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Millennium: 15. JahrhundertEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
In Birma stand das 15. Jahrhundert im Zeichen eines religiösen Aufblühens, das sich auf alle Bereiche der Gesellschaft auswirkte. Ausgelöst wurde dieses Aufblühen durch die aus Ceylon zurückkehrenden Delegationen. Von staatlicher Seite her versuchte man, so vielen Menschen wie möglich die neuen Anschauungen, die diese Delegationen mitbrachten, zu vermitteln. Die Delegationen wurden vom Königshof in Ava ausgesandt, um den Kontakt mit der Lehre des Theravada-Buddhismus direkter zu gestalten. Das religiöse Aufblühen fand auch in der Literatur und Architektur seinen Niederschlag. Im Bereich der Architektur ist der Bau der Shwe-Dagon-Pagode wohl das beste Beispiel für diese Blüte. Im 15. Jahrhundert war zum ersten Mal der Besuch eines Europäers in Birma zu erwähnen: Der Venezianer Niccolò dei Conti verbrachte 1432 vier Monate in Pegu. Am Ende des 15. Jahrhunderts besuchten wieder zwei Italiener das Land. Siehe auch buddhistische Architektur
Auf Java traten im 15. Jahrhundert zum ersten Mal Walis in Erscheinung. Ein Wali ist ein islamischer Geistlicher. Das Wort „Wali” ist eine verkürzte Form des Ausdrucks wali allah, was wörtlich bedeutet: „Derjenige, der nahe bei Gott steht”. Bereits seit dem 11. Jahrhundert gab es Muslime auf Java, aber im 15. Jahrhundert entfalteten auch muslimische Geistliche ihre Aktivitäten auf der Insel. Nach einiger Zeit gingen die Walis dazu über, Schulen (madrasah) zu gründen. Einige dieser Schulen machten sich in kurzer Zeit einen sehr guten Namen. Im Lauf des 15. Jahrhunderts konnten die Verfechter des Islam durch ihre fieberhaften Aktivitäten, durch ihren Missionierungsdrang und oft auch mit Gewalt viele Anhänger gewinnen, und zwar größtenteils auf Kosten des Hinduismus. Das Reich von Majapahit war in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts zusammengeschrumpft. Der Verfall war insbesondere auf den andauernden Konkurrenzkampf am Hof, auf die inneren Auseinandersetzungen, auf Naturkatastrophen und große Hungersnöte zurückzuführen. Anfang des 15. Jahrhunderts war das Reich in völliges Chaos versunken. Jetzt schickte sich Malakka an, das schon lange von Handel treibenden Muslimen und Chinesen beherrscht wurde, die wichtigste Stellung in dieser Inselgruppe einzunehmen. Mit der Ausweitung der Handelsaktivitäten auf den Inseln verbreitete sich nicht nur der Islam, sondern auch die malaiische Sprache. Der Einfluss des Malaiischen in der Inselgruppe blieb aber hauptsächlich auf die Händler beschränkt. Am Königshof in Malakka, wo anfänglich noch Javanisch gesprochen wurde, bürgerte sich das Malaiische nun auch ein.
Das Gleichgewicht zwischen Annam und Champa verschob sich im 15. Jahrhundert endgültig zugunsten Annams. Anfang des Jahrhunderts wurde Annam von einem Bürgerkrieg heimgesucht, der mit der Besetzung durch die Chinesen endete. Mitglieder der Tran-Familie baten den Ming-Kaiser Jung-lo um Unterstützung gegen einen erfolgreichen aufständischen General. Nach der Einnahme von Hanoi blieben die Ming-Truppen im Land, und der Kaiser versuchte eine Verwaltung nach chinesischem Vorbild aufzubauen. Da die Chinesen aber eine Politik der erzwungenen kulturellen Angleichung betrieben, erhob sich die Bevölkerung. Das Oberhaupt der südlichen Provinz Thanh Hoa, Le Loi, konnte nach einem heftigen und lange andauernden Guerillakrieg die Chinesen aus dem Land vertreiben. 1428 rief er sich zum König von Annam aus und begründete damit die Le-Dynastie. Le Loi schickte sofort eine Delegation zum Kaiser von China, um seine untergeordnete Stellung gegenüber dem Kaiser deutlich zu machen. Der Kaiser akzeptierte diese Geste und erkannte Le Loi als König von Annam an. Champa konnte während des Bürgerkriegs in Annam und der späteren chinesischen Besetzung einige Provinzen im Süden einnehmen. In den ersten Jahren der Le-Dynastie unterhielten beide Länder freundschaftliche Beziehungen miteinander. Aber 1411 begann Champa wieder seine Angriffe auf Annam. Nach einer Zeit wechselnder Auseinandersetzungen konnte Le Thanh Tong in seiner beinahe 40 Jahre währenden Regierungszeit (1460-1498) Champa den Todesstoß versetzen. Das Land wurde praktisch Annam einverleibt. Thanh Tong führte eine Reihe von Verwaltungsreformen durch, um seine Macht über das Königreich zu festigen. Durch die Zentralisierung der Verwaltung konnte er den Verwaltungsapparat besser kontrollieren und dadurch Unabhängigkeitsbestrebungen rechtzeitig unterdrücken. Le Thanh Tong versäumte es aber, seine Nachfolge zu regeln. Nach seinem Tod machten sich viele Mitglieder aus Mandarinfamilien den Thron streitig.
Inka Viracocha und sein Sohn Pachacuti waren sich sehr ähnlich. Heldentaten, die dem einen zugeschrieben wurden, ähnelten den Taten des anderen. Der Sohn hieß eigentlich Cusi Yupanqui. Der Name, den er annahm, Pachacuti, bedeutete „Erneuerer des Lands oder der Zeit” und verwies auf die großen Reformen, die in dieser Zeit durchgeführt wurden. Für diese Reformen zeichnete aber nicht allein er, sondern auch Inka Viracocha verantwortlich, der bis 1438 regierte. Viracocha war es, der die Vorratsscheunen in den Dörfern einführte. Dadurch wurde später die Versorgung der Armeen sichergestellt – ein wichtiger Pfeiler der Organisation des Inka-Reichs. Und Viracocha war es auch, der das Quechua als Amtssprache für das gesamte Reich einführte. Er war es, der Völker aus besiegten Gebieten in andere Gegenden umsiedelte und in den besiegten Gebieten ergebene Untertanen ansiedelte (die Umgesiedelten wurden mitimaes genannt). Und er ließ viele Straßen bauen. Als Pachacuti die Nachfolge antrat, war das Land bereits auf dem Weg zu großer Blüte. Die Inka leiteten ihre Herrschaft vom Sonnengott Inti ab. Der Sapa Inka sei ein direkter Abkömmling des Sonnengotts und damit der Ursprung aller irdischen Macht. In einem monogamen (auf der Einehe beruhenden) Staat, in dem Ehebruch schwer bestraft wurde, war der Inka selbst das Oberhaupt einer polygamen Familie. Unterworfene Völker wurden der Inka-Dynastie durch Ehen mit den regierenden Familien einverleibt. Oftmals kamen Botschafter unabhängiger Stämme mit der Bitte, in das Tahuantinsuyu, das „Reich der Vier Himmelsrichtungen” der Inka aufgenommen zu werden. Solche Stämme wurden gegenüber besiegten Stämmen bevorrechtigt. Sie nahmen unter Beibehaltung eigener Gottheiten den Sonnenkult und die Kultur der Inka an. Die Kultur begann beim Inka-Kalender. Der Mondmonat hatte 29,11 Tage und das Sonnenjahr 365,1 Tage, und diese beiden Zeitrechnungen mussten miteinander in Einklang gebracht werden. Mit Hilfe von Quipus, Schnüren verschiedener Farbe, wurden Daten ausgetauscht und festgelegt. Dabei gab die Farbe den Gegenstand an (zu schließende Ehen, zu bauende Häuser, zu rekrutierende Soldaten usw.) und die Anzahl der Knoten die Zahlenwerte (entsprechend einem Dezimalsystem). Auf Naturwissenschaften und geometrisches Denken wurde großer Wert gelegt. Da die Inka keine Schrift kannten, wurden wichtige historische Ereignisse mit Hilfe bemalter Tafeln und gesprochener rhythmischer Verse dargestellt. Es gab keinen Mittelstand, es sei denn, den der Beamten. Das Inka-Reich kannte auch keine Sklaverei. Aber es gab kriegsgefangene Zwangsarbeiter und eine Kaste von Bediensteten niederen Ranges („Staatskinder”), die keine Familie mehr hatten, oder Abkömmlinge aufständischer Stämme. Die Inka versuchten einen nationenübergreifenden Staat zu schaffen. Das Reich sollte sich „nach den vier Himmelsrichtungen” ausbreiten. Aber die Indianer, die tief in den Urwäldern wohnten, blieben unbehelligt: Aus Angst vor Krankheiten drangen die Inka dorthin nicht vor. Unterwegs konnte die Armee immer damit rechnen, auf Vorratslager (tampu) zurückgreifen zu können. Die Instandhaltung der Straßen war sehr wichtig. Jeder Clan (ayllu) musste beim Anlegen und Instandhalten von Straßen mithelfen und war für seinen Teil verantwortlich. Nur unter besonderen Umständen, z. B. nach Erdrutschen, half die Armee beim Straßenbau. Die Organisation des Straßenbaus war ausgefeilt, die Technik einfach. Im Bergland gab es Bewässerungskanäle und kleine, von Steinmauern begrenzte Terrassen. Mais war das Hauptnahrungsmittel und Quinoa die Getreideart, die auch oberhalb der Maisgrenze noch gedieh. Koka war das wichtigste Genuss- und Betäubungsmittel: Es linderte Beschwerden und Schmerzen und erfrischte bei Müdigkeit. Es gab ein Jagdgesetz, das die Jagd von wilden Guanakos und Hirschen begrenzte. Lamas wurden hauptsächlich als Lasttiere eingesetzt. Vikunjas und Alpakas lieferten schönere, flauschigere Wolle. In den bewässerten Küstenplantagen wurde Baumwolle angebaut. Die medizinische Versorgung war Sache des Staates: Die Ärzte – Männer und Frauen – waren hervorragend ausgebildet. In der Orakelstadt Rimac gab es sehr viele erfahrene Schädelspezialisten, die viel Arbeit hatten: Keulen und Schleudern waren die bevorzugten Kampfwaffen und der Schädel das beliebteste Ziel. An der Küste, am Eingang des Gebirgspasses, lag das Chimú-Fort Paramonga. Es war mit Adobe gebaut, einem Lehm, aus dem auch luftgetrocknete Ziegel hergestellt werden. Oben im Bergland wurde unter Pachacuti der Bau von Sacsayhuamán („kaiserlicher Falke”) abgeschlossen. Sacsayhuamán war, hoch über Cuzco gelegen, ein Aussichtsposten und ein uneinnehmbarer Vorposten. Das Bauwerk bestand aus riesigen Felsblöcken, die so genau aufeinanderpassten, dass keine Messerklinge mehr dazwischenpasste. Hierzu wurden die Blöcke eigens ausgesucht und zurechtgeschliffen. Das Schleifen geschah ohne Eisenwerkzeug, denn Eisen kannten die Inka ebenso wenig wie Zement. Sie arbeiteten mit Ilancac allpa, einer feuchten Klebmischung, die keine Spuren hinterlässt. Sacsayhuamán ist das mächtigste Bauwerk in den Anden. Zusammen mit Coricancha, dem Sonnentempel, zeugt es von der Baukunst der Inka und von ihrem gesamten künstlerischen, kulturellen, religiösen und politischen Leben. Coricancha hatte mit Gold verkleidete Wände. Dies galt für das Hauptgebäude. Die Hauptwand bestand aus goldenen Doppelplatten und stellte den Sonnengott dar. Des Weiteren bestand Coricancha aus einem Komplex von Tempeln oder Kapellen um den Innenplatz herum. Einer dieser Tempel war dem Mond geweiht, der die oberste Gottheit der Chimú-Kultur war, bevor diese Kultur in der Inka-Kultur aufging. Die Chimú-lndianer, ein Küstenvolk, verehrten den Mond, dem das Meer in der Nacht seine Geheimnisse preisgibt. Die Wände des Mondtempels waren mit Silber verkleidet. An der Küste befanden sich die großen Tempelanlagen Puro Chuco und Caja Mejilla. Siehe auch präkolumbische Kunst und Architektur
Die Azteken konnten sich einer Adelsdynastie rühmen, die auf die ruhmreichen Tolteken zurückging. Beim Tod des Gewaltherrschers Tezozómoc, Chichimeken-König und Herrscher von Atzapotzalco, entstand Raum für politische Verschiebungen. Der Aztekenkönig Itzcoátl trat einem Dreierbündnis bei, an dem neben Tenochtitlán die Städte Tezcoco und Tlacopan beteiligt waren. Im Gegensatz zu Tezcoco, das durch seinen König Netzahualcoyótl zu Ruhm gelangt, war Tlacopan dabei nur ein schwacher Verbündeter. Itzcoátl war bis zu seinem Tod im Jahr 1440 König der Azteken. Nachfolger wurde sein Neffe Moctezuma I. Das Volk der Azteken fiel durch Überheblichkeit und aggressives Verhalten auf. Jetzt verfügte es obendrein mit Moctezuma I über einen großen General und mit Tlacaélel über einen intelligenten Ideologen. Von manchen wurde Tlacaélel als Begründer des Aztekenstaats angesehen. Für andere wiederum war er nur eine finstere Macht hinter der Dynastie, eine Macht, die Könige schuf und vergiftete: Er überlebte nämlich drei Könige. Als in den Jahren 1450 und 1451 Schnee und Regenfälle große Überschwemmungen und Nahrungsmangel verursachten, wurden den Göttern immer mehr Menschenopfer dargebracht. Anfänglich blieb das Ergebnis aus, aber schließlich „ließen sich die Götter erweichen”, und es kam Nahrung im Überfluss. Daraus zog man die Schlussfolgerung, dass für die Zukunft Vorbeugen besser als Heilen sei. Im Hintergrund der Menschenopfer stand der Glaube der Azteken, dass, als die Welt kurz vor ihrem Untergang stand, die Götter die Welt nur retten konnten, indem sie sich selbst opferten. Sie gaben ihr Herzblut, um die Sonne am Himmel zu halten und so die Menschheit zu retten. Das menschliche Blut kam also nach Auffassung der Azteken von der Sonne, und nur mit Menschenblut konnte die Sonne genährt werden. So war der Mensch in den natürlichen Kreislauf aufgenommen, und dabei stand das Totenopfer im Mittelpunkt. Ein großer Teil der in dem Katastrophenjahr geopferten Menschen waren Huaxteken. Diese Abkömmlinge der Maya, eine isolierte Gruppe, die zwar einige Maya-Merkmale, aber wesentlich mehr Unterschiede aufwies, galten als unbesiegbar. Die Huaxteken waren die Spartaner Mexikos. Fasten, auf dem Boden schlafen, bei rauen Witterungsverhältnissen unbekleidet umhergehen, Gewaltmärsche mit schwerem Gepäck – das alles war Teil der Ausbildung der jungen Krieger. Und wenn sie erwachsen waren, zogen sie mit bunten Tätowierungen in den Krieg, mit gefeilten und schwarz angemalten Zähnen. Sie trugen Holzrasseln auf ihren Helmen und Metallrasseln auf dem Rücken, so dass das Kriegsgeheul und -gerassel beim Angriff der Huaxteken dem Feind das Blut in den Adern gerinnen ließ. Im Jahr 1451, als viele Menschenopfer nötig waren, beschloss Moctezuma I., der Unbesiegbarkeit der Huaxteken ein Ende zu machen. Tatsächlich gelang es den Azteken, die Huaxteken zu umzingeln und zu besiegen. Daraufhin wurden alle Huaxteken-Tempel verbrannt, viele Frauen und Kinder getötet und alle Gefangenen in Tenochtitlán geopfert. Die drei Söhne Moctezumas – Axayacátl, Tizoc und Ahuizotl –, die nacheinander an die Macht kamen, erbten ein Reich, in dem immer Aufstände niederzuschlagen, neue Provinzen zu erobern und Garnisonen zu hinterlassen waren, um Rebellionen zu verhindern. Bereits 1486, in dem Jahr, als Moctezumas dritter Sohn die Herrschaft antrat, hatten sich die Huaxteken so weit erholt, dass sie sich erhoben – wenn auch vergeblich. Ahuizotl eroberte das Oaxaca-Tal und erreichte die Küste des Golfs von Mexiko und den Stillen Ozean. Ahuizotl war ein gnadenloser Herrscher, der hohe Tributzahlungen forderte und der zu Ehren des Gottes Huitzilopochtli 20 000 Menschenherzen opferte: In vier Reihen, die jeweils vier Kilometer lang waren, mussten sich die Opfer hinstellen und auf ihre Hinrichtung warten, während hohe Gäste aus verbündeten und unterworfenen Städten dabei zusahen. Am Ende dieser Herrschaft hatte sich das Azteken-Reich über beinahe ganz Mittel- und Südmexiko ausgebreitet. Die Stämme waren unterjocht, und die Verwaltung hielt alles unter Kontrolle. Die Hauptstadt der Azteken, Tenochtitlán, war inzwischen zu einer Weltstadt angewachsen, und das Tal von Mexiko war ein dicht bevölkertes Gebiet geworden. Mitten in der Stadt stand eine Doppelpyramide, die den Gottheiten Huitzilopochtli und Tlaloc geweiht war. Auch die königlichen Paläste befanden sich dort. Um das Zentrum herum lagen die Anwesen der Adligen oder Mächtigen, umgeben von den bescheidenen Häusern der Bürger. Die zahlreichen Kanäle hatten Seitenwände aus Stein. Neben den Kanälen verliefen Fußgängerstraßen. Der Transport von Menschen und Waren über das Wasser hatte in einer Welt, die weder Rad noch Pferd und noch nicht einmal Hundeschlitten kannte, große Vorteile. Das Dreierbündnis, mit dem der Aufstieg Tenochtitláns begonnen hatte, gehörte jetzt der Vergangenheit an. Tezcoco hatte nach dem Tod seines großen Königs Netzahualcoyótl die Vorherrschaft abgeben müssen. Netzahualcoyótl war eine bemerkenswerte Person. Während sich ein Indianerfürst im Allgemeinen durch seine Eroberungen auszeichnete, zeichnete sich Netzahualcoyótl durch seine Geistesgaben aus. Als Kind hatte er seinen Vater und seine Getreuen im Kampf sterben sehen. Er musste sich verstecken, um so die Dynastie zu retten. Jetzt hielt er gegenüber den kriegslüsternen Azteken die Macht seiner Stadt durch seine geistige Autorität hoch. Er war Dichter und Philosoph, Architekt und Konstrukteur von Aquädukten und entwarf botanische Gärten. Der Mensch und das Weltall, die Frage nach dem Verhältnis zwischen Ewigkeit und Augenblick waren Gegenstand seiner Gedanken. „Wir sind hier nur Gäste auf Zeit.” Aber später schrieb er: „Schließlich hat mein Herz begriffen: Ich höre ein Lied, ich sehe eine Blume. Fürwahr, sie werden nicht vergehen.” Als er starb, war er über 70 Jahre alt. Sein Sohn Nezahualtpitli trat in die Fußstapfen seines Vaters. Aber gerade deshalb konnte er nicht verhindern, dass das militärisch stärkere Tenochtitlán die Vorherrschaft errang. Die Azteken stellten Skulpturen aus Stein her, die sowohl realistisch als auch symbolisch sein konnten. Vögel, Federn und Schlangen nahmen einen wichtigen Platz ein. Quetzalcoatl, einst König, später Gott der Tolteken, kehrte auch hier als gefiederte Schlange wieder, in Stein gemeißelt.
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