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Millennium: 12. Jahrhundert

Enzyklopädieartikel
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Heinrich IV.Heinrich IV.
Artikelgliederung
1

Einleitung

Zum Thema Millennium sind außerdem folgende Texte verfügbar: Millennium: 11. Jahrhundert; Millennium: 13. Jahrhundert; Millennium: 14. Jahrhundert; Millennium: 15. Jahrhundert; Millennium: 16. Jahrhundert; Millennium: 17. Jahrhundert; Millennium: 18. Jahrhundert; Millennium: 19. Jahrhundert; Millennium: 20. Jahrhundert; Millennium: Geographie; Millennium: Kunst; Millennium: Literatur; Millennium: Technik und Mobilität; Millennium: Weltgeschichte im Überblick.

In diesem Jahrhundert änderten sich in Europa die Machtverhältnisse. Das Heilige Römische Reich, zu dem außer den sich noch immer ostwärts ausdehnenden deutschen Gebieten auch Norditalien, Burgund, die Provence und die Niederlande gehörten, war noch immer das große Zentralreich in Europa. Aber im Westen traten Frankreich und England mehr in den Vordergrund, und im Südwesten sank der Stern von Byzanz. Das Byzantinische Reich erholte sich zwar noch teilweise vom Einfall der Türken (1071) im vorigen Jahrhundert und dem Einfall der Normannen in Süditalien, geriet aber im auslaufenden 12. Jahrhundert erneut in große Schwierigkeiten. Auffallend ist das schnelle Wachstum der Städte in Nord- und Mittelitalien. Dieser Teil der Welt war, als Ganzes gesehen, auf ökonomischem und geistlichem Gebiet sehr aktiv, was im Übrigen auch für Byzanz galt. Die Kreuzzüge waren sowohl Ausdruck religiöser Begeisterung als auch eine Methode, die Spannungen zwischen dem europäischen Adel zu lösen und den Expansionsdrang in gezielte Bahnen zu lenken.

In der islamischen Welt gingen die großen Reiche der Almoraviden, Fatimiden und Seldschuken unter. In Spanien übernahmen die Almohaden in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts die Macht, im Mittleren Osten war der Aijubidenfürst Saladin derjenige, der den Bollwerken der Christen im Heiligen Land Schlag um Schlag zuzufügen wusste. In Afrika wurde die Dynastie der Almoraviden durch die Almohaden vertrieben, die 1146 Marrakesch einnahmen. Auch das Reich von Ghana begann, nun zu verfallen. Im Tschad erfuhr die Stadt Kanem unter der Regierung von Mai Dunama (1097-1150) einen Aufschwung. Auch die Ostküste begann sich aufgrund der Niederlassung zahlreicher Emigranten aus den Gebieten am Persischen Golf zu entwickeln.

Das Cola-Reich im Süden Indiens verlor an Bedeutung. Neue Dynastien, wie die Hojasala-Dynastie, entstanden. Das Gebiet spielte auf kultureller Ebene eine wichtige Rolle. Vor allem die Bedeutung, die der Erotik zugeschrieben wurde, fand in verschiedenen Kunstformen ihren Ausdruck. Nordindien war noch immer vom Untergang gezeichnet. Nach 1170 gewannen hier die afghanischen Ghuriden, die den Rajputenkönig Prithviraja Chauhan vertrieben hatten, die Oberhand. China erlebte in der ersten Hälfte des Jahrhunderts das Ende der Liao-Dynastie, gefolgt von der Chin- und der nördlichen Song-Dynastie. Im Süden wählten die Song eine neue Hauptstadt: Hangtschou. Sie schlossen einen Friedensvertrag mit den Chin, aufgrund dessen sich die Beziehungen zwischen dem Norden und dem Süden ein wenig zu stabilisieren begannen.

In Südostasien blühte auf Java das Kediri-Reich, über das nur wenig an die Außenwelt drang. Im Pagan-Reich in Birma wurde im letzten Viertel des Jahrhunderts die Gesellschaft „birmanisiert”, was den Mons zum Nachteil gereichte. Der dort verbreitete Buddhismus ließ eine Tendenz zur Spaltung erkennen. Dem Reich der Khmer, welches gute Beziehungen zu seinen chinesischen Nachbarn entwickelte, wurden unter Jayavarman VII. umfangreiche Gebiete angegliedert. Auch ein Teil des Champa-Reiches geriet zeitweise unter die Herrschaft der Khmer. In Japan ruhte die Macht nicht länger in den Händen des Kaisers, sondern wurde von militärischen Elitegruppen ausgeübt. Es entstand eine neue Verwaltungsstruktur unter der Leitung von General Seiitaischogun, der „Barbarenunterdrücker”.

In Amerika ging im Andengebiet die Tiahuanaco-Kultur, von der sich im vorigen Jahrhundert die Nazca- und die Mochica-Kultur abgespaltet haben, unter. Die Chimú-Indianer übernahmen die Mochica-Kultur und gründeten ein wirtschaftlich florierendes, transnationales Reich mit Chanchán als Hauptstadt. Daneben existierte das stark zentralisierte Reich der Inka. In Mexiko zerfiel das Tula-Reich. Die Chichimeken ließen sich erneut im Toltekengebiet nieder.

2

Europa

Im 12. Jahrhundert setzten zahlreiche bedeutende Entwicklungen ein, die die damalige Bevölkerung bewusst miterlebte. Dies galt vor allem für die Kreuzzüge, wobei der erste von 1096 bis 1099 stattfand, der zweite von 1147 bis 1149 und der dritte von 1189 bis 1192. Die Vorbereitung und Durchführung dieser Kreuzzüge weckten in vielen Teilen Westeuropas Aufsehen und hatten darüber hinaus tief greifende Auswirkungen auf das Byzantinische Reich.

Die zweite nennenswerte Veränderung, welche die Bevölkerung der Stadtzentren betraf, war die Entstehung von Städtegemeinschaften, wobei eine Tendenz zu gemeinsamen Interessenvertretungen und Einflussnahme auf Regierungsangelegenheiten deutlich wurde. Diese Städtebildung offenbarte sich seit dem 10. Jahrhundert im Heiligen Römischen Reich, in Frankreich und in England.

Die dritte Neuerung war die Verwendung der Volkssprache im gesellschaftlichen und kulturellen Umgang. Hinzu kam, dass durch die Verbesserung und Ausdehnung der Verkehrsmöglichkeiten die vielen, bislang unerreichbaren und abgeschlossenen Landstriche fortan zugänglich waren. Diese Entwicklung brachte zugleich eine gegenseitige Beeinflussung mit sich, ausgelöst durch Ereignisse wie z. B. die Kreuzzüge im Nahen Osten oder das Aufblühen des Handels der italienischen Städte im östlichen Teil des Mittelmeerraumes, vor allem in Konstantinopel. In beinahe allen Teilen Europas nahm die Bevölkerung zu. Immer mehr Menschen zogen in die wachsenden Städte, und die Tendenz zur Kolonialisierung in Osteuropa und zur neuen Kultivierung in ganz Europa wurde stärker. Die steigende Bevölkerungsdichte begünstigte die Teilnahme an Kreuzzügen ebenso wie die Schifffahrt.

2.1

Heiliges Römisches Reich

Das Heilige Römische Reich wurde von einem Kaiser-König regiert – dem „ersten unter seinesgleichen” unter den deutschen Fürsten. Es gab weder eine zentrale Bürokratie noch königliche Steuern. Die Regierung oblag den Fürsten, Bischöfen und Rittern in einem Feudalsystem. Könige wurden erst Kaiser, nachdem sie – manchmal Jahre nach ihrer Thronbesteigung – in Rom vom Papst gekrönt wurden. In den ersten Jahren des 12. Jahrhunderts setzte der deutsche König Heinrich IV. den Kampf gegen die Fürstenopposition und den Papst fort, in dem ihm die Bürger von Köln, Aachen und Lüttich und der Bischof Otbert von Lüttich treu zur Seite standen. Sein Sohn und Thronfolger, Heinrich V., der sich gegen seinen Vater gewendet hatte, belagerte Köln vergeblich und wurde bei Visé besiegt. Der Tod Heinrichs IV. im Jahr 1106 setzte diesem Streit ein Ende. Damit wurde zwar der Kampf um den deutschen Thron, nicht aber der Investiturstreit beigelegt. Heinrich V. regierte schon bald in derselben Weise wie sein Vater. Als Verbündeter des Papstes und der deutschen Fürstenopposition begann er seine Regentschaft, aber, einmal an der Macht, beanspruchte auch er das Recht des Königs auf Ernennung der Bischöfe und Reichsäbte. Der Streit um dieses für die Regierungsorganisation des Heiligen Römischen Reiches so bedeutende Recht wurde fortgesetzt. Unterstützt vom deutschen Episkopat, hielt Heinrich an seinen Ansprüchen auf das Ernennungsrecht fest. Auf einer Versammlung in Chalons-sur-Marne ließ er erklären, dass das notwendige Einverständnis des Königs für die Wahl eingeholt werden müsse und dass der Gewählte nach der Weihe den König um die Amtseinsetzung mit Ring und Zepter bitten müsse. Der Papst antwortete, wie Suger, Abt von Saint-Denis, in seiner Biographie Ludwigs IV. (Vita Ludovici) mitteilte:

„Wenn es der Kirche nicht ermöglicht wird, einen Bischof zu wählen, ohne den König zu Rate zu ziehen, fühlt sie sich, einem Sklaven gleich, dem König unterstellt, und Christus ist umsonst am Kreuz gestorben. Die Amtseinsetzung eines Bischofs mit Ring und Stab, Dingen also, die zu den Altären gehören, ist eine Machtergreifung von Gottes Recht.” Darauf antworteten die Gesandten von Heinrich V.: „Dieser Konflikt wird nicht hier, sondern in Rom ausgetragen.” Diese Drohung wurde auch in die Tat umgesetzt. Sobald unter Heinrich V. im Heiligen Römischen Reich der Friede einigermaßen wiederhergestellt war, zog dieser 1110 nach Italien, wo durch Papst Paschalis II. in der Zwischenzeit das Verbot zur Amtseinsetzung erneuert worden war. Es folgte eine dramatische Entwicklung mit Auswirkungen weit über Rom und Italien hinaus. Anfänglich vereinbarten der Papst und der König miteinander, alle kirchlichen Güter, die sich in den Händen des Heiligen Römischen Reiches befanden, dem König zu überlassen. Dafür nahm der König von der Amtseinsetzung und von jeglicher Bemühung, Bischöfe und Äbte zu ernennen, Abstand. Er rief aber einen Sturm der Entrüstung hervor, und in Rom kam es zu einem Aufstand. Daraufhin nahm Heinrich V. den Papst und die Kardinäle gefangen und zwang den Papst, die Amtseinsetzung anzuerkennen und ihn zum Kaiser zu krönen. Danach zog er wieder zurück nach Norden. Unter dem Einfluss der gregorianischen Denkweise setzte sich jedoch der Widerstand in der Kirche fort. Der Kaiser wurde exkommuniziert, und überall kam es zu Unruhen bzw. regte sich Widerstand. Die Situation, die im Jahr 1122 zum Wormser Konkordat (1122) führte, wurde von Otto von Freising, folgendermaßen beschrieben:

„Da das Reich in vielerlei Hinsicht innerlich zerrissen und gespalten war und der Kaiser sah, dass das Reich zerfiel, und er befürchtete, dass ihm dasselbe Schicksal wie seinem Vater zuteilwürde, berief er in Worms eine Versammlung der Reichsfürsten ein und nahm in Anwesenheit des päpstlichen Gesandten Lambertus, dem späteren Papst Honorius II., Abstand von der Amtseinsetzung. Infolgedessen wurde der Kirchenbann gegen ihn wieder aufgehoben. Diese Aufhebung wurde in einem Privileg für die Kirche festgehalten. Gleichzeitig wurde dem Kaiser das Recht zugesprochen, dem zufolge die gewählten Bischöfe erst geweiht werden sollten, nachdem sie aus den Händen des Königs die Regalien durch Überreichung des Zepters erhalten hatten.”

Mit diesem Wormser Konkordat endete 1122 der Streit um die Amtseinsetzung. Im Jahr 1125 starb Heinrich V. in Utrecht. Zu seinem Nachfolger wurde der Herzog von Sachsen, Lothar von Supplinburg (1125-1137), gegen die Ansprüche Friedrichs von Schwaben, des Neffen Heinrichs V., gewählt. Der Herzog von Sachsen hatte bereits frühzeitig mit den Widerständen des Herzogs Friedrich von Schwaben zu kämpfen. Lothar, der die Krone mit Unterstützung der kirchlichen Partei erhalten hatte und darüber hinaus eine starke kirchliche Reformbewegung berücksichtigen musste, führte eine Politik, welche die Belange der Kirche möglichst stark einbezog. Im Jahr 1131 unterstützte er selbst den Kampf des Papstes in Rom gegen dessen Feinde. Lothar wurde in Rom zum Kaiser gekrönt. Danach stellte er den Frieden im Reich wieder her und versuchte, mit Unterstützung der Kirche einen allgemeinen Landfrieden zustande zu bringen. Bei der Rückkehr von einem zweiten Feldzug nach Italien starb Lothar im Jahr 1137. Die Wahl eines Nachfolgers erfolgte unter dem Einfluss der Geistlichkeit, aber auch mit der Unterstützung verschiedener Fürsten, welche die Ansprüche des mächtigen bayrischen Herzogs Heinrich des Stolzen abwiesen. Sie wählten Konrad von Schwaben, einen Neffen Heinrichs V., zum Nachfolger. Mit Konrad III. (1138-1152) gelangten die Staufer auf den deutschen Thron. Dieser Thronwechsel hatte zunächst einen heftigen und langwierigen Streit zwischen Konrad III. und Herzog Heinrich zur Folge, dem der König beide Herzogtümer, Bayern und Sachsen, abgenommen hatte. Die Zeitgenossen sahen darin ein Beispiel für die Veränderlichkeit im menschlichen Leben als Folge von Gottes Allmächtigkeit. Die ersten zehn Jahre unter Konrads Regierung waren von Unruhe, Bürgerkriegen und Schwächung der Staatsgewalt gezeichnet. Die damit in Zusammenhang stehenden Ereignisse wurden im Jahr 1147 durch den 2. Kreuzzug unterbrochen. Anlass dazu gaben die Einnahme von Edessa und die Bedrohung von Antiochia durch die Muslime. Vor allem Bernhard von Clairvaux war es, der – nachdem Papst Eugen III. die Christenheit und insbesondere die französische Ritterschaft dazu aufgefordert hatte – in Westeuropa für die Kreuzzüge predigte. Neben ihm bemühten sich auch noch andere, möglichst viele Menschen zur Teilnahme an einer neuen Fahrt in das Heilige Land (siehe Palästina) zu bewegen. Dies erregte allerorten die Gemüter, wie aus den Zeugnissen der Zeitgenossen hervorgeht. Otto von Freising schrieb: „In Anbetracht dessen, dass nicht nur aus dem deutschen Reich, sondern auch aus den Nachbarstaaten, nämlich Frankreich, England und Ungarn, unzählige Völker und Nationen durch das Gerücht von dieser Entdeckungsfahrt zur Annahme des christlichen Glaubens gebracht wurden, war plötzlich das gesamte Abendland so friedlich, dass nicht nur das Kriegführen, sondern sogar das öffentliche Tragen von Waffen als Unrecht galt.” (Otto von Freising: Gesta Frederici imperatoris)

Der Kreuzzug, an sich dem auch Ludwig VII. von Frankreich beteiligte, misslang völlig. Erschüttert und von großen Verlusten gezeichnet, kehrte das Kreuzfahrerheer zurück. Dieser Misserfolg war eine der Ursachen für die Opposition, die Mitte des Jahrhunderts gegen die Einmischung der Kirche in weltliche Politik offenkundig wurde. Diese Opposition führte sogar zu der Forderung nach apostolischer Armut der Geistlichkeit. Darüber hinaus gab sie Anlass zu einer Volksbewegung, die in Rom von Arnold von Brescia angeführt und von der niedrigeren Geistlichkeit unterstützt wurde. Auch an anderen Orten fand diese Bewegung Gehör. Konrad hielt sich abseits, und die in Aussicht gestellte Krönung zum Kaiser erfolgte nicht. Der König wurde nach seiner Rückkehr aus dem Heiligen Land auch zu sehr von der Situation im Heiligen Römischen Reich beansprucht, wo Heinrich der Löwe, Sohn Heinrichs des Stolzen, ihm das Leben schwer machte und außerdem durch das Eingreifen von päpstlicher Seite in die Bischofswahlen Unruhen aufkamen. Inmitten dieser Schwierigkeiten verstarb der König.

2.2

Friedrich Barbarossa – Das Verhältnis zu Italien.

Der Nachfolger Konrads III. wurde Friedrich I. Barbarossa, sein Neffe. Dieser ging seine erste Aufgabe, nämlich die Wiederherstellung von Ordnung und Ansehen der königlichen Befehlsgewalt, kraftvoll an. Zunächst begann der König, die enge Verbindung zwischen Reich und Bistum wiederherzustellen. Er betrachtete die Bischöfe in erster Linie als Beamte des Reiches, welche durch lehnsrechtliche Bande an das Reich gebunden waren. In zunehmendem Maß traten sie als weltliche Verwalter und als Gesandte und Vermittler in Reichsangelegenheiten in den Vordergrund. Oft beteiligten sie sich sogar an militärischen Feldzügen, hauptsächlich nach Italien. Des Weiteren hatten sie ihre kirchlichen Ämter inne. Diese Bindung war von herausragender Bedeutung. Aufgrund der Ausübung der Kirchenämter, ergänzt durch eine behutsame Politik gegenüber den weltlichen Fürsten, blieb es in der ersten Hälfte von Barbarossas langer Regentschaft (1152-1190) im Heiligen Römischen Reich ziemlich ruhig, was dem Fürsten u. a. die Möglichkeit bot, sich intensiv mit den Vorgängen in Italien zu beschäftigen. Ein kurzer und mit einem Heer von nur 1 800 Kreuzrittern ausgestatteter Kreuzzug brachte Friedrich Barbarossa 1155 zwar die Kaiserkrone, aber er versäumte es dadurch, den Papst im Kampf gegen seine südlichen Nachbarn, die Normannen, zu unterstützen. Die Normannen herrschten über Süditalien seit 1071. Der Papst war über diesen Umstand äußerst unzufrieden. Die Spannung zwischen Papst und Kaiser wurde deutlich, als in Besançon im Jahr 1157 ein Reichstag abgehalten wurde, um die Macht des Reiches in Burgund zu betonen. Zu diesem Reichstag erschien Kardinal Roland (der spätere Papst Alexander III.), ein herausragender Rechtsgelehrter und Kommentator des kurz zuvor erstellten Decretum Gratiani (ca. 1140). In dem von Roland überreichten päpstlichen Schreiben war von Pfründen die Rede, welche dem Kaiser von den Päpsten verliehen worden waren. Als dieses Schreiben von Reinald von Dassel, dem Erzbischof von Köln und wichtigsten Berater des Kaisers, ohne Protest von Roland mit Worten wie „Lehen” und „Wohltaten” übersetzt wurde, wodurch der Eindruck entstand, der Kaiser sei Lehnsmann des Papstes, erhob sich ein Sturm der Entrüstung. Der Kaiser rettete die päpstlichen Vertreter mit großer Anstrengung aus den Händen der wütenden Fürsten. Das deutsche Bistum reagierte auf den Vorwurf des Papstes folgendermaßen: „Gott hat in der Hauptstadt der Erde durch die Kaiserschaft die Stellung der Kirche verbessert. In dieser Hauptstadt richtet nun die Kirche, und das nicht laut Gottes Willen, die Kaiserschaft zugrunde.” (Rahewin, der die Gesta Otto von Freisings fortsetzte.)

Friedrich I. Barbarossa hatte sich intensiv mit der Situation in Italien auseinandergesetzt: Sechsmal zog er in den Jahren 1154/55, 1158 bis 1162, 1163/64, 1166 bis 1168, 1174 bis 1178 sowie 1184 bis 1186 nach Italien, um die Beziehung zum Papst, welche eine der Grundlagen des Heiligen Römischen Reiches darstellte, zu regeln. Dies geschah zur Festigung der Sicherheit seiner in Norditalien lebenden Familie und mit dem Ziel, durch Verhandlungen oder unter Gewaltanwendung die Reichsbelange mit den Ansprüchen des Byzantinischen Reiches in Einklang zu bringen. Der Kaiser war mit wechselhaftem Erfolg bestrebt, seine Ziele mal mit kleinen, mal mit großen Heeren, einmal bei kurzen Feldzügen, dann wieder bei mehrjährigen Aufenthalten in Italien, beispielsweise in den Jahren 1158 bis 1162, zu erreichen.

Diese Jahre zeichneten sich durch einen immer stärkeren Gegensatz zwischen Papst und Kaiser aus, der sogar zur Wahl eines Gegenpapstes führte, als nach dem Tod von Hadrian IV. 1159 der leidenschaftlich antikaiserliche Kardinal Roland als Alexander III. den Thron bestieg (1159-1181). Aber auch der heftige Widerstand von Mailand und anderen lombardischen Städten gegen den Kaiser war schuld daran. Otto von Freising verwies die italienischen Städte darauf, dass sie sich rühmen sollten, unter römischem Recht zu leben, wohingegen diese aber das Recht schändeten, denn sie widersetzten sich dem höchsten Gesetzgeber, dem Kaiser. In vielen italienischen Städten wüteten darüber hinaus Kämpfe zwischen den Anhängern von Kaiser und Papst. Barbarossa gelang es bei diesen Kämpfen im Jahr 1162 mit großer Anstrengung, in Mailand die Hochburg des Widerstands einzunehmen und diesen dadurch einzudämmen. Die Reichspolitik aber, die u. a. zur Ernennung eines Gegenpapstes (Viktor IV.) geführt hatte, rief dann bereits den Unwillen der übrigen westeuropäischen Staaten hervor, die Alexander III. nach wie vor als Papst anerkannten. Besonders bezeichnend für die Stimmung dort war ein Ausspruch des damaligen Erzbischofs von Chartres, Johannes von Salisbury: „Wer hat die Deutschen zu Richtern der Nationen gemacht? Wer hat diesen grobschlächtigen und wilden Leuten das Recht zugesprochen, willkürlich das Haupt der Christenheit zu bestimmen?” Der Kaiser unternahm einen neuen (vierten) Feldzug (1166-1168), um der Entzweiung des Papsttums ein Ende zu bereiten und die kaiserliche Macht in Italien zu festigen. Dieser Feldzug blieb jedoch erfolglos, mit der Konsequenz, dass Friedrichs Heer durch eine ansteckende Krankheit dezimiert wurde. Trotzdem hielt Barbarossa seine Stellung im Heiligen Römischen Reich aufrecht und verstärkte sie zudem noch. Dabei stützte er sich vor allem auf das ihm treu gebliebene Bistum, was ihn in die Lage versetzte, unter schwierigen Bedingungen einen fünften Kriegszug nach Italien (1174-1178) zu unternehmen. Dieser Kriegszug führte zum Abschluss des Friedens von Venedig (1177). Eine Besonderheit war jedoch, dass Heinrich der Löwe, Herzog von Sachsen und Bayern, der durch seinen wichtigen Beitrag zur Einnahme und Kolonialisierung von slawischen Gebieten im Osten großes Ansehen genoss, sich im Jahr 1176 weigerte, militärische Unterstützung zu gewähren. Dieser Umstand brachte Barbarossa in Schwierigkeiten und führte dazu, dass Heinrich dem Löwen 1180, laut Urteil der Reichsfürsten, die Lehen des Reiches abgenommen wurden. Dieses Urteil brachte die Macht des Kaisers auf einen Höhepunkt, was der im Jahr 1184 in Mainz abgehaltene Reichstag zeigte. „So viel Ehre wurde dem Kaiser bewiesen, dass man sich bis zum Ende aller Tage darüber wundern kann. Noch 100 Jahre und länger wird man davon sprechen und schreiben”, ließ der limburgische Dichter Heinrich von Veldeke in seinem Eneide verlauten. Zwei Ereignisse betonten die Machtposition Barbarossas: der Friede mit den lombardischen Städten und die Heirat von Heinrich VI., dem Sohn des Kaisers und dessen Nachfolger, mit Constanza, der Tochter König Rogers II. aus dem süditalienischen Normannenreich. Aus dieser Heirat ergab sich die Verbindung mit dem Heiligen Römischen Reich. 1188 gab Barbarossa eines Tages in Mainz seinen Beschluss bekannt, an einem 3. Kreuzzug teilzunehmen. Im Mai 1189 zog der Kaiser mit seinem Heer in den Osten, aber das Heilige Land erreichte er nicht: Am 10. Juni 1190 ertrank er beim Baden in einem kleinen Fluss namens Saleph in Südost-Kleinasien. Sein Tod rief überall großes Bedauern hervor. Die Nachricht von Barbarossas tragischem Ende erreichte Heinrich VI., seinen Sohn und Nachfolger, der für seinen Vater die Regierung übernahm, erst circa vier Monate später. Kurz zuvor war auch Wilhelm II. von Sizilien kinderlos gestorben, wodurch Heinrich VI. als Ehemann Constanzas trotz des Widerstands des Papstes Ansprüche auf den sizilianischen Thron erheben konnte. Die Umsetzung dieser Ansprüche rief nicht nur einen Konflikt mit dem Papst hervor, sondern führte auch zu Spannungen in den übrigen europäischen Reichen. Heinrich VI. wurde 1191 bei einem missglückten Feldzug nach Rom und Süditalien gekrönt. Da er dem englischen König Richard Löwenherz, welcher mit Heinrich dem Löwen Kontakte unterhalten hatte, eine Anerkennung als Lehnsherr abzwang, wusste er die Lage im Heiligen Römischen Reich zu meistern. Er zog daraufhin (1194) nach Italien und erhielt die Herrschaft in Sizilien. Damit konnte sich Heinrich VI. als mächtigster Herrscher Europas betrachten. Das nächste Ziel des Kaisers war es, seinem 1194 geborenen Sohn Friedrich nicht nur die Erbfolge in Sizilien, sondern auch im Heiligen Römischen Reich zu übertragen. Der Plan misslang allerdings aufgrund der gegenteiligen Einstellung der deutschen Fürsten. Das Einzige, was Heinrich VI. erreichte, war die Wahl seines jüngsten Sohnes zum deutschen König (1196). 1197 starb der Kaiser. Verglichen mit seinem Vater wurde sein Tod kaum bedauert. In weiten Kreisen der Bevölkerung sah man jedoch ein, was ein Mönch des Klosters Sankt Blasien zum Ausdruck brachte, nämlich dass „das deutsche Reich mit dem Tod Heinrichs VI. aus sehr großer Höhe herabgefallen ist”.

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