Windows Live® Suchergebnisse

Alle Suchergebnisse anzeigen:
Windows Live® Suchergebnisse
Seite 8 von 8

Millennium: Weltgeschichte im Überblick

Enzyklopädieartikel
Multimedia
Alte MünzenAlte Münzen
Artikelgliederung
4.4

Das schreckliche 20. Jahrhundert (1900-1999)

Vor dem Hintergrund der Geschichte bis 1914 lässt sich der Gang des 20. Jahrhunderts abschließend nur noch stichwortartig skizzieren, da er an anderer Stelle ähnlich ausführlich zu behandeln ist wie unser 2. Jahrtausend.

4.4. 1

Die beiden Weltkriege und ihre Folgen

Mit seiner Institutionalisierung in formalisierten Kolonialreichen, die den modernen Fiskal- und Rechtsstaat erstmalig in weite Gebiete der Welt brachte, erstarrte das globalisierte Europäische System auch in Übersee um 1900 in antagonistische Blöcke: Bis dahin (für Europa) produktive Konkurrenz wurde machtpolitisch selbstzerstörerisch. Durch Begrenzung in der Kugelgestalt unserer Erde war weitere grenzenlose Expansion unmöglich. Daher wandten sich europäische Konfliktlinien zu Hause wie in Übersee gegeneinander. Hinter der trügerischen Fassade der „Pax Imperialistica” um 1900 verschärften sich aus dem Europäischen Weltsystem selbst Spannungen, die über Sarajevo im 1.  Weltkrieg 1914-1918 explodierten, den ersten wirklichen Globalkonflikt der Weltgeschichte. An seinem Ende zerbrachen traditionelle dynastische Imperien in nationale Nachfolgestaaten unterschiedlicher Größe und Stärke.

Als europäische Bürgerkriege endeten sie in der Selbstzerstörung Europas, mit allen Folgen, die unser schreckliches 20. Jahrhundert im Atem hält – Totalitarismen links (Kommunismus) und rechts (Faschismus, Nationalsozialismus), Völkermorde und atemberaubende Industrialisierung, beschleunigtes Wachstum der Weltbevölkerung wie der Umweltprobleme.

Nach universalem Muster suchten große und kleine Verlierer die Restauration ihres untergegangenen Reiches, in welcher Form und mit welcher modernen Ideologie auch immer. Nachfolgestaaten untergegangener Großreiche setzten im Kleinen die Problematik ihrer jeweiligen Mutterreiche fort – ethnisch/religiöse Heterogenität, kompliziert durch zentralisierende subimperiale Nationalismen der jeweiligen Titularnation (Serben, Rumänen, Polen, Tschechen, Türken usw.) und repressive Assimilation zur mehr oder minder (am mildesten: Tschechen) zwangsweisen Homogenisierung der ethnisch und/oder religiös heterogenen Gesamtbevölkerung.

Die beiden größten Verlierer, Russen und Deutsche, flüchteten sich in die ideologisch konträren Großtotalitarismen unseres Jahrhunderts – Kommunismus 1917 linksextrem in Russland, nach dem Interregnum der Weimarer Republik 1933 rechtsextrem in Deutschland. Ihrer wechselseitigen Todfeindschaft und ihrem Willen zur Groß-/Weltmacht entsprang der Zweite Weltkrieg 1939-1945, in dessen Windschatten der deutsche millionenfache Völkermord an den Juden, symbolisiert durch Auschwitz, das traumatischste Einzelereignis war.

Dem Untergang des NS-Reiches 1945 folgten weltweit Dekolonisation und Kalter Krieg. Grundlage blieb die sich nun auf die ganze Welt ausbreitende Industrialisierung, die sich in den Industriestaaten rasant intensivierte. Die „Auflösung der Kolonialreiche” (Franz Ansprenger) setzte zahlreiche postkoloniale Nachfolgestaaten mit üblichen Nachfolgekonflikten in der so genannten „Dritten Welt” frei. Der Ost-West-Konflikt zwischen der „Ersten Welt” unter Führung der USA und den kommunistischen Staaten der „Zweiten Welt”, faktisch um die Weltherrschaft des jeweiligen Systems, führte die Welt immer wieder an den Rand eines dritten Weltkrieges.

Russland geriet seit der Bauernbefreiung (1861) und liberalen Reformen in die tödliche Dialektik von industrieller und politisch-sozialer Revolution, von zarischer Autokratie und linkstotalitärem Sowjetkommunismus, gebeutelt von zwei Weltkriegen, Sowjetherrschaft, selbst entfesseltem Kalten Krieg und postkommunistischer Misere. Ähnlich scheiterte Deutschland seit seiner Reichseinigung 1871 zweimal mit seinem „Griff nach der Weltmacht” (Fritz Fischer) in zwei Weltkriegen, avancierte aber nach 1948 zu einer führenden Industriemacht des 20. Jahrhunderts. Den USA gelangen, nach ihrem Bürgerkrieg (1861-1865) und Übergang zum offenen Imperialismus 1898, beides – Aufstieg zur Industrie- und Weltmacht Nummer 1 in zwei Weltkriegen.

Japan, von den USA 1854 zur Öffnung für den (europäisch-amerikanischen) Weltmarkt gezwungen, stürzte sich nach den Meiji-Reformen in die systematische Industrialisierung, 1894 mit seinem ersten Krieg gegen China in den Imperialismus, scheiterte aber im 2. Weltkrieg an den USA, besiegelt durch den Abwurf der beiden traumatischen Atombomben von Hiroshima und Nagasaki 1945. Etwa ab 1960 katapultierte sich Japan, sogar noch das zunächst geteilte Deutschland überholend, zur industriellen Weltmacht Nummer 2 empor, in den modernsten Leitsektoren auch die USA überholend, ähnlich wie Deutschland um 1900 in den damals modernsten Leitsektoren die bisherige industrielle Führungsmacht England überholt hatte.

Das Ende des Kalten Krieges durch den Kollaps des Imperium Sovieticum 1989/91 setzte, alles wie gehabt, eine Fülle postkommunistischer Nachfolgestaaten frei, mit den üblichen Konflikten – Bürgerkriegen, unerklärten Kriegen zwischen benachbarten und miteinander verzahnten bis verbissenen Nachbarvölkern. Hinzu kam ökonomisch der Absturz der ehemals „Zweiten” auf das Niveau der „Dritten” bis „Vierten” Welt. Dort versinkt Afrika seit seiner Dekolonisation allmählich in ein Labyrinth ethnischer, sozialer und bürgerkriegsähnlicher Konflikte, verschärft durch eine katastrophal rasche Ausbreitung von AIDS.

Selbst im relativ stabilen Europa erheben sich Regionalismen, bis hin zu sezessionistischen Nationalbewegungen (Korsika, Basken, Kosovo-Albaner), unter Berufung auf eigene ältere Staaten oder föderative Zusammenschlüsse (Lega Nord in Italien). Sie sind u. a. als Reaktion gegen bisher rigorose nationalstaatliche Zentralisierung zu verstehen, neuerdings auch gegen übergreifende übernationale Tendenzen – Zusammenschluss Europas mit bürokratisch-nivellierenden Neigungen, ferner gegen die weltumspannende „Globalisierung”, ausgehend von den USA. Solche Konflikte produzierenden Verwerfungen – überregionale bis globale Zusammenschlüsse einerseits, subnationalstaatliche Regionalismen, Fragmentierungen andererseits – werden sich im 21. Jahrhundert fortsetzen, in Europa wie in der gesamten Welt, auch unter dem steigenden Druck wachsender Bevölkerung, knapper werdender Ressourcen (Boden, Wasser, Luft, Energie) und sich verschärfender Umweltprobleme.

Zurück
| | | | | | |
Nächste
In diesem Artikel suchen
Druckerfreundliche Version der Seite
Versenden




© 2008 Microsoft