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Windows Live® Suchergebnisse Peer RabenEnzyklopädieartikel
Peer Raben, eigentlich Wilhelm Rabenbauer, (1940-2007), deutscher Filmkomponist und Regisseur. Bekannt wurde er durch seine zahlreichen Kompositionen zu den Filmen Rainer Werner Fassbinders. Raben wurde am 3. Juli 1940 als Sohn eines Landwirts in Viechtafell im Bayerischen Wald geboren. Er besuchte in Straubing das Musische Gymnasium, wo er mit Kurt Raab Freundschaft schloss. Mit dem späteren künstlerischen Weggefährten ging er nach dem Abitur nach München. Hier studierte er Theater- und Musikwissenschaft und besuchte eine Schauspielschule. Nach Theaterengagements in Berlin und Wuppertal gehörte Raben 1966 zu den Mitbegründern des Action-Theaters (später antitheater), das mit avantgardistischen Aufführungen für Aufsehen sorgte. Während einer Antigone-Inszenierung, für die Raben als Regisseur verantwortlich zeichnete, stieß Rainer Werner Fassbinder im Sommer 1967 zu dem Ensemble. Unter dessen Führung begann für Raben eine autodidaktisch angeeignete, rastlose künstlerische Tätigkeit, bei der die Grenzen zwischen Leben und Arbeit verschwanden. Für Fassbinder, mit dem er in den Folgejahren eng befreundet war, komponierte er die Musik zu dessen erstem Spielfilm Liebe ist kälter als der Tod (1969). Ab diesem Zeitpunkt schrieb Raben die Musik zu fast allen Fassbinder-Filmen. Seine vielgestaltigen Kompositionen folgten dabei dem individuellen Charakter jedes einzelnen Films. Für die zehnteilige TV-Produktion Berlin Alexanderplatz (1980) etwa erhielten die zehn wichtigsten Figuren eigenständige musikalische Charakterisierungen. Die fruchtbare Zusammenarbeit mit Fassbinder endete erst mit dessen frühem Tod 1982 und seiner letzten Regiearbeit Querelle (1982). Hinzu kamen auch Arbeiten für andere deutsche Regisseure wie Werner Schroeter, Robert van Ackeren, Percy Adlon, Ulrike Ottinger und Reinhard Hauff. Bei seinen Aufnahmen legte Raben Wert darauf, dass seine Noten von Musikern eingespielt wurden – ohne Verwendung von Synthesizer und Mischpult. Seiner ästhetischen Leitlinie zufolge stellt die Musik für das Werk keine bloße Untermalung dar, sondern einen Subtext, der mit den anderen Ebenen des Films in Verbindung tritt. Mit Filmmusiken zu mehr als 120 Filmen zählt Raben zu den produktivsten Komponisten des Neuen deutschen Films. Neben seiner Arbeit als Filmkomponist betätigte sich Raben zuweilen auch als Regisseur. Es entstanden die Fernsehproduktionen Die Ahnfrau (1972) und Adele Spitzeder (1972) sowie der Spielfilm Wo geht’s denn hier zum Film? (1981). Für die Schauspielerin und Sängerin Ingrid Caven komponierte Raben viele Chansons u. a. auf Texte von Hans Magnus Enzensberger und Wolf Wondratschek. Ein Schlaganfall 1992 bedeutete für Rabens Leben und Arbeit eine tiefe Zäsur; mit Einschränkungen konnte er jedoch Mitte der neunziger Jahre seine künstlerische Laufbahn fortsetzen. 1996 entstand die Musik zur Kirschgarten-Inszenierung Peter Zadeks am Wiener Burgtheater, 1997 im Auftrag der Berliner Filmfestspiele eine neue Kammermusikversion für die restaurierte Fassung von Georg Wilhelm Pabsts Stummfilm Die Büchse der Pandora (1928). Für Wong Kar-wai schrieb Raben die Musik zu 2046 (2004; 2046), einer mit Sciencefictionelementen verrätselten Filmelegie über verlorene Liebe. Der Künstler und seine Arbeit wurden in dem Filmporträt Das zweite Leben des Filmkomponisten Peer Raben (1997, Regie Joachim Dennhardt) gewürdigt, und 2006 wurde er von der World Soundtrack Academy für sein Lebenswerk geehrt. Raben starb am 21. Januar 2007 in Mitterfels bei Straubing (Bayern).
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