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Millennium: 13. JahrhundertEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Während der Kriege im 12. Jahrhundert gegen das Reich Champa und das der Khmer brachen in Vietnam Aufstände gegen die autoritäre Herrschaft der Kaiser aus der Li-Dynastie aus, die bis ins 13. Jahrhundert andauerten. Kaiser Li Cao Tong, der 1176 an die Macht gekommen war, vernachlässigte seine Regierungsaufgaben, erhob hohe Steuern und verlangte von seinen Untertanen schwere Arbeitsdienste, um sich einen imposanten Palast zu errichten und sein Geld für große Feste ausgeben zu können. Die Aufstände gegen seine Regierung führten nach seinem Tod im Jahre 1210 zu einem 14 Jahre dauernden Kampf um den Thron. Die Dynastie der Tran ging siegreich aus diesem Machtkampf hervor. Ihr erster Minister, Thu-Dó, war hauptsächlich bestrebt, die Macht der neuen Dynastie zu festigen. Er führte lange Jahre die Regierungsgeschäfte, da der neue Kaiser, Trán-Thai Tóng, bei seiner Krönung 1225 erst acht Jahre alt war. Thu-Dó schaltete die letzten Vertreter der Li-Dynastie aus und erließ ein Gesetz, dass alle Menschen, die den Namen Li trugen, diesen in Nguyén ändern mussten, um auf diese Weise die Erinnerung an die Li-Dynastie auszulöschen. Er reformierte außerdem die Verwaltung des Landes. Die Verwaltungsstruktur der Li-Dynastie blieb noch einige Zeit erhalten, wurde jedoch weiter entwickelt und verbessert. Im Süden, wo die Verwaltung bisher kaum von Einfluss war, wurde nun ein Beamtenapparat eingesetzt. 1228 ordnete der Kaiser in der südlichen Provinz Thanh Hoa eine Volkszählung an. 1242 wurde eine umfassende Verwaltungsreform durchgeführt: Das Land wurde in zwölf Provinzen eingeteilt, der jeweils ein Gouverneur vorstand. Unter seiner Führung waren Beamte für die Registrierung der Bevölkerung und des Landbesitzes in jeweils mehreren Dörfern zuständig. In jedem Dorf war wiederum ein niedrigerer Beamter für die Registrierung der Menschen und das Eintreiben der Steuern verantwortlich. Je nach ihrem Landbesitz wurde die Bevölkerung in verschiedene Kategorien von Steuerzahlern eingeteilt. Aus diesen Aufstellungen wurde deutlich, dass der Großteil der Menschen zu arm war, um Steuern zu zahlen. Es entwickelte sich schnell eine Geldwirtschaft, da die Steuerzahler ihren Verpflichtungen gegenüber dem Staat oftmals nicht mehr in Waren oder Dienstleistungen, sondern in Geld nachkamen. Der Kaiser erließ das Gesetz, dass Beamte alle zehn Jahre befördert wurden und alle 15 Jahre eine höhere Funktion erhielten. Unter Thu-Dó wurde außerdem die Rechtsprechung reformiert. Die Landwirtschaft blieb die Basis der Wirtschaft im Land. Nach der Erntezeit mussten die meisten Männer des Landes ihren jährlichen Wehrdienst ableisten, der vorwiegend im Bau von Deichen und Wegen bestand. Durch den steigenden Wohlstand nahm die Bevölkerungszahl zu, und brachliegende Flächen wurden urbar gemacht. Unter der Tran-Dynastie gewann der Konfuzianismus auf geistigem Gebiet an Einfluss und verdrängte den Buddhismus. Um die schwierige Ausbildung der Beamten zu verbessern, orientierte man sich z. B. an konfuzianischen Prinzipien und Praktiken. Seit 1252 wurde es auch Kindern aus dem einfachen Volk möglich, solche Schulen zu besuchen. Die größte Bedrohung für Dai Viet (Vietnam) stellten im 13. Jahrhundert die Mongolen dar. Bereits 1257 erreichten mongolische Heere auf ihren Eroberungszügen die Grenzen des Landes. Als Dai Viet den Mongolen die Erlaubnis verweigerte, vom Norden ihres Landes aus in Teile von China einzufallen, griffen die Mongolen Dai Viet an und verwüsteten die Hauptstadt. Wegen des unangenehmen Klimas beschlossen sie, wieder in den Norden zurückzukehren. 1282 und 1284 verweigerte Dai Viet den Mongolen erneut die Erlaubnis, durch ihr Land zu ziehen. Die Mongolenheere wollten in diesen Jahren das Reich Champa erobern. 1284 griffen die Mongolen daraufhin erneut Dai Viet an, doch auch dieses Mal musste sich das Heer nach wenigen Monaten wieder zurückziehen: Weder die Chinesen noch die Mongolen konnten in dem Klima, das in Dai Viet herrschte, leben, und viele von ihnen starben an Krankheiten. 1287 unternahmen die Mongolen einen dritten Versuch, Dai Viet zu unterwerfen, doch 1288 erlitt die mongolische Flotte eine schwere Niederlage. Dai Viet erkannte, dass das Land die wiederholten Angriffe nicht lange ertragen konnte und schickte eine Gesandtschaft an den Hof des Mongolenkönigs, die mit reichen Geschenken und Tributzahlungen die Unabhängigkeit Dai Viets erkaufte. So kehrte an der Nordgrenze des Landes wieder Frieden ein.
Im Gebiet der Anden war im 13. Jahrhundert das Chimú-Reich das bedeutendste. Die Chimú erbauten an der Küste ihre Hauptstadt Chan Chan. Das Zentrum der Stadt bestand aus zehn Gebäudekomplexen, die jeweils eigene Eingänge hatten und von Mauern und Wegen umgeben waren. Die gesamte Stadt war von Bewässerungsanlagen und Aquädukten umgeben. Das größte Gebäude war 530 Meter lang und 265 Meter breit. Der Unterschied zwischen Länge und Breite liegt auf der Hand: Chan Chan wurde entlang einer zentralen Achse in nur eine Richtung erbaut. Bei den Gebäuden handelte es sich nicht um Paläste, sondern um Wohnhäuser, die jeweils einen Empfangsraum, eine Tempelpyramide, eine Grabstätte und ein Wasserreservoir hatten. Im Inneren befanden sich mehrere kleine Wohnungen, die an den drei Seiten eines Innenhofes lagen. Chan Chan wurde von Anfang an nach einem festen Plan gebaut. Die zehn Gebäude bildeten den Kern des Grundrisses der Stadt, der später nicht mehr wesentlich verändert werden konnte. Aus architektonischer Sicht war die Stadt sehenswert: Alle Mauern waren von außen und innen reich verziert, vor allem mit Tiermotiven, die sich ähnlich wie Tapetenmuster immer wiederholten. Die individuellen Ausdrucksformen der Moche-Kultur mussten einfacheren und einheitlicher gestalteten Dingen weichen, bei denen die Wiederholung eine wichtige Rolle spielte. Dies ist bezeichnend für Kunst, die zum Massenprodukt wird. Genauso wie bei der Herstellung von Töpferwaren Gießformen verwendet wurden, so wurden die Flachreliefs, die oftmals aus Symbolen bestanden, mit Hilfe von Schablonen angefertigt. Die vornehmen Familien im Chimú-Reich wählten solche Symbole als Wappen, nicht als „Totem”. Durch die Wiederholung des Symbols wurde die Vergrößerung eines Clans durch Menschen dargestellt, die sich alle glichen. Die Tempelpyramide, die sich im Inneren der Wohngebäude befand, entwickelte sich von einem öffentlichen Heiligtum zu einer privaten Gedenkstätte. Priesterwohnungen gab es nicht mehr. Die Priesterkaste hatte ihre Macht an Soldaten oder Beamte verloren, und für diese neue Schicht der Mächtigen waren die riesigen Wohngebäude errichtet worden. Die niedrigeren Schichten der Bevölkerung lebten in Lehmhütten um die großen Gebäude herum und am Rande der Stadt. Die Gebäude in Chan Chan wurden aus Adobe, in der Sonne getrocknetem Lehm, gebaut. In den Küstengebieten, in denen es Wasser, aber keinen Regen gibt, war dies der bevorzugte Baustoff. Die Völker im Hochland, z. B. die Inka, bauten hingegen Steinhäuser. Große, unregelmäßig geformte Steine wurden mit kleineren Steinen eingefasst. Alle Mauern und Gebäude der Inka wurden ohne Zement erbaut. Über die ersten Inka-Fürsten existieren nur Legenden. Ein Jahrhundert lang regierten die Inka nur über eine Hälfte von Cuzco, das den Sagen der Inka zufolge von Manco Capac begründet wurde. Im Lauf der Zeit breitete sich das Gebiet der Inka immer weiter aus, und erst zu Beginn des 13. Jahrhunderts brachte Mayta Capac, der vierte Inka, das ganze Tal von Cuzco unter seine Herrschaft. Große Heldentaten vollbrachte er dabei nicht. Die Menschen lebten noch in Stammesverbänden. Einige „Ayllu” (Familienverbände) vermischten sich mit den Inka, andere weigerten sich jedoch, und dann kam es zu kleineren Gefechten. Der Sohn von Mayta Capac, Capac Yupanqui, schloss sich mit den Andahuales, dem mächtigsten Stamm des Hochlandes, zusammen. In der Nähe des Sillustani-Sees, im Nordwesten des Titicacasees, bauten die Colla-Indianer so genannte „Chullpa”, runde Grabtürme aus Stein mit einem Durchmesser von circa vier Metern und einer Höhe von bis zu neun Metern. Darin befand sich eine Grabkammer mit verschiedenen Nischen, die von unterschiedlichen Familien verwendet wurden. Diese Chullpa waren größer und solider gebaut als die Wohnhäuser. Sie zeugten nicht nur vom Ansehen der Familien, sondern auch von der Bedeutung des Todes in dieser Gesellschaft. Die Menschen in den Dörfer lebten in „Kulpi”, ebenfalls runden, manchmal auch vieleckigen Häusern, deren Mauern nach oben hin immer breiter wurden. Ein Kulpi hatte ein oder zwei unterirdische Räume. In der Mitte befand sich eine hohle Säule, der Boden des Erdgeschosses war aus Stein, und eine Leiter führte in die unterirdischen Räume. Der am tiefsten gelegene Raum diente als Krypta, in der die Leichname der Verstorbenen hergerichtet wurden und in der in verschiedenen Nischen rituelle Gegenstände und Opfergaben aufbewahrt wurden. Die Familie wohnte im Erdgeschoss. Das Gewölbe des Daches stellte den Himmel dar: Im Aufbau des Kulpi spiegeln sich also Himmel, Erde und Unterwelt wider. Die Eingangstür des Kulpi befand sich immer im Osten, in Richtung des Sonnenaufgangs. Copyright: Winkler Prins/Elsevier.
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