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Christiane Nüsslein-Volhard

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Christiane Nüsslein-VolhardChristiane Nüsslein-Volhard

Christiane Nüsslein-Volhard (*1942), deutsche Biochemikerin und Nobelpreisträgerin.

Nüsslein-Volhard wurde am 20. Oktober 1942 in Magdeburg geboren, sie wuchs ab 1946 in Frankfurt am Main auf. Ab 1962 studierte sie an der Universität Frankfurt Biologie, Physik und Chemie und wechselte 1964 zur Universität Tübingen, wo sie ein Studium der Biochemie begann. Nach ihrem Diplom war sie Mitarbeiterin des Tübinger Max-Planck-Instituts für Virusforschung und promovierte 1973 mit einer Arbeit zur Bakteriophagengenetik. An der Universität Basel begann sie Untersuchungen zur molekulargenetischen Kontrolle der Differenzierung von Embryonen der Kleinen Essigfliege (Drosophila melanogaster); ihre insektenembryologischen Untersuchungen setzte sie an der Universität Freiburg fort. 1978 wurde Nüsslein-Volhard Forschungsgruppenleiterin am Europäischen Molekularbiologischen Laboratorium in Heidelberg, 1981 ging sie zurück nach Tübingen, um Leiterin einer Wissenschaftlergruppe am Friedrich-Miescher-Institut der Max-Planck-Gesellschaft zu werden; 1985 wurde sie Direktorin der Abteilung Genetik des Tübinger Max-Planck-Instituts für Entwicklungsbiologie. Nüsslein-Volhard lehrte als Gastprofessorin u. a. an der Harvard, der Yale und der New Yorker Rockefeller University und ist Mitglied der Royal Society und der American Philosophical Society.

Nüsslein-Volhard gelang es, wesentliche Grundlagen der genetischen Kontrolle der frühen Embryonalentwicklung aufzuklären; sie untersuchte hierzu Mutanten der Kleinen Essigfliege. Ihre Untersuchungsergebnisse haben zum Teil auch für die Differenzierung von Wirbeltierembryonen Gültigkeit; damit eröffnen sich neue Perspektiven für das Verständnis abweichender Körperbildungen des Menschen. Entscheidend für die erfolgreiche Erkundung wissenschaftlichen Neulands durch Nüsslein-Volhard und ihren Mitpreisträger Eric Wieschaus war die Verbindung der Molekularbiologie mit dem Konzept der gradientengesteuerten Differenzierung von Eizellen und deren Übergangsstufen zum Embryo.

Nüsslein-Volhard und Wieschaus erforschten das Zusammenspiel die Ei-Entwicklung regulierender, genetischer Signale der Mutter (maternale Gene) und solcher Signale, welche die Differenzierung des Embryos weitertreiben (zygotische Gene). Sie fanden heraus, dass Proteingradienten verbindendes Glied der gengesteuerten Aktivitäten beider Generationen sind. Inzwischen wurden rund 30 solcher über Gradienten Differenzierungen steuernde Proteine gefunden, die auch Morphogene genannt werden (nicht weil sie Gene wären, sondern weil sie gestaltbildend sind; griechisch morphe: Gestalt; gennan: erzeugen), und denen jeweils maternale Gene entsprechen. Manche dieser Gene bilden den Gradienten direkt selbst aus mittels einer entsprechenden RNA (siehe Nucleinsäuren).

Erhebliche zusätzliche Bedeutung gewannen die Forschungen Nüsslein-Volhards und Wieschaus’ durch die Entdeckung, dass es im gesamten Tierreich gemeinsame grundlegende Mechanismen während der frühen Embryonalentwicklung gibt. 1995 erhielten Nüsslein-Volhard, Eric Wieschaus und Edward Lewis je ein Drittel des Nobelpreises für Physiologie oder Medizin; der Letztgenannte gilt als Pionier derartiger entwicklungsbiologischer Forschungen. 1996 wurde Nüsslein-Volhard von ihrer Heimatstadt Frankfurt als „eine der bedeutendsten Naturwissenschaftlerinnen des 20. Jahrhunderts” mit dem Goethepreis ausgezeichnet.

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