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Millennium: 13. Jahrhundert

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2.13

Die Welt des Islam

In der Welt des Islam gehörten im 13. Jahrhundert politische und religiöse Zersplitterung zum normalen Bild. Von Südspanien und Nordwestafrika bis nach Afghanistan entstanden immer wieder neue Dynastien und Reiche, die jedoch ebenso schnell wieder untergingen. Despotische Herrscher verhinderten durch Ausbeutung und hohe Steuern eine loyale Haltung des Volkes, das sich aus diesen Gründen nur zu gerne von dem ungeliebten Herrscher befreite oder sich einem neuen Herrn unterwarf. Die meisten Fürsten unterhielten eine islamisierte Leibgarde, die sich aus ehemaligen Sklaven zusammensetzte. Aus dieser Elite entstanden langsam verschiedene militärische Oligarchien, vor allem in Ägypten. Der Glaube und die gemeinsame Sprache, das Arabische, waren das bindende Element in der Welt des Islam, trotz aller Sektenbildungen. Arabisch war die Sprache der Wissenschaft und der Literatur. Mitte des 13. Jahrhunderts brach eine Katastrophe über den Islam in Vorderasien herein: Unter den Söhnen und Enkeln Dschingis Khans fielen die Mongolen ein, die in der ersten Hälfte des Jahrhunderts durch vernichtende Feldzüge ihr Reich vom Norden Chinas bis an die Küste des Schwarzen Meeres ausgedehnt hatten (siehe Mongolensturm). Wo immer die Mongolen entlangzogen, vernichteten sie die kulturellen Zentren des Islam. Paläste, Moscheen und Bibliotheken zerfielen zu Ruinen, ein Großteil der Bevölkerung wurde ermordet. In Buchara benutzten die Mongolen die Moscheen als Pferdeställe und legten die Stadt genauso wie Samarkand und Herat in Schutt und Asche. 1258 folgte Bagdad. Hülägü, ein Enkel Dschingis Khans, setzte hier der Dynastie der Abbasiden ein gewaltsames Ende. Er ließ die Stadt verwüsten, alle Einwohner – auch den Kalifen, den gesamten Hofstaat und deren Angehörige – ermorden und errichtete aus den Totenschädeln Pyramiden. Zum ersten Mal in seiner Geschichte war der Islam nun ohne einen geistlichen Führer, obwohl die Kalifen in der Vergangenheit eigentlich nicht sehr viel Macht genossen hatten. Die Mongolen in Persien (unter den Ilkhanen seit 1255) nahmen gegen Ende des 13. Jahrhunderts zwar den muslimischen Glauben an und vermischten sich mit der einheimischen Bevölkerung, die den Massakern nicht zum Opfer gefallen waren.

Im Westen retteten die Mamelucken den Islam. Sie folgten 1250 der Dynastie der Aijubiden in Ägypten auf dem Thron. Die Mamelucken sind eine „Dynastie von Sklaven”, die aus türkischen Armeen stammten (das Wort „Mameluck” bedeutet „Untergebener”). 1260 besiegten die Mamelucken die Mongolen und verhinderten auf diese Weise den Einfall der Mongolen nach Ägypten. So blieben die kulturellen Zentren in der westlichen Welt des Islam verschont. Doch die Mamelucken kämpften nicht nur gegen die Mongolen, sondern setzten auch den Kampf gegen die christlichen Kreuzritter fort, den Saladin so ruhmreich begonnen hatte. Sie befreiten das gesamte Gebiet des heutigen Syrien und Ägypten von den Christen, die sich 1291 schließlich auch aus ihrem letzten Stützpunkt, der Stadt Akko, zurückziehen mussten. Sowohl die Aijubiden als auch die Mamelucken hatten, vor allem als Folge der Kreuzzüge, Kontakte mit westeuropäischen Fürsten, mit denen sie eine Reihe von Handelsverträgen abschlossen.

In Afrika gab es seit der Eroberung durch die Araber und seit der Islamisierung drei politische Schwerpunkte: Marokko im Westen, Ägypten im Osten und Äthiopien im Süden. Durch die fortschreitende Islamisierung blieb nur das Hochland Äthiopiens als einziges Gebiet in der Hand von Christen. Von hier aus drangen die christlichen Abessinier in den Süden vor und christianisierten neue Gebiete. Die kaiserliche Dynastie des Landes, die Solomoniden, kam 1270 an die Macht. Südspanien und Nordafrika unterstanden seit dem Ende des 11. Jahrhunderts der Herrschaft der Berber, verschiedene Dynastien folgten einander: erst die Almoraviden, dann die Almohaden und nach 1250 die Mariniden. Im Zuge der Reconquista gelang es den Armeen der christlichen Königreiche in Spanien, in den Süden vorzustoßen, und Mitte des 13. Jahrhunderts hatten sie die Iberische Halbinsel nahezu zurückerobert und die Mauren nach Afrika zurückgedrängt. Nur die Nasriden-Dynastie in Granada hielt dem Ansturm der Christen noch länger stand. In Afrika selbst mussten sich die Berber langsam bis in den Westen, aus dem sie ursprünglich stammten, zurückziehen. Die mächtigen Königreiche im Sudan wurden von den Berbern innerhalb kürzester Zeit islamisiert.

In kultureller Hinsicht verlor die Welt des Islam im Lauf des 13. Jahrhunderts die intellektuelle Vorherrschaft, die sie seit dem 9. Jahrhundert innehatte. Die Erkenntnisse, die auf den Gebieten der Philosophie, Mathematik, Astronomie, Medizin, Geographie und Alchimie gewonnen worden waren, drangen über die Grenzgebiete in Spanien oder Sizilien immer mehr nach Westeuropa vor und beeinflussten das Denken an den dortigen Universitäten. Im Bereich der Astronomie und der Medizin, vor allem in der Augenheilkunde, blieben muslimische Wissenschaftler jedoch führend. Hier ist in erster Linie Ibn al-Nafis zu nennen, der bereits den kleinen Blutkreislauf beschrieb. Auch in der Kunst brachte der Islam beeindruckende Leistungen hervor: In Granada wurde die prächtige Alhambra, die Festung der Emire, errichtet, Ägypten erlebte unter der Mameluckenherrschaft eine künstlerische Blütezeit.

3

Afrika

In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts zerbrach das muslimische Reich der Almohaden zu beiden Seiten der Straße von Gibraltar. Auf dem afrikanischen Kontinent besiegten die Mariniden den westlichen Teil und die Hafsiden den östlichen Teil des Almohadenreiches. Seit 1215 unternahm das Berbervolk der Mariniden Eroberungszüge in den marokkanischen Teil des Almohadenreiches. Im östlichen Teil erklärte der Gouverneur von Tunis, der Hafside Abu Zakarija Jahja, 1228 die Unabhängigkeit. Die Macht von Abu Zakarija (1228-1249) gründete sich in erster Linie auf den Handel in den Städten der Mittelmeerküste. Er vergrößerte sein Reich immer weiter nach Westen und eroberte 1229 Bejaia und Algier, zwei wichtige Hafenstädte. 1236 nahm er den Titel eines „Emirs” an und schloss als unabhängiger Herrscher Handelsverträge mit den italienischen Städten Genua, Pisa und Venedig. 1245 erkannten die Mariniden Abu Zakarija als Herrscher an und schlossen sich unter ihrem Fürsten Abu Jahja Abu Bakr (1244-1258) zusammen. Bis zu diesem Zeitpunkt war es den Almohaden gelungen, in ihrer Festung in Aftika, Marrakesch, den Angriffen der Mariniden standzuhalten. 1244 verloren sie jedoch die Stadt Meknès an die Mariniden, konnten Fès aber noch halten. Schon nach kurzer Zeit gelang Abu Jahja auch die Eroberung von Fès, und 1248 folgte Rabat. Im gleichen Jahr verloren die Almohaden im europäischen Teil ihres Reiches mit Sevilla ihre wichtigste Festung. Viele Muslime aus Andalusien emigrierten daraufhin nach Tunis und brachten auf diese Weise ihre Kultur in das Hafsiden-Emirat. Die Almohaden versuchten wiederholt, Aftika zurückzuerobern, und 1250 konnten sie für kurze Zeit wieder über Fès herrschen. Schon 1253 wurden sie jedoch erneut vertrieben. 1269 fiel ihre Hauptstadt Marrakesch endgültig in die Hände der Mariniden, und so verschwand die Almohaden-Dynastie von der Bildfläche. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde Nordwestafrika (der Maghreb) zwischen den Mariniden, die über den größten Teil Marokkos herrschten, und den Hafsiden in Tunis aufgeteilt. Der Nachfolger des Hafsiden Abu Zakarija, Al-Mustansir (1249-1279), und der des Mariniden Abu Jahja, Abu Jussuf Jakub (1258-1286), riefen sich gleichzeitig zum Amir al-Moe'minin („Oberbefehlshaber über alle Gläubigen”) aus. Im Machtkampf zwischen den beiden Herrschern versuchten die Städte Tlemcen und Fès, eine unabhängige Position einzunehmen. In Tlemcen regierte die Dynastie der Abdalwadiden, die von Abu Jahja Jaghmorasan (1235-1282) begründet worden war. Sowohl Tlemcen als auch Fès begaben sich 1258 zeitweise unter den Schutz des Hafsiden Al-Mustansir in Tunis, da sie sich ständig von den Eroberungszügen der Mariniden bedroht sahen. Außerdem führten die Abdalwadiden und die Mariniden seit dem 12. Jahrhundert einen erbitterten Krieg gegeneinander, um in den Besitz der Stadt Sidjilmasa zu gelangen, einem bedeutenden Markt in Südmarokko und dem westlichsten Punkt der Handelswege durch die Sahara. Immer wieder wechselte die Herrschaft zwischen diesen beiden Völkern. 1270 versetzte der Kreuzzug unter Ludwig IX. den Hafsiden eine schwere Niederlage. Obwohl das Heer der Kreuzritter unter der Pest stark zu leiden hatte und auch Ludwig selbst an der Seuche starb, besiegten die Kreuzritter unter Karl von Anjou das Heer der Hafsiden. Al-Mustansir gelang jedoch schon bald ein Friedensschluss mit den europäischen Mächten, und bereits 1272 nahmen die Hafsiden die Handelsbeziehungen mit Aragón, Venetien, Pisa und Genua wieder in vollem Umfang auf.

Südlich der Sahara, zwischen Niger und Senegal, breitete sich Anfang des 13. Jahrhunderts das Reich der Soso immer weiter aus. Das Volk der Soso wurde von einem Clan von Schmieden, den Kante, beherrscht. Die größte Ausdehnung erlangte das Reich unter Sumanguru Kante, doch unter seiner Herrschaft brach es auch in sich zusammen. Das von Kante unterworfene Volk der Mande organisierte unter ihrem Fürsten Sundiata Keita einen Aufstand gegen die Fremdherrschaft. 1235 kam es bei Kirina zur entscheidenden Schlacht zwischen Sundiata Keita und Sumanguru Kante. Sumanguru kam in der Schlacht ums Leben, und die Mande vertrieben die Soso aus ihrem Gebiet. Die Soso zogen daraufhin Richtung Westen und ließen sich schließlich in einzelnen Siedlungen im Küstengebiet von Guinea nieder. Die Schlacht von Kirina markierte die Gründung des Reiches Mali durch Sundiata Keita. Bis 1240 unterwarf er das gesamte Gebiet des ehemaligen Königreiches Ghana. Unter seinem Nachfolger, Mansa Ulle (1255-1270), kamen die Handelsstädte am Niger, Timbuktu, Gao, Niani und Jenne, zu großer Blüte. Mansa Ulle (Mansa ist der Titel eines Fürsten) war der erste Herrscher von Mali, der zum Islam übertrat. 1260 unternahm er eine Pilgerfahrt nach Mekka (siehe Hadsch). Neben dem mächtigen Mali existierte das Reich von Kanem. Der 17. „mai” (Fürst) von Kanem, Dunama Dubalemi (1221-1259), stand in diplomatischem Kontakt mit Tunis. 1237 reiste eine Gesandtschaft aus Kanem nach Tunis. 1257 entsandte der „mai” wiederum eine, die dem Hafsiden Al-Mustansir kostbare Geschenke mitbrachte. Darunter befand sich auch eine Giraffe, die die anstrengende Reise durch die Sahara überlebt hatte und in Tunis großes Aufsehen erregte. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts erstreckte sich das Herrschaftsgebiet vom Nil bis an den Niger und von Fezzan im Südwesten des heutigen Libyen bis nach Adamaoua im Norden des heutigen Kamerun.

Das Zentrum des christlichen Äthiopien war im 13. Jahrhundert das Reich Lasta, das von 1150 bis 1270 von der Dynastie der Sagwe regiert wurde. Ihre Macht basierte hauptsächlich auf der Kontrolle über die Handelswege, die durch das äthiopische Bergland führten. Der wichtigste König der Sagwe war Lalibela (ca. 1205 bis ca. 1225), der in der Nähe seiner Hauptstadt Adefa ein unterirdisches „Neu-Jerusalem” bauen ließ. Hier wurden an einem nach König Lalibela benannten Ort in verschiedenen Grotten elf Kirchen aus dem Stein geschlagen, um die enge Verbundenheit der äthiopischen Christen mit dem Heiligen Land deutlich zu machen. Ein Aufstand unter Amhaar Yekunno Amlak vertrieb schließlich die Sagwes. Dieser begründete seinen Anspruch auf die Herrschaft über die Christen mit seiner angeblichen Abstammung vom biblischen König Salomo. Nachdem Yekunno Amlak (1270-1285) die Solomoniden-Dynastie in Äthiopien begründet hatte, folgte ihm sein Sohn Yagba-Siyon (1285-1294) auf den Thron. Die anderen Söhne erhoben gegen diese Entscheidung Einspruch, und ein Bürgerkrieg brach aus. Schließlich wurde die Thronfolge der Solomoniden folgendermaßen geregelt: Alle männlichen Nachkommen von Yekunno Amlak wurden in einer Festung eingesperrt, die sich auf dem unzugänglichen Berg Gishen befand. Wenn in den folgenden Jahren ein König starb, dann sollte sein ältester Sohn auf den Thron gerufen werden. Die anderen männlichen Mitglieder der Familie blieben, von der königlichen Leibgarde streng bewacht, auf dem Berg gefangen.

4

Asien

4.1

Indien

In den vorangegangenen Jahrhunderten waren die Cola in Südindien das mächtigste Volk, doch gegen Ende des 13. Jahrhunderts war von ihrem Einfluss nur noch wenig übrig. Selbst in ihrem Stammland Tamil Nadu mussten die Cola der Dynastie der Pandya weichen. Weiter im Norden herrschten die Hoyasala über den südlichen Teil des Dekkan und über die dort zwischen den Flüssen Narmada und Krishna lebenden Yadava. Unter der Herrschaft von Singhana (1200-1247) kamen die Yadava zu großem Ruhm, doch schon kurze Zeit später wurde dieses stolze Volk von turkstämmigen afghanischen Armeen vernichtend geschlagen.

An der Westküste des Subkontinents versuchte das Reich der Cera, seinen politischen Einfluss nach jahrhundertelanger Isolation durch die Eroberung neuer Landstriche zu vergrößern. Dies gelang ihnen nur ansatzweise, denn alle von ihnen unterworfenen Gebiete in Südindien behielten ein großes Maß an Selbständigkeit. Die einzige zentralistische Struktur, die sich gegenüber den verschiedenen Königreichen und Fürstentümern behaupten konnte, waren die Handelsgilden. Der Handel mit Stoffen, Gewürzen, Juwelen, Elfenbein und Edelhölzern nach China, Arabien und Persien ließ belebte und wohlhabende Handelsstädte entstehen, z. B. Quilon, Mahabalipuram und Shaliyur. Die Autonomie der Gilden kam der Autonomie der Städte gleich, in denen die Gilden ihren Hauptsitz oder einzelne Büros unterhielten. Im Lauf des 13. Jahrhunderts nahm der politische Einfluss der Feudalherren auf die Städte zu, während die Gilden an Autonomie und Macht verloren. Letztendlich hatten die Könige auf diese Weise mehr Einfluss auf die Handelstätigkeiten.

Von großer Bedeutung waren die Entwicklungen in Nordindien. Während des 12. Jahrhunderts unternahmen Mahmud von Ghasni und Mohammed von Ghor mit ihren Armeen von afghanischen Reichen aus erfolgreiche Feldzüge in die fruchtbare Gangesebene. Bis 1192 unterwarf die muslimische Dynastie Ghor das gesamte Gebiet zwischen den Flüssen Ganges und Yamuna und ließ sich in der Nähe von Delhi nieder. Die Lage von Delhi eignete sich in strategischer Hinsicht ausgezeichnet als Ausgangspunkt für Eroberungszüge durch Indien und war von Afghanistan schnell und leicht erreichbar. Nachdem Mohammed von einem Sklaven ermordet worden war, erklärte sich der Armeeoffizier Qutb-ud-Din Aibak 1206 selbst zum unabhängigen Sultan über den gesamten Besitz der Ghor in Indien mit der Hauptstadt Delhi. Damit war das muslimische Sultanat von Delhi begründet worden. Vier Jahre später, nach dem Tod Qutb-ud-Din Aibaks (er stürzte bei einem Polospiel vom Pferd), übernahm Iltutmish die Macht. Da er zu den Sklaven zählte, die in der königlichen Garde dienten, wurde die von Iltutmish begründete Dynastie, die bis zum Ende des 13. Jahrhunderts an der Macht blieb, Sklavendynastie genannt. Iltutmish hatte mit verschiedenen Problemen zu kämpfen. Sowohl die lokalen Herrscher der Rajputen und die Mongolen als auch seine eigenen Untertanen, die turkstämmigen Adligen, übten Druck auf ihn aus. Außerdem war er bestrebt, mit Eroberungszügen in Nordindien die gesamte Gangesebene zu unterwerfen. Ihm zu Ehren wurde in Delhi das beeindruckende Qutb-ud-din-Minar errichtet.

Unter Dschingis Khan, dessen Name überall Entsetzen und Angst hervorrief, unterwarfen die Mongolen Anfang des 13. Jahrhunderts weite Teile Zentralasiens. Sie überschritten gelegentlich und ohne nennenswerten Widerstand die Nordgrenze des Sultanats von Delhi, die entlang des Indus verlief. Im Sultanat zweifelten viele daran, ob die Armeen von Iltutmish den mongolischen Horden gewachsen seien, doch die Mongolen unternahmen keine Versuche, tiefer ins Land vorzudringen. Die Bedrohung durch die Mongolen brachte der Sklavendynastie zwei Vorteile: Einerseits konnte Ghor unter diesen Umständen nicht in das abgespaltene Sultanat einmarschieren, und andererseits stellten sich die turkstämmigen Adligen solidarisch hinter die Sklavendynastie. Der turkstämmige Militäradel stammte zum größten Teil aus Zentralasien und hatte sich in einer schlagkräftigen Organisation zusammengeschlossen, die von 40 Fürsten gegründet worden war. Nach dem Tod des letzten Herrschers der Sklavendynastie, der keinen Thronfolger hinterließ, begannen die Militärs mehrere Machtintrigen, die in Palastrevolten gipfelten.

1290 ergriff die Dynastie der Khalji die Macht. Sie nutzten die Machtbasis, die die Sklavendynastie zur Festigung und Vergrößerung des Reiches geschaffen hatte. Das Sultanat von Delhi blieb trotz wiederholter Angriffe der Mongolen und der Rajputen bestehen, was in erster Linie der Herrschaft Balbans (1265-1287) zu verdanken war. Der absolute Höhepunkt wurde jedoch unter Ala ad-Din (1296-1316) erreicht. Nach einem ausgesprochen erfolgreichen Eroberungszug im Osten Indiens und im Gebiet Dekkan eroberte und plünderte er 1296 Devagiri, die Hauptstadt der Yavada am Oberlauf des Godaveri. Mit reicher Beute kehrte Ala ad-Din in den Norden des Landes zurück, ermordete seinen Großvater, der noch Sultan war, und erkaufte sich mit dem Yavada-Gold die Loyalität des Adels. Ala ad-Din baute nicht allein auf seine erstaunlichen militärischen Fähigkeiten und die Effizienz seiner neuen Verwaltung, sondern vor allem auf seine grausame Willensstärke. Er ging entschieden gegen jeden und alles vor, was seiner Herrschaft gefährlich werden konnte und schaffte es aus der Welt. So ließ er z. B. in einer Nacht, nachdem ihm das Gerücht von einem möglichen Angriff der Mongolen zu Ohren kam, etwa 20 000 Mongolen, die im Dienst seines Vaters standen, ermorden. Um seine Schatztruhen noch weiter zu füllen, beschlagnahmte er die Ländereien der Priester und Gebietsverwaltungen, und um Verschwörungen zu verhindern, verbot er alle Feierlichkeiten und öffentlichen Versammlungen. Außerdem schickte er seine Spione in alle Ecken des Landes. Das Sultanat war in mehrere Provinzen aufgeteilt, denen jeweils ein Gouverneur oder Mukti vorstand. Die beiden wichtigsten Regionen, Delhi und das Land zwischen den Flüssen, das aus den Provinzen Meerut, Bulandshar und Aligarh bestand, unterstellte Ala ad-Din direkt der Steuerbehörde, damit die dort erhobenen Steuern in seine Schatztruhe flossen. Insgesamt gab es etwa 25 Provinzen, die sich über das gesamte Gebiet zwischen Gujarat, Punjab, Bengalen und dem nördlichen Dekkan erstreckten. Die Anzahl wechselte häufig, da die Grenzprovinzen und sogar die zentralen Provinzen Malwa, Rajputana und Jaunpur sich zeitweise der zentralen Herrschaft des Sultans in Delhi entzogen. Der Mukti war als Vorsteher einer Provinz für die Verwaltung und das Eintreiben von Steuern verantwortlich. Neben der Bodensteuer mussten Personen, die keine Muslime waren, eine besondere Steuer, die „djizja”, zahlen. Im Allgemeinen blieb für die Bevölkerung der ländlichen Gebiete alles beim Alten. Die landwirtschaftlichen Strukturen und das Steuersystem blieben mehr oder weniger erhalten. Auch wenn auf dem Land der eine oder andere Hindu-Lehnsmann von einem Muslim abgelöst wurde, galt immer folgende Regel: So lange sie dem Sultan jährlich die geforderten Beträge zahlten und keine Revolten organisierten, ließ der Sultan die Dorfbewohner in Ruhe.

Auch die Islamisierung des Landes brachte keine einschneidenden Veränderungen in Politik oder Wirtschaft mit sich. Der Zusammenhalt der einzelnen Kasten war tief verwurzelt und verstärkte sich noch. Durch die Bekehrung vieler Hindus aus niederen Kasten oder aus der Kaste der „Unberührbaren” entwickelten sich zahlreiche neue Kasten, die den neu entstandenen Berufen Rechnung trugen. Auch die zum Islam konvertierten Inder hielten am Kastensystem fest. Wie es schon in der Vergangenheit mit anderen fremden Völkern und Religionen geschah, wurden im 13. Jahrhundert auch die turkstämmigen afghanischen Muslime in die indische Gesellschaft integriert.

4.2

China

Anfang des 13. Jahrhunderts herrschten im Chinesischen Reich zwei Dynastien: im Norden die Chin-Dynastie und im Süden die südliche Song-Dynastie. Der Kaiser der südlichen Song war Ning Tsung, der 1195 den Thron bestiegen hatte. Die Chinesen sahen lediglich die Song-Dynastie als Herrscherfamilie an. Da der chinesische Kaiser der „Sohn des Himmels” war, der eine Art sakrale Vermittlerrolle zwischen Himmel und Erde einnahm, konnten nach dem Glauben der Chinesen nicht mehrere Kaiser nebeneinander bestehen und daher auch nicht mehrere Dynastien.

1206 unternahm Han T’o-tsjow, der erste Minister der südlichen Song, einen Feldzug, um den Norden zu erobern, doch es gelang ihm nicht, die Chin zu besiegen. Daher mussten die Song einen Friedensvertrag mit den Chin schließen und die Tributzahlungen, zu denen sie ein älterer Friedensvertrag verpflichtete, noch erhöhen.

Zur gleichen Zeit wurden die Mongolen immer mächtiger. Der mongolische Stammesfürst Temudjin vereinigte die einzelnen mongolischen Stämme und ließ sich 1206 auf der jährlichen Versammlung der Mongolenstämme zum Dschingis Khan ausrufen. Unter seiner Führung marschierte danach ein hervorragend organisiertes Mongolenheer gegen die tibetanische Xixia-Dynastie und gegen die Chin-Dynastie. 1227 stürzten die Mongolen die Xixia-Dynastie, die seit 1068 über Tibet herrschte. Im gleichen Jahr starb Dschingis Khan. Sein Sohn Ögädäi übernahm das Titel des Khan und brachte 1234 die 112 Jahre alte Chin-Dynastie zu Fall. Die Mongolen vergrößerten ihr Reich immer weiter. Sie eroberten Persien, Russland, Polen und Ungarn (siehe Mongolensturm). Anschließend konzentrierte sich der Khan der Mongolei, Möngke, der Ögädäi inzwischen abgelöst hatte, auf das Gebiet der südlichen Song-Dynastie. 1258 griff er von zwei Seiten aus an: Er selbst zog von Westen gegen die Chinesen, sein jüngerer Bruder Kubilai kam von Norden. Der Angriff unter Möngke aus dem Westen schlug fehl, und Möngke fiel in einer Schlacht. Kubilai hatte mehr Erfolg, und nach dem Tod seines Bruders kehrte er in die Mongolei zurück, um der neue Führer der Mongolen zu werden. Nach seiner Wahl zum Khan 1260 begab er sich unverzüglich nach Peking und machte diese Stadt zur Hauptstadt seines Reiches. 1271 gründete Kubilai Khan in China die Yuan-Dynastie und rief sich selbst zum Kaiser Shizu aus. Dann zog er weiter Richtung Süden und eroberte bereits 1276 die Hauptstadt der südlichen Song, Hangzhou. Drei Jahre später fiel Kanton, die letzte Stadt, die die südlichen Song noch hielten. Damit war das Ende der Song-Dynastie besiegelt, und der letzte Kaiser, Ti Ping, floh nach Kowloon. Da er sich auch hier vor den mongolischen Verfolgern nicht mehr sicher fühlte, ertränkte er sich zusammen mit einem seiner Minister.

Während des Krieges gegen die südlichen Song eroberten die Mongolen andere Länder. So zogen sie unter Kubilai gegen Korea und Vietnam, die beide jährliche Tributzahlungen an die Mongolen leisten mussten. Doch der Angriff, den die Mongolen 1274 auf Japan unternahmen, lief auf eine Niederlage des erfolgreichen Mongolenheeres hinaus. 1281 wurde auch der zweite Angriff von den Japanern abgewehrt. Beide Niederlagen schrieben die Mongolen vor allem dem Taifun zu, der die mongolische Flotte auf beiden Fahrten nach Japan behinderte. Die Mongolen waren auf See nicht so kunstfertige Kämpfer wie an Land.

Nachdem die Yuan-Dynastie 1279 das gesamte Chinesische Reich unter ihrer Herrschaft vereinigt hatte, konzentrierte sich Kubilai auf die Regierung des riesigen Landes. Obwohl die Yuan-Dynastie das chinesische Regierungssystem eigentlich gering schätzte, übernahmen die mongolischen Herrscher doch einen Großteil davon. Der Fürst setzte so viele nichtchinesische Beamten wie möglich ein, z. B. Mongolen oder Uiguren. Genauso wie frühere nichtchinesische Herrscher waren auch die Mongolen bestrebt, ihre eigene Identität zu bewahren. So durften Chinesen nur andere Chinesen heiraten und keine Angehörigen anderer Völker. Doch im Lauf der Zeit konnten die Mongolen die Vermischung mit der chinesischen Bevölkerung nicht verhindern. Die Größe des Mongolischen Reiches war eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung des Handels. Das Papiergeld wurde zum wichtigsten Zahlungsmittel. In früheren Jahrhunderten war es lediglich ergänzend zu Kupfer und Silber eingesetzt worden. Durch den Handel wurden mehr Kontakte mit dem Westen geknüpft, als dies früher der Fall gewesen war. Der Venezianer Marco Polo, der als Kaufmann nach China reiste, trat z. B. als hoher Beamter in den Dienst von Kubilai Khan und blieb 17 Jahre lang im Mongolischen Reich. Gleichzeitig kamen neben den Kaufleuten auch viele Missionare nach China, vor allem Franziskaner. Auf dem Gebiet des Glaubens wurden die Mongolen nicht vom Konfuzianismus beeinflusst, sie wendeten sich eher dem Buddhismus, Lamaismus oder Taoismus zu. Auf kulturellem Gebiet trugen sie wenig zu Literatur und Kunst bei. Die Chinesen führten jedoch die traditionelle Malerei und Kalligraphie (siehe chinesische Kunst und Architektur) fort. Aus dieser Zeit ist vor allem der Pferdezeichner Zhao Mengfu bekannt. In der Literatur entwickelten sich zwei Genres, die im 12. Jahrhundert bereits zu einer ersten Blüte kamen: das Drama und der Roman.

4.3

Südostasien

4.3. 1

Java

Das Reich von Königreich von Kediri auf Java fand 1222 ein plötzliches Ende. Fürst Kertajaya geriet zu Beginn des Jahrhunderts mit der Geistlichkeit in Konflikt, weil er über sie Macht ausüben wollte: Er verlangte von den Geistlichen, dass sie ihm den „senibah” (Begrüßung und Demutsbezeugung) erwiesen, da er sich selbst als „Bhatara Guru” betrachtete. Durch die Weigerung der Geistlichen, die Göttlichkeit des Königs anzuerkennen, geriet das gesamte Königtum in Gefahr. Die Geistlichen flohen zu Angrok, der als Regent in Singosari (in der Nähe von Malang) regierte und eigentlich ein Vasall Kertajayas war. Shivaistische und buddhistische Geistliche riefen Angrok zum König von Singosari aus und gaben ihm den Namen Sri Rajasa. Kurze Zeit später verlieh ihm die Geistlichkeit den Titel „Bhatara Guru”, womit seine Krönung zum König vollzogen wurde. Sri Rajasa zog anschließend gegen das Reich von Kediri in den Krieg, das er 1222 besiegte und mit seinem Reich von Janggala vereinte. Sri Rajasa wurde kurze Zeit später ermordet, und sein Stiefsohn Anusapati folgte ihm auf den Thron.

Während dessen Regierungszeit entstand der typisch javanische Baustil, der hinduistische, buddhistische und einheimische Elemente vereinte, wobei Letztere dominierten. Tohjaya, ein Sohn Sri Rajasas, wurde 1248 ermordet, also nur kurze Zeit, nachdem er Anusapati ermordet hatte. Es folgte eine ruhigere Periode unter der Herrschaft von Jaya Wisjinuwardhana, dem einzigen König dieser Dynastie, der nicht ermordet wurde. Er ordnete an, seine Residenz in Singosari zu verschönern, und schnell ließen sich hier viele Siedler aus Janggala und Kediri nieder, die Singosari schon bald zu einem wichtigen Handelszentrum machten. Außerdem ließ er seinen Sohn Kertanagara 1254 – zwölf Jahre vor seinem Tod – als Kronprinz und Mitregenten ausrufen, um seine Nachfolge zu regeln.

Die Regierungszeit von Kertanagara und seinen Nachfolgern war von vielen Eroberungszügen geprägt. Mitteljava wurde unterworfen, doch die Eroberung von Bali verlief 1284 nicht ganz so erfolgreich. Anschließend wurde eine Expedition nach Sumatra geschickt. Hier war das Reich von Srivijaya im 12. Jahrhundert wieder zu einem Aufschwung gekommen, als die Chinesen es zu einem wichtigen Stützpunkt für den Handel mit Süd- und Südostasien machten. Damals kontrollierte das Reich von Srivijaya die Malaccastraße, missbrauchte jedoch diese Position, indem vorbeifahrende Schiffe gezwungen wurden, die Häfen von Srivijaya anzufahren und dort Handel zu treiben. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts traten etliche Vasallenstaaten als selbständige Staaten auf und schickten eigene Gesandtschaften und Handelsmissionen nach China und in andere südostasiatische Länder. Einer dieser Vasallenstaaten, Malaju, wurde sogar so unabhängig und wohlhabend, dass er die Stellung Palembangs als wirtschaftliches Zentrum auf Sumatra in Frage stellte. Von Java aus wurde 1275 ein erfolgreicher Eroberungsfeldzug gegen Malaju unternommen. Marco Polo besuchte 1299 die Nordspitze von Sumatra und beschrieb das Gebiet als ein Königreich mit einer großen, schönen Hauptstadt, einem blühenden Gewürzhandel und einer eigenen Sprache. Während die javanische Flotte noch auf dem Weg nach Malaju war, forderten Gesandte des mongolischen Reiches die Unterwerfung von Java unter die Herrschaft von Kubilai Khan. Doch Java weigerte sich, und die Mongolen entsandten eine Flotte nach Java. Inzwischen wurde Kertanagara bei einem Überfall durch den Unterkönig von Kediri, Jayakatwang, in seiner Residenz in Singosari ermordet. Seinem Schwiegersohn, Raden Wijaya, gelang jedoch die Flucht nach Sumenep im Osten der Insel Madura. Hier schmiedete er einen Plan zum Sturz von Jayakatwang. Raden Wijaya täuschte eine Unterwerfung unter Jayakatwang vor, wurde in Gnade empfangen und durfte sich in den Sümpfen bei Tarakise niederlassen, wo er die Stadt Majapahit gründete. Kurze Zeit später marschierte das Heer der Mongolen auf Java ein, und mit ihrer Unterstützung gelang es Raden Wijaya, Kediri zu erobern und Jayakatwang gefangen zu nehmen. Nach seiner Rückkehr nach Majapahit wandte er sich jedoch gegen die Mongolen. Diese erreichten nur unter schweren Verlusten die Küste und kehrten in die Heimat zurück. Raden Wijaya unterwarf sich anschließend formell Kubilai Khan und sandte diesem eine kleine Armee. So befreite er Java von der Bedrohung durch die Mongolen, festigte sein Reich von Majapahit und regierte als „Kertarajasa” über ganz Java. Während des letzten Jahrzehnts des 13. Jahrhunderts brachen jedoch etliche Aufstände gegen seine Herrschaft aus.

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