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    11. Jahrhundert ... Epochen 11. Jahrhundert. Das Bistum Bamberg wird auf die Initiative von König Heinrich II. bei der Reichssynode in Frankfurt 1007 gegründet.

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Millennium: 11. Jahrhundert

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Die Welt des Islam

Zu Beginn des 11. Jahrhunderts umfasste das Omaijadenkalifat von Córdoba den weitaus größten Teil der Iberischen Halbinsel. Lediglich der Norden unterstand noch der Hoheit christlicher Herrscher, der Könige von León, Kastilien, Navarra und Aragonien. Schon bald nach dem Tod des mächtigen Omaijadenherrschers Mohammed ibn Abi Amir al-Mansur 1002 zeichnete sich im Kalifat jedoch der Niedergang ab, und 1031 zerbrach die Herrschaft der Omaijaden an inneren Konflikten. Das Kalifat wurde in mehrere kleine Fürstentümer aufgeteilt, zwischen denen es immer wieder zu Auseinandersetzungen kam. Ähnlich geschwächt und untereinander zerstritten waren die christlichen Nachbarstaaten im Norden der Iberischen Halbinsel, so dass sie die aufgrund des Zerfalls des Kalifats günstige Gelegenheit, die Mauren zurückzudrängen bzw. aus Spanien zu vertreiben, ungenutzt verstreichen ließen. Erst in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts nahm Ferdinand I. von Kastilien und León den Kampf gegen die Mauren auf. Sein Sohn Alfons I., der 1072 die Nachfolge in Kastilien antrat, führte mit französischer Hilfe den Kampf fort und eroberte 1085 schließlich die bedeutende maurische Festung Toledo. In dieser Phase der Reconquista schwang sich Rodrigo Díaz de Vivar zu einem der bedeutendsten Heerführer im christlichen Spanien auf; mit unverhohlenem Respekt nannte ihn ganz Spanien mit seinem Beinamen El Cid, einer Entstellung des arabischen al-sajjid, „der Herr”. Alfons I. tolerierte zunächst Religion und Kultur seiner neuen maurischen Untertanen. Die Mönche aus Cluny, die Alfons selbst nach Spanien geholt hatte, um hier die Kirche zu reformieren, lehnten diese tolerante Haltung jedoch ebenso ab wie der Papst. Und so nahm der Krieg gegen die Mauren rasch den Charakter eines Kreuzzuges gegen die Ungläubigen an.

Von Alfons I. mit übermäßigen Steuern belastet, durch die Überfälle El Cids zusätzlich in die Enge getrieben, riefen die Mauren in Spanien schließlich die Berber-Dynastie der Almoraviden zu Hilfe. Die hatten damals bereits fast das gesamte Nordafrika unterworfen; lediglich die Fatimiden in Ägypten konnten ihnen noch Widerstand leisten. 1086 setzten die Almoraviden nach Spanien über und brachten am 23. Oktober 1086 den christlichen Heeren bei Badajoz eine vernichtende Niederlage bei. In der Folgezeit eroberten die Almoraviden den größten Teil Spaniens, drangen sogar bis nach Katalonien vor und fügten Alfons noch weitere Niederlagen zu. Allein El Cid konnte zumindest kleinere Teilerfolge gegen die Almoraviden erringen. 1094 eroberte er Valencia, das er bis zu seinem Tod 1099 behaupten konnte.

In der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts drangen Turkvölker aus Zentralasien bis in den Osten des zerrütteten Abbasiden-Reiches vor. Sie ließen sich im östlichen Persien nieder, nahmen den islamischen Glauben an und löschten unter ihrem Anführer Seldschuk die herrschenden Fürstenhäuser aus. 1037 besiegte Seldschuks Enkel Togrilbeg die mächtigen Ghasnawiden, und innerhalb weniger Jahre hatte er den größten Teil Persiens besetzt. 1055 stand Togrilbeg vor den Toren Bagdads. In seiner Not rief der abbasidische Kalif die Seldschuken zu Hilfe und bewahrte so seine Hauptstadt vor der Verwüstung. Das Kalifat aber geriet damit unter seldschukische Vorherrschaft: Togrilbeg forderte vom Kalifen Titel und Befugnisse eines Sultans. Togrilbeg einte den islamischen Osten zu einem starken Reich, das unter ihm und seinen Nachfolgern – seinem Neffen Alp Arslan (1063-1072) und dessen Sohn Melikschah (1072-1092) – eine Periode wirtschaftlicher Blüte und militärischer Macht erlebte. 1071 siegte Alp Arslan in der Schlacht von Mantzikert über Byzanz, und auch Aleppo wurde dem Reich einverleibt. Von hier aus bildeten die Seldschuken fortan für das konkurrierende Reich der Fatimiden in Ägypten, das bereits zu dieser Zeit vom Untergang gezeichnet war, eine ständige Bedrohung.

Anders als seine beiden Vorgänger, die noch in Persien residiert hatten, ließ sich Melikschah in Bagdad nieder. Er baute das Straßennetz seines Reiches aus, stellte die Handelsrouten unter besonderen Schutz, ließ Moscheen errichten und Wasserwege anlegen und baute die Infrastruktur seiner Hauptstadt aus. Doch den enormen Aufschwung hatte das Reich in erster Linie dem persischen Wesir Nizam al-Mulk zu verdanken, der bereits Alp Arslan gedient hatte. 20 Jahre lang, bis zu seinem Tod 1092, war eigentlich Nizam der mächtigste Mann im Reich. Er förderte Wissenschaften und Kunst, führte einen neuen, genaueren Kalender ein und veröffentlichte ein schon bald weithin bekanntes „Buch der Staatskunde” (Sijasetname). Zu den zahlreichen Gelehrten, die Nizam förderte, gehörte auch der Dichter und Astronom Omar-e Chajjam. Nizams herausragendste Leistung auf kulturellem Gebiet war die Gründung mehrerer gut organisierter Hochschulen – die ersten dieser Art in der islamischen Welt. Dem Wesir zu Ehren wurden sie Nizamiyas genannt. Die bedeutendste Nizamiya war die in Bagdad; hier lehrte u. a. der berühmte Philosoph Al Ghazali. 1092 wurde Nizam von einem Mitglied der ismailitischen Sekte der Assassinen, die er stets heftig bekämpft hatte, ermordet.

1092 starb auch Melikschah. Unter seinen Nachfolgern setzte der allmähliche Niedergang des Seldschukenreiches ein; das Reich wurde von unzähligen Bürgerkriegen zerrüttet und verfiel ins Chaos. Als 1099 die Kreuzfahrer zur Eroberung des damals fatimidischen Jerusalem ansetzten und die Bewohner der Stadt die Seldschuken um Hilfe baten, sagten die Sultane zwar Unterstützung zu – waren aber schon nicht mehr in der Lage, tatsächlich auch Hilfe zu leisten.

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Afrika

Zu den bedeutendsten Entwicklungen auf dem afrikanischen Kontinent gehörte die Ausdehnung des Almoraviden-Reiches, das in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts aus einer orthodox-muslimischen Bewegung unter den Sanhadscha-Berbern entstand. Diese Wüstennomaden – im Arabischen aufgrund der Mundbedeckung, die die Männer in der Regel trugen, die „Verschleierten” genannt – bildeten anfangs eine lose Konföderation und waren zu Beginn des Jahrhunderts nur oberflächlich islamisiert. Sie dienten in der Sahara Kaufleuten als Führer und transportierten deren Waren über die verschiedenen Karawanenstraßen in die Handelszentren im Westen des Sudan. 1035 unternahm Jahia ibn Ibrahim, ein Stammesoberhaupt der Sanhadscha, eine Pilgerfahrt nach Mekka. Auf seiner Rückreise lernte er in Kairouan, dem damaligen kulturellen Zentrum des Islam in Nordwestafrika, den Gelehrten Abu Imran al-Fasi kennen. Jahia bat ihn um einen Lehrmeister, der seine nomadisierenden Stammesgenossen im Islam unterrichten könne. Abu Imran verwies ihn an Wadschadsch ibn Zalu, einen Sanhadscha vom Stamme der Lamtu, der eine Schule in Sus al-Aksa (Süd-Marokko) leitete. Diese Region war unter dem Namen Dar al-Morabitin („das Gebiet der Frontkämpfer”) bekannt. Al-Morabitin wurde über das Spanische zu „Almoraviden”. Wadschadsch gab Jahia seinen Schüler Abdullah ibn Jasin mit, einen Sanhadscha vom Stamme der Dschazola. Dieser Ibn Jasin, ein leidenschaftlicher muslimischer Gelehrter, gründete Schulen nach dem Vorbild seines Lehrmeisters Wadschadsch und versuchte, die verschiedenen Sanhadscha-Stämme für die orthodoxe Lehre zu gewinnen. Schließlich begriff er seine Entsendung als : religiöse Unterweisung kombiniert mit militärischer Gewalt. Nachdem er die Mehrheit der Sanhadscha-Stämme gewaltsam seiner streng theokratischen Ordnung unterworfen hatte, kam er 1059 während eines Feldzugs gegen die Bergwata-Berber ums Leben. Der Kampf wurde unter Abu Bakr ibn Omar und dessen Neffen, Jusuf ibn Taschfin, fortgeführt. 1062 wurde Marrakesch als Hauptstützpunkt gegründet. Von dort aus unternahm Jusuf ibn Taschfin Eroberungszüge Richtung Norden. 1075 fiel Fès, 1082 eroberte er Tlemcen und Oran, 1083 Ceuta, und 1086 fielen Ibn Taschfins Truppen in Südspanien ein. Abu Bakr, dem das Wüstenleben mehr zusagte, blieb im Süden und brachte bis 1054 Awdaghost, das wirtschaftliche Zentrum der südlichen Sahara, unter seine Gewalt. 1076 unterwarf Abu Bakr das Sudanreich Ghana seiner Herrschaft. So verfügten die Almoraviden bereits um 1094 über ein islamisches Reich, das sich von Andalusien im Norden bis nach Ghana im Süden erstreckte. Das Gold aus Ghana wurde in Sevilla, Córdoba, Málaga und Almería zu Münzen verarbeitet. Diese von den Almoraviden geprägten Münzen gehörten zu den hochwertigsten Zahlungsmitteln. Zur selben Zeit wurde in Kanem der Islam als offizielle Religion eingeführt. Dort übernahm 1075 Mai Humai, der Gründer der Saifawa-Dynastie, die die Zaghawa ablöste, die Macht. Den Islam verkündete hier Mohammed Mani; für seine Dienste erhielt er – der Legende zufolge – von Mai Humai 100 Sklaven, 100 Kamele, 100 Gold- und ebenso viele Silberstücke.

Im Osten erlebte Nubien eine Blütezeit. Bereits im 6. Jahrhundert war hier das Christentum verbreitet, und sowohl die monophysitische Kirche als auch die melchitische Richtung fanden hier ihre Anhänger. Die Herrscher von Nubien waren eine Art Priester-Könige. Die Nachfolge war matrilinear geregelt, d. h., einem König folgte der Sohn seiner Schwester oder der Sohn der Tochter seiner Schwester auf den Thron. Diese Thronfolgeordnung war in weiten Teilen Afrikas die Regel. 1002 gründete der nubische König Raffael die Stadt Dongola, die arabischen Quellen zufolge mit ihren roten Backsteinbauten an Schönheit mit Bagdad zu vergleichen war. Das religiöse Leben in Nubien erhielt in diesem Jahrhundert durch die zahlreichen koptischen Mönche zusätzliche Impulse, die hier Zuflucht suchten, da sie in Ägypten von den Fatimiden, besonders während der Herrschaft Al Hakims des Grausamen (996-1021) verfolgt wurden.

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Indien

Nordindien waren fast fünf Jahrhunderte lang Angriffe von außen erspart geblieben; die Kämpfe um die politische und die militärische Vormacht waren fast ausschließlich interne Angelegenheiten. Auch im 11. Jahrhundert erhoben sich überall kleine Vasallen gegen die Dynastien der Pala, Pratihara und Rashtrakuta. Sie führten vielfach den Titel eines Maharadschas, aber ihre Macht blieb regional beschränkt. Die Chauhan herrschten nun über das östliche Rajasthan, die Solanki über das weiter westlich gelegene Kathiawar, die Pawaren hatten das Zentrum ihrer Macht in Indore in Malwa, die Chandella in Khajuraho und die Tomara in Hariyana in der Umgebung der Stadt Dhillika, die sie 736 gegründet hatten. Die Überheblichkeit einzelner Fürstenhäuser und ihre lokalen Machtkämpfe hatten im 11. Jahrhundert jedoch fatale Folgen. Von Süden her zog Rajendra Cola unaufhaltsam entlang der Ostküste nach Orissa und drang bis an den Ganges vor. Von Nordwesten fiel wiederholt der afghanische Sultan Mahmud von Ghazni nach Indien ein. Vorerst jedoch mündeten die Überfälle Mahmuds von Ghazni noch nicht in eine völlige politische Unterwerfung der nordindischen Tiefebene. Denn die Kontrolle über das afghanische Bergland war noch lukrativer, da hier die Handelsroute zwischen China und dem Mittelmeerraum (siehe Seidenstraßen) verlief; zudem wurden die Einnahmen aus den Handelsrouten in dieser recht unfruchtbaren Region durch jährliche Überfälle in die reichen Täler am Indus und Ganges im Osten ansehnlich aufgestockt. Die Truppen Mahmuds überraschten durch die Schnelligkeit und Beweglichkeit, mit der sie ihre Überfälle ausführten, ebenso sehr wie durch die Eile, mit der sie sich, nachdem sie reiche Beute gemacht hatten, wieder in die Sicherheit des kargen Berglands zurückzogen. Präzise Planung ermöglichte es Mahmud, mit seinen Reitertruppen praktisch jedes Jahr in einem anderen Gebiet aufzutauchen, und zwar genau dann, wenn die Ernte eingebracht wurde. Mit dem Fall von Jayapala, dem hinduistischen Sjahijja-König aus dem Kabul-Tal, verlor Indien 1000 auch seine letzte Schutzzone gegen die Überfälle der Ghasnawiden. Zwischen 1010 und 1026 richtete Mahmud seine Unternehmungen hauptsächlich auf die Tempelstädte Mathura, Thanesar, Kanauj und Somnath.

Die Tempelanlagen mit ihren unermesslichen Reichtümern an Gold und Juwelen übten von jeher eine große Anziehungskraft auf Räuber aus; und wenn, wie im Falle der Ghasnawiden, die Angreifer einer anderen Glaubensrichtung, nämlich dem Islam, angehörten, fielen auch noch eventuelle religiöse Hemmschwellen. Besonders der Überfall auf die heilige Stadt Somnath an der Küste von Kathiawar hinterließ großen Eindruck. Zum Tempel von Somnath, der vom Reichtum der hier herrschenden Solanki-Dynastie zeugte, pilgerten bei Mondfinsternissen mehr als 100 000 Gläubige. Nicht nur Hindus, auch Buddhisten und islamische Kaufleute aus den arabischen Ländern berichteten voll Bewunderung von dem Gottesbild, das im Zentrum des Tempels unter dem Baldachin in der Luft schwebte, ohne jegliche Stütze. Der Reichtum des Tempels war grenzenlos. Die Einnahmen stammten nicht nur aus direkten Schenkungen, sondern auch aus den 10 000 Dörfern, die zum Tempel gehörten. Durch derartige Schenkungen erhielten die Tempelverwaltungen ein nahezu ausschließliches Recht auf die Steuererhebungen. Die Liste der besteuerbaren Ereignisse und Sachverhalte wuchs unaufhaltsam an: Hochzeiten, Kinderlosigkeit, offizielle Empfänge und alle religiösen Feierlichkeiten wurden bestimmten Abgaben unterzogen.

Die steigenden Steuerbelastungen spiegelten die zunehmende finanzielle und administrative Unterdrückung der Dorfbevölkerung wider. Auch Hand- und Spanndienste zugunsten der Tempel oder feudalen Grundherren waren üblich, z. B. beim Bau von Brücken, Wegen und Tempeln sowie bei der Bestellung des Landes. Die Brahmanen, die die Tempel verwalteten, gehörten neben den Königen zur reichsten Kaste. Sie beherrschten das wirtschaftliche und soziale Leben ihres Umfeldes und hatten ihre Verantwortlichkeit auf so viele verschiedene Bereiche ausgedehnt, dass die Einnahmen stetig und reichlich flossen. Sie finanzierten sogar Handelsunternehmen und traten gegenüber den Dorfräten als Bankiers auf. Im Tempel von Somnath, dessen Reichtum und Macht den ebenfalls berühmten Tempel in Tanjore (heute Thanjavur) noch bei weitem übertrafen, waren 1 000 Brahmanen für den Gottesdienst zuständig. 500 Devadasis („Sklavinnen Gottes”) sangen, tanzten und waren auch für intimere Formen der Entspannung zuständig.

Im Dezember 1025 griff Mahmud Somnath an. Der Widerstand war mutig und hoffnungslos gleichermaßen. 50 000 Menschen kamen bei den Kämpfen ums Leben. Mahmud ließ alle Schätze abtransportieren; sogar das berühmte Gottesbild nahm er mit, nachdem das große Rätsel gelöst worden war: Das eiserne Bild wurde durch einen geschickt angebrachten Magneten in der Schwebe gehalten. Als die Eroberer einen Stein aus dem Baldachin entfernten, fiel es zu Boden. Im Übrigen waren es nicht nur die muslimischen Eindringlinge aus Afghanistan, die es auf die Tempelschätze abgesehen hatten, sondern auch die Hindu-Fürsten. Der Hindu-König Harsja, der ab 1089 in Kaschmir herrschte, war ständig auf der Suche nach neuen Geldquellen, um sein Heer, das er für den Kampf gegen feindliche Thronprätendenten benötigte, finanzieren zu können.

Mahmud starb 1030. Seine Nachfolger setzten seine Politik fort, allerdings weniger drastisch. 1030 verfasste Mahmuds Hofastrologe Al-Biruni eine Geschichte Indiens, die eine fesselnde und genaue Beschreibung der sozialen, wirtschaftlichen, politischen und wissenschaftlichen Verhältnisse in Nordindien enthielt. Mahmuds Nachfolgern gab er damit praktisch einen Leitfaden für ihre Operationen in dieser Region an die Hand. Al-Biruni bewunderte und missbilligte die Hindu-Kultur gleichermaßen. So schrieb er u. a.: „Ich kann ihr mathematisches und astronomisches Wissen nur mit einem Gemisch aus Perlen und sauren Datteln oder teuren Kristallen und gewöhnlichen Kieselsteinen vergleichen. Es ist ein völlig verwirrtes Volk.” Nach Mahmuds Tod geriet in Nordindien die Gefahr aus dem Nordwesten rasch in Vergessenheit. Man widmete sich wieder den internen Machtkämpfen.

Im Süden des Subkontinents war die Isolation bei weitem nicht so ausgeprägt wie im Norden. Im Cola-Reich war der Verlust der wirtschaftlichen Unabhängigkeit der Dörfer und somit der Rückgang des Handels noch nicht so weit fortgeschritten wie im übrigen Indien. Die Brahmanen verfügten zwar über umfangreichen Grundbesitz, aber über deutlich weniger Macht als ihre Kollegen in Nordindien. Die Handels- und Handwerksgilden der Städte prägten nach wie vor das gesellschaftliche Leben. Mit viel Mühe gelang es den Cola, ihre Macht zu behaupten und ihre früheren feudalen Lehnsherren, die Calukya und die Rashtrakuta, zu bezwingen. Unter der Herrschaft Rajarajas I. (985-1014) und seines Sohns und Nachfolgers Rajendra (1015-1044) wurden im gesamten Reich Kampagnen gegen die lokalen Feudalherren durchgeführt, vorwiegend gegen die Pandya und die Cera an der Malabarküste, die zusammen mit den Arabern den Handel mit Südostasien beherrschten. Auch der arabische Handel mit Ceylon kam nach einem vernichtenden Übergriff teilweise zum Erliegen. Dabei wurde die alte Hauptstadt der Insel, Anuradhapura, dem Erdboden gleichgemacht. Die Eroberung des Dekkan verlief anfänglich sehr erfolgreich; Rajendra drang mit seinen Truppen sogar bis nach Orissa vor und erreichte das Gangestal. Doch diese Gebietserweiterung hatte nur kurze Zeit Bestand. Selbst die annektierten Provinzen der Calukya in Zentralindien (Vengi und Hyderabad) musste Rajendra wieder hergeben; zuvor verwüstete er jedoch ihre Hauptstadt Kaljani. In wirtschaftlicher Hinsicht gehörten zu den wichtigsten Erfolgen der Cola zweifellos ihre ehrgeizigen Bestrebungen in Südostasien. Der Kampf richtete sich hier insbesondere gegen das Königreich von Srivijaya, das die Meerenge zwischen Sumatra und dem südostasiatischen Festland kontrollierte und dadurch eine potentielle Gefahr für den Handel zwischen Südindien und China darstellte. Den Cola gelang es, verschiedene strategisch wichtige Stellungen zu erobern und damit den indischen Schiffen eine sichere Passage zu garantieren.

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China

Im Jahr 1000 regierte Kaiser Tsjen Tsung aus der Song-Dynastie das chinesische Reich. Zu dieser Zeit war die Song-Dynastie, die 960 das Reich einte, in ständige Auseinandersetzungen mit verschiedenen Nachbarvölkern und -reichen verwickelt. So begannen die Kitan, die im Nordosten das Liao-Reich gegründet hatten, erneut einen gewaltigen Kriegszug gegen die Song. Der Überlieferung zufolge erzielten sie dabei so übermächtige Siege über die Song, dass der Erste Minister Kaiser Tsjen Tsung riet, sich persönlich auf das Schlachtfeld zu begeben und dem Kampf Einhalt zu gebieten. Der Kaiser folgte diesem Rat, und es gelang ihm tatsächlich, die Schlacht zu beenden und ein Abkommen auszuhandeln, gemäß dem sich die Song und die Kitan einander als „älteren bzw. jüngeren Bruder” achten sollten. Weiterhin verpflichteten sich die Song zu einer jährlichen Tributzahlung in Form eines riesigen Geldbetrags und 200 000 Rollen Seide.

Unter Tsjen Tsungs Nachfolger kam es im Nordwesten zu Invasionen der Tangut. Diese hatten ihrem Reich die chinesische Provinz Kansu und einen Teil des inneren Mongolenreiches, der eigentlich auch unter der Oberhoheit der Song stand, einverleibt. 1028 ließ sich der Führer der Tangut zum Kaiser der Xixia-Dynastie ausrufen. Erneut kam es zu langwierigen Auseinandersetzungen, die damit endeten, dass die Song auch mit den Tangut ein Abkommen schlossen und sich zu Tributzahlungen verpflichteten. Als die Kitan dies erfuhren, stellten sie neue Forderungen an die Song – mit dem Ergebnis, dass der Tribut der Song an die Kitan fast verdoppelt wurde.

Trotz der zahlreichen Invasionen, in deren Folge die Song-Dynastie immer höhere Tributzahlungen leisten musste, um den Frieden wiederherzustellen und zu bewahren, war die innenpolitische Lage in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts ziemlich stabil. Dann begannen sich auch im Inneren Probleme abzuzeichnen, die u. a. auf die militärische Schwäche und die wirtschaftliche Krise zurückzuführen waren, in die das chinesische Reich durch die jährlichen Tribute an das Liao-Reich und die Xixia gestürzt war.

Am kaiserlichen Hof gab es verschiedene Beamtenparteien, konservative und liberale, die hinsichtlich der Art und Weise, wie das Reich zu regieren sei, stark voneinander abweichende Auffassungen vertraten und in ständige Auseinandersetzungen um die Vorherrschaft verwickelt waren. 1064 bestieg Kaiser Jing Tsung den Thron; er regierte jedoch nur vier Jahre. Ihm folgte 1068 Kaiser Sjen Tsung, der Wang Anshi, der an der Spitze der liberalen Partei stand, zu seinem Ersten Minister ernannte. Mit dem Ziel, einen wirtschaftlichen Wiederaufschwung herbeizuführen, berief er eine Haushaltskommission, die neue Einnahmequellen erschließen sollte. Er strebte eine Anhebung des allgemeinen Wohlstandes an, sowohl um die politische und militärische Lage zu stabilisieren als auch um die Macht der Großgrundbesitzer und der reichen Kaufleute einzudämmen. Für das Volk (das zu 80 Prozent aus Bauern bestand) ließ Wang neues Land erschließen und riesige Bewässerungsanlagen bauen. Nach Missernten konnten die Bauern gegen niedrige Zinsen Geldanleihen beim Staat aufnehmen, die sie erst nach der folgenden Ernte wieder zurückzahlen mussten.

Wangs Reformmaßnahmen wurden jedoch nach einer kurzen Zeit wieder aufgegeben. Gescheitert waren sie hauptsächlich am Widerstand der reichen Familien sowie der konservativen Parteien, die nach dem Grundsatz: „keine Neuheiten, keine Unruhe im Volk” handelten. Außerdem stand der noch sehr junge Kaiser Sjen Tsung unter dem Einfluss seiner dominierenden Mutter, die die Reformen Wang Anshis entschieden ablehnte. Schritt für Schritt konnte die Kaiserin-Mutter ihre Macht ausweiten und damit auch die der konservativen Parteien, bis schließlich die alten Verhältnisse wiederhergestellt waren. Dass Wang Anshis Pläne scheiterten, lag zum Teil an der überall herrschenden Korruption, die auch durch vielfältigste Gegenmaßnahmen – wie z. B. die Anordnung, dass Beamte nicht länger als drei Jahre ein und denselben Posten bekleiden und in ihrer Heimatregion überhaupt keine Funktion übernehmen durften – nicht ausgerottet werden konnte. Der folgende Kaiser der Song-Dynastie, Tsje Tsung, übernahm 1086 die Herrschaft und regierte das Reich bis zur Jahrhundertwende. Er versuchte, den Einfluss der konservativen Parteien erneut zu beschränken und eine Reihe von Wangs Reformmaßnahmen wieder aufzugreifen.

Auch im religiösen Bereich gab es Veränderungen. Im 11. Jahrhundert bildete sich eine neue Form des Konfuzianismus heraus – der Neokonfuzianismus. Dieser war auf das Metaphysische gerichtet und enthielt eine Vielfalt taoistischer und buddhistischer Elemente. Ein bedeutender Vertreter des Neokonfuzianismus war Fan Tsungjen. In kultureller Hinsicht erlebte die Song-Dynastie eine Periode höchster Blüte. Zahlreiche Akademien, die so genannten sju juans, wurden gegründet, an denen Literatur und Philosophie gelehrt wurden. Wie die umfangreichen Sammlungen von Werken zeigen, wurde diese Entwicklung auch vom Kaiserhaus unterstützt. Schon seit Jahrhunderten war es in China üblich, dass die Ereignisse im Lande bei Hofe festgehalten wurden. Wenn eine neue Dynastie an die Macht kam, stellte diese alle Aufzeichnungen der vorigen Dynastie in einem offiziellen Werk, den Dynastischen Historien, zusammen. Se Ma-kwang, ein berühmter Geschichtsschreiber, verfasste ein Sammelwerk über die Zeit ab dem 4. Jahrhundert v. Chr. bis einschließlich des 10. Jahrhunderts n. Chr., die Zizhi tongjian, in die er alle vorangegangenen dynastischen Historien aufnahm. Die Verbreitung von Schriften wurde durch die Erfindung der beweglichen Schrifttypen entscheidend gefördert. In der Literatur wurden neben den alten Shi-Gedichten, bei denen die Zeilen alle gleich lang sein mussten, die Ci-Gedichte entwickelt, die unterschiedliche Zeilenlängen erlaubten. Die Ci wurden auf der Grundlage von Musikstücken geschrieben. In dieser Gedichtform fand in zunehmendem Maße auch die gesprochene Sprache Verwendung. Die berühmtesten Ci-Dichter waren Liu Juun und Su Dongpo. Auch die Malerei und die Kalligraphie erreichten in der Song-Dynastie eine bis dahin unbekannte Blüte. Berühmte Kalligraphen waren Mi Fei und der genannte Su Dongpo.

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Südostasien

Im 10. Jahrhundert erlebte das hinduistisch orientierte Reich im östlichen Java eine Periode großer wirtschaftlicher Blüte. Aus Furcht, dass die Shailendra aus dem Srivijaya-Reich in Sumatra die Zentralregionen Javas angreifen könnten, verlegte König Sindok 929 sein Königreich in die Ebenen am Ufer des Brantas in Ostjava. Besonders die Entwicklung des Handels innerhalb des Archipels zeugte vom wirtschaftlichen Wachstum. Das Reich knüpfte Handelsbeziehungen sowohl mit den Molukken als auch mit Sumatra und der Malaccahalbinsel. Außerhalb des Archipels konzentrierte sich der Handel vorwiegend auf Champa und das Reich der Khmer. Das Reich unternahm gewaltige Anstrengungen, um im Delta des Brantas und entlang der Küste Sümpfe trockenzulegen und das Land urbar zu machen. Die wirtschaftlichen Erfolge dieser Zeit gingen mit dem Aufblühen der Kultur einher. Die einheimischen Riten und Bräuche wurden in die Shiva-Kulte integriert, und die Elemente der indischen Zivilisation verloren gegenüber den indonesischen zunehmend an Bedeutung. Der bedeutendste König in Ostjava war Dharmavamsa (985-1006). Er ließ die javanesischen Gesetze schriftlich niederlegen und regte die Übersetzung von Sanskrittexten ins Javanesische an. Gegen Ende des 10. Jahrhunderts unternahm er mehrere Überfälle auf das Reich der Srivijaya, dessen Fortbestand durch diese permanente Bedrohung für lange Zeit fraglich war. 1006 kam Dharmavamsa bei einem Gegenangriff Sumatras ums Leben, und sein Reich verlor zeitweilig an Macht.

Der Schwiegersohn Dharmavamsas, Airlangga, wurde 1019 zum König gekrönt. Obwohl er zu Beginn nur in einem kleinen Teil des Reiches seine Macht tatsächlich zur Geltung bringen konnte, fand er mehrfach Gelegenheit, seine Herrschaftsansprüche im gesamten Reich geltend zu machen. Ein Grund hierfür waren u. a. die Überfälle der Cola, die 1025 die Srivijaya ernsthaft bedrohten, so dass Airlanggas Expansion auf keinerlei Widerstand stieß. Unter dem javanesischen Königtum entwickelte sich ein zentralisierter Verwaltungsapparat; der König, der Maharadscha, kontrollierte die zahllosen kleineren Fürsten. Schließlich erkannte auch das Reich von Srivijaya Airlangga 1030 als König an. Durch ein Abkommen wurde die Inselgruppe unter den zwei Reichen aufgeteilt: Die Handelsrechte im westlichen Teil des Archipels wurden den Srivijaya zugesprochen, und den östlichen Teil beherrschte Java. Es folgte eine Zeit des Aufschwungs für Java. Der javanesische Handel beschränkte sich nicht nur auf das Archipel, sondern weitete sich auf Champa, die Khmer, die Tamilen und Singalesen (Ceylon) aus. Das Königreich erlebte eine kulturelle Blütezeit; einen der Höhepunkte im literarischen Schaffen stellte das A rjunavivaha des Hofdichters Mpu Kanwa dar, Buddhismus und Hinduismus existierten friedlich nebeneinander. 1049, vier Jahre vor seinem Tod, zog sich Airlangga in ein Kloster zurück. Zuvor teilte er sein Königreich zwischen seinen beiden Söhnen, die beide von Konkubinen geboren worden waren; der Brantas bildete die Grenzlinie zwischen den Reichen. Der östliche Teil hieß von nun an Königreich Djanggala, im westlichen Teil wurde das Königreich Pandjalu gegründet (später auch oft Kediri genannt).

In Birma entstand im 11. Jahrhundert unter Anoratha (1044-1077) das Pagan-Reich. Anoratha war es gelungen, die verschiedenen Stämme zu einer Einheit zusammenzuschließen; in der Folgezeit konzentrierte er sich auf die Expansion seines Reiches. Sein größter Erfolg war die Unterwerfung des Königreichs Thaton an der Mündung des Irawadi. Die Mon, die in Thaton lebten, waren die bedeutendsten Lehrmeister der Birmesen: Sie unterrichteten sie in buddhistischer Literatur und Kunst und übten so einen nachhaltigen Einfluss auf deren Religion aus. 1084 übernahm Kyanzittha, der Anoratha einst als Sohn untergeschoben worden war, die Herrschaft, nachdem sein Vorgänger, König Sawlu, einem Mordanschlag zum Opfer gefallen war. Kyanzittha bemühte sich, Mon und Birmesen zu einem Volk zu einen. Er war überaus an buddhistischer Literatur und Kunst interessiert. Unter seiner Regierung wurden neben der prächtigen Ananda-Pagode zahlreiche weitere Tempel gebaut oder restauriert. Auf diplomatischem Gebiet knüpfte er neue Beziehungen zu Ceylon und China und ermöglichte so eine Wiederbelebung des Handels mit diesen Ländern.

In der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts regierte König Suryavarman I. (1002-1050) das Reich der Khmer. Er fiel in Thailand ein und besetzte das Gebiet um den Chao Phraya. Aus dieser Zeit stammen die ersten vollkommen aus Sandstein errichteten Khmer-Tempel. Unter der Regierung von Udayadityavarman II., dem Sohn von Suryavarman I., kam es nahezu ständig zu Aufständen, die vorwiegend aus der feindlichen Haltung des Königs gegenüber dem Buddhismus resultierten. Er ließ ausschließlich shivaistische (hinduistische) Tempel bauen. 1066 übernahm der jüngere Bruder des Königs, Harshavarman III., den Thron. Er bemühte sich darum, den Schaden, der durch das Verhalten seines Bruders und durch die anhaltenden Kriege verursacht worden war, wieder zu beheben. Ein aufständischer Vasall stürzte ihn jedoch 1080. Obwohl die Familie des abgesetzten Königs bis zum Ende des Jahrhunderts gegen den Usurpator und für die Wiederherstellung ihrer Position kämpfte, wusste Jayavarman VI. seine neu gegründete Dynastie zu behaupten.

In Vietnam leitete Le Dai Hanh (980-1005) gegen Ende des 10. Jahrhunderts eine Reform der Landesverwaltung ein und versuchte, die sich bekämpfenden Machthaber auszuschalten. Nach seinem Tod brach der Kampf um die Thronfolge zwischen verschiedenen Familien jedoch erneut aus. Aus diesen Auseinandersetzungen ging nach vier Jahren schließlich die Li-Dynastie als stärkste hervor. Die Li verlegten die Hauptstadt aus den Gebirgsregionen im Westen in das Delta des Roten Flusses, das sich als Wirtschafts- und Verwaltungszentrum anbot. Zudem bauten sie die Infrastruktur ihres Reiches aus: Von der Hauptstadt als Zentrum aus wurde ein in alle Richtungen gehendes Straßennetz angelegt, das die Kommunikation und den Handel vereinfachen und die Zentralverwaltung effektiver gestalten sollte. In den einzelnen Distrikten und Dörfern wurden staatliche Beamte eingesetzt, deren Aufgabe die Registrierung der Bevölkerung, die Steuereintreibung und die Erstellung von Katastern war. Durch diese Umstrukturierungen sowie durch die Einführung der Dienstpflicht für Männer zwischen 18 und 60 Jahren für mehrere Monate pro Jahr konnte die Li-Dynastie gegenüber den lokalen Machthabern die Oberhand gewinnen, die nun ihr militärisches und wirtschaftliches Monopol innerhalb ihrer Gebietes verloren. Mitte des 11. Jahrhunderts begann man, einen Gesetzeskodex zu schaffen, und um 1070 wurden Examen eingeführt für all diejenigen, die eine Beamtenlaufbahn anstrebten. Mit diesen Prüfungen und der Gründung von Schulen löste sich der Staat aus der Abhängigkeit von den buddhistischen Gelehrten, die bis zu dieser Zeit praktisch das Monopol auf Schrift, Bildung und Lehre besaßen. Auch auf wirtschaftlichem Gebiet erlebte das Land einen starken Aufschwung. Trotz eindeutiger indischer und chinesischer Einflüsse trat der eigene Charakter der vietnamesischen Kunst mehr und mehr in den Vordergrund. Nach dem Sieg über Champa und der Annexion von drei Distrikten ließ sich Li Thanh Tong 1069 zum Kaiser von Dai Viet ausrufen. Nach einer Tributzahlung an den chinesischen Hof erkannte ihn auch China als Kaiser an. Anfang der siebziger Jahre kam es jedoch zum Krieg zwischen Dai Viet und China. Mehrere Jahre später, nach Abschluss eines Friedensvertrages, richtete sich Dai Viet erneut gegen Champa, das sich in dem vorangegangenen Krieg auf die Seite Chinas gestellte hatte. Champa unterlag, und Li Thanh Tong begann den nam tien, „den Zug nach Süden”.

Gleichzeitig wurde im Reich der Champa die Hauptstadt von Indrapura in das weiter südlich gelegenere Vijaya in der Gegend von Binh Dinh verlegt, um damit die Hauptstadt den permanent drohenden Übergriffen aus dem Norden zu entziehen. Die Auseinandersetzungen an der Nordgrenze beschäftigten das Champa-Reich das gesamte 11. Jahrhundert hindurch. 1021, 1026 und 1044 drangen Truppen aus dem Norden in das Land ein. Während der letzten Invasion wurde der Cham-Fürst Jayavarman II. getötet und die Hauptstadt Vijaya besetzt. 1068 fiel Vijaya erneut fremden Eroberern in die Hände. 1074 kam mit Harivarman IV. eine neue Dynastie an die Macht, die schon bald sowohl die Truppen aus Dai Viet als auch die des Khmer-Reiches besiegte.

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