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Windows Live® Suchergebnisse Millennium: Weltgeschichte im ÜberblickEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Vorlauf zu 1000; Vom Internationalen Fernhandel zur Expansion Europas in Übersee; Globale Neuzeit: Vorherrschaft des Neuen Westens (seit 1492/98)
Unabhängig von der akademischen Frage, ob das 21. Jahrhundert und das 3. Jahrtausend 2000 oder 2001 beginnen, erhob sich zum Jahreswechsel 1999/2000 das elementare Bedürfnis nach Rückblick auf das vergangene Jahrtausend. Das hat nichts mit eschatologischer Zahlenmystik seit der Johannesoffenbarung mit ihrem Tausendjährigen Reich zu tun, rechtstotalitär vom Hitler-Messianismus, linkstotalitär vom Kommunismus säkularisiert. Vielmehr geht es ganz pragmatisch nur um den Ablauf der letzten 1 000 Jahre, so universalhistorisch wie möglich. Es bleibt immer noch genug Faszination des runden Datums. Irgendwelche Sinnstiftung durch den Historiker ist weder beabsichtigt noch möglich. Aber historischer Rückblick und Rechenschaft über ein Jahrtausend Weltgeschichte sind schon sinnvoll und möglich.
Auch das Jahr 1000, mit dem wir anfangen müssten, hat seinen Vorlauf, z. B. das Jahrtausend davor, denn in ihm entfaltete sich eine Dynamik, die sich auch nach 1000 fortsetzte, bis heute. Unser ausgehendes Jahrtausend ist Ergebnis älterer universaler Prozesse und Strukturen, mit unendlich vielen Varianten nach Zeit und Raum. Am spektakulärsten ist rein quantitativ die exponentielle Zunahme der Weltbevölkerung, qualitativ das exponentielle Wachstum der Wirtschaft, Produktivität, Informationen, technischen Möglichkeiten, konstruktiven wie destruktiven, u. a. durch immer „bessere” Waffen.
Ohnehin fällt der Beginn unserer modernen Zeitrechnung vor 2 000 Jahren mit dem Höhepunkt der Eurasischen Antike im Römischen Reich zusammen, der „Pax Romana” unter Kaiser Augustus, der „ein Gebot ausgehen” ließ, „dass alle Welt geschätzet werde”: Aber die Volkszählung als Grundlage der Besteuerung galt nur für das kurz zuvor von Rom annektierte „Jüdische Land”. Gleichzeitig stand auch das China der Han-Dynastie auf dem Höhepunkt seiner antiken Größe. Und zur Vorgeschichte des 1. Jahrtausends nach gehört auch das Jahrtausend vor Christi Geburt. So wären wir bei 3 000 Jahren Geschichte angelangt, nach Goethe unverzichtbar zum Verständnis der Gegenwart:
So reicht es, sich an die überragenden Schwerpunkte des gesicherten historischen Wissens zu halten, die ältere Geschichte des Tri-Kontinents Eurasien (Europa, Asien, Nordafrika). Hier liefern der Ferne Osten (China) und Ferne Westen (Europa bis Persien) 99 Prozent allen Wissens über die ältere Geschichte als bekannte Vergangenheit des Menschen. Erst ein wirklich globalhistorischer Horizont gibt den Blick frei auf ein weiteres Stück innerer Einheit der älteren Weltgeschichte, gestiftet vom Eurasischen System, frei von eurozentrischen Verengungen und Verzerrungen – die großen vier Weltzivilisationen mit ihren Großreichen, verknüpft durch den Interkontinentalen Fernhandel zwischen dem Westen und China, beide mit faszinierenden Parallelen und Verbindungen. Dagegen bleiben alle anderen Regionen für einen groben Überblick buchstäblich peripher, vor allem die beiden bis 1492 völlig isolierten Kontinente Alt-Amerika und Australien/Neuseeland, selbst das noch lange weitgehend isolierte Schwarzafrika. Geographisch wie strukturell lässt sich die ältere Weltgeschichte in Spannung zwischen Fernem Osten und Westen sehen. Dazwischen bewegten sich Indien und Persien in den Rhythmen ihrer je eigenen Entwicklungen, Indien unter dem Druck immer wiederkehrender Einfälle vor allem von Nordnomaden (Türken, Mongolen), Persien auch von Südnomaden (Arabern).
Vor etwa 5 000 Jahren begann im Alten Westen (Mesopotamien, Ägypten) mit dem qualitativen Sprung zur Zivilisation artikulierte Geschichte, basierend auf der Schriftlichkeit altorientalischer Hochkulturen. Danach schälten sich vier große Zivilisations- und Machtzentren heraus – der Alte Westen, zunächst von Rom bis Persien; Persien, das sich später als eigenes Zentrum aussonderte; Indien und China. Sie bestreiten, jede auf ihre Weise, zusammen den größten Teil der bekannteren älteren Weltgeschichte, bis 1492/98. Zugleich sind die vier Zentren vier große Möglichkeiten der Zuordnung von Zivilisation und imperialer Macht, bei allen gemeinsamen Strukturmerkmalen mit tief greifenden Unterschieden, gesteuert von unterschiedlichen religiösen Grundlagen, d. h. der Art, wie sie das Diesseits und Jenseits einander zuordnen: China ist seit alters her überwältigend dem Diesseits zugewandt, extrem pragmatisch und praktisch; Indien dagegen ist überwältigend dem Jenseits zugewandt, mit dem Glauben an die Seelenwanderung, gipfelnd im erlösenden Nirwana. Religiös wie in den irdischen Konsequenzen sind China und Indien weithin wie Materie und Antimaterie. Der Alte Westen war eher gemischt – überwiegend irdisch, mit einer starken metaphysischen Komponente, die sich im modernen Neuen Westen freilich durch den Prozess der Säkularisierung stark abschwächte, bis hin zum offenen Atheismus. China brachte selbst keine Hochreligion hervor, sondern importierte Hochreligionen zu unterschiedlichen Zeiten und in unterschiedlichem Umfang aus seinem Westen – dem Nahen (Indien) den Buddhismus, dem Mittleren Westen (Arabien) den Islam, dem Fernen Westen (Europa) das Christentum. Die staatlichen Konsequenzen unterschiedlicher „Welt-Anschauungen” sind gravierend: Von den vier großen eurasischen Zivilisationen und imperialen Machtzentren weist China die größte Kontinuität auf: Im am stärksten expandierenden, zentralisierenden und assimilierenden Reich der Weltgeschichte überwog die staatliche Zusammenfassung, während Perioden der Zersplitterung und inneren Konflikte immer seltener und kürzer wurden. Umgekehrt überwogen für Indien lange Perioden staatlicher Zersplitterung, während imperiale Zusammenfassung des (fast) ganzen Subkontinents seltene Ausnahme blieb – am längsten hielt noch die britische Kolonialherrschaft (1856-1947), die „Pax Britannica”. Der Westen brachte, wie China, Machtstrukturen mit klaren Identitäten und langfristigen Kontinuitäten hervor, aber auch, in der Abfolge von Großreichen seit dem Alten Orient, so viele Staaten – große und kleine Reiche, Stadt- und Nationalstaaten – mit komplizierten Beziehungen unter- und gegeneinander hervor, dass schon wieder der Eindruck chaotischer Fülle entsteht, aber anders als in Indien. Mit der allmählichen Verlagerung des Alten Westens vom Alten Orient zum lateinischen Westen gewann Persien Freiraum als jüngstes und kleinstes Macht- und Kulturzentrum, das deshalb in seiner welthistorischen Bedeutung leicht übersehen wird: Es schwankte zwischen dreimaliger imperialer Zusammenfassung und plötzlicher Überwältigung durch Eroberungswellen: Das Altpersische Reich der Achämeniden (550-330 v. Chr.) wurde vom Alexanderzug überschwemmt. Nach einem 500-jährigen Wandlungsprozess erstand Persien mit dem Sassaniden-Reich 224 n. Chr. wieder neu auf, überschwemmt vom Siegeszug des Islam (641-652). Danach benötigte Persien 850 Jahre, bis es mit dem Safawiden-Reich 1500 wieder auftauchte. Jedes Mal restaurierte sich Persien/Iran auf einem kleineren Territorium und einer anderen religiösen Grundlage. Zugleich dehnte sich seine kulturelle Prägung weit über seinen schrumpfenden imperialen Herrschaftsbereich aus, zuletzt vom Osmanischen Reich im Westen zu Teilen Zentralasiens und bis zum Mogulreich in Indien (1526-1856). Stets blieb Persien zutiefst geprägt vom Dualismus, dem ständigen Kampf zwischen Gut und Böse, den später die monotheistischen Religionen übernahmen, Judentum, Christentum und Islam. Auf dem Höhepunkt der Eurasischen Antike um Christi Geburt bildeten vier Großreiche eine Zone der Zivilisation und des (relativen) imperialen Friedens: Rom, Parther/Perserreich, das Kuschan-Reich im nördlichen Indien und in Afghanistan sowie Han-China. Die „Pax Imperialica” wirkte auch gegen die immer wieder von Norden aus Zentralasien andrängenden Nomaden. Unter ihrem Druck zerbrach der imperiale Frieden, vorbereitet durch Feudalisierung und interne Konflikte. Die Osthunnen zerstörten direkt das Han-Reich und eroberten halb China bis zum Jangtsekiang, während die Westhunnen seit 375 ostgermanische Stämme, die panikartig vor ihnen flohen, ins Römische Reich drängten, als Auftakt zur „Völkerwanderung”. Nach Zwischenrestauration des Imperiums in Ost (Sui- und Tang-Dynastie in China, 589/618) und West (Machtübernahme der Karolinger im Frankenreich als Hausmeier 687 und Könige 751) brach mit dem Tod Karls des Großen (814) und dem Niedergang der Tang-Dynastie (ab ca. 830) neue Instabilität aus. Für die ältere Weltgeschichte am bedeutsamsten sind daher (jeweils von China und vom Westen her gesehen) der Ferne Westen und Ferne Osten (vom Westen her gesehen). Nach dem Untergang des Weströmischen Reiches repräsentierten China und der lateinische Westen zwei extrem unterschiedliche Varianten überwiegend dem irdischen Dasein zugewandter Staatlichkeit – China das extrem zentralisierende, das Individuum dem von oben herrschenden Kollektiv total unterordnende Megakollektiv; der lateinische Westen nie wieder imperial oder auch nur hegemonial zusammengefasst, beruhend auf dem autonomen Individuum, das seine Interessen kollektiv von unten in selbst bestimmten Strukturen selbst organisiert.
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