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Millennium: 13. Jahrhundert

Enzyklopädieartikel
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NibelungenliedNibelungenlied
Artikelgliederung
1

Einleitung

Zum Thema Millennium sind außerdem folgende Texte verfügbar: Millennium: 11. Jahrhundert; Millennium: 12. Jahrhundert; Millennium: 14. Jahrhundert; Millennium: 15. Jahrhundert; Millennium: 16. Jahrhundert; Millennium: 17. Jahrhundert; Millennium: 18. Jahrhundert; Millennium: 19. Jahrhundert; Millennium: 20. Jahrhundert; Millennium: Geographie; Millennium: Kunst; Millennium: Literatur; Millennium: Technik und Mobilität; Millennium: Weltgeschichte im Überblick.

Die Welt des 13. Jahrhunderts unterschied sich in vielerlei Hinsicht von der der vorangegangenen Jahrhunderte. Kriege und wirtschaftlicher Wandel, in Asien ganze Völkerwanderungen sorgten für tief greifende Veränderungen. In Westeuropa stellte das 13. Jahrhundert in mancher Hinsicht nicht nur die Fortsetzung, sondern den Höhepunkt von Entwicklungen dar, die bereits im 11. und 12. Jahrhundert begonnen hatten. Das Aufblühen der Städte, architektonische Meisterleistungen, wissenschaftliche Fortschritte an den Universitäten, die abnehmende Bedeutung der Feudalherren und die Zentralisierung der Macht in den Händen einiger weniger Herrscher – alle diese Entwicklungen kennzeichneten das 13. Jahrhundert. Der wirtschaftliche Aufschwung dämpfte zwar soziale Unruhen, doch in vielen Städten, vor allem in Flandern und Norditalien, vertieften sich die Unterschiede zwischen den einzelnen sozialen Schichten.

Für das Byzantinische Reich war das 13. Jahrhundert verhängnisvoll. Bereits 1204 besetzten Kreuzritter Byzanz und gegen Ende des 13. Jahrhunderts war das Byzantinische Reich beinahe von der Landkarte verschwunden. In Asien vergrößerten die Mongolen unter Dschingis Khan und unter seinen Söhnen und Enkeln ihr Reich durch vernichtende Feldzüge und eroberten das gesamte Land von China bis ans Schwarze Meer. Im Lauf der Zeit verschmolz die mongolische Oberschicht mit der ursprünglichen Bevölkerung. Dadurch breitete sich in weiten Gebieten der Islam aus. Die Mongolen, die unter Kubilai Khan in China die Yuan-Dynastie begründeten, wurden Anhänger des Buddhismus. Auch in Indien herrschten durch das Vordringen muslimischer Völker aus dem Iran und Afghanistan unruhige Zeiten. Zunächst übernahmen die siegreichen fremden Völker nicht die Zivilisation der Unterworfenen, sondern behielten ihre eigenen religiösen und kulturellen Traditionen bei. So war Indien zwischen Islam und Hinduismus geteilt. In Japan, das lange Zeit durch interne Konflikte zerstritten war, entstand 1192 ein neues Regierungssystem, in dem der Militäradel (die Territorialfürsten [Daimyo] mit ihren Dienern, den Samurai) die Macht im Land übernahm. Anstelle des Kaisers, der nur noch repräsentative Aufgaben wahrnahm, regierte von nun an der Schogun, der militärische Oberbefehlshaber. Das Schogunat war erblich, und so entstand neben der kaiserlichen auch eine Schogun-Dynastie. Auch die japanische Kultur erfuhr eine Belebung: Die neuen Herrscher waren Anhänger des Zen-Buddhismus, der einen starken Einfluss auf die Kunst hatte. Im weiteren Verlauf des Jahrhunderts wehrten die Japaner Angriffe von Kubilai Khan aus China erfolgreich ab, doch unter schwächeren Schogunen häuften sich in Japan allmählich wieder die Unruhen, da sich die adeligen Familien in erbitterten Blutfehden bekämpften. Auf den Inseln des heutigen Indonesien breitete sich durch Handelsbeziehungen zu Indien langsam der Islam aus. Hier beherrschte Fürst Kertanagara aus Singosari im Osten der Insel Java mehrere hindu-javanische Reiche, die sich zu dieser Zeit auf dem Höhepunkt ihrer Macht befanden. Charakteristisch für seine Politik waren die enormen Expansionsbestrebungen. Hinterindien wurde zum größten Teil vom Buddhismus dominiert. Wiederholte Angriffe der Thais schwächten vor allem das im 12. Jahrhundert so mächtige Königreich der Khmer in Kambodscha. Vorläufig blieb jedoch der Hof zu Angkor das prächtige Zentrum ihres Reiches. Weiter östlich führte Annam (Vietnam) Eroberungskriege. Der Islam hatte im Westen den Höhepunkt seiner kulturellen Bedeutung überschritten, beeinflusste jedoch die Architektur weiterhin nachhaltig.

Das einzige christliche Gebiet in Afrika war das Kaiserreich Äthiopien. Nach anfänglichen Gebietseroberungen im 7. und 8. Jahrhundert setzte in Nordafrika ab dem 11. und in den folgenden Jahrhunderten in zunehmendem Maße die „Arabisierung” ein, ausgelöst durch wahre Völkerwanderungen arabischer Nomaden. Richtung Süden weiteten die marokkanischen Berber ihren Einflussbereich erfolgreich aus.

Auch in Nord- und Südamerika gab es jahrhundertealte Kulturen. Doch selbst die am höchsten entwickelten Indianervölker (Maya, Tolteken) lebten im Vergleich zu europäischen Völkern verhältnismäßig primitiv. Auf technischem Gebiet verfügten die Indianer nur über begrenzte Möglichkeiten: Sie kannten keine Werkzeuge aus Metall, keine Pflüge, kein Rad, keine Haustiere und verfügten über keine Schrift. Umso erstaunlicher waren daher ihre Leistungen auf dem Gebiet der Architektur. Sie bauten riesige religiöse Anlagen und im Lauf der Zeit ganze Städte, die nicht mehr allein religiösen Zwecken, sondern auch als Wohnorte oder militärische Festungen dienten. Typisch für diese Bauwerke sind die einzigartigen Bildhauerarbeiten der Indianer.

2

Europa: gesellschaftliche Veränderungen

Im 13. Jahrhundert verlagerte sich die Macht ganz allmählich von einzelnen Feudalherren auf größere politische Einheiten. Für diese Entwicklung sind viele Gründe zu nennen. Seit dem 11. Jahrhundert nahm die Bedeutung des Geldes immer mehr zu, vor allem durch den Aufstieg der Städte und das Wachstum von Handel und Gewerbe (Export von europäischer Wolle und Wollartikeln, Import von Gewürzen, Seide und anderen Luxusgütern aus dem Osten). So wurde in Westeuropa 1252 zum ersten Mal nach dem Zerfall des Römischen Reiches wieder eine Goldmünze geprägt: der Florin (benannt nach Florenz, der Stadt, in der er geprägt wurde). Die Einkünfte der Adligen stiegen nicht so schnell wie die des aufkommenden städtischen Bürgertums. Ihre Ausgaben hingegen waren wesentlich höher. Sie wollten am modernen, luxuriösen Leben teilhaben, mussten aber die traditionellen militärischen Dienste für ihre jeweiligen Fürsten finanzieren oder für hohe Geldbeträge anderen Adligen übertragen. Die Macht der Feudalherren wurde zunehmend geschwächt. Der Herrscher (Könige, in Italien und im zerfallenden deutschen Kaiserreich auch Herzöge, Grafen, Bischöfe oder Stadtstaaten) konzentrierte sich auf den raschen Aufbau einer Bürokratie, die zentrale Regierungsaufgaben des Adels übernahm, in erster Linie die Gerichtsbarkeit. Die Fürsten erkannten die Bedeutung der städtischen Bürger als Steuerzahler und als Stützen des wirtschaftlichen Aufschwungs. Daher berücksichtigten die Fürsten die Interessen der Bürger in größerem Maße und statteten sie mit wirtschaftlichen und politischen Privilegien aus. Durch dieses System stützten sich die neue Zentralmacht und das städtische Bürgertum gegenseitig. Alle diese Veränderungen vollzogen sich langsam und in den einzelnen Gebieten Europas auf unterschiedliche Weise. In England führte der König bereits im 12. Jahrhundert eine zentralistische Politik ein, während ihn seine Vasallen, die Feudalherren, im 13. Jahrhundert verstärkt unter Druck setzten. In anderen Ländern, hauptsächlich im Deutschen Reich, sahen viele Städte endlich die Möglichkeit, sich von ihren Feudalherren zu befreien und sich direkt einem Kaiser zu unterstellen. So erreichten die so genannten „Reichsstädte” eine weitgehende Autonomie.

2.1

Das Papsttum

Um die Jahrhundertwende erreichte die päpstliche Macht unter Innozenz III. (1198-1216) ihren Höhepunkt. Innozenz wehrte sich in kirchlichen Fragen strikt gegen jegliche Einmischung durch weltliche Machthaber. Er sah die Trennung von Kirche und Staat als Bedingung dafür an, dass auch die Kirche den Staat in politischen Fragen nicht dominiere. Nach seiner Auffassung war die Christenheit auch in politischer Hinsicht ein unteilbares Ganzes, da Unterschiede in weltlichen Belangen die übernatürliche mystische Einheit aller gläubigen Christen nicht zerstören könnten. Deshalb folgerte Innozenz, dass der Papst die Aufgabe habe, die gesamte weltliche und religiöse Macht in seinen Händen zu konzentrieren. Innozenz selbst ging so weit, dass alle Fürsten ihre Gebiete vom Papst nur noch als „Lehen” erhielten (wie die Vasallen ihre Ländereien von den Fürsten) und dass der Papst den Fürsten das Lehen nehmen konnte, wenn diese sich nicht dem Willen des Papstes entsprechend benahmen. Seinen Idealismus in geistlicher Hinsicht kombinierte Papst Innozenz mit einer recht weltlich orientierten Machtpolitik. Sein wichtigstes Machtinstrument war der Kirchenbann (Exkommunikation): Ein Exkommunizierter wurde aus der Gemeinschaft der Gläubigen ausgeschlossen und konnte keine kirchlichen Sakramente mehr empfangen – für gläubige Christen eine furchtbare Strafe.

Eine andere Maßnahme des Papstes war das Interdikt, mit dem nicht Personen, sondern Städte, Klöster oder ganze Gebiete exkommuniziert werden konnten. Innozenz zögerte nicht, ganze Königreiche mit dem Interdikt zu belegen – mit dieser Vorgehensweise versuchte er, die Bevölkerung gegen den jeweiligen Fürsten aufzubringen, da nur wegen des Verhaltens des Fürsten die Sakramente vorenthalten wurden. Mehrere von Innozenz’ Nachfolgern schreckten vor solchen Maßnahmen ebenfalls nicht zurück. So ist es keineswegs erstaunlich, dass im Laufe des Jahrhunderts vor allem als Folge des rein weltlichen Streits zwischen Kaiser und Papst in Italien das Ansehen des Papstes immer mehr abnahm und schließlich viele im Papst selbst den Antichristen sahen.

2.2

England und Frankreich (1)

Innozenz III. verhängte 1208 das Interdikt über England, nachdem der ebenfalls herrschsüchtige König Johann Ohneland (Johann I.) sich weigerte, der Ernennung von Stephen Langton zum Erzbischof von Canterbury zuzustimmen. Außerdem gab der Papst das Königreich England – das Johann I. nur als Lehen hielt! – dem französischen König Philipp II. Augustus, der auf diese Weise einen Freibrief erhielt, gegen den alten Erzfeind vorzugehen. Im 13. Jahrhundert bestand das Ziel aller französischen Könige darin, die Engländer aus ihren Herzogtümern auf dem Festland zu vertreiben und diese Gebiete dem französischen Königreich einzuverleiben. Noch gegen Ende des 12. Jahrhunderts übte der französische König die direkte Macht lediglich im Gebiet zwischen Paris und Orléans aus, doch diesen Zustand wusste er schnell zu ändern. 1214 fügte Philipp II. Augustus dem englischen König Johann und dessen Verbündeten (darunter auch der Graf von Flandern, ein aufständischer Vasall der französischen Krone) in der Schlacht von Bouvines eine vernichtende Niederlage zu. Mit diesem Sieg war die Dominanz Frankreichs in Westeuropa für lange Zeit festgeschrieben. Ganz Paris feierte den Erfolg. Insbesondere die Studenten jubelten tagelang in ausgiebigen Trinkgelagen ihrem siegreichen König zu.

Die Zunkunft des englischen Königs sah trübe aus. Von den Untertanen war der niederträchtige und unzuverlässige König nie wirklich geliebt worden, und so besiegelte die Niederlage bei Bouvines sein Schicksal. Die hohen Steuern, die er für seine Kriege erhoben hatte, die erbarmungslosen und grausamen Methoden, mit denen er die Steuern eintrieb, sowie der Misserfolg aller seiner Unternehmungen weckten in der Bevölkerung eine große Unzufriedenheit. Zu diesem Zeitpunkt waren die Engländer, in erster Linie der Adel, fest entschlossen, dem Machtmissbrauch durch ihren König endgültig ein Ende zu setzen (siehe Baron’s War). Johann I. hatte sich zwar inzwischen mit dem Papst (der die Vergabe von England an Philipp II. Augustus bereits zurückgezogen hatte) versöhnt und Stephen Langton als Erzbischof akzeptiert, doch Johanns Position war extrem geschwächt. Unter Zwang unterzeichnete er am 15. Juni 1215 ein Dokument, das die Rechte und Pflichten des Königs und seiner Vasallen festlegte: die Magna Charta, d. h. „die große Urkunde der Freiheiten”. Unter dem Einfluss von Stephen Langton und William Marshal, dem Grafen von Pembroke, erhielt die Magna Charta weitgehendere Formulierungen. Nicht allein den Beschwerden des Hochadels wurde Rechnung getragen, sondern auch Bestimmungen über die Rechte des niedrigeren Adels („gentry”), der Kirche und des städtischen Bürgertums wurden in die Magna Charta aufgenommen. Die Privilegien des Hochadels wurden so allgemein formuliert, dass sie auch anderen Bevölkerungsgruppen zugutekamen. Die bekanntesten Passagen sind die Artikel 39 und 40: „Kein freier Mann soll verhaftet oder gefangen gehalten werden oder seiner Rechte oder seines Besitzes beraubt werden oder für vogelfrei erklärt oder verbannt werden können, sein Rang soll ihm nicht genommen werden können, noch können wir (der König) gewaltsam gegen ihn vorgehen oder andere schicken, um dies zu tun, außer aufgrund eines gesetzlichen Urteils seiner Standesgenossen oder aufgrund des Gesetzes seines Landes. Niemandem soll Recht oder Rechtspflege verkauft oder verweigert werden, der Rechtsgang soll ohne Verzögerungen stattfinden.”

25 Barone bildeten schließlich einen Rat, der über die Umsetzung der Magna Charta wachen sollte. Nach dem Tod König Johanns I. wurde für seinen minderjährigen Sohn Heinrich III. ein Regentschaftsrat eingesetzt. Heinrich III. bestätigte die Magna Charta und erkannte damit ihren grundsätzlichen Charakter für alle Zeiten an.

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