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Millennium: 15. JahrhundertEnzyklopädieartikel
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Im Westen des am Mittelmeer angrenzenden Teils Afrikas hatte Tlemcen in den ersten Jahrzehnten des 14. Jahrhunderts eine Zeit wirtschaftlichen Wohlstands und relativer Unabhängigkeit erlebt. Tlemcen war „Heimathafen” für viele die Sahara durchquerende Handelskarawanen. Zwar versuchten die Mariniden, die Herrscher über Marokko, in den Besitz dieser Stadt zu gelangen, aber sie scheiterten. In dieser Zeit brauchten die Mariniden alle Kräfte, um die Einheit ihres Reichs zu wahren – erhoben sich doch die Söhne, die meistens einen Gouverneursposten innehatten, gegen ihren Vater. Das Reich drohte sogar in einen nördlichen Teil mit der Hauptstadt Fès und einen südlichen Teil mit der wichtigen Handelsstadt Sidjilmasa als Zentrum zu zerfallen. Aber als 1331 Abu-el-Hassan an die Macht kam, war diese Gefahr gebannt. Dieser Sohn einer äthiopischen Frau wurde zum größten Sultan, den die Mariniden je kannten. 1333 rief ihn der Emir von Granada gegen die Spanier zu Hilfe. Abu-el-Hassan setzte daraufhin über die Straße von Gibraltar nach Spanien über und eroberte Algeciras für den Emir. Zurück in seinem Reich, setzte Abu-el-Hassan seine Eroberungspolitik nach Osten hin fort. 1337 eroberte er Tlemcen und verleibte es seinem Reich ein. Mit den tunesischen Hafsiden, die mehr oder weniger von den Mariniden abhängig waren, rüstete Abu-el-Hassan dann eine Kriegsflotte gegen Spanien aus. 1340 wurden die Spanier bei Gibraltar geschlagen. Damit hatten sich die Hoffnungen der Spanier, das von 1229 bis 1309 in ihrem Besitz befindliche Ceuta (auf der afrikanischen Seite der Straße von Gibraltar) zurückerobern zu können, zunächst einmal zerschlagen. Abu-el-Hassan setzte seine Politik fort: 1347 nahm er den Hafsiden Bejaia, Constantina und Tunis ab. Zu diesem Zeitpunkt hatte er den Gipfel seiner Macht erreicht und sich nicht nur Einnahmen aus dem sehr gewinnträchtigen Handel mit den Gebieten südlich der Sahara (er beherrschte alle Hafenorte, die für diesen Handel eine Rolle spielten), sondern auch Einnahmen aus dem westlichen Mittelmeerraum gesichert. Doch auch Abu-el-Hassan traf das Schicksal seiner Vorgänger. Sein Sohn Abu Inan, der zum Gouverneur von Tlemcen ernannt worden war, erhob sich gegen seinen Vater. Während der Vater vergeblich versuchte, die aufständischen Hilali-Araber zu unterwerfen, zog Abu Inan nach Fès und rief sich dort zum Sultan aus. Tlemcen nutzte die Gunst der Stunde, um die Herrschaft der Mariniden abzuschütteln. Schließlich kam es 1350 zu einer Schlacht zwischen den Streitkräften des Vaters und des Sohns. Dabei erlitt Abu-el-Hassan eine vernichtende Niederlage. Von den Gefolgsleuten seines Sohns davongejagt, flüchtet er in die Berge des Hohen Atlas, wo er 1351 starb. Abu Inan versuchte, die Politik seines Vaters nachzuahmen und Tlemcen und die übrigen aufständischen Städte und Gebiete unter seine Herrschaft zu bringen. Aber der Widerstand gegen die Mariniden-Herrschaft war sehr groß, und 1358 zog sich Abu Inan krank nach Fès zurück. Dort wurde er von einem seiner Minister ermordet. Nach Abu Inan versank das Mariniden-Reich in Anarchie. Von den 17 Sultanen, die bis 1465 nominell regiert hatten, wurden sieben ermordet und fünf abgesetzt. Nur in fünf Fällen endete die Herrschaft mit dem natürlichen Tod des Sultans. In Marokko übernahm bereits 1427 die Wattasiden-Dynastie faktisch die Macht. Die Wattasiden mussten ständig vor den Portugiesen auf der Hut sein und die Angriffe auf Ceuta und Tanger abwehren. Aber 1471 konnten die Portugiesen die am Atlantik gelegenen Küstenstädte Tanger, Asilah und Larache schließlich doch in ihren Besitz bringen. In Tlemcen nahmen die Abdalwadiden wieder ihre alte Stellung ein. Aber durch die fortwährenden Kriege mit Fès kam diese Stadt nicht mehr zu ihrer früheren Blüte. Anders erging es den Hafsiden, die in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts von ihrer Hauptstadt Kairouan aus ihre verlorenen Städte an der algerischen Küste zurückerobern konnten. Unter ihrer Herrschaft entwickelte sich Tunis zum wichtigsten Handelszentrum im Nordwesten Afrikas. 1353 wurde ein Handelsabkommen mit Pisa geschlossen. Dadurch erhielt der italienische Stadtstaat das Recht, einen so genannten funduk zu errichten: ein Gebäude, in dem ein Konsul seinen Sitz hatte und in dem außerdem ein Hotel, ein Lagerhaus und ein Laden untergebracht waren. Auch eine Kirche bzw. Kapelle für die christlichen Kaufleute war damit verbunden. Im 14. und 15. Jahrhundert waren die wichtigsten Handelspartner von Tunis im Mittelmeerraum Venedig, Florenz, Genua, Pisa und Marseille. Aber auch die Kaufleute aus Alexandria, Konstantinopel, Zypern, Rhodos, Kalabrien, Sizilien, Sevilla, Sète und Nîmes hatten in Tunis ihre Niederlassungen und Vertreter. In das Hafsiden-Reich zog es auch die muslimischen Flüchtlinge aus Andalusien und Granada, die ihre besonderen Kenntnisse und Fertigkeiten mitbrachten. Einige von ihnen sannen auf Rache an den Christen, die sie aus ihrem Land vertrieben hatten. Sie bildeten mit allerlei Abenteurern eine Organisation, die sich durch Seeräuberei hervortat. Insbesondere hatten sie es auf christliche Schiffe abgesehen. Bejaia wurde zum Zentrum dieser Piratentätigkeit. 1390 versuchte eine französisch-genuesische Expedition, dieses „Seeräubernest” auszuheben. Aber die Expedition wurde von der Hafsiden-Flotte zurückgeschlagen. Unter dem toleranten Hafsiden-Herrscher Abu Faris (1393-1433) herrschte in diesem Gebiet dann Ruhe und Frieden. In Tunis durften Juden und Christen ihr Gewerbe ausüben. Und obwohl die Handelsschifffahrt wegen der Seeräuberei mit Risiken verbunden war, gab es einen lebhaften Handel mit sehr vielen verschiedenen Waren. Ausgeführt wurden u. a. Trockenobst, Datteln, Olivenöl, gesalzener Fisch, Salz, Zucker, Pferde, Wolle, Leder, Tierhäute, Korallen, Gerbstoff und Sklaven. Nach Tunis eingeführt wurden Getreide, Alaun, Parfüm, Farbstoffe, Falken und Jagdvögel, Glas, Papier, Metall, Gold, Silber und Juwelen. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts entwickelte sich Tunis unter dem Hafsiden Abu Omar Osman (1435-1487) aber wieder mehr und mehr zu einem Zentrum der Piraten. Das Gleiche galt für Bejaia und Bizerta. Auf kulturellem Gebiet spielte sich im 15. Jahrhundert im Nordwesten Afrikas wenig ab. Das 14. Jahrhundert hatte allerdings zwei Gelehrte von Weltruf hervorgebracht: den Geographen Ibn Battuta (1304 bis ca. 1369), der eine Beschreibung seiner Reisen insbesondere in die südlich der Sahara gelegenen Gebiete Afrikas und seiner Reisen in Asien (bis nach China) hinterließ, sowie den Geschichtswissenschaftler Ibn Chaldun (geboren in Tunis 1332 und gestorben in Kairo 1406), der in dem Einführungsband (Muqaddama) zu seinem großen Werk über die Geschichte der Araber, Perser und Berber eine allgemeine Theorie über politische und gesellschaftliche Entwicklungen in der Welt darlegte. In der östlichsten Mittelmeerregion Afrikas, in Ägypten, hatten im 14. und 15. Jahrhundert die Mamelucken-Sultane die Macht inne. Diese von Sklaven abstammenden Herrscher gingen aus einer Militärkaste hervor, die das Land regierte und ausbeutete. Der relative Wohlstand, den Ägypten in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts kannte, galt nicht für die Bauern, die zu Sklaven ihrer Gutsherren (die Militärs waren) geworden waren. Zur Zeit des Mamelucken-Sultans al-Nasir Muhammad (1310-1341) war Ägypten die wichtigste Macht im Nahen Osten. Aragón, der Vatikan, der Sultan von Delhi, Äthiopien und Mali hatten Botschafter in Ägypten. Die Karimi (Kaufleute und Bankiers), die als einzige Gruppe neben den Militärs Einfluss hatten, nutzten ein weit verzweigtes Handelsnetz, das sich von den Küsten des Indischen Ozeans bis nach Indonesien und Südchina erstreckte. Sie waren auch in Äthiopien, Nubien und im Westen des Sudan aktiv. Der wichtigste Mittelmeerhafen war Alexandria, wo Kaufleute u. a. aus Venedig, Genua, Florenz, Marseille und Barcelona Handel trieben. Dieser Handelsverkehr wurde vertraglich geregelt. In der Mitte des 14. Jahrhunderts wurde auch Ägypten vom „schwarzen Tod”, der Pest, heimgesucht (1348-1355). Dieser Seuche fielen vor allem in Kairo sehr viele Menschen zum Opfer. Es folgte eine Hungersnot, und der Anfang des 15. Jahrhunderts wurde zu einer Zeit politischer und wirtschaftlicher Krisen. Verheerend war schließlich die Herrschaft des Sultans Barsbai (1422-1438), der für die zunehmende Münzverschlechterung verantwortlich war und der Bevölkerung immer drückendere Steuern auferlegte, um den Militärapparat finanzieren zu können. 1429 erhielt die Wirtschaft Ägyptens durch die Einführung eines Staatsmonopols auf den Handel mit Gewürzen (insbesondere Pfeffer) den Todesstoß. Die Karimi, von denen der Wohlstand des Mamelucken-Reichs abhing, verließen nach und nach Ägypten und wanderten hauptsächlich nach Indien ab. Da die Proteste der europäischen Händler kein Gehör fanden, sahen sich diese Händler veranlasst, die Gewürze in den Anbaugebieten selbst zu holen. Für Ägypten brach eine Zeit des Verfalls an. Mali, der Staat des Mande-Volks, der sich von dem Gebiet am Oberlauf des Niger bis zum Atlantik erstreckte, hatte im 14. Jahrhundert unter Kankan Mansa Musa (1312-1337) ein goldenes Zeitalter erlebt. Alle Völker in diesem Reich, das sich über eine Fläche von gut zwei Millionen Quadratkilometern erstreckte, erkannten damals die Herrschaft des Mansa (Herrscher) an. 1324 unternahm Mansa Musa die Pilgerfahrt nach Mekka (siehe Hadsch). Der Prunk und die Pracht, die sich beim Einzug seiner riesigen Karawane in Kairo darboten, hinterließen einen tiefen Eindruck. Musa gab in Kairo so viel reines Gold aus, dass der Wert der Goldwährung (Dinar) nach seiner Abreise um 20 Prozent gefallen war. Auf dem Rückweg zeigte sich, dass der Mansa so viel ausgegeben hatte, dass er Schulden machen musste. Seine Gläubiger reisten ihm nach und wurden reichlich zufrieden gestellt. Die Folge war ein regelmäßiger Handelsverkehr zwischen Mali und Ägypten. Aus Mali ausgeführt wurden insbesondere Gold und Sklaven, während in Mali junge türkische und äthiopische Sklavinnen sowie türkische Eunuchen für die Harems der Mande-Führungsschicht sehr gefragt waren. Der Sklavenhandel fand also in beiden Richtungen statt. Der Maghreb blieb Malis wichtigster Handelspartner. Als der Marinide Abu-el-Hassan Tlemcen unterworfen hatte, schickte ihm der Mansa eine Glückwunschbotschaft. Der Goldreichtum Malis zog nicht nur Händler an, sondern auch muslimische Lehrer und Handwerker sowohl aus Fès (Mariniden-Reich) als auch aus Kairo (Mamelucken-Reich). In dieser Zeit wurde Timbuktu zu einem kulturellen Zentrum. Die am Rande der Sahara gelegene Stadt war ursprünglich eine von den Tuareg gegründete Handelsniederlassung. Timbuktu hatte den Vorteil, nicht weit vom Niger entfernt zu liegen, der Transportmöglichkeiten auf dem Wasserweg bot, und entwickelte sich zu einer wichtigen Handelsstadt, die neben Walata das Zentrum für den Handel mit den Gebieten jenseits der Sahara wurde. Mansa Musa hatte in Timbuktu einen seiner Paläste und ließ dort von einem andalusischen Architekten eine große Freitagsmoschee bauen. Nach der Regierungszeit Mansa Musas litt Mali für kurze Zeit unter einer Misswirtschaft. Den Mossi, die sich inzwischen südlich von Mali in der Obervolta-Region zu Staaten organisiert hatten, eröffnete sich die Möglichkeit, Überraschungsangriffe auf die reichen Saharahäfen durchzuführen. 1338 plünderten sie Timbuktu. Unter Mansa Sulaiman (1341-1360) erlangte das Mali-Reich noch einmal seine einstige Größe, aber im 15. Jahrhundert verlor es allmählich seine Vorherrschaft in Westafrika. Die Schwäche der Regierung bestand darin, dass es keine feste Regeln für die Nachfolge gab. Deshalb kam es jedes Mal zu Kämpfen um die Nachfolge, und Unabhängigkeitsbewegungen nutzten diesen Umstand aus. So übernahmen die Tuareg unter ihrem Führer Akil 1433 die Macht in Timbuktu. Am Oberlauf des Niger machte sich Songhai, mit Gao als Zentrum, unabhängig. Die endgültige Abspaltung erfolgte 1473 durch Sonni Ali den Großen (1464-1492). Dieser Songhai-Fürst verstand es, ein Reich aufzubauen, das sowohl den Handelsverkehr über den Niger als auch den Handelsverkehr zur Sahara beherrschte. 1468 verjagte er die Tuareg aus Timbuktu, und 1473 nahm er die Mali-Stadt Djenné ein. Die Angriffe der Mossi in den Jahren 1469 bis 1470 und von 1477 bis 1483 konnte er zurückschlagen. Eben noch sahen die Mossi die Möglichkeit, Walata zu bedrohen, als Sonni Ali zum Gegenangriff überging und 1488 den Mossi-Staat Gurma eroberte. Danach festigte sich die Macht des Königreichs Songhai im gesamten Gebiet des Oberlaufs des Niger. Im Gebiet um den Tschadsee zerfiel in der Mitte des 14. Jahrhunderts das ausgedehnte Kanem-Reich infolge von dynastischen Auseinandersetzungen. Die Tubu und Bulala verjagten schließlich den Sultan von Kanem, der nach Westen flüchtete, wo er das neue Königreich Bornu gründete. Durch Bürgerkriege und umherziehende räuberische Stämme wurde das gesamte Tschad-Gebiet unsicher. Der König von Bornu beschwerte sich 1391 beim ägyptischen Mamelucken-Sultan, dass seine Untertanen von Arabern überfallen und in Kairo als Sklaven verkauft würden. Flüchtlinge aus Bornu ließen sich in den Haussa-Staaten (im Norden Nigerias) nieder, die auch von Händlern aus Mali, den Wangara, besucht wurden. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts begann dort der Handel mit Kola, einer Nuss, die aus Gonja (im Norden Ghanas) importiert wurde. Kano wurde zum stärksten Haussa-Staat. Unter seinem Herrscher Kanajeji (1390-1410) begann die Islamisierung, und es wurden neue Kampfmethoden eingeführt. Die Reiterei wurde zum Herzstück des Heers. Den Pferden hängte man wattierte Panzerungen um, ebenso wie den Reitern, die Helme aus Eisen trugen. Unter Muhammad Rumfa (1463-1499) kam Kano zu großer Blüte. Muhammad Rumfa führte elf Jahre lang Krieg mit Katsina um die Oberhoheit im Haussa-Gebiet. In Sachen Regierungsführung wurde er von Muhammad al-Magili, einem Gelehrten aus Tlemcen, beraten. Dieser gründete eine Islamschule in Kano. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts war Benin (nordöstlich des Nigerdeltas) eine große, mit einer Mauer umgebene Stadt und ein politisches Zentrum des südlichen Nigeria. Von Ife aus (Reich der Oyo) wurde die Kunst des Bronzegießens nach dem Wachsausschmelzverfahren eingeführt. Im 15. Jahrhundert erreichte in Benin das Bronzegießen einen außerordentlich hohen Perfektionsgrad. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts spaltete sich das im Nigerdelta gelegene Warri von Benin ab. Die Ga wanderten aus Benin aus und siedelten sich in und um Accra an. Zur gleichen Zeit ließen sich die Akan-Völker in Ghana nieder und bildeten dort Kleinstaaten. In Ostafrika erlebte Äthiopien unter der Herrschaft von Amda Siyon (1314-1344) eine Zeit großer Blüte. Dieser Herrscher stellte die Einheit dieses christlichen Königreichs wieder her, protestierte in Kairo gegen die Verfolgung der Kopten und drohte den Mamelucken mit Absperrung des Nil, der Lebensader Ägyptens. Die benachbarten muslimischen Kleinstaaten und insbesondere Ifat hatte er unter seine Herrschaft gebracht. Im Lauf des 15. Jahrhunderts konnten die Muslime aber wieder die Unabhängigkeit von Äthiopien erringen. An der Küste des Indischen Ozeans blühten die arabischen Handelskolonien. Kilwa spielte dabei seit dem 14. Jahrhundert eine führende Rolle. Es beherrschte den Handel mit Sofala und unterhielt Handelsbeziehungen mit den Regionen am Indischen Ozean bis hin nach China. Sowohl Kilwa als auch Sansibar und Mogadishu prägten eigene Münzen. An der Küste entstand aus Bantu-Dialekten, vermischt mit Arabisch, die Verkehrssprache Swahili. Im Landesinneren bildeten sich im 15. Jahrhundert sowohl im Gebiet zwischen den großen Seen als auch weiter südlich Bantu-Staaten. Dort im Süden wurde vom Rozvi-König Mutota aus dem Clan der Karanga der bedeutendste Staat gegründet. Dieser nahm den Titel Mwene Mutapa (Monomotapa) an und baute auf der Hochebene südlich des Sambesi ein Reich auf. Im 15. Jahrhundert kamen die Portugiesen mit der afrikanischen Kunst in Berührung. 1471 landeten João de Santarem und Pedro de Escobar bei Elmina an der Küste Ghanas und entdeckten das guineische Gold. Infolgedessen entstand in Elmina 1482 ein von Diego de Azambuja errichtetes portugiesisches Fort. Im selben Jahr begegnete Diego Cam an der Mündung des Kongo dem Bantu-Herrscher über dieses Gebiet, dem Manikongo. Es entstanden Handels- und kulturelle Beziehungen zwischen dem Kongo-Reich und Portugal. Für das Küstengebiet Afrikas schien eine neue Zeit angebrochen zu sein.
Der letzte Sultan aus der berühmten und mächtigen Tughluq-Dynastie von Delhi starb 1413. Seine Macht endete aber schon früher. Die Plünderungen und Vergeltungsmaßnahmen von Timur-i Läng von Samarkand hatten in den letzten Jahren des 14. Jahrhunderts ja bereits zum Zusammenbruch des riesigen Tughluq-Reichs geführt. Einer von Timurs Verbündeten, der Gouverneur von Maltan und Punjab, eroberte 1414 Delhi und gründete dort die Sayyiden-Dynastie. Er und seine Nachfolger blieben Marionetten in den Händen der türkischen und afghanischen Adligen mit ihren Unabhängigkeitsbestrebungen. Vom letzten Vertreter der Sayyiden-Linie hieß es denn auch: „Die Macht von Schah Alam reicht von Delhi bis nach Palam bei Delhi.” Als Buhlul Daulatkhan Lodi 1451 die Macht übernahm, war Delhi immer noch die offizielle Hauptstadt eines Reichs, das in Wirklichkeit gar nicht mehr bestand. Während der nicht ganz 40-jährigen Herrschaft von Daulatkhan wurde die Grundlage für eine stärkere Kontrolle über das Gebiet von Indus und Ganges und für die Eroberung anderer Gebiete gelegt. Aber die Lodi-Könige behielten letztendlich den Charakter von Vorsitzenden eines Staatenbundes afghanischer und türkischer Adliger. Von echten Monarchen konnte keine Rede sein. Das Reich nahm an Umfang zu, aber es fehlte jeglicher innerer Zusammenhalt. Eine amtliche Überwachung der Einhaltung von Gesetzen gab es nicht. Die Iktadaren, die als Belohnung für geleistete Dienste Landschenkungen erhalten hatten, führten keine Steuern mehr an das Sultanat ab. Da sie aber gleichzeitig die Steuerlasten für ihre eigenen Untertanen erhöhten, leisteten sie der Verarmung und Unzufriedenheit der bäuerlichen Bevölkerung Vorschub. Die Bauern selbst unterwarfen sich meist der schweren Unterdrückung und Ausbeutung. Gelegentlich aber setzten sie sich dagegen zur Wehr. Gewöhnlich geschah das in Form einer Massenflucht in den Dschungel. Von dort aus operierten sie dann als räuberische „Stämme”. Ab und zu brachen Aufstände aus, wie etwa 1419 im Punjab unter Führung von Sarengdie. Dieser Aufstand konnte erst nach zehn Jahren durch die Truppen des Sultanats unterdrückt werden. Die religiösen Gegensätze zwischen Hindus und Muslimen spielten keine große Rolle. Die Feudalherren gingen ohne Rücksicht auf die Religionszugehörigkeit Bündnisse miteinander ein. In ihren Armeen kämpften Türken, Afghanen, Mongolen, indische Hindus und bekehrte Muslime Seite an Seite. Insbesondere unter dem Volk von Bauern und Handwerkern erfolgt eine Vermischung von Religionen. Die Verschmelzung sozioreligiöser Ideen, die u. a. auch in der Architektur zum Ausdruck kam, gab der islamischen Sufi- und der hinduistischen Bhakti-Bewegung einen gemeinsamen Klang. Den größten Beitrag zu dieser Entwicklung lieferten zwei Reformer aus den unteren Gesellschaftsklassen, Nanak und Kabir. Die kleineren Königreiche entstanden und verschwanden mit schöner Regelmäßigkeit. Während einige Rajputen-Fürstentümer dem Sultanat einverleibt wurden, blieben die beiden wichtigsten Staaten, Mewar (Udaipur) und Marwar (Jodhpur), nicht nur unabhängig, sondern konnten auch weiterhin auf die Eroberung der Macht in Delhi hoffen. Trotz des großen Reichtums aufgrund der Entdeckung von Silber- und Bleivorkommen konnten die Rajputen sich nicht endgültig als alternative Macht im Norden Indiens durchsetzen. Ihre Schwäche war auf das wiederholte Ausbrechen feudaler Familienstreitigkeiten wegen Erbansprüchen zurückzuführen. Einige Rajputen-Fürsten mussten sich der islamischen Ahmad-Shahi-Dynastie von Gujarat unterwerfen. Der Reichtum von Gujarat, das sich nach dem Einfall Timurs die Unabhängigkeit vom Sultanat erkämpft hatte, beruhte auf der blühenden Landwirtschaft (Zuckerrohr, Indigo und Baumwolle) und auf dem Außenhandel. Es gab wichtige Niederlassungen arabischer Händler, die Handel mit China, Südostasien, dem Persischen Golf und Ostafrika trieben. Die portugiesische Seepiraterie begann für den indischen Seehandel eine ernst zu nehmende Gefahr zu werden. 1498 ging Vasco da Gama im ganz im Süden gelegenen Fürstentum Calicut an Land. Die europäischen Produkte, die die Portugiesen mitgebracht hatten, erwiesen sich bei den Indern als sehr beliebt. Im Gegensatz zu den afrikanischen Stämmen, die ihr Gold und Elfenbein gegen etwas Baumwolle, Wein und Perlen eintauschten, stellten die Inder selbst Handwerksprodukte von gleichwertiger und sogar höherer Qualität her. Die portugiesischen Waffen waren aber von besserer Qualität, und gegen Ende des Jahrhunderts war klar, dass sich im Arabischen Meer die indische Handelsflotte der portugiesischen Übermacht beugen musste.
Im Jahr 1400 herrschte Kaiser Tsjièn Wen aus der 1368 begründeten Ming-Dynastie über China. Kaiser Tsjièn Wen war der Enkel des Begründers der Dynastie, Hongwu, dem er 1399 nachfolgte. Da Hongwu während seiner Regierungszeit viele Familienmitglieder mit Führungspositionen auf regionaler Ebene bedacht hatte, war die Macht über das Reich verteilt. Fast alle Prinzen, darunter auch die Söhne Hongwus, besaßen eigene Armeen und sehr viel Macht. Da Kaiser Tsjièn Wen außerdem nur der Enkel des vorhergehenden Kaisers war, verweigerten ihm die Prinzen die Gefolgschaft und gingen ihren eigenen Weg. Kaiser Tsjièn Wen stellte zusammen mit zwei fähigen Ministern, Tj’i T’ai und Hwang Tse-tsj’eng, einen Plan auf, um die Prinzen zu entmachten. Nachdem fünf Prinzen hierdurch das Ende ihrer Macht gekommen sahen, erhob sich einer der übrigen Prinzen, Tsjoe Ti, gegen den Kaiser und seine beiden Minister. Tsjoe Ti, der vierte Sohn Hongwus griff die Hauptstadt Nanking an und überquerte 1402 mit seiner Armee den Jangtsekiang. Die Hauptstadt war nun in den Händen Tsjoe Tis, der sich selbst zum Kaiser der Ming ausrief. Als Kaiser Jung-lo herrschte er nun über das gesamte Reich. Kaiser Tsjièn Wen war nach dem Fall von Nanking verschwunden. Es wurde viel darüber spekuliert, was mit ihm geschehen sein mochte, aber letztendlich wusste niemand etwas Genaues. Sobald Jung-lo Kaiser war, ließ er Tj’i T’ai und Hwang Tse-tsj’eng, die beiden Minister Tsjièn Wens, ermorden, zusammen mit vielen weiteren fähigen Ministern. Er tat dies, um etwaigen weiteren Problemen von dieser Seite her vorzubeugen. 1421 machte er Peking zur Hauptstadt. Nanking wurde zweite Hauptstadt. Kaiser Jung-lo war ein sehr starker Herrscher. So zog er wiederholt gegen die Mongolen, die für die Chinesen weiterhin eine Bedrohung darstellten, in den Kampf. Die Mongolen hatten sich inzwischen aufgespalten in die Oiraten im Westen und die Tataren im Osten. Jung-lo gelang es, die Mongolen zu unterwerfen, allerdings nur für kurze Zeit. Schon bald nach dem letzten Sieg Jung-los begannen die Mongolen erneut, nach China einzufallen. Unter Kaiser Jung-lo wurden auch große Expeditionen über das Meer unternommen. Leiter dieser Expeditionen war der Eunuch Zheng He. In den Jahren 1405 bis 1433 reiste er u. a. nach Indien und Ceylon sowie an den Persischen Golf und gelangte sogar bis an das Rote Meer und die Ostküste Afrikas. Viele Kaufleute aus dem Mittleren Osten, hauptsächlich Araber, schienen gerne mit chinesischen Schiffen zu reisen, da diese durch ihre Größe und Stabilität sehr sicher waren. Unter Kaiser Jung-lo wurden die Beziehungen mit Japan, die im 14. Jahrhundert abgebrochen worden waren, wieder aufgenommen. Jung-lo schickte ein Schreiben nach Japan, in dem er mit höflichen Worten sagte, dass er gerne mit Japan Handel treiben wolle. Hierdurch kam der chinesisch-japanische Handel wieder in Gang. Von den Kaisern, die auf Jung-lo folgten, verfügte keiner über viel Macht. Kaiser Hoeng Si, der 1425 die Nachfolge von Jung-lo antrat, und Kaiser Siuan Te, der schon ein Jahr später den Thron bestieg, standen bereits sehr unter dem Einfluss der Eunuchen, der sich bei Aber Tsjeng Toeng, der 1436 Kaiser wurde, weiter verstärkte. Noch im vorhergehenden Jahrhundert hatte Kaiser Hongwu ausdrücklich vor der Gefahr gewarnt, die Eunuchen für den Kaiser bedeuten können, wenn sie sich in die Politik einmischen. Deshalb hatte er die Eunuchen immer aus der Regierung ferngehalten. Nach seinem Tod spielten die Eunuchen aber eine immer größere Rolle in der Politik. Man denke nur an die Karriere von Zheng He, dem Leiter der Seeexpeditionen. Einer der Gründe für den großen Einfluss der Eunuchen bestand darin, dass Jung-lo die frühere Hauptstadt Nanking mit Hilfe von Eunuchen erobern konnte. Die Eunuchen stellten umso mehr eine Bedrohung für den Kaiser dar, als sie Söhne adoptierten und so doch eine Familie gründen konnten. Kaiser Tsjeng Toeng stand ganz unter dem Einfluss des Eunuchen Wang Tsjen und tat alles, was dieser ihm riet. So zog Tsjeng Toeng 1450 persönlich mit Wang Tsjen gegen die Oiraten in den Kampf. Er erlitt aber eine vernichtende Niederlage. Tsjeng Toeng und Wang Tsjen wurden beide von den Oiraten gefangen genommen. Wenn die Oiraten aber meinten, sie hätten damit einen gewaltigen Fang gemacht, so hatten sie sich getäuscht. In China wurde einfach ein neuer Kaiser, Tjing T’ai, inthronisiert. Die Oiraten schickten Tsjeng Toeng zurück, der 1457 unter dem Namen T’ièn Sjoen erneut den Thron bestieg. 1465 folgte ihm Kaiser Tsj’eng Hwa nach. Auch er wurde sehr von den Eunuchen beeinflusst. Vor allem Wang Tsjen erlangte große Macht über ihn und erhielt so die Möglichkeit, im Namen des Kaisers ein politisches Gefängnis zu errichten. In diesem Gefängnis wurden die politischen Gefangenen gefoltert. Viele Minister und Beamte landeten schließlich hier. 1488 bestieg Hoeng Tsje als Nachfolger Tsj’eng Hwas den Kaiserthron. Hoeng Tsje bekämpfte die korrupte Politik Tsj’eng Hwas, und so brachen unter seiner Regierung wieder bessere Zeiten an. Die Ming-Dynastie regierte nach konfuzianischen Grundsätzen. Deshalb wurde der Handel auch gering geschätzt. Stattdessen konzentrierte man sich mehr auf Einkünfte aus der Landwirtschaft. 1450 wurde sogar das Papiergeld, das bereits seit Jahrhunderten in Umlauf war, wieder abgeschafft. Dennoch breitete sich der Handel weiter aus, nicht zuletzt durch die vielen Verträge mit Partnern in Übersee, die in dieser Zeit abgeschlossen wurden. Das Prüfungssystem, das im 14. Jahrhundert bereits sehr ausgedehnt war, wurde jetzt von der Ming-Dynastie noch weiter perfektioniert. So wurde 1487 die achtteilige Abhandlung eingeführt. Die Prüfungsteilnehmer mussten eine Abhandlung schreiben, die an sehr strenge Regeln gebunden war. Sie bestand aus acht Teilen, die in einem bestimmten Stil und sogar mit einer bestimmten Anzahl von Schriftzeichen geschrieben werden mussten. Diese Form der Abhandlung wurde von vielen Seiten kritisiert. Schriftsteller bemängelten die zu starke Betonung von formalen Dingen. Dies lasse keinen Spielraum mehr für die künstlerische Gestaltung. In dieser Zeit entstanden immer mehr „Sjoe Juan”, eine Art Akademie, die meist von hohen Beamten oder reichen Kaufleuten gegründet wurden. In diesen Akademien konnten Gelehrte über verschiedene Themen diskutieren und philosophieren. Im 15. Jahrhundert wurde sehr viel Wissen zusammengetragen. Berühmt war Joeng Le Tatièn, eine Enzyklopädie mit ungefähr 11 000 Bänden, die unter Kaiser Jung-lo in den Jahren 1403 bis 1407 von mehr als 2 000 Gelehrten zusammengestellt wurde. In der Literatur erlebte der Roman eine Blütezeit. Sehr bekannt waren San-kwo tsjejèn-i (Roman von den drei Königreichen), ein Roman mit geschichtlichem Hintergrund, und Sjwei-hoe tsjwan (eine Erzählung über eine Gruppe Aufständischer, die die Reichen ausrauben und die Beute unter die Armen verteilen). Der letztgenannte Roman war in China sehr beliebt. Er handelt von 108 Helden, die ursprünglich alle als Geister in einem unendlich tiefen Schacht zusammen eingeschlossen waren. Die Geschichte beginnt mit einer Schilderung, wie diese Geister zu Helden werden: „Ein Eunuch des Kaisers wird zum Drachen- und Tigerberg geschickt, wo der berühmteste Taoist dieser Zeit, der Himmlische Meister Zhang, wohnt. Der Eunuch kommt, um den Meister zu einem Besuch beim Kaiser einzuladen. Als der Eunuch ankommt, ist der Meister schon mit dem Kranich zum Kaiser unterwegs. Der Eunuch wird ehrerbietig von den anderen Taoisten empfangen. Eines Tages entdeckt er ein Gebäude, dessen Tür mit unzähligen Siegeln versehen ist. Auf all diesen Siegeln steht, dass es strengstens verboten ist, die Tür zu öffnen. Viele Generationen lang haben taoistische Meister Siegel über diese Tür geklebt. Der Eunuch möchte aber unbedingt wissen, was hinter der Tür ist, und lässt sie trotz der heftigen Proteste der Taoisten öffnen. Hinter der Tür befindet sich eine lange Halle, mit einer riesigen Steintafel. Auf dieser Tafel steht, dass darunter 108 unzufriedene Geister eingeschlossen seien. Der Eunuch glaubt es nicht und macht sich über die Taoisten lustig, die die Tafel nicht zu entfernen wagen. Es bleibt ihnen aber nichts anderes übrig, als es dann doch zu tun. Darunter kommt ein riesiger Stein zum Vorschein, unter dem sich wiederum eine sehr robuste Eisentür befindet. Als der Eunuch die Taoisten zwingt, auch diese Tür zu öffnen, ist nichts weiter zu sehen als ein tiefer dunkler Schacht. Gerade als der Eunuch lachend bemerkt, dass dies wohl beweise, dass sie von den früheren taoistischen Meistern betrogen worden seien, kommen plötzlich pfeilschnell 108 Blitze aus dem Schacht hochgeschossen. Sie verbreiten sich in der Luft und verschwinden. 17 Jahre später tauchen plötzlich überall im Reich Helden auf. Dies sind die 108 Helden von Sjwei-hoe tsjwan …” Im künstlerischen Bereich kam die Porzellanherstellung zu unvergleichlicher Blüte. Einer der berühmtesten Orte der Porzellanherstellung ist Tjing-té-tsjén in der Provinz Tjangsi. Das Blauweißporzellan, das es bereits geraume Zeit gegeben hatte, wurde zum ersten Mal unter Kaiser Jung-lo weithin bekannt und berühmt. Siehe auch chinesische Kunst und Architektur; chinesische Literatur
In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts hatte der Kampf zwischen zwei Gruppierungen am Hof der Koryo-Dynastie eine entscheidende Wendung genommen. Die promongolische Gruppierung gewann zwar schließlich die Oberhand, aber General Ji Seng-gji ignorierte dies. Er wurde mit einer Armee nach Norden geschickt, um die Chinesen anzugreifen, sah aber die Sinnlosigkeit dieses Unternehmens ein und wendete sich gegen den Hof. 1388 übernahm er die Macht am Hof, und 1392 bemächtigte er sich des Throns. Das bedeutete das Ende der Koryo-Dynastie und den Beginn der Ji-Dynastie. Mit China wurden enge Beziehungen hergestellt. Ji Seng-gji zahlte sofort Tribut an den chinesischen Kaiser, und dieser wiederum erkannte das Königreich an und nannte es Chosen. Die gesamte koreanische Gesellschaft wurde nun innerhalb kurzer Zeit von chinesischen Kulturelementen durchzogen. Nirgends in China wurde der Konfuzianismus so streng gehandhabt wie in Korea. Sowohl die konfuzianischen Gebräuche als auch das Wertesystem wurden genau befolgt. Andere Elemente der chinesischen Kultur, auf die großer Wert gelegt wurde, waren die Achtung der Eltern, das Betrauern der Vorfahren in den ersten drei Jahren nach ihrem Tod, das Einwickeln der Füße der Frauen und das Heiratsverbot für Witwen. Das politische System, das unter der Ji-Dynastie errichtet wurde, war praktisch eine Kopie des chinesischen Systems. Ji Seng-gji legte die Grundlagen, und sein Sohn sowie sein Enkel vollendeten das System. Seoul, die Stadt am Han-Fluss, wurde Hauptstadt. Das Land wurde in Provinzen und Präfekturen untergliedert, so wie es in China schon seit Jahrhunderten der Fall war. Die Straf- und die Verwaltungsgesetze wurden vom China der Ming-Dynastie übernommen und im 15. Jahrhundert angepasst und verfeinert. Auf Regierungsebene wurden ein Staatsrat, ein Sekretariat für die Krone und sechs Ministerien eingerichtet. Das Kontrollwesen gliederte sich in zwei Abteilungen: eine zur Überwachung und Beurteilung der Tätigkeit der Beamten (sabenbu) und eine zum Tadeln falscher Handlungen des Königs (saganwen). Einen Posten innerhalb des Verwaltungsapparats konnte man durch Ablegen von Prüfungen erhalten. Das Gleiche galt für die höheren Dienstgrade innerhalb der Armee. Das Prüfungssystem stand zwar im Prinzip für jedermann offen. In der Praxis musste man aber aus einer wirtschaftlich leistungsfähigen und adligen Familie kommen, um einigermaßen Aussicht auf Erfolg zu haben. Die Menschen aus der Chungin-Klasse, der Mittelklasse, hatten kaum Chancen auf höhere Positionen. In wirtschaftlicher Hinsicht blieb Korea weit hinter China zurück. Durch die starre Auslegung des Konfuzianismus wurde die Verachtung für den Handel in Korea noch größer als in China. Auch die isolierte Lage des Landes trug zu der geringen Entwicklung der Handelstätigkeit bei. Mit Japan wurden zwar Kontakte unterhalten, aber diese gingen immer von Japan aus. In Korea wurde die Entwicklung eines Kommunikationsnetzes vernachlässigt, und es war nur wenig Münz- und Papiergeld in Umlauf. Der Handel auf örtlicher Ebene war ein Tauschhandel, und zentrale Märkte gab es kaum. Der Einfluss des Konfuzianismus auf das Geistesleben war nicht direkt spürbar. Größere geschichtliche Abhandlungen, medizinische Studien und herausragende Enzyklopädien wurden in chinesischer Sprache verfasst. Daneben wurde das Han’gul (wörtlich: „koreanische Buchstaben”), ein System zum Schreiben der koreanischen Sprache, entwickelt. In der Kunst aber war die beherrschende Rolle des Konfuzianismus deutlich zu spüren. Die „Konfuzianisierung” der koreanischen Gesellschaft trug dazu bei, dass die buddhistischen Elemente in kurzer Zeit aus der Kunst verschwanden. Die chinesischen Einflüsse waren insbesondere in der Kalligraphie, der Schönschreibkunst, und in der Malerei deutlich zu spüren. Die koreanischen Maler teilten sich in zwei soziale Gruppen: Es gab Adlige, die die Kunst gewissermaßen als Hobby betrieben. Meistens taten sie es, weil es dem Ansehen förderlich war, wenn man gewisse Fertigkeiten auf diesem Gebiet besaß. Die Maler arbeiteten nach Regeln, die der chinesischen Malerei entlehnt waren. Die berufsmäßigen Maler kamen im Allgemeinen aus der Chungin-Klasse. Sie widmeten sich mehr der Porträtmalerei. Meist bildeten sie Vorfahren ab. Siehe auch koreanische Kunst und Architektur Mit der „Konfuzianisierung” der Gesellschaft blieb für den Buddhismus wenig Raum übrig. Bereits im 14. Jahrhundert hatte der Buddhismus stark an Einfluss eingebüßt, weil die Klöster mehr und mehr zweifelhafte Praktiken an den Tag legten und das geistige Niveau schnell verfiel. 1425 beschloss die Regierung, die Zahl der Klöster und Mönche stark zu verringern und die Zahl der Sekten durch Zusammenschlüsse auf zwei zu beschränken. Der Buddhismus befand sich sowohl theologisch als auch materiell in einer großen Krise.
1350 wurde Utong, die Hauptstadt des Thai-Reichs, von einer Seuche heimgesucht. Dies war der unmittelbare Anlass, die Hauptstadt nach Ayutthaya zu verlegen. Innerhalb von 50 Jahren konnte König Rama Tibodi das Reich stabilisieren, und ab Anfang des 15. Jahrhunderts kam allmählich der Einigungsprozess in Gang. Trotz der vielen Differenzen mit den Nachbarländern und den damit einhergehenden Spannungen im Land selbst unterhielt Thailand gute Handelsbeziehungen mit Indien, China und Japan. Noch unter Rama Tibodi wurde das Staatsgebiet im Süden bis nach Malakka ausgedehnt. Im Osten wurde die Hauptstadt der Khmer, Angkor, vorübergehend eingenommen. Den Khmer wurden dabei so viele Verluste beigebracht, dass sie einige Zeit nicht mehr in der Lage waren, Thailand anzugreifen. In dieser Zeit wurde in Thailand zum ersten Mal ein System von Gesetzen schriftlich niedergelegt. Diese Gesetze basierten auf den alten Thaibräuchen aus dem 8. Jahrhundert. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde fast ununterbrochen um den Thron gekämpft. 1448 bestieg König Trailok den Thron und blieb bis 1488 im Amt. Unter seiner Regierung fand eine vollständige Neuorganisation des Verwaltungsapparats statt. Es wurde zwischen Militär- und Zivilverwaltung unterschieden, und die Provinzgouverneure wurden von der Zentralregierung eingesetzt und kontrolliert. Man entwickelte ein Besoldungssystem für Beamte. Diese wurden in Form von Landschenkungen bezahlt und nahmen den Bauern oft unrechtmäßig Land weg, um ihre eigenen Einkünfte und ihre Macht zu vergrößern. Trailoks Nachfolger, Tibodi II., setzte Trailoks Politik fort.
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