![]() |
Windows Live® Suchergebnisse
Windows Live® Suchergebnisse Millennium: 14. JahrhundertEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Zum Thema Millennium sind außerdem folgende Texte verfügbar: Millennium: 11. Jahrhundert; Millennium: 12. Jahrhundert; Millennium: 13. Jahrhundert; Millennium: 15. Jahrhundert; Millennium: 16. Jahrhundert; Millennium: 17. Jahrhundert; Millennium: 18. Jahrhundert; Millennium: 19. Jahrhundert; Millennium: 20. Jahrhundert; Millennium: Geographie; Millennium: Kunst; Millennium: Literatur; Millennium: Technik und Mobilität; Millennium: Weltgeschichte im Überblick. Im 14. Jahrhundert vollzogen sich in vielen Teilen der Erde einschneidende Veränderungen. Bezogen auf Europa kann man sagen, dass das 13. Jahrhundert, ohne dieses idealisieren zu wollen, ein Jahrhundert kultureller Höhepunkte und wirtschaftlichen Wohlstands war. Die gesellschaftliche Situation war relativ ruhig. Zwar wurden häufig kleinere und größere Kriege geführt, es kam aber nicht zu den damit verbundenen verheerenden Folgen für die Bevölkerung. Das 14. Jahrhundert dagegen muss für Europa in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht eindeutig als ein Jahrhundert von Elend und Unglück beschrieben werden. Ein großer Krieg zwischen England und Frankreich, interne Kriege im Deutschen Reich und in Italien, eine beträchtliche Verschlechterung des Ansehens von Papst und Kirche, wirtschaftliche Rezession, Aufstände der unteren Klassen in den Städten und der Bauern auf dem Land, Missernten, Hungersnot und zu alledem noch die ab 1348 herrschende Pest: der schwarze Tod, dem ein Drittel der europäischen Bevölkerung zum Opfer fiel. All dies machte das 14. Jahrhundert zu einer düsteren Zeit. In der ersten Hälfte des Jahrhunderts dominierten in China weiterhin die Mongolen. Schließlich gelang es Zhu Yuanzhang, den Widerstand gegen sie zu koordinieren und die Mongolen allmählich aus den verschiedenen Landesteilen zu vertreiben. 1368 eroberte er Peking und machte sich zum ersten Kaiser der Ming-Dynastie. Verschiedene alte chinesische Traditionen wurden nun wieder eingeführt. Ein weiteres Mal versuchte ein mongolischer Eroberer, ganz Asien an sich zu reißen: Timur-i Läng, der ab 1360 von Samarkand aus gewaltige Feldzüge unternahm, die ihn bis nach Moskau (1395) und Vorderindien führten. Er starb jedoch, bevor er seine grausam blutige Karriere mit der von ihm geplanten Wiedereroberung Chinas krönen konnte. In Japan herrschte das Chaos. Verschiedene Adelsgeschlechter und Zweige des Kaiserhauses kämpften in offenen Kriegen um Macht und Besitz, wechselten häufig die Seiten, so dass mitunter von wahrer Anarchie gesprochen werden konnte. Zwar herrschte von 1336 an eine neue Schogun-Dynastie, das Ashikaga-Geschlecht, häufig gelang den Schogunen jedoch nicht mehr, als die äußeren Formen ihrer Funktion als militärische Oberbefehlshaber zu wahren. In Indien erreichte etwa Mitte des Jahrhunderts das aggressive muslimische Sultanat von Delhi seine größte Ausdehnung. Nun gehörten auch relativ unabhängige, aber tributpflichtige Hindu-Fürstentümer dazu. Die Tyrannei der Sultane führte jedoch überall zu Abtrünnigkeit und Aufständen, so dass das Reich rasch an Macht verlor. 1398 verkleinerte Timur-i Läng schließlich das Sultanat auf ein kleines Gebiet rund um Delhi. Daneben entstanden im Lauf des Jahrhunderts in Nord- und Mittelindien (Dekkan) weitere Muslim-Sultanate und Konföderationen. In Nordwestindien nahm die Macht des alten Hindu-Bundes der Raipur-Fürsten wieder zu. In Südindien wurde etwa 1340 das mächtige Hindu-Reich Vijayanagar gegründet, das sowohl in militärischer als auch in kultureller Hinsicht ein Bollwerk gegen die verabscheuten Muslime im Norden bildete. Hier konnten sich die alte hindu-brahmanische Kunst und Literatur wieder entfalten. Ebenfalls etwa in der Mitte dieses Jahrhunderts wurde in Südostasien der Malaiische Archipel nahezu vollständig – direkt oder indirekt – von den Fürsten des mächtigen ostjavanischen Hindu-Reichs Majapahit beherrscht. Im weiteren Verlauf des Jahrhunderts, als Majapahit durch Bürgerkriege geschwächt wurde und die eigentliche Macht wieder überall von den Fürsten vor Ort ausgeübt wurde, hatten islamische Prediger von Malakka und Sumatra aus immer größeren Erfolg. Ein Bollwerk gegen den Islam blieb jedoch das westjavanische Hindu-Reich Pajajaran, das sich immer gegenüber Majapahit seine Unabhängigkeit bewahrt und sich zu einem gut organisierten und dank des Pfefferhandels blühenden Staat entwickelt hatte. Die jahrhundertealte Großmacht der Khmer ging zu Ende. Weite Gebiete wurden von anderen geschluckt, im Westen von Siam, im Osten von Laos. Die Khmer sahen ihr Kambodscha zu einem Pufferstaat reduziert. Annam (Vietnam) bot ein Bild endlosen Streits zwischen dem Norden (Tonkin) und dem Süden. Der Süden war stark von der indischen Kultur beeinflusst, während der Norden von einer mehr als tausendjährigen chinesisch orientierten Kultur geprägt war. Unter den islamischen Fürsten aus den Mamelucken-Dynastien und ihren Beamten erfuhr Ägypten eine mächtige Führung. Am Ende des vorigen Jahrhunderts hatten die Mamelucken die westlichen Kreuzfahrer aus Akko, ihrem letzten Stützpunkt, vertrieben und konnten das ganze Jahrhundert hindurch ihre Macht im Mittleren Osten behaupten. So gehörte Syrien in dieser Zeit wieder zu Ägypten. Baukunst und Literatur blühten. Neben Ägypten nahm Marokko, unter der Berber-Dynastie der Mariniden, eine bedeutende Stellung ein. Südlich der Sahara, im Westen Afrikas, erreichte das islamisierte Reich von Mali den Höhepunkt seiner Macht. Ihre Eroberungen, insbesondere Gold-, Kupfer- und Salzminen, ließen die Städte hier zu lebhaften Handelszentren anwachsen. Die Hauptstadt Timbuktu gewann als Zentrum islamischer Kultur immer mehr an Bedeutung. In Amerika setzten sich die dort bestehenden Indianerkulturen fort. Politisch gesehen, herrschte in der mexikanischen Hochebene bereits ab etwa 1100 nach dem Zusammenbruch des Reichs der Tolteken große Verwirrung durch Invasionen von Fremden aus dem Norden. Die verschiedenen Stämme, die unabhängige Siedlungen bewohnten, strebten alle danach, die alte Machtposition des toltekischen Reichs zu übernehmen. Die letzte Gruppe, die in die Hochebene eingefallen war, waren die Tenochas bzw. Azteken, die dort 1325 ihre Stadt Tenochtitlán auf einer Insel in einem der vielen Seen errichteten. Die relativ friedfertige Maya-Kultur in Mittelamerika veränderte sich allmählich und wies mehr Ähnlichkeit mit der Mexikos auf, da die Mayastädte in Yucatán in früheren Jahrhunderten nacheinander von emigrierenden Tolteken von Mexiko aus erobert worden waren. Sie bildeten nun eine Art Städtebund (u. a. Chichén Itzá, Mayapán, Uxmal) und eine gefürchtete Militärmacht. In Südamerika, wo im 12. und 13. Jahrhundert unter den alten Völkern im Küstengebiet von Peru ein neues Zeitalter kultureller und politischer Aktivität angebrochen war, setzte nun auch im Hochland die Bildung größerer politischer Einheiten ein. Gegen Ende dieses Jahrhunderts waren die als Götter verehrten Inkafürsten in diesem Gebiet bedeutende Machthaber.
Im wirtschaftlich-sozialen Bereich vollzogen sich in Europa beträchtliche Veränderungen. Seit dem 11. Jahrhundert hatte sich nach und nach eine Geldwirtschaft entwickelt. Städte blühten durch Handel und Industrie zunehmend auf, gemeinsame Unternehmen wurden gegründet, Geldtransaktionen wie der Kreditbrief wurden erfunden, und auf dem Land wurde das Erbringen von Frondiensten für die feudalen Herren vielfach von der Zahlung einer Pachtsumme abgelöst, so dass aus einst unfreien, hörigen Bauern mehr oder weniger freie Pächter wurden. In Zusammenarbeit mit den souveränen Fürsten hatten Städte einen Status der Halbautonomie erlangt und wurden vom wohlhabenden Bürgertum, dem Patriziat, regiert, das aus den Kaufmannsgilden entstanden war, deren Mitglieder wesentlich schneller reich geworden waren als die der Handwerksgilden. Manch einem Mann niederer Herkunft gelang es jedoch durch Energie, Intelligenz und Glück, ins Patriziat aufzusteigen. Dies galt ebenfalls, wenn auch seltener, für die Mitglieder der Handwerksgilden: Sie konnten vom Lehrling zum Gesellen und vom Gesellen zum Meister aufsteigen und waren dann in ihrer Gilde stimmberechtigt. Ende des 13. und Anfang des 14. Jahrhunderts begann sich die wirtschaftliche Situation jedoch zu verschlechtern. Das Ergebnis war, dass die verschiedenen Gruppierungen der Gesellschaft in die Defensive gerieten, sich gezwungen sahen, nur noch für ihre eigenen Interessen zu kämpfen und ihre Reihen für Nachrücker und andere Außenstehende buchstäblich zu schließen. Der Adel setzte Gesetze zugunsten der Grund besitzenden Klasse durch, die Bauern forderten die Verringerung oder gar Abschaffung der Dienste und Pachten, das Bürgertum ließ mit Hilfe neuer Bestimmungen in den Gilden keine neuen Mitglieder mehr zu. Auf diese Weise schürte man Hassgefühle in den Städten, und zwar nicht nur bei den wirklich sehr Armen, sondern auch bei den Lehrlingen und Gesellen der Handwerkszünfte, die sich durch die Bestimmungen ihrer wirtschaftlichen Perspektive beraubt sahen. Überall wurden Lohnerhöhungen gefordert. Dazu kamen der Streit zwischen Kaufmanns- und Handwerksgilden sowie die Unterdrückung der ländlichen Gebiete durch die Städte: Am berüchtigtsten waren in diesem Zusammenhang die Bestimmungen von Ypern, Brügge und Gent, die die gesamte Tuchverarbeitung (siehe Textilindustrie) auf dem Land verboten, um gegen die Konkurrenz anzugehen und die Beschäftigungsmöglichkeiten in der Stadt zu erhöhen. Mit roher Gewalt nahm man den Bauern ihr Werkzeug oder vernichtete es. So gab es überall unzählige Unruheherde und Aufruhr. Von hungrigen und verzweifelten Bauern oder Proletariern in den Städten initiierte aufständische Bewegungen nahmen an Ausmaß und Ernsthaftigkeit zu, als Unzufriedene aus anderen Schichten hinzukamen. Diese Entwicklung war beim Aufstand in der flämischen Küstengegend (1323-1328), dem englischen Bauernaufstand (1381), dem Ciompi-Aufruhr in Florenz (1378), dem Aufstand von Étienne Marcel in Paris (1358) und in geringerem Maß bei den vielen kleineren Bauernaufständen (Bauernaufstand der Jacquerie) in Frankreich in der gesamten zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts zu beobachten. Alle Aufstände wurden blutig unterdrückt, viele Rebellen wurden hingerichtet. Eines der Opfer war der englische Priester John Ball, ein radikaler Kritiker der bestehenden Ordnung, der eine revolutionäre sozial-religiöse Lehre gesellschaftlicher Gleichheit predigte. In scharfen Reden hetzte er die Massen auf, um anschließend mit ihnen den Tower in London zu stürmen. Bei dieser Aktion wurde u. a. der Erzbischof von Canterbury ermordet. Der Chronist Thomas Walsingham über Ideen und Auftreten Balls: „Und um die Menschen noch mehr mit seiner Lehre anzustecken, begann er in Blackheath, wo sich 20 000 Menschen versammelt hatten, seine Predigt wie folgt: „Als Adam grub und Eva spann, wo war da der Edelmann?” Und dieses Thema fortführend, versuchte er, entsprechend der von ihm gewählten Redensart zu beweisen, dass ursprünglich alle Menschen von Natur aus gleich geschaffen seien und dass Sklaverei die Folge ungerechtfertigter Unterdrückung durch schlechte Menschen sowie gegen Gottes Willen sei. Deshalb müssten sie „die großen Herren des Königreichs töten, anschließend die Juristen, Richter und Schöffen abschlachten und schließlich jene vernichten, von denen zu erwarten war, dass sie künftig eine Gefahr für die Gemeinschaft darstellen würden. So würden sie in Zukunft Frieden und Sicherheit erreichen, wenn nach der Abschaffung der Mächtigen des Landes gleiche Freiheit und Macht unter den Menschen herrschen würden.” (Th. Walsingham: Historia Anglicana, 1132) Viele niedere Geistliche beteiligten sich an dem Aufstand. Sie waren arm und ungebildet, fühlten sich eins mit ihren Gemeindemitgliedern und nicht zu Solidarität mit ihren reichen und gebildeten Vorgesetzten verpflichtet. Auch in Frankreich herrschten schreckliche Zustände. Die Bevölkerung litt unter dem Joch ihrer Herrscher, Mord und Plünderung waren an der Tagesordnung, es gab kaum Rechtsprechung. In wilden Ausbrüchen begingen die französischen Bauern grausame Taten, beherrscht von Hass und Zerstörungswut, ohne jede klare Vorstellung von einer Reform der Gesellschaft wie bei ihren englischen und flämischen Schicksalsgenossen. In der Chronik von Jehan le Bel ist zu lesen: „Und wenn man sie fragte, warum sie so gehandelt hatten, gaben sie zur Antwort, sie wüssten es nicht, sie hätten es jedoch getan, weil sie es andere hatten tun sehen, und dass sie dachten, auf diese Weise alle Adligen ausrotten zu können.” In England zeigten viele wahres Sozialbewusstsein. In seinem Gedicht The vision of William concerning Piers the Plowman beschrieb der englische Dichter William Langland mit viel Gefühl die katastrophale Lage der Bauern. Langland kritisierte das gesamte kirchliche und gesellschaftliche System, aber anders als John Ball war er ein dichterischer, friedliebender Geist voller Barmherzigkeit: „Barmherzigkeit”, sagte er, „verhandelt nicht, fordert nichts, verlangt nichts, sie ist genauso stolz auf einen Pfennig wie auf ein Pfund Gold, genauso froh mit einem graubraunen Mantel wie mit einem Kleid aus Seide oder ausgesuchtem Scharlach. Sie freut sich mit allen, die sich freuen, ist gütig gegenüber allen Schlechten und liebt alle, die der Herr geschaffen hat. Sie verflucht kein Geschöpf und kennt keinen Zorn, sie mag keine Lügen, und sie lacht niemanden höhnisch aus. Alles, was Menschen sagen, lässt sie gesagt sein, und sie tröstet sich selbst und erträgt, milde gestimmt, alles Böse. Sie begehrt keine irdischen Dinge, sondern reiche himmlische Glückseligkeit.” Man ertrug die Gewalttätigkeit mit Geduld, und die Hoffnung auf ein besseres Leben im Himmel war sehr verbreitet. Insbesondere in den Zeiten der Pest waren allerdings nicht nur die höheren Stände Ziel von Aggressionen. Der Volkszorn richtete sich auch gegen die jüdischen Gemeinden. Bereits jahrhundertelang hatten diese unter immer wiederkehrenden Verfolgungen zu leiden. Für viele war jetzt das Ende gekommen. Im Mai 1348 fanden in Südfrankreich Judenverbrennungen statt. Es gingen Gerüchte um, die Juden hätten die Trinkwasserquellen vergiftet und seien somit die Ursache für den Ausbruch der Pest. Das größte Ausmaß nahmen die antisemitischen Ausschreitungen in den deutschsprachigen Ländern an (die englischen Juden waren bereits im vorigen Jahrhundert unter Eduard I. aus dem Land vertrieben worden), insbesondere in den Städten Mittel- und Süddeutschlands, entlang des Rheins, der Donau und in der Schweiz. Auffällig war allerdings, dass es hier bereits zu Judenverbrennungen kam, bevor es auch nur einen einzigen Krankheitsfall gegeben hatte: Allein die Gerüchte bewirkten eine so schreckliche Angst, dass man sich sofort auf die nächstbesten Übeltäter stürzte. Eine führende Rolle spielte hierbei die rasch um sich greifende Bewegung der Flagellanten, berauschter, sich selbst geißelnder, umherziehender Büßer, die den Zorn Gottes von der Menschheit abwenden wollten. In Zürich fasste man bereits am 21. September 1348 feierlich den Beschluss, nie wieder Juden in der Stadt aufzunehmen.
Die große Hungersnot im Jahr 1315 und die Pest von 1348 bis 1350 trugen natürlich beträchtlich zum Rückgang der Bevölkerungszahlen und zur allgemeinen wirtschaftlichen Zerrüttung bei. Die ökonomische Stagnation ließ sich jedoch schon viel früher feststellen. Wahrscheinlich wurde sie von einer langsamen Verringerung des Bevölkerungswachstums verursacht. Dadurch war der Markt geschrumpft, und es kam zu Absatzschwierigkeiten. Aber es gab noch mehr Probleme. Die zentralen Regierungen weiteten ihre Aktivitäten auf Kosten des Adels immer mehr aus, und die Ausgaben der Regierungen wurden zu einer immer größeren Belastung für die Bevölkerung, die darüber hinaus noch lange nicht völlig vom feudalen, adligen Joch befreit war. War der König in Geldnöten, sah er mitunter seine einzige Rettung darin, den Gold- und Silbergehalt der Münzen betrügerisch zu verfälschen. Dadurch wurde seine Kasse zeitweise zwar zusätzlich aufgefüllt, längerfristig büßte das Geld natürlich an Wert ein, und dies hatte negative Auswirkungen für den Handelsverkehr und die Wirtschaft allgemein. Offensichtlich wurde die Not, wenn ein in die Enge getriebener Fürst keinen anderen Ausweg sah, als sich zu weigern, seine Schulden und Zinsen bei den Gläubigern abzuzahlen. Bankhäuser brachen zusammen, rissen andere, von ihnen abhängige Unternehmen mit in den Untergang, und die Wirtschaft geriet immer mehr aus dem Gleichgewicht. Ein Schock war der Bankrott des alten, mächtigen florentinischen Bankhauses Bardi im Jahr 1345. Es hatte noch die ersten beiden Feldzüge Eduards III. gegen Frankreich und den Krieg von Florenz gegen Lucca finanziert. Vergleichbar war der Konkurs der Familie Peruzzi im Jahr 1343: Auch sie war bereits zu sehr in internationale Angelegenheiten verwickelt und von der Regierung von Florenz missbraucht worden. Für ganz Florenz brach eine Krisenzeit an.
Es bestand nur wenig Aussicht auf eine Lösung der Probleme. Am Ende des Jahrhunderts war insbesondere die Situation der Bauern unverändert trostlos. Alle Aufstände wurden blutig unterdrückt und brachten Anstiftern und Beteiligten nur Unglück. Besonders auffällig im Hinblick auf das Bürgertum war, dass unter den bedeutenden Familien viele Konkurse und eine allgemeine Verarmung zu beobachten waren, während es Einzelnen gelang, zu erstaunlichem Reichtum zu kommen. Die alte Familie der Medici in Florenz, die sich aus den riskanten Kreditgeschäften der anderen Bankhäuser herausgehalten hatte, konnte jetzt deren Platz einnehmen. Auf diese Weise entstand in vielen Städten ein weiterer Klassengegensatz: Neben dem Gegensatz zwischen Arm und Reich gab es nun auch den zwischen relativ reichen und sehr reichen Bürgern. In Nordeuropa hatten Handel und Industrie einen anderen Charakter als in Italien. Luxusprodukte und Bankwesen spielten hier eine weniger bedeutende Rolle, die Reglementierung von sowohl Kaufmannsgilden als auch Handwerkszünften war straffer, persönliche Initiative und daraus resultierendes großes Vermögen fehlten. Paradox ist die Blüte der deutschen Hanse, dem großen norddeutschen Bund der Handelsstädte, der schließlich circa 70 Mitglieder zählte, auch in den Niederlanden, Skandinavien und den baltischen Gebieten. Gemeinsam kämpften sie gegen Piraten und politische Machthaber, insbesondere den König von Dänemark, um ihre Handelswege und Monopole, wo immer dies möglich war, zu schützen, von London im Westen bis Nowgorod im Osten. Sie schränkten ausländische, in ihrem Gebiet umherreisende Kaufleute in ihren Aktivitäten ein und verteidigten ihre Besitzstände. Die lockere Zusammenarbeit des 13. Jahrhunderts wurde in dieser Zeit von einem engen Bund mit Reglementierungen und einem übergreifenden Beratungs- und Beschlussorgan abgelöst. Es wurden hohe, feste Beiträge erhoben. Schließlich mussten hohe Unkosten, insbesondere auf militärischem Gebiet, gedeckt werden. Wie überall kam es auch in Lübeck, der Stadt, die den Bund faktisch anführte, häufig zu Unruhen, die sich gegen das herrschende Patriziat richteten. So machten anhaltende wirtschaftliche Schwierigkeiten und soziale Unruhe auch der blühenden Hanse zu schaffen. Auch für den Adel änderte sich vieles. Europa war gegen Ende des Jahrhunderts nicht mehr feudal: Städte und ihre Behörden hatten ab Ende des 12., Anfang des 13. Jahrhunderts viele Funktionen der Adligen übernommen. Natürlich schlug der Adel zurück, und im 14. Jahrhundert strebte er genauso rücksichtslos wie alle anderen Stände der Gesellschaft danach, seine Stellung zu behaupten. Dadurch konnte sich der Adel in der Tat als privilegierte Klasse innerhalb der Gesellschaft behaupten. Der Grundbesitz blieb die große Machtbasis des Adels, es war jedoch nicht länger selbstverständlich, dass man dann nichts zu befürchten hatte: Viele Adlige gerieten in diesen Zeiten unsicherer Märkte, niedriger Agrarpreise und abgewerteten Geldes in Armut. Auf militärischem Gebiet war das Veralten der Ritterarmeen festzustellen. Vor allem viele französische und österreichische Ritter wurden in diesem Jahrhundert von der mit Pfeil und Bogen und Spießen bewaffneten Infanterie der Flamen, Engländer und Schweizer besiegt. Immer wieder trugen Handwerker und Bauern, die in ihrer Bewegung nicht durch schwere Panzer eingeschränkt waren, den Sieg davon. Erstmals geschah dies im Jahr 1302 in der Sporenschlacht bei Kortrijk, wo Fußvolk aus den flandrischen Städten französischen Rittern gegenüberstand. In der Schlacht bei Morgarten in der Schweiz (1315) wurde kurzer Prozess gemacht: Die habsburgischen Ritter zogen in ein Tal ein, hinter ihnen wurde der enge Zugang von den Bauern abgeriegelt, und andere Bauern warfen Felsbrocken von den Hängen herab oder schossen ihre tödlichen Pfeile ab. Auch der Adel begann sich anzupassen. Mehrere Fürsten gingen dazu über, ein Söldnerheer in Dienst zu nehmen, das die modernen Kampfmethoden beherrschte. Höhere Ränge und führende Positionen wurden mit Adligen besetzt. Sie übernahmen den gut bezahlten Auftrag, ein solches Herr zu rekrutieren, Soldaten auszuwählen, Übungen durchzuführen, Material einzukaufen, Strategien zu entwickeln usw. Sowohl höhere als auch niedere Adlige schlossen mit ihrem Fürsten Verträge ab. Sie hatten nichts mehr mit den „altmodischen” Vasallen gemein, die ihrem Herrn mit ihren eigenen Vasallentruppen beistehen mussten. Die Größe eines Söldnerheeres hing deshalb auch nicht länger mit dem Grundbesitz seines adligen Kommandanten oder dessen Status allgemein zusammen. Der Anführer eines solchen Heeres hatte zumeist Anspruch auf ein Drittel der Beute, und manchem im Hinblick auf die Feudalordnung unbedeutenden Adligen gelang es, durch Kriege zu großem Reichtum zu kommen. Unterdessen blieb auch die politische Entwicklung nicht stehen. Die zentralen Regierungsapparate waren nicht mehr wegzudenken, und der höhere Adel richtete seine Aufmerksamkeit darauf. Es gab viele Perioden, in denen die zentrale Obrigkeit Macht einbüßte, beispielsweise wenn der König eine schwache Persönlichkeit war oder noch minderjährig. Insbesondere in diesen Fällen versuchten die höheren Adligen, Einfluss auf die staatlichen Einrichtungen auszuüben, aber auch ganz allgemein waren sie an hohen Ämtern interessiert, insbesondere am königlichen Rat. Spannungen, Intrigen und Parteibildung innerhalb des Adels waren die Folge. Nach wie vor kam es zu Gewalttaten. Und dann war da auch noch der wirtschaftliche Aspekt. In Italien gab es Adlige, die ihr Geld in Handel und Industrie investierten, aber für den Adel außerhalb Italiens blieb die Landwirtschaft die natürlichere Beschäftigung, bei der man sich nicht auf das Niveau eines Handel treibenden Bürgers herablassen musste. Es gab Adlige, die die Bauern von ihrem Land vertrieben und ihren Besitz auf einer ganz anderen Grundlage reorganisierten. Sie konzentrierten sich auf ein einziges, wenig arbeitsintensives Produkt (in Nordengland beispielsweise Wolle, in Ostdeutschland Getreide), so dass ihnen einige wenige angestellte Arbeitskräfte genügten. Ganz bewusst und wohl überlegt produzierten sie in großem Stil und für einen sicheren Absatzmarkt. Dass sich solche Entwicklungen in der Tat vollziehen konnten, veranschaulicht der Unterschied zu früheren Verhältnissen, in denen der Bauer an seinen Herrn gebunden war, was nicht nur Ausbeutung bedeutete, denn der Herr war umgekehrt genauso den ihm Hörigen verbunden. Er musste sie beschützen und konnte sie nicht einfach von dem Land vertreiben, das sie und ihre Vorfahren jahrhundertelang bearbeitet hatten. Jetzt hatten sich die Zeiten geändert. Viele Bauern hatten sich bereits im 12. und 13. Jahrhundert freigekauft, andere liefen zu den Aufständischen über. In jedem Fall fühlten sich viele Herren nun nicht mehr für das Schicksal der Bevölkerung auf dem Land verantwortlich, und sie taten mit ihrem Land immer das, was ihren eigenen Interessen am besten entsprach. Im deutschen Reich und in Mitteleuropa war der Adel aufgrund fehlender Zentralregierungen in einer anderen Situation als in den westeuropäischen Monarchien. Es gab eine kleine Gruppe großer Fürsten, gegenüber denen die niedrigeren Vasallen hartnäckig ihre Privilegien behaupteten. Die Macht des Adels als Stand wurde hier noch größer als früher. Gleichzeitig war jedoch die Macht des einzelnen Edelmannes außerhalb seines eigenen kleinen Territoriums ohne Bedeutung. Sie nahm in dem Maß ab, wie die Territorien durch die Herrschsucht niedrigerer Vasallen an Größe und Bevölkerungsdichte verloren. Uneinigkeit und Zersplitterung kennzeichneten noch für mehrere Jahrhunderte die Gesamtsituation.
© 1993-2008 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. |
© 2008 Microsoft
![]() ![]() |