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Konjunktur

Enzyklopädieartikel
Artikelgliederung
1

Einleitung

Konjunktur, in entwickelten kapitalistischen Marktwirtschaften das Zusammenwirken von ökonomischen Vorgängen, das Richtung und Intensität der Geschäftslage innerhalb einer Volkswirtschaft oder eines Sektors derselben bestimmt; im engeren Sinn auch Bezeichnung für eine Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs.

2

Konjunkturelle Zyklen

Ziel der verschiedenen konjunkturtheoretischen Ansätze in den Wirtschaftswissenschaften ist es, das Zustandekommen der zyklischen Bewegungen der Konjunktur zu beschreiben und erklären. Die neuere volkswirtschaftliche Theorie setzt einen langfristigen Wachstumstrend als gegeben, um den es zyklisch zu konjunkturellen Schwankungen kommt. Nur so ist es ihr möglich, trotz des stetigen Anwachsens des Produktionspotentials in den westlichen Industrienationen, das Auf und Ab der wirtschaftlichen Gesamtentwicklung auch weiterhin als Konjunkturzyklus zu interpretieren.

Mit einem Konjunkturzyklus wird der Zeitabschnitt zwischen dem Beginn der ersten Konjunkturphase und dem Ende der letzten bezeichnet. Unter Konjunkturphasen hat man dabei markante Abschnitte innerhalb des Zyklus’ zu verstehen, der von einem oberen, auch Krise genannten, und einem unteren Wendepunkt begrenzt wird. Die Dauer eines konjunkturellen Zyklus’ wird je nach theoretischer Ausrichtung mit vier bis zehn Jahren veranschlagt.

Der in den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts am weitesten verbreitete Ansatz geht von insgesamt sechs Konjunkturphasen innerhalb eines Konjunkturzyklus’ aus. Der ersten Phase, dem unteren Wendepunkt, folgt demnach eine Phase der Expansion, die durch eine bessere Kapazitätsauslastung, steigende Löhne, anwachsendes Volkseinkommen, zunehmende Investitionstätigkeit und erhöhten Konsum der privaten Haushalte bestimmt wird.

Die nachfolgende Boom-Phase führt zu einer vollen Auslastung der Produktionskapazitäten, Arbeitskräfte werden knapp, die Löhne steigen stark an, so dass es zu starken Preissteigerungen, erhöhtem Inflationsrisiko und einem starken Anwachsen des Zinsniveaus, allgemein zu einer Überhitzung der Konjunktur, kommt. Mit dem Erreichen des oberen Wendepunkts überschreitet die Produktion dann ihren Höhepunkt und geht allmählich zurück.

Die negative wirtschaftliche Entwicklung in der Kontraktions- oder Rezessionsphase ist dadurch geprägt, dass Investitionen aus der Boom-Phase, die durch Kredite mit überhöhten Zinsen finanziert worden waren, bei nun herrschender Preisstabilität und angesichts des wieder gesunkenen Zinsniveaus, nicht mehr rentabel sind.

Die Depressionsphase zeichnet sich durch hohe Arbeitslosigkeit, äußerst geringe Kapazitätsauslastung sowie durch eine hohe Liquidität der Banken aus, die ebenso wie die Unternehmen kaum Investitionen tätigen. Mit dem Erreichen des unteren Wendepunkts beginnt dann ein neuer Konjunkturzyklus.

3

Konjunkturprognosen

Die Konjunkturforschung versucht wissenschaftlich-methodisch, die konjunkturelle Entwicklung zu erfassen, zu interpretieren und vorauszusagen. Mit den Ergebnissen dieser Forschung sollen dem Staat Anhaltspunkte für eine effektive Wirtschaftspolitik an die Hand gegeben werden, wobei es das Ziel staatlicher Konjunkturpolitik ist, die Schwankungen in einem Konjunkturzyklus möglichst gering zu halten (siehe Keynesianismus; Leitzinsen; magisches Viereck). Wirtschaftsunternehmen benötigen Konjunkturprognosen, um ihre unternehmerischen Aktivitäten besser planen zu können. So ist die Wahl des günstigsten Zeitpunkts für die Errichtung einer neuen Fabrik in starkem Maß konjunkturabhängig: Einerseits sollte das Zinsniveau niedrig sein, um günstig Kapital aufnehmen zu können, andererseits sollte der zukünftige Absatz der Produkte durch eine Aufschwungphase getragen werden.

Konjunkturprognosen stützen sich üblicherweise auf die Analyse der so genannten Eckwerte der Konjunktur, d. h., die Veränderungen verschiedener Wirtschaftsdaten, die sich empirisch als besonders einflussreich für die konjunkturelle Entwicklung erwiesen haben, werden über einen Zeitraum von ein bis zwei Jahren untersucht. Als wichtigste Indikatoren zur Beurteilung der Konjunktur gelten das Bruttoinlandsprodukt, der Auftragseingang verschiedener Branchen, die Produktion, die Aus- und Einfuhren, die Einzelhandelsumsätze, die Arbeitslosigkeit, die Zahl der offenen Stellen, der Preisindex, Löhne und Gehälter sowie die Zinsen.

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