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    Die Galerie Vostell umfaßt ein Programm, dessen Ursprung in der Kunst der 60er Jahre und Fluxus liegt. Ein zweiter Schwerpunkt ist die Foerderung internationaler, in Berlin ...

  • Galerie Vostell

    Wolf Vostell zum 75. Geburtstag Galerie Michael Wewerka, Berlin Bis 25.11.2007 Wolf Vostell „Meine Kunst ist der ewige Widerstand gegen den Tod“.

  • Biographie: Wolf Vostell, 1932-1998

    1932-1998: Wolf Vostell: Künstler. 1932 14. Oktober: Wolf Vostell wird als Sohn eines Eisenbahnschaffners in Leverkusen geboren. 1950-1953

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Wolf Vostell

Enzyklopädieartikel
Artikelgliederung
1

Einleitung

Wolf Vostell (1932-1998), deutscher Maler, Happening- und Performancekünstler. Mit seinen Bildern, Objekten, Installationen und Aktionen hob er die Mediengrenzen der zeitgenössischen Kunst auf und erweiterte die zur Verfügung stehenden Stilmittel. Als einer der ersten Künstler weltweit entdeckte er das Fernsehen als Medium der Kunst und wurde zum Mitbegründer der Videokunst.

Vostell wurde am 14. Oktober 1932 in Leverkusen geboren. Nach einer Ausbildung in Photolithographie studierte er 1954/55 Malerei und Typographie an der Werkkunstschule in Wuppertal und setzte seine Studien dann an der École des Beaux-Arts in Paris sowie an der Düsseldorfer Kunstakademie fort. Während eines Amerikaaufenthaltes hatte er Gelegenheit, mit dem amerikanischen Künstler und Kunsttheoretiker Allan Kaprow zusammenzuarbeiten, einem der bedeutendsten Happeningkünstler. Von diesem Kontakt beeinflusst, entwickelte Vostell Mitte der fünfziger Jahre das von ihm so genannte formale Prinzip der Décollage, das aus einer künstlerischen Aktion in Paris hervorging, bei der er Bilder durch den Abriss von Plakatwänden schuf. Später näherte sich Vostell unter dem Einfluss von Joseph Beuys der Fluxus-Bewegung an und nahm an mehreren Aktionen in Köln teil. Er initiierte zahlreiche Happenings, wie You (1964), Phaenomene (1964) oder Miss Vietnam (1967). Ab 1971 lebte und arbeitete er abwechselnd in Berlin und Spanien. Vostell starb am 3. April 1998 in Berlin.

2

Werk

„Kunst ist Leben und Leben ist Kunst”, dieses Kunst- und Lebensprinzip – von Wolf Vostell selbst in den sechziger Jahren formuliert – zeigt sich bereits in Coca-Cola (1969), einer seiner Décollagen. Seine Abreißbilder und andere fragmentischen Wirklichkeitszitate, die aus Aktionen künstlerischer Zerstörung hervorgingen, verstand er als Objekte eines sich im ständigen Fluss befindlichen Werkprozesses. Indem sie die Gegenwart als vergänglichen Zustand entlarven, der im nächsten Moment schon seine Aktualität verloren hat, werden sie zu Sinnbildern des Lebens. Der Gestaltungsprozess des Abreißens macht verborgene Schichten sichtbar und fügt verschiedene sowohl zeitliche wie inhaltliche Ebenen zu einem neuen Wirklichkeitsbild zusammen. Mit seinen so genannten Verwischungen wie Hours of Fun (1968) oder Miss America (1968), Collagen aus Bildern, Fotos und Texten, die mit Lösungsmittel oder Farbe verwischt wurden, führte der Künstler in den sechziger Jahren das Prinzip der Décollage fort.

Die Tendenz zum offenen Ablauf von Ereignissen findet sich auch in Vostells gesellschaftskritischen Happenings, Aktionen und Installationen wieder. Diese von Themen wie Krieg, Gewalt, Brutalität, aber auch von urbaner Vermassung und der Entfremdung des Einzelnen durch die Medien geprägten Arbeiten wollten von Anfang an provozieren und schockieren und beziehen den Betrachter aktiv mit ein. Ein Beispiel dafür ist seine Installation Hommage an Henry Ford und Jacqueline Kennedy (1963-1967), die verschiedene Medien wie Malerei, Licht, Ton und Fernsehen vereinigt. Dieses Environment, das das Attentat auf John F. Kennedy zum Thema hat, ist auch mit einer Kamera bestückt, die den herantretenden Betrachter aufnimmt. So zum temporären Bestandteil des Kunstwerkes gemacht, entsteht beim Betrachter der Eindruck, dass sich keiner der Gewalttat und der Verantwortung dafür entziehen kann. Zu Vostells berühmtesten Aktionen gehörte das Happening Nie wieder, never, jamais (1964), das in der Technischen Hochschule in Aachen anlässlich des 20. Jahrestages des gescheiterten Attentats auf Adolf Hitler stattfand.

Vostell schuf auch zum Teil großformatige Objektbilder, die verschiedene Materialien kombinieren. Sein 1989 entstandenes Werk Der Fall der Berliner Mauer verbindet z. B. gemalte Figuren mit Objekten wie Fernsehmonitoren. Vostell gehörte neben dem Koreaner Nam June Paik zu den ersten Künstlern, die bereits in den fünfziger Jahren das Medium Fernsehen in ihre Kunstwerke integrierten, u. a. zu sehen in Deutscher Ausblick (1958) oder Transmigracion I-III (1958). Immer wieder setzte er sich auch mit dem Thema Autokultur auseinander, indem er Autos einbetonierte. Seine Skulpturen Ruhender Verkehr (1969), Auto-Fieber (1973) und Beton-Cadillac (1987) sorgten für große öffentliche Aufmerksamkeit. Vostell zählt neben Alan Kaprow oder Joseph Beuys zu den bedeutendsten Happening-Künstlern und entwickelte gemeinsam mit ihnen dadaistische und surrealistische Inszenierungen zu provokativen Kunstveranstaltungen weiter, die in den siebziger Jahren die Grenze zur Performancekunst überschritten.

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