischen gesellschaftlichen Möglichkeiten des Mediums auseinandersetzen: So war der Filmtheoretiker Siegfried Kracauer der Ansicht, dass der Filmkritiker von Rang nur als Gesellschaftskritiker denkbar sei. In Deutschland trug die Öffnung des Marktes für ausländische Produktionen, vor allem aus den USA und später aus der Sowjetunion, maßgeblich zur Schärfung des ästhetischen Urteilsvermögens bei (wobei der Filmkritiker, so Rudolf Arnheim, „die Filmproduktion der ganzen Welt als eine einheitliche Arbeit sieht, in der jedes Werk seinen Platz hat”).

Auch die Konfrontation der auf Seriosität bedachten Filmkritik in den überregionalen Tageszeitungen mit den zahlreichen Publikumsblättern für Kinointeressierte war nicht ohne verändernden Einfluss. Für Béla Balázs verband sich mit der Kinematographie „eine Wendung unserer begrifflichen Kultur zu einer visuellen Kultur”. Der Rekurs auf Arnheim, Kracauer und Balázs war entscheidend für die Filmkritik der späten sechziger und frühen siebziger Jahre; dazu kam in Deutschland die Marx-Rezeption, während in Frankreich ab 1969 vor allem die Arbeiten der Strukturalisten Louis Althusser und Jacques Lacan bedeutsam wurden. Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass der jüngeren Kritikergeneration von der älteren der Mangel an historisch-kritischem Bewusstsein vorgeworfen wird. Was Filmkritik heute berücksichtigen sollte, ist die Tatsache, dass die bewegten Bilder das Kino verlassen haben und universal geworden sind, dass sich mit der Produktgestalt des Filmischen die Rezeptionsweisen und Rezipienten verändert haben und weiterhin verändern werden.

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